Das Sophien-Gymnasium und Realgymnasium in Berlin war ein städtisches Gymnasium in der Spandauer Vorstadt in Berlin-Mitte, das 1926 aus den Anstalten Sophien-Gymnasium und Sophien-Realgymnasium entstand. Diese beiden Vorgänger waren 1865 und 1868 gegründet worden. In Teilen des Gymnasiums ist seit 2001 die freie Waldorfschule untergebracht, eine der ersten noch vor der deutschen Wiedervereinigung gegründete derartige Schule.Waldorfschule Berlin-Mitte, Historie, abgerufen am 7. Dezember 2025.

Lage und Namensgebung Das langrechteckige Schulgelände nimmt eine Fläche von etwa 100 m mal 130 m zwischen der Weinmeisterstraße (südwestlich) und der Steinstraße (nordöstlich) ein. Darauf stehen sechs verschiedene Bauwerke, die bis auf das Direktorat alle nach 1950 errichtet worden sind. Der Hauptzugang zum eh. Gymnasium befindet sich in der Steinstraße. Westlich neben dieser Schule steht in der Steinstraße die Kunstschule freiraum. − Seinen Namen trug das Gymnasium nach der nahegelegenen Sophienkirche, die ihre Bezeichnung von Sophie Luise von Mecklenburg-Schwerin herleitet.

Geschichte 19. Jahrhundert bis Ende des Zweiten Weltkriegs Am 24. April 1865 ist das Sophien-Gymnasium in der Großen Hamburger Straße 2 gegründet worden. Dies resultierte aus dem raschen Bevölkerungsanstieg vor der Stadt Alt-Berlin im Bereich zwischen Hamburger und Schönhauser Tor der Stadtmauer. Bereits zwei Jahre später, 1867 erfolgte der Umzug in das neue gründerzeitliche Schulgebäude in der Weinmeisterstraße 15. Das Realgymnasium hatte seinen Ursprung in der Städtischen höheren BürgerschuleJahresbericht über die Städtische höhere Bürgerschule. Berlin 1869 (books.google.de). in der Steinstraße, Hausnummer 31/34, die Ostern 1868 gegründet worden war und deren erster Leiter Heinrich Bertram war. Beide Schulgebäude, sowie das gemeinsame Direktoratsgebäude, waren von 1865 bis 1867 nach Plänen von Adolf Gerstenberg unter der Leitung des Stadtbauinspektors Arnold Hanel errichtet worden. Ostern 1871 wurde aus der Bürgerschule eine Realschule erster Ordnung, indem sie um eine Prima erweitert wurde. Von diesem Zeitpunkt an führte dieser Teil der Schule den Namen Sophien-Realschule wie das angrenzende Gymnasium. Seit 1882 hieß sie Sophien-Realgymnasium. Das Schulensemble wurde 1875 durch einen Neubau für eine Mädchenschule, die Städtische Sophien-(Töchter)Schule auf dem Grundstück Weinmeisterstraße 16/17 ergänzt. 1904 folgte der Bau einer Turnhalle für alle drei Schulen auf dem benachbarten Grundstück Steinstraße 29/30 nach Entwurf von Ludwig Hoffmann. 1924 zog das Sophien-Gymnasium in die Mandelstraße 2 und wurde dort ab 1926 zum Sophien-Gymnasium und Realgymnasium entwickelt. Ab 1931 wurde der gymnasiale Teil abgebaut. Nach der Auflösung 1935 wurde die Heinrich-Schliemann-Schule neue Nutzerin des Gebäudekomplexes. Das Sophien-Realgymnasium blieb in der Steinstraße und wurde dort ab 1928 zum Sophien-Reformrealgymnasium. Ab 1931 wurde es mit der Friedrich Werderschen Oberrealschule vereint, die 1928 in das Gebäude Weinmeisterstraße 15 gezogen war. Im Zweiten Weltkrieg wurden, bis auf das Direktoratsgebäude, alle Gebäude weitgehend zerstört.

1945 bis 1990 In das wieder hergerichtete Rekorenhaus zog nach Kriegsende kurzzeitig eine Zweigstelle des ältesten Berliner Gymnasiums, des Grauen Klosters. Ab 1950 war hier die Berliner Oberschule für Berufstätige untergebracht. Von 1958 bis zum Ende der DDR befand sich in dem Gebäude das Kreispionierhaus Bruno Kühn.

