mini|Ehemaliges Gebäude der Kreisverwaltung Preußisch-Eylau, erbaut 1901, beherbergt heute ein Kultur- und Freizeitzentrum, eine Kunstschule für Kinder und ein Museum zur Geschichte der Region (seit 1993) mini|Gebäude des ehemaligen Königlichen Lehrerseminars, erbaut 1861, beherbergt heute die Bezirksverwaltung, die Pensionskasse sowie die Abteilung des Innenministeriums der Russischen Föderation und die Abteilung für Migration mini|Preußisch Eylau, nordöstlich von Elbing, östlich von Braunsberg und südlich von Königsberg i. Pr., auf einer Landkarte von 1910 Bagrationowsk (), deutsch Preußisch Eylau (1945–1946 kyrillisch ), ist eine Stadt in der russischen Oblast Kaliningrad (Königsberg). Sie hat Einwohner (Stand ) und ist Verwaltungszentrum der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk im gleichnamigen Rajon Bagrationowsk. Die Stadt ist benannt nach Pjotr Iwanowitsch Bagration, einem russischen General aus der Zeit des Russlandfeldzugs 1812.

Geographische Lage Die Stadt liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 37 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad).

Geschichte Stadtgeschichte bis 1945 Im Jahr 1401 hieß der Ort Ilaw. Während der Herrschaft des Deutschen Ordens ließ Arnolph von Eylenstein im altpreußischen Gau Natangen im Zeitraum 1325–1330 unter dem Hochmeister Werner von Orseln die Burg Ilaw erbauen, aus der sich später die Ortschaft Henriettenhof entwickelte. Im Jahr 1492 überließ der Hochmeister Johann von Tiefen Burg und Amt Eylau dem Ordensbruder Heinrich Reuß von Plauen auf Lebenszeit. Im Jahr 1336 erhob der Komtur von Balga, Heinrich von Muro, die daneben liegende mit zwölf Krugstellen versehene Lischke zur Stadt; 1450 wird Preußisch Eylau noch die „lischke czur Ilaw“ genannt.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft II: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen, Bernh. Teichert, Königsberg 1892, S. 74–78 (Google Books).

Der Balgaer Komtur verlieh der Siedlung 1348 eine Handfeste. Die Burg wurde 1455 durch ein Feuer zerstört. 1514 wurde die Marktgerechtigkeit verliehen, und 1585 verlieh Herzog Georg Friedrich das volle Stadtrecht. In den Jahren 1520 und 1525 wurde der Ort durch polnische Truppen verwüstet, die Burg aber vergeblich belagert.

Ein Großfeuer richtete 1802 großen Schaden in der Stadt an.

Am 7. und 8. Februar 1807 fand in der Nähe der Stadt die unentschieden beendete Schlacht bei Preußisch Eylau zwischen Napoleon Bonapartes Truppen und russischen Truppen unter General Graf Bennigsen statt. Die russischen Truppen mit Hilfe eines preußischen Kontingents unter General L’Estocq konnten sie zwar nicht für sich entscheiden; allerdings erreichten sie, dass Napoléon erstmals nicht als Sieger das Schlachtfeld verließ. Die Stadt ist heute nach dem russischen General Fürst Bagration benannt, einem Teilnehmer der Schlacht.

Nach der preußischen Verwaltungsreform wurde Preußisch Eylau 1819 Kreisstadt des Landkreises Preußisch Eylau. Schon 1821 war hier ein Schullehrerseminar; am 8. Januar 1835 wurde ein neues Seminargebäude bezogen.Das Seminar zu Pr. Eylau. In: Preußische Provinzial-Blätter, 1835, Band 13, Königsberg, S. 411–412. books.google.de 1866 erfolgte der Anschluss an die Ostpreußische Südbahn.

Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt im August 1914 zeitweilig von russischen Truppen besetzt.

Im Jahr 1939 hatte Preußisch Eylau 7461 Einwohner. Als Wirtschaftsbetriebe waren eine Tuchweberei, eine Eisengießerei, die Maschinenfabrik Johnen, die Genossenschafts-Molkerei, Schadwinkels Getreidemühle und Tauliens Fassfabrik ansässig.

