mini|hochkant|Duccio di Buoninsegna: Einzug in Jerusalem, 1308 Das Lied Wie soll ich dich empfangen von Paul Gerhardt (1607–1676) erschien erstmals im Jahr 1653 in der fünften Auflage des Gesangbuchs Praxis Pietatis MelicaJohann Crüger: Praxis Pietatis Melica. Das ist: Übung der Gottseligkeit in Christlichen und trostreichen Gesängen. Editio V. Runge, Berlin 1653, S. 779 ff. (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek). von Johann Crüger, der dazu auch die Melodie schuf.
Gestaltung Das Lied gliedert sich zum einen in die Strophen 1 bis 5, gekennzeichnet durch die rahmenden Verben „empfangen“ und „umfangen“. Sie entfalten als individuelle Ansprache an den kommenden Christus Gottes bedingungslose Zuwendung an die Menschen, wie sie die lutherische Rechtfertigungslehre erkannt hatte. Dies erfolgt unter Bezugnahme auf das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (die „Fackel“ in Strophe 1) und die Perikope des 1. Sonntags im Advent, Jesu Einzug in Jerusalem (Strophe 2).
Die Strophen 6 bis 10 wenden sich als seelsorglicher Zuspruch an die Gemeinde, die als in Gram, Not, Schrecken und Anfeindung befindlich dargestellt wird. Dies erfolgt unter besonderer Bezugnahme auf das in der Offenbarung des Johannes dargestellte herannahende Weltgericht (Strophe 6: der Kommende „steht vor der Tür“, ), wobei in den Strophen 7 bis 10 der Begriff Advent (lat.: „Ankunft“, ), also die erwartete Ankunft Christi, vierfach entfaltet wird: „Er kommt, er kommt“ aus Gnade, als Heiland, als König und als Richter.
Text mini|Wie soll ich dich empfangen, Textfassung des Erstdrucks
Melodie
Rezeption mini|EG 11 an der Orgel eingespielt Der Choral, der sich im Evangelischen Gesangbuch (EG 11) findet, wurde auch teilweise von Dietrich Buxtehude vertont. Weltbekannt wurde seine erste Strophe als Bestandteil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, der sie auf die Melodie O Haupt voll Blut und Wunden zum Choral Nr. 5 gestaltete. In dem bis 1951 gebräuchlichen Gesangbuch der evangelisch-protestantischen Kirche in Baden wurde das Lied unter Nummer 61 geführt und nach der Melodie Valet will ich dir geben gesungen. Das Lied ist auch auf viele andere Melodien singbar, darunter auch auf die Melodie des Liedes Befiehl du deine Wege.
Der Choral fand auch Eingang in das freikirchliche Gesangbuch Feiern & Loben (FL 182), das Mennonitische Gesangbuch (MG 236/237) und das Alt-Katholische Gesangbuch Eingestimmt (EGST 307).
Übersetzungen Ins Dänische übersetzt „Hvorledes skal jeg møde og favne dig, min skat? Du skønne morgenrøde …“ im dänischen Kirchengesangbuch Den Danske Salmebog, Kopenhagen 1953, Nr. 73 (nach Brorson 1733), übernommen in: Den Danske Salmebog, Kopenhagen 2002, Nr. 86 (übersetzt von Hans Adolph Brorson [1694–1764; Bischof in Ribe], gedruckt im Gesangbuch von 1733, übernommen in das Gesangbuch Pontoppidan, 1740, dann erst wieder im Anhang zum Gesangbuch Roskilde, 1873, und in weiteren Gesangbüchern); mit Melodie in: Johannes Møllehave: Danske salmer (Dänische Kirchenlieder), Kopenhagen 2006, Nr. 86, S. 136 f.Vgl. Otto Holzapfel: Liedverzeichnis: Die ältere deutschsprachige populäre Liedüberlieferung mit weiteren Hinweisen = Online Update Januar bis März 2022 = Germanistik im Netz / GiNDok [UB Frankfurt/M] = https://publikationen.ub.uni-frankfurt.de files = Liedverzeichnis = Update 2023 "www.ebes-volksmusik.de" (obere Adressleiste des Browsers).
Literatur Paul Gerhardt: Dichtungen und Schriften. München 1957, S. 1–3 (). Johann Friedrich Bachmann: Paulus Gerhardts geistliche Lieder: historisch-kritische Ausgabe. Oehmigke, Berlin 1866, S. 95–97 ().
Weblinks
Wie soll ich dich empfangen im Liederprojekt von SWR2 und Carus-Verlag Bettina Müller-Hesse: . SWR2, 5. Dezember 2012 Wie soll ich dich empfangen? in der christlichen Liederdatenbank Choral: Wie soll ich dich empfangen? im Weihnachtsoratorium von J.S.Bach, BWV 248
Einzelnachweise
Kategorie:Adventslied Kategorie:Religion 1647 Kategorie:Werk von Paul Gerhardt Kategorie:Kirchenlied (protestantisch) Kategorie:Ökumenisches Kirchenlied (AÖL) Kategorie:Lied 1653