Wappen 250px|KSCV Halle Saxonia Wappen Basisdaten Corpsburschenfarben: 250px|KSCV Halle Saxonia CB-Farben Renoncenfarben: 250px|KSCV Halle Saxonia F-Farben Zirkel: 250px|KSCV Halle Saxonia Zirkel Wahlspruch: Fide, sed cui vide! (bis 1813) Virtuti semper corona! (ab 1820) Waffenspruch: Amico pectus, hosti cuspidem! Wappenspruch: Ehre, Frohsinn, Einigkeit! Universität: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Verband: KSCV Gründung: 21. Juni 1802 Suspension: 15. Juli 1813 Rekonstitution: 14. November 1820 Suspension: 2. Mai 1864 Rekonstitution: 25. Juli 1891 Suspension: 7. November 1896 Das Corps Saxonia Halle war eine farbentragende pflichtschlagende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Gestiftet im Jahre 1802, war das Corps bis zu seiner endgültigen Suspension 1896 eine der ältesten Studentenverbindungen in Deutschland.
Geschichte
Schon 1717 lassen sich in Halle (Saale) Landsmannschaften mit verschiedenfarbigen Abzeichen für ihre unterschiedlichen Herkunftsregionen nachweisen.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps – Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart; 2. umgearbeitete und vermehrte Auflage; Frankfurt am Main 1926; S. 79–80. Zunächst bestanden diese neben den Studentenorden und einige Landsmannschaften waren darüber hinaus eng mit einem der Orden verknüpft.
Diese Entwicklung änderte sich 1789, als sich das Kränzchen der Westfalen scharf gegen ihren bisherigen Orden abgrenzte und seinen Mitgliedern sogar verbot, gleichzeitig Mitglied eines Ordens zu sein.Wilhelm Fabricius: Die Studentenorden des 18. Jahrhunderts und ihr Verhältniß zu den gleichzeitigen Landsmannschaften; Jena 1891; S. 25. Die Behörden, denen die Orden schon lange ein Dorn im Auge waren, begrüßten diese Entwicklung und protegierten die Kränzchen, welche zu dieser Zeit öffentlich Kommerse abhalten konnten, an denen auch Professoren teilnahmen.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps – Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart; 2. umgearbeitete und vermehrte Auflage; Frankfurt am Main 1926; S. 183–184.
Kränzchen der Magdeburger und Halberstädter In dieser Zeit stiftete sich am 7. Juni 1792 das Kränzchen der Magdeburger mit den Farben grün-weiß.Erich Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896) – Die Landsmannschaften der Halberstädter und Magdeburger (1792–1802), in: Einst und Jetzt; Bd. 10 (1965); S. 175. Im folgenden Jahr wurden ab etwa Weihnachten auch Halberstädter aufgenommen, die aber um Februar 1795 wieder ausschieden und sich kurz darauf am 21. Mai 1795 mit den Farben rot-weiß selbstständig machten.Erich Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896) – Die Landsmannschaften der Halberstädter und Magdeburger (1792–1802), in: Einst und Jetzt; Bd. 10 (1965); S. 165. Mutmaßlich bestand auch schon vor 1793 ein halberstädtisches Kränzchen, dies lässt sich aber bisher nicht bestätigen. Ebenfalls ungeklärt ist, ob in der Zeit der Vereinigung die Farben grün-rot geführt wurden.
Um die gleiche Zeit nahmen die Magdeburger nunmehr auch Sachsen auf. In den Kartellpunkten, die aus dem Zeitraum zwischen 1799 und 1801 datierenRobert Soppa: Geschichte des Hallenser Senioren-Convents (I), in: Sachsenblatt – Corpszeitung der Saxonia Konstanz; Nr. 121 (1/2018); S. 51., werden den Magdeburgern die Gebiete Magdeburg, Mansfeld, Sachsen und der Fränkische Reichskreis und den Halberstädtern Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode, Hohenstein, Braunschweig, Hildesheim, Mühlhausen im Vogtland (Bad Elster), Nordhausen und Goslar als Rekrutierungsgebiete zugesprochen.Friedrich Wilhelm König: Aus zwei Jahrhunderten. Geschichte der Studentenschaft und des studentischen Korporationswesens auf der Universität Halle. Halle 1894, S. 132.
Nachdem die Orden weitestgehend zurückgedrängt worden waren, begannen die Behörden, auch die zuvor protegierten Kränzchen zu verfolgen. So kam es, dass den Mitgliedern am 3. November 1801 Amnestie bei Selbstanzeige in Aussicht gestellt wurde. Die Kränzchen beugten sich, meldeten ihre Mitgliederzahlen und wurden schlussendlich am 26. Januar 1802 verboten.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps – Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart; 2. umgearbeitete und vermehrte Auflage; Frankfurt am Main 1926; S. 184. Das Kränzchen der Magdeburger meldete damals 33 MitgliederErich Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896) – Die Landsmannschaften der Halberstädter und Magdeburger (1792–1802), in: Einst und Jetzt; Bd. 10 (1965); S. 166., das der Halberstädter 20Erich Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896) – Die Landsmannschaften der Halberstädter und Magdeburger (1792–1802), in: Einst und Jetzt; Bd. 10 (1965); S. 172..
Stiftung und erste Jahre 1802–1813 mini|Hallenser Sachsen (1803)
Die Kränzchen ließen sich vom Verbot allerdings nicht beirren und existierten schon bald weiter. Die Magdeburger und Halberstädter vereinigten sich am 21. Juni 1802 erneut und bildeten Saxonia. Ihre Farben verschmolzen zu grün-rot-weiß, als Wahlspruch wählten sie „Fide, sed cui vide!“ (lat. „Trau, schau wem!“) und als Waffenspruch „Amico pectus, hosti cuspidem!“ (lat. „Dem Freund das Herz, dem Feinde den Schläger!“).Ernst Biesalski: „Fide, sed cui vide!“ im alten Halle – Ein Beitrag zur Geschichte der dortigen Saxonia von 1802; in: Einst und Jetzt; Bd. 4 (1959); S. 176. Es wäre möglich, dass sich Magdeburger und Halberstädter schon vor der Stiftung der Saxonia zu einem magdeburgisch-halberstädtischen Kränzchen zusammenschlossen.
