Die Liste literarischer Fachtermini zur japanischen Literatur beinhaltet insbesondere Begriffe, die nicht als eigenständiges Lemma aufgeführt sind. Sie dient als Konkordanz zu Fachbegriffen der deutschen Literaturwissenschaft. Als Bestandteil der hier weit gefassten Gattung „Drama“ sind auch Fachbegriffe der traditionellen japanischen Schaukünste bzw. der klassischen Theaterformen aufgeführt.
Alphabetische Liste der Fachbegriffe
A Ageku () letzte Zeile eines Renga. Ato-shite () Bezeichnet den zweiten Auftritt eines Darstellers im Nō-Theater, häufig als Geist. Aware () ursprünglich eine Interjektion wie oh! ah!. Seit der Heian-Zeit bezeichnet Aware als kunsttheoretischer Begriff Gefühl, Eleganz und Pathos in der Literatur. Azuma uta () Gedichtform, insbesondere im Man’yōshū und Kokin-wakashū zu finden.
B Banka () bezeichnet Elegien, Trauergedichte des Man’yōshū. Benbun () auch Benreitai (), alter chinesischer Gedichtsstil mit alternierenden Zeilen aus vier und sechs Moren. Biwa () Traditionelles japanisches Saiteninstrument. Bōtō (冒頭) Besonders sorgfältig formulierter Einleitungssatz eines literarischen Werkes. Bundan () literarischer Zirkel, im Unterschied zur literarischen Gruppe (siehe auch -ha). Bungaku (), Kyūjitai () ursprünglich die Bezeichnung für Gelehrsamkeit und insbesondere für die Kenntnis der chinesischen Dichtung oder der japanischen Dichtung nach chinesischem Vorbild. Seit der Meiji-Restauration Bedeutungswandel hin zur allgemeinen Bezeichnung für Literatur. Bunraku () bezeichnet das japanische Puppentheater, das sich aus der Jōruri-Rezitation, der Shamisen-Begleitung und dem eigentlichen Puppenspiel zusammensetzt. Bunruitai Begriff der japanischen Lexikographie, bezeichnet Wörterbücher, die nach Zeichen geordnet sind (siehe auch: onbiki, jikeibiki). Bussokuseki-ka () wörtlich Buddhafußspurgedichte, bezeichnet 21 anonyme Gedichte, die im Yakushi-Kloster in Nara in eine Stele graviert wurden und größtenteils die auf dem Grundstein abgebildeten Fußspuren Buddhas rühmen.
C Chika renga () Untergrund Renga, bezeichnet im Unterschied zur aristokratischen Dichtung die volkstümliche Renga Dichtung, insbesondere um Guzai. Chōka () Langgedicht mit Zeilen, deren Länge zwischen fünf und sieben Moren alterniert. Chosha () allgemeiner Begriff für Autor, im Unterschied zu Schriftsteller (siehe: Sakka) oder Poet (siehe: Kajin).
D Daisan () Bezeichnung für die dritte Strophe eines Renga (siehe auch Waki). Daruma uta () wörtlich Unsinnspoesie, pejorative Bezeichnung für Zen-Poesie besonders des 12. und 13. Jhd. Dengaku () Artistisch, tänzerische Darbietung, die im 17. Jahrhundert ausstarb und als Wegbereiter des Nō gilt. Denki () Biografie Densetsu () japanische Sagen Dō siehe Michi Dōchaku gohō () Oxymoron. Dōka () moralisches Lehrgedicht, im Unterschied zum literarischen Gedicht dient das Lehrgedicht der buddhistischen Unterweisung oder dem Erreichen des Satori (der Erleuchtung) im Zen. Dōwa () Sammelname für japanische Märchen
E Ebaisho () kleines Genre bebilderter Haikai Anthologien, das in der Edo-Zeit seine Blüte hatte. Ehon () Bild-Buch, bezeichnet illustrierte Bücher, in denen das Bild Vorrang vor dem Text besitzt und die im Holzdruck hergestellt wurden. Eiribon () Vorläufer des Ehon, in dem die Illustration noch nicht den Text dominiert. Emakimono () Bildrollen, Rollen mit bebilderten Erzählungen aus der Heian-, Muromachi- und Kamakura-Zeit. Engo () werden sinnverwandte Assoziationswörter bezeichnet, die nach feststehenden Konventionen in einem Gedicht kombiniert werden und die aufeinander Bezug nehmen.
F Fūga () kunsttheoretischer Begriff der Poesie, „Der Mensch als Mitwesen aller Wesen des Alls, an dessen Wandel er teilnimmt, kann nur durch Versenkung und rechtes Erfassen des Seins aller Dinge die Wahrheit (makoto) und damit Fūga erreichen“.
