Die Mur (slowenisch, kroatisch und ungarisch Mura) ist ein Nebenfluss der Drau, der durch Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn fließt und in Teilen seines Verlaufs auch die Grenze zwischen diesen Staaten bildet.
Name Erstmals schriftlich belegt ist der Fluss für das Jahr 904 als in flumen Muora. Die Deutung des Namens ist unsicher. Er könnte sich vom germanischen Wort *mōra mit der Bedeutung „Morast, sumpfartiges Land“ ableiten und ursprünglich die umliegende Gegend bezeichnet haben.
Verlauf mini|links|hochkant|Murursprung ()120 Jahre Murkommission, S. 32. mini|links|Die junge Mur
Die Mur entspringt südöstlich des Murtörls () in der Schmalzgrube auf einer Höhe von etwa in der Ankogelgruppe (im Nationalpark Hohe Tauern) im Salzburger Lungau und entwässert diesen Landesteil Salzburgs am Beginn der Mur-Mürz-Furche als oberes Murtal und einzigem Gewässer nach Osten, unter anderem durch das Aichfeld.
Sie fließt weiter als Hauptfluss durch die Steiermark, zunächst nordöstlich bis Bruck und das Murknie, dann nach dem Durchbruch durch das Steirische Randgebirge im mittleren Murtal südwärts bis zur Hauptstadt Graz im gleichnamigen Grazer Feld.
mini|links|Luftbild der Mündung in die Drau
In der Südsteiermark bildet sie die Grenze zu Slowenien. Im weiteren Verlauf fließt sie ostwärts durch Slowenien, bildet danach die Grenze zwischen Slowenien und Kroatien und schließlich zwischen Kroatien und Ungarn. Als letzter größerer Nebenfluss mündet in Kroatien die Trnava in die Mur. Nach 453 km mündet sie bei Legrad an der kroatisch-ungarischen Grenze in die Drau. Kurz davor mündet der Prinzipal-Kanal in sie ein, der die Zala mit der Mur verbindet.Verlag Ed. Hölzel: Oberstufenatlas (1981).
Natur und Umwelt
mini|links|Der Stauraum Gralla als Lebensraum für Wasservögel
Schon an ihrem Oberlauf in Österreich zählte die Mur bis in die späten 1980er Jahre vor allem durch Abwässer der an ihren Ufern und Zuflüssen angesiedelten Papier- und Kartonindustrie in Pöls, Hinterberg, Niklasdorf, Frohnleiten und Gratkorn sowie der Schwerindustrie (Voestalpine Donawitz) zu den am stärksten verschmutzten Flüssen Österreichs.
Heute ist die Mur in ihrem langsam fließenden steirischen Bereich südlich von Graz weitgehend saniert und weist eine zufriedenstellende Gewässergüte auf, wie die Rückkehr einiger sensibler Fischarten (z. B. der Äsche) beweist. Seither hat sich die Wasserqualität kontinuierlich verbessert. Im Jahr 2014 wurde die Mur mit dem European River Prize ausgezeichnet. Im Jahr 2015 wurde die Mur für den Thiess International Riverprize nominiert und kam auf den zweiten Platz. Abgerufen am 3. August 2015 Die Renaturierung wurde und wird dort, wo es wirtschaftlich vertretbar ist, fortgesetzt. Seit 2002 wurden im Oberlauf beispielsweise in der Nähe der Orte Mauthof nahe Murau, Thalheim (Gemeinde Pöls-Oberkurzheim) und Apfelberg (Gemeinde Knittelfeld) Rückbauten der Uferbefestigungen vorgenommen, Altarme reaktiviert und Auwälder angelegt.
