Stainz (Dialekt Stanz) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk und Gerichtsbezirk Deutschlandsberg in der Steiermark (Österreich).
Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist sie seit 2015 mit den Gemeinden Stallhof, Stainztal, Rassach, Marhof und Georgsberg zusammengeschlossen,Steiermärkische Gemeindestrukturreform. die neue Gemeinde führt den Namen Stainz weiter. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 2 Z 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014, , S. 2.
Geografie Stainz liegt an den Ausläufern der Koralpe in der Weststeiermark. Wichtigster Fluss der Gemeinde ist der Stainzbach. Die ehemalige Gemeinde Rassach wird vom Saubach durchflossen, eine wichtige Erhebung ist der Frauenkogel mit 404 Metern. Die wichtigsten Bäche in der ehemaligen Gemeinde Marhof sind der Theussenbach, der Sierlingbach und der Rainbach, die alle in den größten Bach des Gebietes, den Stainzbach münden. Wichtige Erhebungen sind der Rosenkogel (), Mothiltor () und der im Grenzgebiet zu Kloster und Edelschrott liegende Reinischkogel (). Die Gesteine, auf denen Marhof liegt, gehören zum Koralmkristallin und sind wissenschaftlich eingehend untersucht.Peter Beck-Mannagetta: Zur Tektonik des Stainzer- und Gamser-Plattengneises in der Koralpe (Steiermark). In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. 90. Jahrgang, Wien 1945, S. 151–180 (PDF).
Namen Der Ortsname wird, z. B. in Busfahrplänen, auch als Stainz in der Weststeiermark genannt. Das dient zur Unterscheidung vom Ort Stainz bei Straden im Bezirk Südoststeiermark. Vor 1919 diente der Zusatz auch zur Unterscheidung von Orten am Fluss Stainz (Ščavnica), z. B. Stanz, Stainzthal oder St. Georgen an der Stainz (Sveti Jurij ob Ščavnici) im damaligen Gerichtsbezirk Oberradkersburg in der Untersteiermark.
Der Ort Stainz liegt am gleichnamigen Fluss, dem Stainzbach, er wird 1160 als circa rivum stauwencz erwähnt. Der Name wird von einem auffallend (sauer oder salzig) schmeckenden Quellwasser (Sauerbrunn) abgeleitet und auf das slowenische Wort ščava zurückgeführt. Als Beleg dafür wird angeführt, dass sich Stainz und andere Orte dieses Namens in der Steiermark in der Nähe von Orten und Gewässern befinden, deren Namen (wie Sulz…) auf solche Gewässer hindeuten bzw. die auch später als Mineralwässer bekannt wurden (z. B. Bad Sauerbrunn bei Marhof westlich von Stainz).Fritz Lochner von Hüttenbach: Steirische Ortsnamen. Zur Herkunft und Deutung von Siedlungs-, Berg-, Gewässer- und Flurbezeichnungen. In der Reihe: Grazer Vergleichende Arbeiten. Band 21. Verlag Leykam, Graz 2008, ISBN 978-3-7011-0116-0, , S. 42.
Die Namen Stainz und Sauerbrunn werden in diesem Zusammenhang als ein slawisch-deutscher Doppelname betrachtet.Fritz Lochner von Hüttenbach: Steirische Ortsnamen. S. 42, 49, 78.
Namen von Ortsteilen auf …neurath werden als Rodungsnamen betrachtet, die auf eine neu gerodete Fläche hinweisen, zum Namen der Ortschaft Neurath ist auch publiziert, dass es sich um einen Hinweis auf eine neue Straße handeln könnte (siehe dazu im Abschnitt Geschichte). Der Name Pösneurath bei Pichling wurde 1494 als Poesnewrat erwähnt, was als „Rodung, die nur geringen Wert besitzt“ gedeutet wird (mhd. boese „schlecht, gering, wertlos“).Fritz Lochner von Hüttenbach: Die Rodungsnamen der Steiermark. In: Michaela Ofitsch, Christian Zinko: 125 Jahre Indogermanistik in Graz. Festband anläßlich des 125-jährigen Bestehens der Forschungseinrichtung „Indogermanistik“ an der Karl-Franzens-Universität Graz. Verlag Leykam, Graz 2000, ISBN 3-7011-0026-8, S. 249.