Infolge des Duells bei Reideburg am 13. März 1803 wurde erneut eine Untersuchung gegen die Kränzchen eingeleitet. Der Sachse Kahmann, der selbst am Duell teilgenommen hatte, wurde zu zehn Jahren Festungshaft verurteilt, wovon ihm später sieben erlassen wurden.Wilhelm Bruchmüller: Ein Propatriaskandal zwischen Leipziger und Hallenser Studenten aus dem Jahre 1803 und seine Untersuchungsergebnisse für das damalige studentische Verbindungswesen in Leipzig, in: Studium Lipsiense – Ehrengabe Karl Lamprecht dargebracht aus Anlass der Eröffnung des Königlich-Sächsischen Instituts für Kultur- und Universalgeschichte bei der Universität Leipzig; Berlin 1909; S. 329. Wohl deshalb löste Saxonia sich kurzzeitig auf. Doch schon im SC-Comment, der von vor dem 10. September 1803 datiert, unterschrieb der Student L. Thielebein als „qua Senior der Sächsischen Landsmannschaft“. Das von Saxonia bis 1960 geführte Stiftungsdatum vom 3. August 1804 lässt sich heute nicht mehr erklären, da auch spätere Stammbucheinträge aus den Jahren 1805 und 1806 das alte Datum von 1802 zeigen. Diese zeugen ebenso davon, dass auch 1804 weiterhin die alten Farben grün-rot-weiß getragen und nicht schon damals zu dunkelblau-weiß-hellblau (von unten) geändert wurden. Durch die Untersuchungen der Universitätsbehörden, die nach dem Duell stattgefunden haben, sind uns die damals vorgelegten Gesetze der Saxonia überliefert. Wenngleich ein verhörter Sachse zugab, dass es noch weitere Gesetze gäbe, erfahren wir aus ihnen einiges über die damalige Struktur der Kränzchen.Gesetze der Saxonia (1802), in: Einst und Jetzt; Sonderheft 1981; S. 91–102.
mini|Stammbucheintrag des Wilhelm Eduard von Vangerow vom 12. März 1806.
Die folgenden Jahre waren weniger von Verfolgung geprägt. Stattdessen erscheint es anhand der Tagebücher von Joseph von Eichendorff so, als hätten die Kränzchen ein völlig öffentliches Auftreten gepflegt.Erich Bauer: Joseph v. Eichendorff als Student in Halle und Heidelberg – Auszüge aus seinen Tagebüchern mit verbindendem Text und einem Nachwort der Schriftleitung, in: Einst und Jetzt; Bd. 6 (1961); S. 5–23. Nachdem Napoleon Bonaparte die Universität Halle am 19. Oktober 1806 aufgelöst hatte, verschwand auch das studentische Leben aus der Stadt. Saxonia lässt sich aber schon kurz nach Wiedereröffnung der Universität Ostern 1808 wieder nachweisen.Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps – Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart; 2. umgearbeitete und vermehrte Auflage; Frankfurt am Main 1926; S. 227. Diesen Nachweis liefern uns Briefe des Hallenser SC an die Kränzchen an der Universität Helmstedt, in denen die Hallenser den Helmstedtern Vorwürfe machten, da sie sich auf Druck der Obrigkeit hin aufgelöst hatten. Als 1810 die Universität Helmstedt im Mai geschlossen wurde, kamen zahlreiche Studenten von dort nach Halle. Unter ihnen war auch der Student Oelze, der schon 1808 in Helmstedt dem sächsischen Kränzchen angehört hatte, und es kam zwischen ihm, seinen Anhängern und den Hallenser Kränzchen zu Spannungen, die darin gipfelten, dass Oelze bei den Behörden petzte. Dieser sogenannte Oelze’sche Skandal führte ein weiteres Mal zu umfangreichen Untersuchungen, und Saxonia musste sich auflösen. Sie rekonstituierte allerdings schon am 28. August 1810Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps – Eine historische Darstellung der Entwicklung des studentischen Verbindungswesens in Deutschland bis 1815, der Corps bis zur Gegenwart; 2. umgearbeitete und vermehrte Auflage; Frankfurt am Main 1926; S. 227. und bestand ab dann bis zur erneuten Auflösung der Universität zu Beginn der Befreiungskriege Ostern 1813.
Nach den Befreiungskriegen mini|Pfeifenkopf der Saxonia Halle mit ältestem bekannten Wappen (1826)
Nachdem die ersten Studenten 1814 nach Halle zurückkehrten, schlossen sich die Kränzchen, begeistert vom gemeinsamen Befreiungskampf, am 11. Januar 1814 zunächst zur ersten Hallenser Teutonia zusammen.Erich Bauer: Eine Erinnerung an das Corps Marchia zu Halle (1811–1813), in: Deutsche Corpszeitung 56 (1955); S. 51. In Folge zahlreicher Skandale wurde die Teutonia schon 1817 von den Behörden wieder aufgelöst, bestand aber im Verborgenen bis zu ihrer Auflösung am 14. November 1819 fort.Max Flemming: Geschichte der Hallischen Burschenschaft von 1814–1860 – mit einer Übersicht über die studentischen Verbindungen von der Gründung der Universität bis zum Entstehen der Burschenschaft; Berlin 1933; S. 26.