Ortschaften/Abbaue

Grünthal Der Abbau Grünthal wurde vor 1800 gegründet und bestand aus kleinen Gehöften. Außerdem beherbergte der Ort ein Schützenhaus.Dietrich Lange: Grünthal. In: Geographisches Ortsregister Ostpreußen, bildarchiv-ostpreussen.de, 2005. Er lag 2,5 Kilometer westlich des Warschkeiter Sees (heute russisch Osero Warschkeiterskoje) auf heute polnischem Gebiet. Ein polnischer Name ist jedoch nicht bekannt. Da der Ort nach 1945 im polnisch-russischen Grenzgebiet lag, ist seine Existenz nicht mehr wahrscheinlich.

Heinrichshöfchen Nach 1835 wurde Heinrichshöfchen gegründet.Dietrich Lange: Heinrichshöfchen. bildarchiv-ostpreussen.de Es handelte sich um einen kleinen Hof, der zwei Kilometer südwestlich des Stadtgebietes westlich des Warschkeiter Sees lag. Seine Ortsstelle liegt heute auf polnischem Boden im Grenzgebiet und deshalb unzugänglich und wohl auch gar nicht mehr vorhanden. Der polnische Name ist Wężykówko.

Henriettenhof

Das 1326 gegründete Henriettenhof war ein Guts- und Amtsdorf der Stadt Preußisch Eylau, später ein königliches Domänenamt, am südwestlichen Stadtrand.Dietrich Lange: Henriettenhof. bildarchiv-ostpreussen.de Zwischen 1874 und 1928 war es Sitz eines Amtsbezirks. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk 183 Einwohner. Am 30. September 1928 wurde Henriettenhof in die Stadt Preußisch Eylau eingegliedert. Ein russischer Name ist nicht bekannt.

Nußwalde Der 1866 gegründete Abbau war ein Vorwerk des Gutsbezirks Henriettenhof im Kreis Preußisch Eylau.Dietrich Lange: Nußwalde. bildarchiv-ostpreussen.de Es lag drei Kilometer nordwestlich der Stadt Preußisch Eylau. Zusammen mit Henriettenhof kam Nußwalde 1928 zur Stadtgemeinde Preußisch Eylau. 1945 wurde es unter dem Namen Orzesze zunächst Teil Polens. Ein russischer Name ist nicht bekannt, auch ist seine Ortsstelle nicht mehr erkennbar.

Stadtfreiheit Die StadtfreiheitDietrich Lange: Stadtfreiheit. bildarchiv-ostpreussen.de war ein Gutsbezirk und lag 1,25 Kilometer westlich des Stadtzentrums. Ihm war ein Forstamt und die Oberförsterei Preußisch Eylau zugeordnet. Im Jahre 1910 zählte der Gutsbezirk 100 Einwohner. Er war seit 1874 Teil des Amtsbezirks Henriettenhof (Kreis Preußisch Eylau) und kam am 15. November 1928 zur Stadtgemeinde Preußisch Eylau.Rolf Jehke: Amtsbezirk Henriettenhof/Althof. territorial.de 1945 kam der Ortsteil zunächst unter dem Namen Miejska Wola zu Polen. Die Ortsstelle ist heute russisches Gebiet, ist aber nicht mit einem besonderen Namen versehen und gilt als nicht existent.

Seit 1945 Am 9. Februar 1945 wurde die Stadt durch die Rote Armee erobert. In der ehemaligen Infanteriekaserne an der Warschkeiter Chaussee bestand von Mai 1945 bis Herbst 1948 das Kriegsgefangenen- und Internierungslager 533 des NKWD für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten WeltkriegsErich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977. und Zivilpersonen. Von den etwa 13.000 Zivilpersonen im Lager 533 kamen etwa 6000 ums Leben.Horst Schulz: Preußisch Eylau – eine Kreisstadt in Ostpreußen. Geschichte, Dokumentation, Erinnerungen, Literatur. Lübeck 1998. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde, sofern sie nicht bereits geflüchtet war, in der Folge vertrieben.

