Der Rollandtaucher (Rollandia rolland) ist eine Art aus der Familie der Lappentaucher. Es handelt sich um einen verhältnismäßig kleinen, dunkel gefärbten Lappentaucher mit auffällig verlängerten, weißen Federbüscheln an den Kopfseiten. Der Rollandtaucher kommt ausschließlich in Südamerika und auf den Falklandinseln vor. Es werden drei Unterarten unterschieden.
Die IUCN stuft den Rollandtaucher wegen seines großen Verbreitungsgebietes als Datei:LC IUCN 3 1.svg (=least concern – nicht gefährdet) ein.Factsheet auf BirdLife International
Erscheinungsbild Der Rollandtaucher erreicht eine Körpergröße zwischen 24 und 36 Zentimeter. Die Nominatform ist die größte Unterart und erreicht eine Körperlänge zwischen 33 und 36 Zentimeter. Fjeldså, S. 144 Die Flügellänge beträgt 12,9 bis 14,5 Zentimeter. Rollandtaucher wiegen zwischen 262 und 269 Gramm. Männchen sind tendenziell etwas größer und haben einen etwas längeren Schnabel als die Weibchen. Shirihai, S. 237
Der Rollandtaucher ist auf der Körperoberseite überwiegend schwarz, wobei das Gefieder flaschengrün schimmert. Die Körperunterseite ist kupferbraun, die Flanken sind kastanienfarben mit vereinzelten schwarzen Flecken. Die verlängerten weißen Federn am Kopf verlaufen vom Auge bis zum Hinterkopf und bilden an den Kopfseiten ein weißes Dreieck. Einzelne schwarze Federn dazwischen verleihen diesem Dreieck ein etwas gestreiftes Aussehen. Gegen Ende der Fortpflanzungszeit ist das Gefieder meist etwas verblasst, die schwarzen Körperpartien wirken dann bräunlicher, der Bauch eher zimtfarben. Die Augen sind leuchtend dunkelviolett, der Schnabel ist schwarz. Die Füße und Beine sind schwärzlich mit gelben Pünktchen auf der Oberseite. Fjeldså, S. 144
Im Schlichtkleid ist die Kehle weißlich, der Hals ist matt rotbraun und der Bauch ist hell zimtfarben. Die Kopfseiten sind nach wie vor weißlich. Noch nicht geschlechtsreife Vögel haben bräunliche Kopfseiten, einen weißlichen Bauch und einen mehr gelbbraunen Hals.
Stimme Der Rollandtaucher ist ein wenig ruffreudiger Lappentaucher, der während des Winterhalbjahres meist nicht zu vernehmen ist. Krächzende und knurrende Rufe sind für den Menschen nur aus geringer Entfernung wahrnehmbar. Zum Lautrepertoire gehört ein scharfes jarrh oder jrrh, der zu hören ist, wenn die Rollandtaucher aufgeschreckt werden. Fühlen sie sich bedroht ist ein chourrh oder hrrr zu hören. Während der Paarung ist ein summendes jrrmmmmm zu vernehmen. Fjeldså, S. 145 Die Jungvögel haben ein ähnliches Rufrepertoire wie die adulten, allerdings ist die Tonlage etwas höher. Shirihai, S. 237
Verbreitung Das Verbreitungsareal des Rollandtauchers ist 4,8 Millionen Quadratkilometer groß. Es erstreckt sich vom Nordwesten Perus, Boliviens, Paraguays und dem Süden Brasiliens bis nach Tierra del Fuego. Die Art kommt außerdem in geringer Zahl auf den Falklandinseln vor. Der Rollandtaucher ist häufig an Seen des südamerikanischen Hochlands in Höhen zwischen 2.500 und 4.500 Metern anzutreffen.
Lebensraum Der Rollandtaucher nutzt eine große Bandbreite an Feuchtgebieten, kommt aber bevorzugt an solchen Gewässern vor, die ein enges Mosaik von dicht mit Wasserpflanzen bewachsenen Stellen und offenen Wasserflächen aufweisen. Zum typischen Lebensraum gehören unbewachsene Kanäle zwischen mit Riedpflanzen bewachsenen Sümpfen. Er ist außerdem häufig an Seen und Teichen zu finden, die eine dichte Schwimmpflanzenvegetation aufweisen. Dort, wo er mit dem flugunfähigen Titicaca-Taucher um geeigneten Lebensraum konkurriert, hält er sich bevorzugt in diesen Schwimmpflanzenzonen auf. Fjeldså, S. 145 In Regionen, in denen kleine Seen und Teiche während der Trockenzeit austrocknen, versammeln sich Rollandtaucher außerhalb der Fortpflanzungszeit gelegentlich zu tausenden auf größeren Seen. Fjeldså, S. 146
Lebensweise Der Rollandtaucher ist bezüglich seiner Nahrung sehr anpassungsfähig. Er frisst gewöhnlich Wasserinsekten und deren Larven sowie kleine Fische. Seine Nahrung sucht er bevorzugt in den Dämmerungsstunden am Abend und am Morgen.
