Kernwaffen in Deutschland lagern seit dem Kalten Krieg in Sondermunitions- bzw. Sonderwaffenlagern. Ihr Einsatz war im Westen durch die Bundeswehr im Rahmen der nuklearen Teilhabe und anderer NATO-Streitkräfte im Verteidigungsfall und im Osten durch die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland vorgesehen.
Deutschland hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Historiker schätzen, dass allein die Vereinigten Staaten zeitweise mehr als 5000 Kernwaffen in der Bundesrepublik lagerten.USA lagerten heimlich Atomwaffen in Deutschland. Spiegel Online, 4. März 2012. Hinzu kamen Kernwaffen des Vereinigten Königreichs.
Die Bundeswehr stellt heute Trägerflugzeuge für amerikanische Kernwaffen, die im Verteidigungsfall durch deutsche Piloten zum Ziel geflogen werden. Derzeit ist dies das Kampfflugzeug Tornado des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 auf dem Fliegerhorst Büchel für die B61-Wasserstoffbombe, in der Vergangenheit auch Raketen und Haubitzen von Luftwaffe und Artillerie.
Die Vereinigung der Amerikanischen Wissenschaftler (FAS) äußerte in ihrem jährlichen Bericht zum Stand der Atomaren Bewaffnung der US-Streitkräfte von 2025 die Vermutung, dass ungefähr 100 Kernwaffen B61 der Typen 3 und 4 auf sechs Standorten von NATO-Partnern stationiert sind. Es wird davon ausgegangen, dass davon ungefähr zwanzig Kernwaffen am Standort Büchel deponiert sind.
Bundesrepublik bis 1990 Die Bundesrepublik hatte sich 1955 im Protokoll Nr. III über die Rüstungskontrolle als Teil der Pariser Verträge verpflichtet, keine Atomwaffen auf ihrem Gebiet herzustellen (). Diese Verpflichtung hatte Konrad Adenauer bereits 1954 in der Schlussakte der Londoner Neunmächtekonferenz abgegeben.The Avalon Project. Annex I
In der historischen Forschung ist umstritten, wie ernst es der Bundesrepublik Deutschland unter Kanzler Adenauer mit dem dauerhaften Verzicht auf eigene Kernwaffen war. Neuere Publikationen kommen zu dem Schluss, dass Adenauer grundsätzlich offen für eine eigene deutsche Nuklearbewaffnung war, insbesondere für den Fall, dass sich die USA militärisch aus Europa zurückzögen.Geppert, Dominik and Löttel, Holger. "Adenauer und die Kernwaffen. Neue Antworten auf alte Probleme" Historische Zeitschrift, vol. 320, no. 2, 2025, pp. 346–385. https://doi.org/10.1515/hzhz-2025-0009
1957 führte die Bundesrepublik Gespräche mit Frankreich und Italien über die gemeinsame Entwicklung von Kernwaffen.Deutsche Aufrüstung: Als die Atombomben-Träume platzten. Spiegel Online, 5. August 2011.
Von den Vereinigten Staaten wurden erstmals im Jahr 1953 Geschütze (sogenannte Atomic Annie) mit atomaren Artilleriegeschossen bei der 42nd Field Artillery Group der 7. US-Armee in Westdeutschland stationiert.Atom-Annie. In: atomwaffen a-z. Als die Öffentlichkeit durch ein Interview mit Bundeskanzler Adenauer am 5. April 1957 von der nuklearen Aufrüstung erfuhr, kam es zum Göttinger Appell.Hans Karl Rupp: Außerparlamentarische Opposition in der Ära Adenauer: Der Kampf gegen die Atombewaffnung in den fünfziger Jahren. 1. Auflage. Pahl-Rugenstein-Verlag, Köln 1970. (3. Auflage. Köln 1984, ISBN 3-7609-0904-3) Im Zeitraum bis August 1958 protestierte die Initiative Kampf dem Atomtod gegen Atomwaffen. Am 25. März 1958 billigte der Deutsche Bundestag jedoch mit der Stimmenmehrheit der CDU/CSU-Fraktion die Stationierung. 1960 lagerten 1500 amerikanische Atomsprengköpfe in der Bundesrepublik und weitere 1500 im übrigen Westeuropa.