G Gagaku () Form der Musik und des Tanzes, der zur Zeit der Tang-Dynastie am japanischen Kaiserhof beliebt war. Gensei rieki () Gewinn und Glück, ein Konzept des japanischen Buddhismus, in dem Gebete etc. mit Vorteilen im Alltagsleben gekoppelt werden. Geinō () Künste, i.S. von traditionellen Schaukünsten (wie etwa Nō) und im Unterschied zu geijutsu () – Kunst als akademischer und theoretischer Begriff. Giri to ninjō () bezeichnet den Konflikt zwischen sozialer Verpflichtung (giri) und dem Gefühl (ninjō), der meist zu einem Doppelselbstmord führt. Häufig Thema der Sewamono. Goro awase () Kalauer, Wortdrehung. Gozan-ban () bezeichnet Bücher, die besonders während der Kamakura- und Muromachi-Zeit im Tempelkomplex Gozan in Kambun gedruckt wurden. Guwa () Fabel.
H -ha () bedeutet Gruppe oder auch Schule und wird als Suffix verwendet, um literarische Gruppen und Schriftstellervereinigungen zu bezeichnen. Haibun () Mischung aus Haiku und Prosa. Haiga () häufig Einzelblattdrucke, in denen ein Haiku (hai) mit einer Illustration (ga) kombiniert wurde. Haikai () Posse, Schabernack, fortgesetzt als Haikai no renga, ab dem 16. Jhd. humoristisches Gegenstück zum Renga. Haikai renga () humorvolle Variante des Renga. Haiku () Hairon () schriftliche Arbeiten zur Theorie und Kritik von Haikus. Hanamichi () Blumenweg, Steg zur Bühne. Im Kabuki i. R. links vom Zuschauer aus (siehe auch: Kari-Hanamichi). Hanja () Richter, der den Wettstreit im Uta-awase entschied. Hanka () Wiederholungsgedicht, Schlussteil eines Chōka, auch kaeshiuta genannt (dem Envoi ähnlich). Hayakuchi kotoba () Zungenbrecher Hayashi kotoba () Refrain mit unsinnigen Silben, dient dazu den Rhythmus zu halten Heikyoku () Balladen Anthologie um den Aufstieg und Fall des Taira-Klans. Hikigeki () Tragikomödie Hinamiki () Journale. Hiyuka () allegorische Gedichte. Hokku () Anfangsteil (Oberstrophe) eines Renga, Grundlage für die Entwicklung des Haiku. Honkadori () Aufgreifen des Urgedichts, bezeichnet ein Waka, das auf Waka vergangener Zeiten basiert. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit dem Shinkokin-wakashū verwendet. Hyakka Jiten () Enzyklopädie Hyōgo moji () Logogramm, Kanji Schriftzeichen zur Darstellung der Semantik (Ideogramm) wie des Lautwertes (Phonogramm). Hyōi moji () Ideogramm, Schriftzeichen zur Darstellung der Semantik (Bedeutung). Hyōon moji () Lautzeichen (Phonogramm), Schriftzeichen zur Darstellung des Lautwertes.
I Ikkugire () auch Shokugire () Zäsur nach der ersten Zeile eines (Tanka) Gedichts. Imayō () ist ein literarisches Genre in Liedform. Imbun ()Reim Inritsu () Metrum Ishiki no nagare () Bewusstseinsstrom (Stream of consciousness)
J Jiamari () Hypermeter, bezogen auf ein aus Moren statt Silben bestehendes Versmaß. Jidaimono () bezeichnet historische Jōruri und Kabuki-Dramen, die in der Regel ihre Stoffe dem historischen Geschehen entlehnten oder daran anlehnten. Jiden () Autobiografie Jiguchi () Wortspiel. Jikeibiki () Begriff der japanischen Lexikographie, bezeichnet Wörterbücher, die nach Zeichen geordnet sind (siehe auch: onbiki, bunruitai). Jisei no ku () Sterbegedicht Jiyūshi () freier Vers Jojishi () erzählende Dichtung, Epos Jokotoba () bezeichnet Einleitungsworte zu einem Tanka-Gedicht. Jōruri () Begleitgesang zum japanischen Puppentheater.
