mini|hochkant=1.8|Die phänologische Uhr für Deutschland zeigt die durchschnittlichen Eintrittstermine der phänologischen Jahreszeiten im Zeitraum 1961–1990, sowie 1991–2019.Kaspar, F., Zimmermann, K., Polte-Rudolf, C.: An overview of the phenological observation network and the phenological database of Germany's national meteorological service (Deutscher Wetterdienst), Adv. Sci. Res., 11, 93–99, doi:10.5194/asr-11-93-2014, 2014. Die Phänologie ( und -logie) befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur und die Phänometrie mit der Erfassung dieser Erscheinungen.
Die Phänologie beschäftigt sich hauptsächlich mit biologischen Prozessen im Kontext der Ökologie und Biogeographie. Die Eintrittszeiten charakteristischer Erscheinungen werden in einem „phänologischen Kalender“ festgehalten. Dieser unterteilt das „phänologische Jahr“ in physiologisch-biologisch begründete zehn „phänologische Jahreszeiten“ und orientiert sich an charakteristischen Entwicklungsstadien typischer Pflanzen (phänologischer Zeigerpflanzen) und an dem Verhalten der Tiere.
Ursprünglich in der Phänomenologie der Agrometeorologie beheimatet, hat sich die Phänologie in der modernen Zeit im Besonderen als leistungsfähiges Eichwerkzeug für Klima- und Wettermodelle herausgestellt und wird weltweit an klimatologischen und meteorologischen Forschungseinrichtungen fokussiert behandelt.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Phänologie und ZAMG. Online auf Phenowatch.at, abgerufen am 22. Dezember 2016. Von Bedeutung ist sie auch für die Klimawandelforschung.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Pflanzen, Tiere und Klimawandel. Online auf Phenowatch.at, abgerufen am 22. Dezember 2016.
Phänologischer Kalender Das Eintreten der phänologischen Jahreszeiten basiert auf den jährlich wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungsstadien ausgewählter, typischer Pflanzen in der Natur. Beobachtet und erfasst werden Blüte, Blattaustrieb, Fruchtreife und Laubfall, die im Jahresverlauf zehn phänologische Jahreszeiten entstehen lassen. Erfasst werden auch landwirtschaftliche Kulturpflanzen sowie Bestellung und Ernte. Die phänologischen Jahreszeiten variieren in Abhängigkeit von der Großwetterlage und dem regionalen Klima und differieren auch in den verschiedenen Jahren. Die phänologischen Jahreszeiten decken sich nicht mit den an fixe Anfangs- und Enddaten gebundenen astronomischen und meteorologischen Jahreszeiten. In der Landwirtschaft sind es aber gerade die phänologischen Jahreszeiten, die dem Bauern helfen zu beurteilen, welche Arbeiten für seinen Landstrich anfallen.
Die Auswertung der Beobachtung ausgewählter Zeigerpflanzen ermöglicht Rückschlüsse auf regionale, aber auch auf globale Klimaschwankungen bzw. Klimaverschiebungen. Mit dem Ziel die Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt in Deutschland zu minimieren, beobachtet auch das Umweltbundesamt genau zu welchen Veränderungen es z. B. bei der Verschiebung der Vegetationszonen, den Veränderung des Vogelzugverhaltens und dem Rückgang kälteliebender Arten kommt. Für Deutschland gibt es bisher keine breit angelegten Untersuchungen oder systematischen Beobachtungen, die die Folgen phänologischer Verschiebungen für Pflanzen und Tieren darstellen. Es werden jedoch weitere Verschiebungen der phänologischen Phasen eine Zunahme damit einhergehender Veränderungen erwartet. Für das 20. Jahrhundert lässt sich feststellen, dass die Frühlingsphasen immer früher eintreten, was sich auf Einflüsse des globalen Klimawandels zurückführen lässt. Die phänologische Vegetationsperiode, die der Summe der Tage des phänologischen Frühlings, Sommers und Herbstes entspricht, verlängert sich aktuell. Während die Vegetationsperiode in den 30 Jahren von 1951 bis 1980 im Mittel lediglich 222 Tage dauerte, verlängerte sie sich im Durchschnitt während der 30 Jahre (von 1988 bis 2017) um 10 Tage auf 232 Tage. Dabei ist zu beachten, dass die Länge der Vegetationsperiode über die Jahre hinweg stark variiert.BD-I-1: Phänologische Veränderungen bei Wildpflanzenarten Umweltbundesamt, abgerufen am 8. Mai 2021.
Grundlagen der Phänologie mini|Kirschblütenfest in Japan Geschichtliches In Japan führt man bereits seit Anfang des 8. Jahrhunderts phänologische Beobachtungen durch, die zum Teil fester Bestandteil der Kultur geworden sind. So wird das Kirschblütenfest als Symbol des wiedererwachenden Lebens bis heute in ganz Japan als ein großes Volksfest gefeiert.