Zum stationierten Arsenal in Deutschland zählten nukleare Fliegerbomben, Gefechtsköpfe für Raketen, sowie Artilleriegeschosse und Minen. Anfangs, etwa ab 1957, setzte man auf den Marschflugkörper Matador. Zu den Typen der Kurzstreckenraketen zählten Honest John im Zeitraum 1965 und 1977 und Sergeant bis 1982, die von der ballistischen Lance etwa ab 1975 abgelöst wurden. Die Luftverteidigung unterstützten nuklear bestückte Nike Hercules. Auch für die Haubitzen M109 und M110 standen verschieden starke Nuklearsprengköpfe zur Verfügung. Die Atomminen waren tragbar und waren zum Beispiel für die Zerstörung von Autobahnbrücken, Häfen und Güterbahnhöfen gedacht.Per Hinrichs: Vergessene Orte: Atombombe im Gully. In: Der Spiegel, 2/2008, zitiert in einestages.
Die Kernwaffen standen auch der Bundeswehr für die Ausbildung und Anwendung im Kriegsfall („Verteidigungsfall“) zur Verfügung.Gerade nochmal gut gegangen. Deutschland und die Atomwaffen. In: TERZ, 9. Januar 2008. (online) Der Abwurf atomarer Bomben wurde auf den Luft-Boden-Schießplätzen Nordhorn- und Siegenburg Range trainiert.Otfried Nassauer: US-Atomwaffen in Deutschland und Europa. Juli 2008 (online)
Die Zurverfügungstellung oblag der SASCOM, die 1960 gebildet wurde, und der AWSCOM, gebildet 1959. Die AWSCOM bestand aus der 71st Ordnance Group, die im März 1962 zur 59th Ordnance Group (Ammunition) umbenannt wurde und die Aufgaben ganz ab 1972 übernahm. Ab 1969 war die 567th Engineer Company (ADM) für das sogenannte Zebra-Paket zuständig. 1977 wurde die 59th Ordnance Group in „59th Ordnance Brigade“ umbenannt.59th Ordnance Brigade. (online)
Im Rahmen der nuklearen Teilhabe wurde jedem Korps des Heeres der Bundeswehr ebenso wie den verbündeten europäischen Streitkräften zur Unterstützung eine US-Artillerie-Gruppe (USAAG) zugeordnet:Corpsartillery in the German Army 1957–1994. (PDF; 0,2 MB) auf: bw-duelmen.de Für das I. Korps mit Sitz in Münster und das Niederländische I. Korps mit Sitz in Apeldoorn die 552nd U.S. Army Artillery Group, Mühlenberg-Kaserne, Sögel Für das II. Korps mit Sitz in Ulm die 512th U.S. Army Artillery Group, Hauptquartier Prinz-Eugen-Kaserne, Günzburg. Für das III. Korps in Koblenz die 557th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier Aartal-Kaserne Herbornseelbach.Warum in Herbornseelbach amerikanische Soldaten stationiert waren? auf: traditionsverband-aartalkaserne-herbornseelbach.de Für die 6. Panzergrenadierdivision mit Sitz in Neumünster die 294th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier Briesen-Kaserne in Flensburg, Für das I. Britische Korps mit Sitz in Bielefeld und das I. Belgische Korps mit Sitz in Köln-Weiden die 570th U.S. Artillery Group mit Hauptquartier in Simpson Barracks in Münster, Für die in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Nike-Flugabwehrraketen der Bundeswehr, der Belgischen Streitkräfte und der Niederländischen Streitkräfte die 5th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier in der belgischen Caserne Cortemarck in Büren, Für den NATO-Stab NORTHAG bestand die 514th U.S. Army Artillery Group im Joint Headquarters Rheindahlen in Mönchengladbach, Für den NATO-Stab CENTAG bestand die 548th U.S. Army Artillery Group in den Campbell Barracks in Heidelberg, Für die Italienischen Streitkräfte bestand die 559th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier in Caserma Ederle in Vicenza, Für die Griechischen Streitkräfte bestand die 558th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier in Elefsis, Für die Türkischen Streitkräfte bestand die 528th U.S. Army Artillery Group mit Hauptquartier im Cakmakli Headquarters Complex bei Istanbul. Die deutsche Bundesregierung drängte von 1958 an bei den Alliierten auf die Genehmigung, nuklearenergiegetriebene U-Boote einsetzen zu dürfen. Die Ambitionen wurden unter anderem von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und Außenminister Heinrich von Brentano vertreten. Im erweiterten Brüsseler Vertrag vom 17. März 1948, dem die Bundesrepublik Deutschland 1954 beigetreten war, waren die Herstellungsverzichte festgehalten. Das Anliegen blieb verwehrt. Es blieb bei der 1962 in Auftrag gegebenen nuklearenergiegetriebenen „Otto Hahn“ für Testzwecke unter dem Kommando des ehemaligen U-Boot-Kapitäns Heinrich Lehmann-Willenbrock.