K Kaeri-ten () Inversionsmarkierung, bezeichnet Lesemarkierungen in alten Texten, die ausschließlich oder vornehmlich mit chinesischen Schriftzeichen geschrieben wurden. Kagebōshi () Schattenspiel, (auch Name eines ebaisho). Kago () Spezifische Wörter in Gedichten, die nicht in der gesprochenen Sprache verwendet werden. Kagura () auch kamiasobi, Gottesmusik, bezeichnet eine alte Form des musikbegleiteten, shintoistischen Ritualtanzes, der seit 1002 zur Verehrung der Götter am Hofe aufgeführt. Kaibun () Palindrom Kaisho () Regelschrift, einer der fünf Hauptkategorien chinesischer Kalligrafie. Kajin (), auch Shijin () allgemeiner Begriff für Dichter oder Poet, im Unterschied zu Schriftsteller (siehe: Sakka) oder Autor (siehe: Chosha). Kakekotoba () eine Form des poetischen Wortspiels, in dem ein Schriftzeichen je nach der Art der Lesung unterschiedliche Bedeutungen und syntaktische Funktionen annehmen kann (siehe: Paronomasie). Kakemono () eine Schriftrolle mit Kalligrafie, die zur Zierde in der Tokonoma aufgehängt wird. Kakioroshi () Fachbegriff für veröffentlichte Bücher, die zuvor nicht, wie in Japan üblich, als Serie in Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlicht wurden. Im Falle von Manga und Illustrationen schreibt man, bei gleicher Lesung: . Kakugen () Aphorismus Kambun () bezeichnet in chinesischen Schriftzeichen verfasste Literatur in Japan Kami no ku () bezeichnet die Oberstrophe, auch Oberstollen oder Aufgesang, eines Tanka. Kana-zōshi () vorwiegend in Silbenschrift (Kana) abgefasste Unterhaltungsliteratur der Tokugawa-Zeit. Gelten als Vorläufer der bürgerlichen Unterhaltungsliteratur (Ukiyozōshi). Kanimoji (, auch ) waagerecht geschriebener Text (siehe auch Tategaki). Kanji kana majiribun () ein Text, der aus einer Kombination von Kana und Kanji besteht. Kansan chinesische Hymnen (siehe auch Wasan). Kanshi () chinesisches Gedicht. Kan’yōku () idiomatische Redewendung Kan’yu () Metonymie. Kanzen chōaku () ethischer Maßstab nach chinesischem Vorbild: Herausstellung des Guten, Verurteilung des Bösen. Kari-Hanamichi () unechter Blumenweg, Steg zur Bühne, parallel zum Hanamichi. Im Kabuki rechts vom Zuschauer aus. Karon(sho) () eine Abhandlung über die Poesie (der Waka). Bezeichnung für poetologische Schriften. Karukuchi () Witz Kasen () bezeichnet ein Renga, das aus 36 Strophen besteht. bezeichnet zudem einen „Dichterfürsten“, „Unsterbliche der Dichtkunst“, „Dichter-Genien“ oder „Dichterheilige“ Kashū () sind private Gedichtsammlungen einzelner Personen oder Familien, im Unterschied zu Sammlungen, die bspw. in der Heian- und Kamakura-Zeit auf Geheiß des Tennō angelegt wurden. Kataribe () Erzähler, die vor der Übernahme der Schriftsprache in Japan die Mythen, Legenden und Geschichten mündlich tradierten. Katarimono () eine zu deklamierende Erzählung zumeist von musikalischer Untermalung begleitet. Kata-uta () Halbgedicht, bezeichnet je eine der beiden Strophen eines Sedōka (Kehrversliedes). Ist in der Regel ein Dreizeiler mit 19 Moren nach dem Schema: 5-7-7. Kawaraban () erste Form gedruckter Zeitung im Ziegeldruck. Kayō () Gesangsdichtung, Reimprosa, Ballade. Ken’yōgen () sind doppelsinnig gebrauchte Worte mit verschiedener Etymologie und Grammatik zum Zwecke des Wortspiels. Beispiel: Ein Rabe sitzt dort auf dem zweiggesichtig ist der Gott Janus; japanisches Beispiel: hito o matsu no eda (matsu hier als Verb mit der Bedeutung warten, und als Substantiv mit der Bedeutung Kiefer; ist als Verb zugleich Bestandteil des ersten Halbsatzes auf jemanden warten, wie auch als Substantiv Bestandteil der Genitivkonstruktion: Zweig (eda) einer Kiefer)Beispiele nach: Die Litterarturen des Ostens in Einzeldarstellungen. Band X Geschichte der japanischen Litteratur von Karl Florenz, Leipzig, C.F.Amelangs Verlag, zweite Ausgabe, 1909, S. 27.. Kidai () Jahreszeitenthema, ursprünglich Bezeichnung für das Jahreszeitenwort (kigo) im Eingangsvers eines Kettengedichts. Kigo () Jahreszeitenwörter, Kunstmittel der Dichtung, bezeichnet Begriffe zur poetologisch geforderten jahreszeitlichen Fixierung eines Gedichts. Der Begriff Kigo stammt aus der Meiji-Zeit, bedeutungsgleiche ältere Bezeichnungen sind: ki no kotoba () und shiki no kotoba (). Kikō () Reisebeschreibungen, gehören zur Gattung des Tagebuchs. Kireji () Trennzeichen, in der Renga- und Haikai-Dichtung die Bezeichnung interjektionaler Postpositionen sowie temporaler und modaler Verbalsuffixe. Kiyose () Jahreszeitenführer, poetische Kalendarien, die die Jahreszeitenwörter (kigo) beinhalten, im Unterschied zum Saijiki jedoch ohne Beispielgedichte. Kodai kayō () Balladen des Altertums, Sammelbegriff zur Bezeichnung unterschiedlicher Gesänge und Bänkellieder aus der Zeit vor der Nara-Epoche.