Im Jahre 1945 hatte die Sowjetunion die Stadt zunächst der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen, die ihr den polonisierten Namen Iławka gab. Bei der neuen Festlegung der Demarkationslinie zwischen den russischen und polnischen Verwaltungsbezirken in Ostpreußen durch die Sowjetunion vom 1. Januar 1946 wurde Preußisch Eylau dem sowjetischen Verwaltungsbezirk zugeschlagen; die Grenze verläuft seither unmittelbar südlich der Stadt. Am 7. September 1946 wurde Preußisch Eylau nach Fürst Bagration (siehe oben) in Bagrationowsk umbenannt. Durch die Lage an der neuen sowjetisch-polnischen Grenze lag die Stadt nun in einem wirtschaftlich und infrastrukturell toten Winkel, der die weitere Entwicklung der Stadt behinderte. Zunächst wurden durch die aus Zentralrussland, Weißrussland, dem Wolgagebiet und der Ukraine angesiedelten Neubürger in der Umgebung der Stadt kollektivierte Landwirtschaftsformen aufgebaut. Das Wirtschaftsleben der Stadt richtete sich nun auch vollständig hierauf aus. Das Stadtbild Bagrationowsks änderte sich durch den Neubau von Wohnhäusern, Abriss der vielen kriegszerstörten Bauten und durch Vernachlässigung der alten Bausubstanz maßgeblich.

Bagrationowsk wurde Sitz eines Rajons. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gewann die Stadt wieder an Bedeutung als Transitstadt, da sich hier der wichtigste Grenzübergang der Kaliningrader Oblast nach Polen befindet.

2008 wurde ein Gedenkstein mit deutscher und russischer Inschrift errichtet: Den Einwohnern von Preußisch Eylau, die durch den Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren haben, zum Gedenken / Errichtet von den Überlebenden und ihren Nachkommen / 2008.Mahn- und Gedenkstätten außerhalb der Bundesrepublik Deutschland. (PDF) Bund der Vertriebenen.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1768 1369 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 544–548 (Google Books). 1782 1455 ohne die Garnison (drei Kompanien Infanterie)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I. Königsberg / Leipzig 1785, S. 16, Nr. 5; . 1798 1682 1802 1620 Stadt 1810 1424 Stadt, darunter vier Katholiken und sieben Mennoniten, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1816 1426 Stadt, darunter 1401 Evangelische, zwei Katholiken und 14 JudenAlexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 272–279, Ziffer 144 (Google Books). 1821 1768 Kreisstadt, mit einem alten Schloss, einem Schullehrerseminar und 191 Privatwohnhäusern 1828 2677 davon 23 Katholiken, acht Mennoniten und 33 Juden, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1831 2064 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 516–517, Ziffer 118 (Google Books). 1858 3252 davon 3100 in der Stadt (3017 Evangelische, 13 Katholiken und 70 Juden) und 152 in den Randbezirken (Mühle, Oberförsterei, Amtsfreiheit, Amtskrug und Fabrik)Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 52, Ziffer 78–83 (Google Books). 1864 3956 am 3. Dezember, davon 3734 in der Stadt und 222 in der Königlichen Oberförsterei (Gutsbezirk)Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, 3. Kreis Pr. Eylau, S. 10–17, Ziffer 60–61 (Google Books). 1871 3723 Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 16–17, Ziffer 10 (Google Books) 1875 3738 1890 3446 davon 42 Katholiken und 42 Juden 1910 3270 Kreisstadt, mit einem Landratsamt, einem Amtsgericht, einer evangelischen Pfarrkirche, einer katholischen Pfarrkirche, einem Lehrerseminar, einem Krankenhaus, einer Bahnmeisterei, einer Brauerei, Mühlen, einer Molkerei, Obst- und Honigverwertung, einer Gießerei, einer Gerberei, einem Sägewerk sowie Leinen-, Vieh- und PferdemärktenPreußisch Eylau, Kreisstadt, am Pasmar, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Preußisch Eylau (meyersgaz.org). 1933 4322 1939 7461

+ Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 1959 1970 1979 1989 2002 2010 2021 Anzahl Einwohner 4438 5563 6049 6728 7216 6400 6417 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Wappen Blasonierung: „Von Schwarz und Silber geteilt; oben ein wachsender, goldener, rotbewehrter Löwe, unten nebeneinander drei schwarze Deutschordenskreuze.“Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte. Band I. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939; Nordostdeutschland: S. 95–96.