Der Botaniker Hermann Hoffmann führte 1882 einheitliche Richtlinien für die phänologische Erfassung von Beobachtungen der Erscheinungsformen in der Natur ein. Zur Zeit des Dritten Reichs versprach man sich von diesen Beobachtungen eine bestmögliche Ausnutzung der landwirtschaftlichen Flächen zur besseren Versorgung der Bevölkerung. Daher wurden bis 1941 insgesamt 7000 Beobachterstellen geschaffen, die phänologischen Daten systematisch erfassten und veröffentlichten.Phänologie – Die Erscheinungen in der Natur NABU, abgerufen am 8. Mai 2021.
Ab 1945 übernahm der Deutsche Wetterdienst die phänologischen Beobachtungen. Der Agrarmeteorologe Fritz Schnelle gründete 1957 in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin die „Internationalen Phänologischen Gärten“ (IPG).Die Internationalen Phänologischen Gärten Europas Humboldt-Universität Berlin, abgerufen am 8. Mai 2021.
Die Berliner Uni koordiniert darüber hinaus das phänologische Netzwerk „Global Phenological Monitoring Program – GPM“, in dem Wissenschaftler weltweit untersuchen, wie Pflanzen auf klimatische Bedingungen und Klimaveränderungen reagieren.Global Phenological Monitoring Programme Humboldt-Universität Berlin, abgerufen am 8. Mai 2021.
Phänologische Zeigerpflanzen und Beobachtungskriterien mini|Weiblicher Blütenstand der Haselnuss Beobachtungskriterien Beginn der Blüte bei drei bis vier beobachteten Pflanzen einer Art Vollblüte, bei über 50 Prozent der beobachteten Art Ende der Blüte, über 95 Prozent der Blüten sind abgestorben Beginn der Blattentfaltung, wenn an drei bis vier Stellen der beobachteten Pflanzen die normale Blattoberfläche erreicht ist und das Blatt sich bis zum Blattgrund entwickelt hat volle Blattentfaltung, wenn sich 95 Prozent aller Blätter entfaltet haben.
Wildpflanzen Wildpflanzen werden nach Regionentypus ausgewählt, wenn sie häufig oder leicht zu beobachten sind:
Bergahorn, Besenheide, Birke, Buschwindröschen, Europäische Lärche, Fichte, Flieder, Frühlingsknotenblume, Haselnuss, Heidelbeere (Blaubeere), Herbstzeitlose, Löwenzahn, Robinie, Rosskastanie, Rotbuche, Sal-Weide, Schlehdorn, Schneeglöckchen, Schwarzer Holunder, Stiel-Eiche, Vogelbeere (Eberesche), Wald-Erdbeere, Wiesen-Knäuelgras, Winter-Linde
mini|Phänologie des Olivenbaums mit BBCH-Code: a-50, b-51, c-54, d-57, e-60, f-65, g-67, h-68 (Oteros et al., 2013)José Oteros, Herminia García-Mozo, Luis Vázquez, Antonio Mestre, Eugenio Domínguez-Vilches, Carmen Galán: Modelling olive phenological response to weather and topography. In: Agriculture Ecosystems & Environment. 179, 2013, S. 62–68. Online auf Researchgate.net, abgerufen am 28. Dezember 2016.José Oteros: Modelización del ciclo fenológico reproductor del olivo (Olea europaea L.). In: Tesis Doctoral (Dissertation), Universidad de Córdoba, España, Januar 2014. Online auf Researchgate.net, abgerufen am 28. Dezember 2016.
Nutzpflanzen Nutzpflanzen aus Landwirtschaft und Obstbau:
Aprikose (Marille), Kulturapfel, Mais, Pflaume/Zwetschge, Raps, Rote Johannisbeere (Ribisel), Sommergetreide (Gerste, Hafer, Roggen, Weizen), Sonnenblume, Spätkartoffel, Süßkirsche, Weinrebe, Wintergetreide, Zuckerrübe
Zierpflanzen Zierpflanzen im Garten, hierbei wird je nach Beobachtungsprogramm eine bestimmte Ziersorte ausgewählt:
Europäischer Pfeifenstrauch (Philadelphus coronarius), Flieder (Syringa vulgaris), Forsythien (Forsythia suspensa), Herbstblühende Zaubernuss (Hamamelis virginiana), Zaubernuss (Hamamelis × Intermedia)
Phänologie des Tierverhaltens Den jeweiligen phänologischen Jahreszeiten lässt sich auch das Verhalten von Tieren entsprechend zuordnen, wie z. B. das erste Auftreten von Bienen, Schmetterlingen (z. B. Kleiner Fuchs, Kleiner Kohlweißling, Zitronenfalter), die ersten Kuckucksrufe, Ausfliegen der Maikäfer oder der Vogelzug. Ähnlich aufschlussreich sind das Erwachen bestimmter Arten (z. B. der Bilche aus dem Winterschlaf) sowie das Einsetzen der Balz bei bestimmten Tierarten. Durch die Beobachtung des Tierverhaltens kann einerseits fehlender Bestand einer Zeigerpflanze (oder der regionale oder in Aufzeichnungen vorhandene Wechsel zu einer anderen) überbrückt werden und anderseits lassen sich die phänologischen Phasen auch auf Extrem- und Höhenlagen ausdehnen.
