mini|hochkant|Hannes Androsch (2013) Hannes Androsch (* 18. April 1938 in Wien; † 11. Dezember 2024 in Wien) war ein österreichischer Unternehmer sowie Politiker (SPÖ) und Steuerberater.

Leben Hannes Androsch wurde 1938 im Arbeiterbezirk Floridsdorf in eine sozialdemokratische Familie geboren. Ein Großvater wurde 1934 während des Austrofaschismus inhaftiert. Sein Vater, Hans Androsch, musste seine Stelle beim Vermessungsamt auf Druck der NS-Diktatur 1938 aufgeben. Die Eltern von Hannes Androsch eröffneten 1941 eine eigene Kanzlei als „Helfer in Buchführungs- und Steuersachen“, nachdem sie sich zuvor zu „Helfer(n) in Steuersachen“ ausbilden hatten lassen.Hannes Androsch. In: Munzinger Online 26. August 2025, https://www.munzinger.de/register/portrait/biographien/hannes+androsch/00/12722 Während seine Mutter Julie „Lia“ Androsch (1912–2010)Pfarre Erdberg, Taufbuch 01-52, 1912, S. 55., abgerufen am 26. August 2025. mit ihrem zweiten Kind, der Tochter Sonja, schwanger war, übersiedelte die Familie Androsch 1944 wegen der zahlreichen Bombenangriffe auf Wien nach Piesling in Südmähren zu Verwandten des Vaters. Hier erlebte Hannes Androsch zunächst das Ende des Zweiten Weltkrieges und am 7. Juni 1945 die Vertreibung der Deutschen – darunter auch seine Großtante und der Großonkel – aus dem Dorf.Tschechische Untaten - aus dem Fenster verfolgt. Androsch erlebte als Kind die Vertreibung der Südmährer mit - Warum er zeitlebens ein Taschenmesser bei sich hat. In: Die Presse, 7. September 2015, S. 21 (androsch.com (PDF 360 KB), abgerufen am 29. Dezember 2024).Biographisches. 2000 – 2009: Hannes Androsch zu Gast bei Helmut Zilk. Sendereihe Lebenskünstler. Erstausstrahlung ORF 1, 30. April 2000. Mit Audiofile (MP4; 72,24 MB) und Transkript (PDF; 241 KB). Beide auf androsch.com, abgerufen am 29. Dezember 2024.

Nach der Matura 1956 studierte Hannes Androsch an der Hochschule für Welthandel in Wien. 1959 spondierte er mit der Diplomarbeit Die dynamischen Elemente der Steuerbilanz, unter besonderer Berücksichtigung der Bewertung zum Diplomkaufmann (Dkfm.),Hannes Androsch: Die dynamischen Elemente der Steuerbilanz, unter besonderer Berücksichtigung der Bewertung. Diplomarbeit an der Hochschule für Welthandel, Wien 1959 (Datensatz im Österreichischen Bibliothekenverbund, abgerufen am 29. Dezember 2024). 1967 verfasste er Investitionsplanung – Grundlagen und Durchführung, mit der er im Dezember 1968 als Dissertation zum Dr. rer. comm. promoviert wurde.Hannes Androsch: Investitionsplanung – Grundlagen und Durchführung. Hochschule für Welthandel, Wien 1967. Dissertation am 18. Dezember 1968 (Datensatz im Österreichischen Bibliothekenverbund, abgerufen am 29. Dezember 2024). (Katalogzettel (GIF) der Nationalbibliothek, abgerufen am 29. Dezember 2024.) Ab 1966 war Androsch als Steuerberater und ab 1968 als Wirtschaftsprüfer tätig. 1970 gründete Androsch die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Consultatio in Wien-Floridsdorf und führte sie mit dem Witwenfortbetrieb seiner Mutter zusammen.

Androsch war von 1967 bis 1981 Abgeordneter zum Nationalrat, von 1970, als der 32-jährige vom neugewählten Bundeskanzler Bruno Kreisky in die erste Bundesregierung Kreisky berufen wurde, war er bis 1981 Bundesminister für Finanzen; zusätzlich war er ab 1976 bis 1981 Vizekanzler in dieser Regierung. Der „aufstrebende Jungstar“ und der „Sonnenkönig“ (so die Medien über die beiden Politiker) waren oft unterschiedlicher Meinung. Androsch und seine Freunde hätten Kreisky gern zum Bundespräsidenten hochkomplimentiert und Androsch an seiner Stelle als Bundeskanzler installiert; Kreisky und seine Freunde wollten den gefährlichen Konkurrenten ausschalten, mussten aber seine Popularität, respektive deren Verlust, fürchten.