Im Stauraum des Murkraftwerkes Gralla haben sich auch zahlreiche Wasservögel angesiedelt. Bei der dort errichteten Beobachtungsstation kann man verschiedene Entenarten, Schwäne und Reiher (wie Silberreiher und Graureiher) beobachten. Mit etwas Glück bekommt man auch einen Eisvogel zu sehen. Über das Aufstauen des Flusses aufgrund der Wasserkraftwerke und der Anhebung des Grundwasserspiegels konnten zumindest teilweise in den nicht durch intensiven Ackerbau (zumeist Maisanbau) genutzten Flächen wieder Landschaften entstehen, die der Aulandschaft vor den Regulierungsmaßnahmen zumindest ähnlich sind. Bis 1979 wurde in einem dieser Auwälder in der Marktgemeinde Gössendorf die Kläranlage der Stadt Graz errichtet. Täglich fließen an die 75.000 m³ gereinigtes Abwasser in den Fluss. Die gegenwärtig auf 500.000 Einwohnerwerte ausgelegte Anlage konnte die Wasserqualität flussabwärts der Landeshauptstadt erheblich verbessern.Karin Hirschmugl: Alles klar mit dem Grazer Abwasser. In: BIG – Die offiziellen Seiten der Stadt Graz, Ausgabe vom April 2018, S. 8–9.H. Kainz, G. Maurer & E. Tschaussnig: Planung und Ausbau der Kläranlage Graz. In: Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft, 57. Jahrgang, Heft 5/6 (Mai/Juni 2005), S. 63–70, doi:10.1007/BF03169026.
Angrenzend an den Fluss sind dort, wo keine landwirtschaftliche Nutzung der angrenzenden Flächen erfolgt, Feuchtwiesen oder Auwald vorhanden. Die typischen Pflanzenarten, wie Sumpfdotterblumen, findet man in den Wiesen oder bewaldeten Flächen neben der Mur (z. B. in der Höhe des Flusskraftwerks Gabersdorf).
Am 15. September 2021 erfolgte die Anerkennung des 2020 eingereichten Projekts Biosphärenpark Mur-Drau-Donau durch die UNESCO. Der WWF engagierte sich seit den 1990er-Jahren für ein solches Flussschutzgebiet. Es umfasst 700 Flusskilometer und 9300 km3 Gebiet (Kern- und Übergangszone) in 5 Staaten. In Österreich liegt der Teil links der Grenzmur zu Slowenien – von Spielfeld bis Bad Radkersburg.Köstinger: 5-Länder-Bioshärenparks "Mur-Drau-Donau" - Anerkennung durch die UNESCO ist ein "Meilenstein für den Naturschutz" ots.at, APA, 15. September 2021, abgerufen am 16. September 2021.
Nutzung Wasserkraftwerke
mini|Personifikation der Mur am Albrechtsbrunnen in Wien (2008) mini|Der Murstausee, wenige Kilometer westlich von Muhr (2018) mini|Das Flusskraftwerk in Gralla (Juli 2009) mini|Das Flusskraftwerk in Gralla (Oktober 2009) mini|Verbundkraftwerke in der Steiermark
Gegenwärtig gibt es in Österreich die folgenden Wasserkraftwerke an der Mur; 21+ davon werden von der Verbund AG (mit)betrieben. Für Stübing ist Stand 2025 ein weiteres geplant. In Fließrichtung sind dies:
Name Betreiber (1.) Inbetriebnahme Leistung(MW) Jahreserzeugung(GWh) Gemeinde MurfallAnm. Zur Kraftwerksgruppe Lungau gehören drei weitere Kraftwerke: Kraftwerk Rotgülden mit Plölitzenspeicher, …Nationalparkgemeinde Muhr > Kraftwerk Murfall muhr-tourismus.at, abgerufen am 8. März 2020. Salzburg AG 1922 0,78 3,7 Muhr, Land Salzburg Bodendorf-Paal Verbund AG 1982 27 86 St. Georgen am Kreischberg, Steiermark Bodendorf-Mur Verbund 1982 7 34 St. Georgen am Kreischberg St. Georgen Verbund 1985 6 32 Sankt Georgen ob Murau MurauDr. Krauß ZT GmbH > Wasserbau > Flusskraftwerke krauss.g03.net, abgerufen am 8. März 2020. Murauer Stadtwerke 1908 4,5 22 Murau Fisching Verbund 1994 22 74 Weißkirchen in Steiermark Leoben Verbund 2005 10 50 Leoben Kraftwerk Niklasdorf MeinAlpenStrom GmbH 1895 5 19 Niklasdorf Dionysen Verbund 1949 16 85,9 Oberaich Bruck an der Mur Stadtwerke Bruck an der Mur 1903 3 ? Bruck an der Mur Pernegg Verbund 1927 22 121,4 Pernegg an der Mur Laufnitzdorf Verbund 1931 18 121 Laufnitzdorf Frohnleiten MeinAlpenStrom GmbH 1925 10 47 Frohnleiten Rabenstein Verbund 1987 14 64,5 Frohnleiten Peggau Verbund 1908 13 84,2 Peggau Friesach Verbund 1998 12 60 Peggau Stübing Verbund geplant 11–12 54–60 Kleinstübing Kraftwerk Sappi Gratkorn Nord Papierfabrik Sappi vor 1990 Gratkorn, bei Zigeunerloch (Höhle) Kraftwerk Sappi Gratkorn Süd Papierfabrik Sappi vor 1900 Gratkorn, in der Papierfabrik Kraftwerk Gratkorn Verbund + Energie Steiermark 2024 11https://www.kraftwerkgratkorn.at/ 54,2 Gratkorn, nahe Graz Weinzödl, mit Ausleitungskraftwerk rechts zum Grazer Mühlgang Verbund 1982 16 63 Graz (Nordrand), Maschinen erneuert ca. 2018 Graz-Puntigam Energie Steiermark 2019 16 74 Graz-Puntigam/Liebenau Gössendorf Verbund 2012 19 88,6 Gössendorf Kalsdorf Verbund 2013 19 81,2 Kalsdorf bei Graz Mellach Verbund 1985 16 74 Mellach Weissenegg Verbund 1985 1 5,7 Werndorf Lebring Verbund 1988 20 83,9 Lebring. KrW Lebring Neu ersetzt seit 1988 das gleichnamige rechte Ausleitungskraftwerk aus um 1903, umgebaut 1924. Dieses bleibt teilweise, besichtigbar bestehen. Gralla Verbund 1964 15 71,8 Gralla Gabersdorf Verbund 1974 14 68 Gabersdorf Obervogau Verbund 1978 13 60 Obervogau Spielfeld Verbund 1982 13 67 Spielfeld
Die Errichtung des folgenden Kraftwerks ist (Stand 2025) geplant:
Kraftwerk Stübing, in Kleinstübing (geplant, 12 MW, 57,8 GWh/a)
Ein im Juni 2010 im Rahmen des Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren erstelltes Gutachten bescheinigt dem Projekt für die Staustufe Gratkorn negative Auswirkungen auf den Fischbestand. Bemerkenswert ist, dass das Gutachten des Gewässerökologen Clemens Gumpinger nicht von Gegnern des Projekts, sondern von der Verbund AG, dem Projektwerber selbst, beauftragt wurde.
Nach der Fertigstellung ist mit dem weitgehenden Verschwinden von 21 Fischarten zu rechnen. Neben dem bereits auf der Roten Liste gefährdeter Arten befindlichen Huchen wären Äsche und Strömer am stärksten betroffen. Die geplanten Fischaufstiegshilfen könnten von den Fischen zwar überwunden werden, sie würden damit jedoch lediglich ins nächste Staugebiet gelangen. Viele Fischarten in der Mur benötigen für die Fortpflanzung jedoch fließendes Gewässer.kleinezeitung.at – Murkraftwerke bedrohen Fischbestand Abgerufen am 6. Juni 2010, nicht abrufbar 1. Jänner 2022.