Phänologische Jahreszeiten Mitteleuropas Das phänologische Jahr wird in zehn physiologisch-biologisch begründete sogenannte „phänologische Jahreszeiten“ eingeteilt, die durch spezielle phänologische Indikatoren (Leitphasen) gekennzeichnet werden.Phänologische Jahreszeiten. Auf DWD, abgerufen am 28. Dezember 2016.
Für Gärtner und in der Landwirtschaft Tätige bietet die Beobachtung der entsprechenden Zeigerpflanzen Orientierung, wenn es darum geht, die passende Zeit für Arbeiten im Garten und auf dem Feld festzulegen. Da die phänologischen Jahreszeiten auf das Mikroklima der jeweiligen Region abgestimmt sind, variiert der richtige Zeitpunkt für bestimmte Arbeiten von Region zu Region. Die wohl bekannteste Gartenempfehlung, die ihren Ursprung in der Phänologie hat, ist, dass der Rosenschnitt erst durchgeführt werden sollte, wenn die Forsythien blühen.
Bei der Aufzählung der Gartenarbeiten handelt es sich um eine Auswahl. Regelmäßig anfallende Arbeiten, wie z. B. das Jäten von Unkraut, die nicht von der Jahreszeit abhängen, werden in der Aufzählung nicht erwähnt.
Vorfrühling Typische Zeigerpflanzen mini|Blühende Frühlingsknotenblumen Der Vorfrühling beginnt meist Ende Februar oder Anfang März. Er wird angezeigt durch die erste BlüteErste Blüte auf phenowatch.at. von Haselnuss, Schneeglöckchen, Christrosen, Winterlinge, Märzbecher, Krokusse, Huflattich, Leberblümchen, Schlüsselblumen, Kornelkirsche, Seidelbast sowie Schwarz-Erle und Salweide.Über den Vorfrühling Wildfind, abgerufen am 7. Mai 2021. Der Winter-Jasmin steht in Vollblüte und in den Alpen beginnt der AustriebAustrieb auf phenowatch.at. des Bergahorns.
Aktivitäten in der Tierwelt An den Frühblühern sind Hummeln zu sehen und auf den Wiesen werden die ersten frischen Maulwurfshügel aufgeworfen. Stare und Feldlerchen kehren aus ihren Überwinterungsgebieten zurück und die Amseln beginnen mit dem Nestbau.
Gartenarbeiten im Vorfrühling Beste Zeit für den Obstbaumschnitt Pflanzung von Obstgehölzen Gemüse und Kräutern mit langer Entwicklungszeit vorziehen, z. B. Auberginen, Paprika, Tomaten, Thymian, Rosmarin, Kohlrabi, Majoran, Sellerie, Sommerlauch und Zitronenmelisse Robuste Gemüse- und Kräuterarten im Freien aussäen, z. B. Spinat, Schwarzwurzeln, Schnittlauch, Dicke Bohnen, Kresse, Radieschen, Rettich, Pflücksalat, Pastinaken und Petersilie Kaltkeimer im Freien aussäen, z. B. Akelei, Christrose, Diptam, Eisenhut, Kaiserkronen, Kuhschellen, Lungenkraut, Maiglöckchen, Primeln, Pfingstrosen, Schlüsselblumen, Tränendes Herz, Taglilien, Trollblume und Veilchen Robuste Sommerblüher im Freien aussäen, z. B. Ringelblume, Rittersporn, Kornblume, Klatschmohn, Goldmohn, Schleierkraut, Schleifenblume und Jungfer im Grünen Schnitt von Hecken und Pflegeschnitt von Blütensträuchern, z. B. Bauernjasmin, Forsythien, Deutzien, Sommerflieder und Weigelien Entfernen von Fruchtmumien an Obstbäumen und abgestorbenen Blütenständen bei mehrjährigen Stauden Bei Bedarf Kompost ausbringenVorfrühling: ca. Ende Februar bis Ende März Waschbär, abgerufen am 7. Mai 2021.
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