Letztlich nahm Kreisky an einer Situation Anstoß, die schon über zehn Jahre lang bestand: Der Finanzminister war zugleich Inhaber bzw. Teilhaber einer Steuerberatungskanzlei, die unter anderem Aufträge staatseigener Unternehmen erhielt. Man machte nun Unvereinbarkeit geltend: Androsch musste 1980 alle seine politischen Funktionen zurücklegen.

Daraufhin bekleidete Androsch von 1981 bis 1988 das Amt des Generaldirektors der damals im Staatseigentum befindlichen Creditanstalt (CA). 1988 war er Konsulent der Weltbank. Erst nach 1980 kam es zur Aufnahme von gerichtlichen Erhebungen wegen länger zurückliegender finanzieller Unklarheiten und wegen privater Schwarzgeldkonten Androschs, 1984 kam es zur Anklage. Seine Angabe, sein reicher Wahlonkel Gustav Steiner habe ihm viel Geld zur Verfügung gestellt, erwies sich nicht als tragfähig: Androsch wurde nach einem langen Gerichtsverfahren, das sämtliche Instanzen durchlaufen hatte, schließlich 1993 rechtskräftig wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Zusätzlich wurde er 1988 in der Folge des AKH-Skandals verurteilt. Nach rechtskräftiger Verurteilung wegen falscher Zeugenaussage vor dem AKH-Untersuchungsausschuss Anfang 1988 musste er in der Folge aus der Creditanstalt ausscheiden. Von Beginn der gegen ihn geführten Causen bezeichnete er diese .

Ab Ende der 1980er Jahre begann Androsch seine Steuerberatungskanzlei zu einem Firmengeflecht von Beratungs- und Wirtschaftsprüfergesellschaften unter dem Dach der seit 1989 bestehenden Androsch International Management Consulting (A.I.C.), in der er geschäftsführender Gesellschafter war, auszubauen. Ebenso startete er seine Karriere als Industrieller. Ab 1997 war er Miteigentümer der Salinen Beteiligungs GmbH und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Salinen Austria AG (ehemals Österreichische Salinen AG). Ab 1994 war er Miteigentümer von AT & S, Europas größtem Leiterplattenhersteller, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er auch war. Weiters war Androsch auch Aufsichtsratsvorsitzender bei bwin, wo er auch eine Beteiligung hielt. In seiner zweiten Karriere als Industrieller war Androsch überaus erfolgreich, weiterhin prominent und allgemein anerkannt. Als ehemaliger Politiker wurde er von den Medien auch immer wieder zur aktuellen politischen Lage Österreichs befragt.

2003 wurde er Vorsitzender des Universitätsrates der Montanuniversität Leoben. 2004 erfolgte die Errichtung der Stiftung Hannes Androsch bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Am 20. Oktober 2008 erhielt er als Würdigung seiner Verdienste um die Akademie den von ihr neu geschaffenen Ehrenring. Ab 11. November war er Aufsichtsratsvorsitzender der Finanzmarktbeteiligung Aktiengesellschaft. Am 21. Oktober 2010 wurde Androsch zum Vorsitzenden des (im Juni 2023 aufgelösten) Rates für Forschung und Technologieentwicklung gewählt. In: Presse und News. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, 21. Oktober 2010, abgerufen am 29. Dezember 2024. Diese Funktion übte er bis zum 6. September 2020 aus. Er war von 2007 bis 2021 Aufsichtsratsvorsitzender der größten außeruniversitären Forschungseinrichtung Österreichs, des Austrian Institute of Technology (AIT), als deren Gründungsvater Androsch gilt.

Androsch war Präsident des Vereines Bildungsinitiative für die Zukunft,Bildungsinitiative für die Zukunft, ZVR-Zahl 893139934. Registerauszug vom 3. November 2021 aus dem Zentralen Vereinsregister. der im November 2011 das Volksbegehren Bildungsinitiative betrieb.

Persönliches Hannes Androsch war ab 1964 mit der Juristin Brigitte, geborene Schärf (eine Großnichte des früheren Bundespräsidenten Adolf Schärf), verheiratet. Das Paar hatte zwei Töchter: die Schauspielerin Claudia (* 1964) mit einer Tochter und Natascha (* 1968) mit drei Söhnen. Mit der Wirtschaftspsychologin Claudia Rothschedl hatte er einen Sohn, Gregor Rothschedl (* 1997). Er lebte in Wien und Altaussee.Uni. „Von mir aus auch mit Schwimmbad. Maria Gugging oder Maria Taferl – ein Exzellenz-Institut ist keine Frage des Standorts.“ Hannes Androsch im Interview. In: Der Standard. Printausgabe, 22. März 2006 (univie:sammlung In: ULV - Verband des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der österreichischen Universitäten, abgerufen am 29. Dezember 2024).