Zwischen 1967 und Oktober 1983 wuchs die deutsche und europäische Friedensbewegung an, was in vielen Kundgebungen Ausdruck fand. Der Stationierung der Pershing II und Marschflugkörpern (BGM-109 Tomahawk) wurde jedoch am 22. November 1983 vom Deutschen Bundestag mit 286 zu 255 Stimmen zugestimmt. Sie wurde wenige Tage später umgesetzt. Stationiert wurden 108 Pershings; die Bundesregierung verlangte zwischen 1981 und 1984 eine Zusage der Vereinigten Staaten, dass es bei dieser Grenze bleibe.Reagan wollte Zahl der US-Atomraketen in Deutschland fast verdoppeln. Spiegel Online, 4. Januar 2015.
Bereits am 16. November 1983 hatten die Grünen sich an das Bundesverfassungsgericht gewandt, um in einem Organstreitverfahren gegen die Bundesregierung Lagerung und Einsatz von Atomraketen auf dem Gebiet der Bundesrepublik zu verhindern. Der zulässige Antrag wurde im Dezember 1984 als unbegründet zurückgewiesen (BVerfG, 2 BvE 13/83 – Urteil vom 18. Dezember 1984).Urteil des Zweiten Senats vom 18. Dezember 1984 aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 17. Juli 1984, AZ 2 BvE 13/83 (online)
Michail Gorbatschow und Ronald Reagan unterzeichneten am 8. Dezember 1987 beim Gipfeltreffen in Washington den INF-Vertrag zum Abbau aller amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen binnen drei Jahren in Europa.
Standorte Während des Höhepunkts der atomaren Aufrüstung Mitte der 1980er Jahre lagerten 7300 US-Atomwaffen in Europa.Otfried Nassauer: 50 Jahre Nuklearwaffen in Deutschland. 2005 (online) Dazu kamen weitere Atomsprengköpfe aus Großbritannien und Frankreich. Sie waren in mehr als 130 speziellen Depots in Westdeutschland untergebracht.
Die Lager für die Sprengköpfe wurden als Sondermunitionslager bezeichnet. Raketenbasen dienten der Stationierung und der Stützpunkte von mobilen Raketenabschussrampen.
Kernwaffen wurden unter anderem an folgenden Standorten in Westdeutschland gelagert (Auswahl):
Baden-Württemberg Bezeichnung Landkreis von bis Waffen Artilleriekaserne Neckarsulm (46th Artillery Group) Landkreis Heilbronn 1959 Redstone (mobile Abschussbasen), ab 1964 Pershing Nike-Feuerstellung Kleingartach Landkreis Heilbronn 1959 1977 Nike Hercules, später Pershing IAFlughafen Lahr Ortenaukreis 1961 1966 F-100D in der nuklearen „Strike“-Rolle Sondermunitionslager Siegelsbach Landkreis Heilbronn ? 1992 Nuklearsprengköpfe für Honest John, später Pershing II, Atomgeschosse für Panzerhaubitzen Eines der zehn Hauptlager von Atomwaffen in Deutschland Sondermunitionslager Golf Landkreis Reutlingen 1965 1991 Nukleargefechtsköpfe W52, später W70 Fort Black Jack Landkreis Sigmaringen 1969 1983 Pershing IA Munitionslager Mottschieß Landkreis Sigmaringen 1969 ? Waldheide Heilbronn 1977 1990 Pershing IA, später Pershing II Mutlanger Heide Ostalbkreis 1983 1990 Pershing IIWilhelm Bittorf: Die Habichte sind im Nest. In: Der Spiegel. 30. Juli 1984. Nike-Feuerstellung DallauDallau, ehem. Atomwaffenstandort. In: atomwaffen a-z.
Bayern
Bezeichnung Landkreis von bis Waffen Lehmgrube Landkreis Neu-Ulm 1969 ? Pershing IA, später Pershing II Sondermunitionslager Hemauweb.archive.org Sondermunitionslager Hemau Landkreis Regensburg Bereitschaftsstellung Görisried-Ochsenhof Landkreis Ostallgäu 1976 1986 Flughafen Memmingen Memmingen 55× Nukleare Fliegerbomben Typ B61 (4× in QRA-Bereitschaft) Sondermunitionslager Landsberg-Leeder Landkreis Landsberg am Lech Fliegerhorst Lechfeld Landkreis Augsburg Pershing Sondermunitionslager Riedheim Landkreis Günzburg Nuklearsprengköpfe für Kurzstreckenrakete Honest John, Atomgeschosse für Panzerhaubitzen Eines der zehn Hauptlager von Atomwaffen in Deutschland
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