Als gefallenes Mädchen wurde in meist bürgerlichen Kreisen bis ins 20. Jahrhundert hinein eine junge Frau bezeichnet, die ihre Jungfräulichkeit verloren hatte, ohne verheiratet zu sein, und dadurch von den vorherrschenden Moralvorstellungen abwich. Im weiteren Sinne wurden damit auch Frauen bezeichnet, die sich auf sonstige Weise außerhalb der Wertvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft bewegten.
Anton Birlinger beschreibt Mitte des 19. Jahrhunderts in Sitten und Gebräuche die Hochzeitssitten in Tuttlingen:
In anderen Gegenden musste eine schwangere Braut meist in einem schwarzen Brautkleid heiraten.
Karl Friedrich Wilhelm Wander erwähnt Ende des 19. Jahrhunderts im Deutschen Sprichwörter-Lexikon im Zusammenhang mit Rose und „in Bezug auf ein gefallenes Mädchen“ das Sprichwort:
In früheren Jahrhunderten und bis über die Mitte des 20. hinaus existierten Heime und Anstalten für gefallene Mädchen. Teilweise waren dies quasi Strafanstalten für Frauen, die nicht den Moral- oder Rechtsvorstellungen der Kirchen bzw. ihrer Familien oder der Gesellschaft entsprachen, teilweise aber auch Anlaufstellen für in Not geratene Frauen. So gab es in Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 40 unter Leitung von Diakonissen stehende Magdalenenstifte, Anstalten, in denen „gefallene Mädchen längere Zeit Aufnahme und Vorbereitung für ein neues, geordnetes Leben“ fanden.Zitat und Anzahl nach Derartige Institutionen dienten auch der Verhinderung von Prostitution.Eva Gehltomholt, Sabine Hering: Das verwahrloste Mädchen. Diagnostik und Fürsorge in der Jugendhilfe zwischen Kriegsende und Reform (1945–1965). Budrich, Opladen 2006, ISBN 978-3-86649-037-6 (= Frauen- und Genderforschung in der Erziehungswissenschaft, Band 4).
Für die in diesen Heimen geleistete Arbeit wurde kein oder nur geringer Lohn gezahlt. Dies monierte z. B. die SPD 1928. Rentenansprüche wurden in der Regel nicht erworben.
Siehe auch Vorehelicher Geschlechtsverkehr Korrektionsanstalt Strohkranz
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte der Prostitution Kategorie:Frau (Bezeichnung)