Während der Fortpflanzungszeit ist der Rollandtaucher sehr territorial und verteidigt energisch sein Revier. Er hält sich in dieser Zeit überwiegend im Pflanzengürtel auf und sucht dort auch den größten Teil seiner Nahrung. Rollandtaucher, die sich verunsichert fühlen, lehnen typischerweise den Hals leicht zurück und beäugen dann unter Kopfwenden ihre Umgebung. Der Schwanz ist dabei aufgestellt. Häufig verharren sie halb untergetaucht und bewegungslos in der Schwimmpflanzenvegetation.
Rollandtaucher gehen nach jetzigem Erkenntnisstand eine mehrjährige Paarbindung ein. Sie bauen ihre Nester bevorzugt in der Riedgürteln entlang offener Gewässer. In Peru können Rollandtaucher ganzjährig zur Brut schreiten, in der Regel werden jedoch die meisten Gelege im Zeitraum Oktober bis Dezember gelegt. Das Gelege besteht normalerweise aus zwei Eiern. Die Eier sind anfangs elfenbeinfarben, werden jedoch im Verlauf der Brut sehr schnell fleckig. Woods, S. 38 Die Küken bleiben während der ersten Woche überwiegend im Nest und werden dann allmählich von den adulten Elternvögel mitgenommen. Die Brutzeit und die Nestlingsdauer sind bis jetzt nicht genau untersucht. Fjeldså, S. 146
Innere Systematik Es werden drei Unterarten unterschieden.IOC World bird list Grebes, flamingos Die auf den Falklandinseln endemische NominatformJoseph Paul Gaimard (1823), S. 53 ist zweimal schwerer als Individuen der Unterart Rollandia rolland chilensis (, 1828)René Primevère Lesson (1828), S. 358. Von dieser kommen noch etwa 750 bis 1.400 auf den Falklandinseln vor. Woods, S. 39 Die Unterart Rollandia rolland morrisoni (, 1962)Kenneth Edwin Laurence Ryder Simmons (1962), S. 93. ist etwas schwerer als R. r. chilensis und hat einen kräftiger ausgebildeten Schnabel. Sie kommt ausschließlich am Junín-See in Zentralperu vor. Die Unterart R. r. chilensis ist auf das übrige südamerikanische Festland begrenzt. Shirihai, S. 237
Etymologie und Forschungsgeschichte Die Erstbeschreibung des Rollandtauchers erfolgte 1823 durch Joseph Paul Gaimard unter dem wissenschaftlichen Namen Podiceps rolland. Als Verbreitungsgebiet gab er die Falklandinseln an. 1856 führte Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte die Gattung Rollandia für den Rollandtaucher ein.Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1856), S. 775 Der Begriff ehrt wie der Artname den Meisterschützen Thomas Pierre Rolland (1776–1847), der auf der Korvette Uranie seinen Dienst absolvierte. Chilensis bezieht sich auf Chile. Morrisoni ehrt Alastair Robin Gwynne Morrison (1915–2009). Alfred Laubmann betrachtete für Paraguay nur die Unterart R. r. chilensis. Für Paraguay sah er in der Literatur nur einen Nachweis durch John Graham Kerr vom Río Pilcomayo.John Graham Kerr (1892), S. 151 Laubmann selbst lag ein Balg von Adolf Neunteufel (1909–1979) gesammelt in Encarnación vor.Alfred Laubmann (1939), S. 66 Oft findet man in der Literatur Jean René Constant Quoy und Joseph Paul Gaimard als Erstautoren aus dem Jahr 1824.Jean René Constant Quoy u. a. (1824), S. 133–134. Da Gaimard den Vogel bereits 1823 beschrieben hatte, hat diese Beschreibung Vorrang nach den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur. Paul Louis Oudart lieferte die Tafel zur Beschreibung von Quoy & Gaimand, Jean Louis Denis Coutant (1776–1863) den Kupferstich.Paul Louis Oudart u. a. (1824), Tafel 36. Lange wurde Podiceps speciosus , 1877Enrique Lynch Arribálzaga (1877), S. 1 als Synonym zur Schwarzkopf-Zwergtaucher-Unterart (Tachybaptus dominicus brachyrhynchus (, 1899)) betrachtet. Speciosus leitet sich von .speciosus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Es war schließlich Robert Winthrop Storer der herausarbeitete, dass Arribálzaga hier in Wirklichkeit ein Synonym für die Rollandtaucher-Unterart Rollandia rolland chilensis beschrieben hatte.Robert Winthrop Storer (1975), S. 148–151
Bestand Der Bestand wird von der IUCN auf 100.000 bis 110.000 geschlechtsreife Individuen geschätzt.
Belege Literatur
Weblink
Einzelbelege
Kategorie:Lappentaucher