Der Ortsname Tomberg im Süden von Stainz wurde 1432 als Tanperg geschrieben und wird damit von Tannen abgeleitet (ein mit Tannenbäumen bewachsener Berg).Fritz Lochner von Hüttenbach: Steirische Ortsnamen. S. 153. Andere Schreibweisen, welche diese Deutung belegen, sind 1373 Tamperch, 1465 am Tan bei Stainz, 1475 Tonberg, 1753 Tamberger hart.Bezirkstopographie: Helmut-Theobald Müller (Hrsg.), Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg, Graz/Deutschlandsberg 2005, ISBN 3-901938-15-X. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch†. Zweiter Teilband Bezirkslexikon. S. 348.
Der Ortsname Kothvogel wird von der alten Bezeichnung für eine kleine, geringwertige Hütte (Kote, Kate)Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 11 K-Kyrie. KOT, KOTE. Nachdruck der Erstausgabe 1873, dtv München 1984, ISBN 3-423-05945-1. Spalten 1882–1884. abgeleitet sowie vom keltischen Wort für Feuer, facula.Karl Dudek: Das älteste Siedlungsgebiet von Stainz, der Engelweingarten und der Lethkogel. (am Schluss dieses Textes) (abgerufen am 23. Mai 2023). Es könnte auch eine Ableitung vom Wort Vogt und ein Bezug zum Wort FackelJacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 3 E-Forsche. FACKEL, von facula. Nachdruck der Erstausgabe 1862, dtv München 1984, ISBN 3-423-05945-1, Spalte 1227. vorliegen, was alles im Ergebnis auf den Unterstand eines Wächters einer (Feuer-)Stelle (in der Köhlerei bzw. als Flurwächter oder Wächter bei einem Kreidfeuer) deutet.
Gemeindegliederung
Katastralgemeinde Die Gemeinde besteht aus 21 Katastralgemeinden: (Fläche Stand ):
Ortschaften Die 24 Ortschaften und weitere Ortsteile in der Gemeinde sind: (Bevölkerung Stand ):
Eingemeindungen Am 1. Jänner 1953 wurde die Gemeinde Neurath eingemeindet.Kundmachung vom 19. Dezember 1952, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 31. Dezember 1952, 18. Stück, Nr. 68, S. 88.
Mit 1. Jänner 1965 folgte die Gemeinde Kothvogel,Verordnung vom 21. Dezember 1964, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 31. Dezember 1964, 33. Stück, Nr. 368, S. 213. am 1. Jänner 1968 auch die Gemeinde Gamsgebirg und Teile der Gemeinde Wald in Weststeiermark (soweit sie nicht nach Marhof und Greisdorf eingemeindet wurden).Gesetz vom 18. Dezember 1967 über Gebietsänderungen von Gemeinden, Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 29. Dezember 1967, 26. Stück, Nr. 138, S. 188.
Nachbargemeinden
Stainz grenzt nicht an die Gemeinde Frauental, weil die Katastralgemeinden Tanzelsdorf (gehört zu Groß St. Florian) und Gersdorf (gehört zu Deutschlandsberg, früher Gams) im Süden von Stainz (KG Rassach) am Lauf des Vochera-Baches etwa 60 m aneinander grenzen und damit Stainz von Frauental (KG Schamberg) trennen.
Geschichte Steinzeit und Kupferzeit An der Geländekuppe beim Engelweingarten am Lethkogel westlich von Stainz befindet sich eine Felswand mit einem kleinen nach Süden ausgerichteten Überhang, der weit reichende Aussicht über die Weststeiermark bietet . Sein Vorplatz ist mit einer Futtermauer gestützt. Die Stelle wird als Abri, als alter Siedlungsplatz betrachtet, dessen Nutzung bis in die Steinzeit zurück vermutet wird.Karl Dudek: Das älteste Siedlungsgebiet von Stainz, der Engelweingarten und der Lethkogel. (abgerufen am 23. Mai 2023). Das Gebiet der Geländekuppe wird aus der Sicht des Denkmalschutzes mit der Bezeichnung Sitz Pöllan als Fundstelle ausgewiesen, als Fundart sind Höhensiedlung; Edelsitz, Turm, Graben? genannt, als Datierung Jungneolithikum; Mittelalter.Digitaler Atlas, Geografisches Informationssystem GIS Steiermark, Gesellschaft-Bildung-Kultur, Kunst und Kultur, Denkmalschutz - BDA. (abgerufen am 23. Mai 2023).
Archäologische Grabungen am Lethkogel bei der Stainzer Warte belegen die Verarbeitung von Kupfer in Schmelzöfen von der Kupferzeit bis in die späte Eisenzeit (La-Tène-Zeit).Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 44, Jahrgang 2005, Wien 2006; Band 45, Jahrgang 2006, Wien 2007, S. 672 und Band 46, Jahrgang 2007, Wien 2008.