Auf dem von Kriegsruinen befreiten Schulgelände des Sophiengymnasiums – Weinmeisterstraße 16 – wurde 1950 bis 1953 die Grundschule Weinmeisterstraße erbaut, die später den Namen Polytechnische Oberschule Franz Mett erhielt.

Seit Oktober 1990 Erhalten ist von den historischen Schulgebäuden nur das Direktorats- bzw. Rektoratsgebäude, welches der Senat von Berlin nach dem Mauerfall ab den 2000er Jahren unter Denkmalschutz stellen ließ.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin. Deutscher Kunstverlag, 2006, ISBN 3-422-03111-1, S. 117 f. Es konnte auch gründlich saniert und modernisiert werden. mini|hochkant|Siegelmarke Sophien-Gymnasium Berlin Nach dem Auszug des Pionierhauses wurde das Gebäude 1990 zum Schülerfreizeitzentrum Mitte. Zwischen 1991 und 1998 erfolgten umfangreiche Sanierungsmaßnahmen; das Freizeitzentrum nutzte eine Zwischenstation in der Auguststraße. Im Jahr 2000 erfolgte die Rückkehr und die Einrichtung trägt seitdem die Bezeichnung Jugendkulturzentrum Mitte Weinmeisterhaus. Wegen erheblicher Finanzierungsprobleme sollte das Haus um 2010 geschlossen werden. Gemeinsam fand sich jedoch eine Lösung: ein freier Träger (WeTeK Berlin gGmbH) übernahm das Freizeitzentrum und führt es im Auftrag des Bezirksamts Pankow. – 2023/2024 wurde auf der westlichen Seite ein Gebäudeteil angebaut, der den barrierefreien Zugang ermöglicht und eine zusätzliche Nutzfläche von etwa 300 m² bietet. Die Neueröffnung konnte am 22. Mai 2024 gefeiert werden.Geschichte des Weinmeisterhauses, abgerufen am 7. Dezember 2025.

In die Bauten aus den 1950er Jahren zog nach der Wende und den notwendigen Sanierungen eine im Jahr 1990 gegründete freie Waldorfschule.

Architektur Das Direktoratsgebäude (siehe Bild in der Infobox) ist ein dreigeschossiger Ziegel-Verblendbau mit einem senkrecht dazu stehenden Hofflügel im spätklassizistischen Stil. Als Fassadenschmuck gibt es einen ornamentalen Fries über dem Erdgeschoss sowie segmentbogenförmige Fensterverdachungen der oberen Stockwerke aus Terrakotta. Unterhalb des Gesimses sind auf einem breiten Sgraffitiband Figuren der griechischen Mythologie dargestellt. Diese Darstellungen schuf der Bildhauer Max Lohde im Jahr 1867, also zusammen mit dem Bau des Hauses. 1886 wurden die Figuren auf Tontafeln übertragen. In der Tordurchfahrt finden sich Tonreliefs mit Allegorien zu den Künsten und den Wissenschaften, die Kopien von einer Darstellung an der Bauakademie sind. Die Originale stammten von Karl Friedrich Schinkel, die Kopien entstanden im Atelier der Rauch-Schüler Friedrich Wilhelm Holbein und Julius Troschel.

Sophiengymnasium Bekannte Lehrer

Bekannte Schüler

Sophien-Realgymnasium Bekannte Lehrer Albert Wangerin (Mathematiker) (1844–1933), Mathematiker Anton Oberbeck (1846–1900), Physiker Paul Schafheitlin (1861–1924), Mathematiker

Bekannte Schülerinnen und Schüler

Literatur Jahresberichte 1866–1870; 1871–1915, Digitalisate der Universitätsbibliothek der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Das Sophien-Gymnasium. In: Ludwig Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen, Historisch-Statistische Darstellung. Band II (1864–1869). Berlin 1869, S. 124 f.; Frieda Gossmann: Denkschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Sopienschule in Berlin. Velhagen & Klasing, Bielefeld 1926.

Weblinks

A Rep. 020-07. Landesarchiv Berlin, Beständeübersicht. Städtebaulicher Denkmalschutz – Spandauer Vorstadt, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung der Stadt Berlin.

Weinmeisterhaus ist ein offenes Haus für Kinder, Jugendliche, Kunst & Kultur in Berlin-Mitte. weinmeisterhaus-bleibt.de Terrakottaplatten der Bauakademie in der Toreinfahrt des ehemaligen Direktoratsgebäudes. anderes-berlin.de

Einzelnachweise

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