Androsch war „spirituellster Agnostiker“, wie ihn nach eigener Aussage seine Freunde bezeichneten. Als solcher stand er fördernd der Altkatholischen Kirche nahe und . Überdies sei er auch ..

Am 11. Dezember 2024 (JPG). Parte auf der Website von Hannes Androsch, abgerufen am 29. Dezember 2024. starb Androsch im Alter von 86 Jahren in Wien. Er wurde auf dem Neustifter Friedhof bestattet.

Auszeichnungen Orden und Ehrenzeichen 1974: Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik ÖsterreichAufstellung der meisten durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich von 1952 bis April 2012 (PDF; 6,6 MB). Bundeskanzler: Parlamentarische Anfragebeantwortung, 10542/AB XXIV. GP, 23. April 2012. Hier: S. 373 und S. 1829. 1977: Verdienstorden der Volksrepublik Polen II. Klasse 1978: Ehrenzeichen des Landes Tirol 1979: Gedenkmedaille des Parlaments der Tschechischen Republik 1979: Großkreuz des Schwedischen Nordsternorden 1998: Ehrenring der Gemeinde Altaussee 1998: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Steiermark mit dem Stern 2000: Ehrenkreuz des Arbeiter-Samariter-Bundes am Rot-Weiss-Roten Band 2001: Goldenes Ehrenzeichen der Bruderschaft St. Christoph 2002: Ehrenring der Stadt Leoben 2003: Viktor-Adler-Plakette der SPÖ 2003: Ehrenzeichen der Stadt Hall in Tirol 2004: Ehrenring der Stadtgemeinde Fehring 2005: Sigillum Civitatis In Leoben (Siegel der Bürgerschaft von Leoben) 2008: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse 2013: Goldene Ehrennadel der Wirtschaftskammer Österreich 2013: Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Kärnten 2022: Ehrenring des Landes Steiermark

Weitere Ehrungen 1983: Ehrensenator der Wirtschaftsuniversität Wien 1998: Ehrenbürger der Gemeinde Fohnsdorf 2001: Ehrenmitglied des Wiener Wirtschaftsklubs 2003: Benennung eines neuen, sehr ergiebigen Lagerstättenteiles im Salzbergwerk Altaussee (Dr. Hannes Androsch Horizont) 2005: Ehrenpräsident des Arbeiter-Samariter-Bundes 2008: Ehrenring des Arbeiter-Samariter-Bundes 2008: Ehrendoktorat der Hochschule für Rechtswissenschaften in Bratislava, Slowakei 2008: Ehrensenator der Montanuniversität Leoben 2008: Ehrenbürger der Stadt LeobenMultiindustrieller wird Ehrenbürger in der Montanstadt: Ehrenbürger der Stadt Leoben Vizekanzler a.D,Dr. Hannes Androsch. In: Obersteirische Zeitung, 28. Juni 2008, S. 1 (androsch.com (PDF; 318 KB), abgerufen am 29. Dezember 2024). Ehrenmitglied der Jeunesse 2009: Ehrendoktorat der Universität New Orleans, USA 2011: Ehrendoktorat der Universität Salzburg 2013: Ehrendoktorat der Montanuniversität Leoben 2015: Ehrensenator der Technischen Universität Wien 2022: Ehrenbürger der Stadt Hall in Tirol

Publikationen

Staat, Steuern, Gesellschaft – Wirtschaftspolitik als Gesellschaftspolitik in der Welt von morgen. 1978. Die politische Ökonomie der österreichischen Währung. 1985. Die Sozialversicherung, die private Lebensversicherung und die Banken als komplementäre Träger der Eigenvorsorge. 1986. Auf der Suche nach Identität. Österreich-Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Eine Synthese der Widersprüche. 1988. Investitionsleitfaden Osteuropa. Eine Jahrhundertchance. 1996. Der Stand der Dinge. 2000. Warum Österreich so ist, wie es ist. Eine Synthese aus Widersprüchen. 2003. Europa: Weshalb es so nicht weitergehen kann. 2005. Das Ende der Bequemlichkeit – 7 Thesen zur Zukunft Österreichs. 2013. Niemals aufgeben: Lebensbilanz und Ausblick. Aufgezeichnet von Peter Pelinka. Ecowin, Salzburg 2015, ISBN 978-3-7110-0068-2. mit Josef Moser: Einspruch: Der Zustand der Republik und wie sie noch zu retten ist. Edition a, Wien 2016, ISBN 978-3-99001-200-0. mit Heinz Fischer und Wolfgang Maderthaner: Vorwärts – Österreichische Sozialdemokratie seit 1889. Brandstätter, Wien 2020, ISBN 978-3-7106-0424-9.

Literatur

Liselotte Palme: Androsch. Ein Leben zwischen Geld und Macht. Wien 1999.