Mittelalter Stainz wurde 1177 als Stawiz erstmals urkundlich genannt und erhielt 1218 das Marktrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit. 1229 gründete Leuthold von Wildon das Augustiner-Chorherrenstift. Eine Sage erzählt, dass Leuthold an dieser Stelle auf der Jagd versehentlich ein Kind getötet hat.
Am Lethkogel soll sich am Ort der heutigen Aussichtswarte noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts Reste des Wehrturmes befunden haben, der „Polan“, auch „Pollan“ oder „Pöllibergschloss“ genannt wurde. Diese Anlage war der Sitz eines Dienstmannengeschlechts der Herren von Wildon, ihre Erbauung wird für das Ende des 12. Jahrhunderts angenommen.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 80. Nach neueren Forschungen befand sich dieser Wehrturm nicht an der höchsten Stelle des Lethkogels bei der Warte, sondern auf einer Kuppe beim Engelweingarten , das wird aus entsprechendem Fundmaterial abgeleitet.Andreas Bernhard: Zgodnjesrednjeveška višinska naselbina na Pöllibergu pri Stainzu na zahodnem Štajerskem – Eine frühmittelalterliche Höhensiedlung am Pölliberg bei Stainz in der Weststeiermark. In: Mitja Guštin: Zgodnji slovani – Die frühen Slawen. Zgodnjesrednjeveška lončenia na obrobju vzhodnih Alp – frühmittelalterliche Keramik am Rand der Ostalpen. Narodni Muzej Slovenije, Ljubljana 2002, ISBN 961-6169-22-X, S. 163. Zu den Gebäuden in der Nähe, die mit diesem Turm in Verbindung standen, wird der Bauernhof „Ganster“ (Pölliganster) gezählt, dessen Kellermauer 1,8 m dick ist und nur eine Öffnung, eine Schießscharte, aufweist. In einer Urkunde vom 17. April 1247 wird ein Rudolf de Polan als Zeuge genannt.Joseph von Zahn: Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark. Band III, 1246–1260, Nr. 11. Verlag des Historischen Vereines für Steiermark. Graz 1903, S. 66 (archive.org).
Im Westen von Stainz im Ort Neurath liegt eine Altburgstelle am östlichen Hang im Tal des Neurathbaches am Wanderweg (Jägersteig) von Stainz auf den Lethkogel . In ihr sind auf ca. 500 × 50 m eine Reihe von Resten einer Wehranlage erhalten. Mehrere kegelförmige Erhebungen, die als Turmhügelreste interpretiert werden, die Reste einer Mühle (mit einer eingemauerten Türangel), andere Mauerreste, Balkenauflagen in einer Felswand und Gräben sind zu sehen. Durch einen Steinbruch wurden Teile des Geländes stark verändert. Auch dieser Standort wird für die Lage der Befestigung Pöllan zur Diskussion gestellt. In diesem Zusammenhang wird angenommen, dass der Ortsname Neurath nicht von neuer Rodung abzuleiten ist, sondern mit der Einrichtung einer neuen Straße (vgl. engl. road, frz. rue) verbunden ist, welche von der Burgstelle aus kontrolliert wurde.Karl Dudek: Die Altburgstelle Neurath. In: Zeitfenster: unsere Heimat neu entdeckt! Hrsg. vom historischen Verein Viana Styria, Deutschlandsberg. Ausgabe 1, Jahrgang 2023, , S. 24–27 (mit Bildern). Das Gebiet der Altburgstelle wird aus der Sicht des Denkmalschutzes mit der Bezeichnung Turmhügel Neurath als Fundstelle ausgewiesen, als Fundart sind Edelsitz?, Wehrbau?, Befestigung genannt, als Datierung Mittelalter.
Ebenfalls in Neurath hat sich im Bauernhof vulgo „Pletteri“ (Pletterer) der Rest eines wehrhaften Ansitzes erhalten. Dieses Gebäude wird als Wohnsitz des in einer Urkunde vom 18. Februar 1245 als Zeuge genanntenJoseph von Zahn: Urkundenbuch des Herzogthums Steiermark. Band II, 1192–1246, Nr. 448. Verlag der Historischen Landeskommission für Steiermark. Graz 1879, S. 561 (onb.ac.at). Rudlinus de Nivriut betrachtet.Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Teil III. Graz, Leibnitz, West-Steiermark. 2. Auflage Wien 1981 (1. Auflage 1967). S. 124.Rupert Pittner: Die Edelhöfe rings um Gams. In: Blätter zur Heimatkunde der Steiermark BHKSt. Band 9, Jahrgang 1931. S. 21–22. In seiner Nähe an der Max-Gschiel-Straße befindet sich die denkmalgeschützte Pletteri-Kapelle.