Der WWF sowie andere Naturschutzeinrichtungen distanzierten sich vom lückenlosen Ausbau der Wasserkraft an der Mur und forderten stattdessen ein Ausnutzen der bereits vorhandenen Einsparpotentiale bei Raumwärme, Warmwasseraufbereitung, Beleuchtung und Verkehr, sowie den Ausbau anderer erneuerbarer Energiequellen wie Wind, Biomasse und Solarenergie.Kraftwerksprojekte: WWF fürchtet um Huchen, ORF Steiermark vom 16. Februar 2011, abgerufen am 5. Jänner 2023.
Grazer Mühlgang
Heute aus dem Stau des Kraftwerks Graz-Weinzödl (errichtet 1982) mit einem Kleinkraftwerk rechtsufrig ausgeleitet, durchmisst der Grazer Mühlgang die Landeshauptstadt und verläuft über Feldkirchen bis Großsulz bei Kalsdorf insgesamt 23 km weit. Er kommuniziert mit verschiedenen Bächen. Der Schleifbach, eine Ausleitung des Mühlgangs unterhalb des Kraftwerks Gösting, trieb ehemals Mühlen von Messerschleifern an und wurde 2017 auf seiner gesamten Länge (2,2 km) verrohrt (1,2 m Dm.), um zuletzt ein Kleinkraftwerk am rechten Murufer zu speisen.
Der Mühlgang treibt etwa ein Dutzend Kleinkraftwerke an, wo (in Graz) von frühestens 1270 bis spätestens Anfang 2014 (Rösselmühle) ehemals Mühlen betrieben wurden. Das zumindest seit 2005 stillstehende hölzerne Mühlrad der Gefällestufe der ehemaligen Taggermühle wurde um 2016/2017 nach Zersägen seiner hölzernen Achse herausgehoben. Im Umgehungsgerinne dieser Mühle wurde ein Schwall zum Flusssurfen eingerichtet. Eine Paddelslalom-Trainingsstrecke findet sich auf den ersten 100 m, ein Schwall für Paddelakrobatik auf Höhe des Kreisverkehrs Puchstraße.
Vor und nach dem Schlossberg gab es linksufrig ehemals zwei Mühlgänge in Graz, diese wurden schon vor Jahrzehnten stillgelegt, der obere in Geidorf um 1977.
Wassersport
mini|Kanadier-Boote an der Mur bei Weitersfeld vorbereitet für die Fahrt nach Bad Radkersburg
Insbesondere in Graz und hier wiederum knapp unterhalb der Erzherzog-Johann-Brücke und der Radetzkybrücke surfen Sportler mit Brett oder Paddelboot in stehenden Wellen, die sich durch eingerichtete Steine bei günstigen Wasserständen ausbilden. 2003 fand an der (damals noch) Hauptbrücke die Paddel-Rodeo-Weltmeisterschaft statt. Ein Bootshaus im Zentrum beim Marburgerkai diente wohl in historischen Zeiten dem Ein- und Ausbooten auch von Ruderbooten. 2014 wurde im nunmehrigen Staubereich des Kraftwerks Gössendorf am südlichen Stadtrand am linken Ufer das Bootshaus eines neuen Ruderclubs in Betrieb genommen. Am rechten Ufer etwas oberhalb gibt es seit etwa 2014 einen Paddelbootverleih. Um 2008 hat die Grazer Feuerwehr Stahlprofile entfernt, die jahrzehntelang als Reste einer Hilfsstütze unter der Eisenbahnbrücke in Flussmitte ein Stück vom Grund hochstanden. Mitte Jänner 2012 haben Aktivisten von Rettet die Mur, einer Bürgerinitiative, die sich gegen ein weiteres Murkraftwerk in Graz einsetzt, beim niedrigsten Wasserstand seit vielen Jahren auf Höhe des Grazer Augartens Eisenteile und -draht herausgeklaubt, um den Fluss für Sportler sicherer zu machen.
Schiffsmühlen auf der Mur