Die Legende von Sigurd und Gudrún (englischer Originaltitel: The Legend of Sigurd and Gudrún) ist ein Erzählgedicht von J. R. R. Tolkien. Das Buch wurde weltweit am 5. Mai 2009 durch Houghton Mifflin Harcourt und HarperCollins veröffentlicht.
Von Tolkien während der 1920er und 1930er Jahre gedichtet, ist die Ballade durch die Legende von Siegfried (Sigurd) und dem Untergang der Nibelungen aus der nordischen Mythologie inspiriert. Sie ist in Form von Stabreimen geschrieben, die sich an der traditionellen Lyrik der Lieder-Edda aus dem 13. Jahrhundert orientieren. Der Herausgeber Christopher Tolkien hat dem Werk seines Vaters zahlreiche Anmerkungen und Kommentare hinzugefügt.
Handlung Das neue Wölsungenlied Upphaf – Eingang Nach Erschaffung der Neun Welten durch die Asen werden die Mauern von Asgard von einem Heer von Riesen und Trollen belagert. Indem er seinen Hammer Mjölnir schwingt, gelingt es dem Gott Thor, diese „Feinde auf ewig“ zurück nach Jötunheim zu treiben. Es droht jedoch neues Unheil.
Eine Seherin prophezeit die apokalyptische Schlacht der Ragnarök und erzählt, wie einst Odin von dem riesigen Wolf Fenrir und Thor von der Midgardschlange getötet werden. Es gibt nur eine Möglichkeit, den Untergang der Neun Welten abzuwenden. Wenn am Tag der Schlacht ein sterblicher Krieger, ein Drachentöter und Nachkomme Odins auf der Seite der Götter kämpft, dann werden die Kräfte des Bösen besiegt werden und die Welt wird neu geboren.
Daraufhin zeugt Odin unter den Sterblichen eine Reihe von Helden und obwohl sich ihm viele mächtige Krieger in Walhall anschließen, bleibt die Ankunft des „Erwählten der Welt“ noch aus.
Andwaris Gold Nach vielen Zeitaltern kommen Odin, Loki, und Hönir zu der Höhle des Zwergs Andwari. Dort treffen sie auf den Sohn des Dämonen Hreidmar, Otr, und da sie ihn in seiner Gestalt lediglich für einen Fischotter halten, erschlägt Loki ihn mit einem Stein, zieht ihm das Fell ab und stiehlt den Lachs, den er gefangen hatte. Wütend fesseln Hreidmar und seine Söhne Fafnir und Regin daraufhin die drei Götter mit unzerbrechlichen Ketten und verlangen, dass man Otrs Fell mit Gold bedecke, als Wergeld für dessen Tod.
In dem Bemühen, das Wergeld zu zahlen, sucht Loki den Zwerg Andwari auf und erpresst von ihm den Goldschatz. Obwohl Andwari versucht, einen goldenen Ring zu verstecken, bringt Loki auch diesen an sich. Erzürnt schwört Andwari, dass sowohl der Ring als auch das Gold der Tod aller sein sollen, die es besitzen. Loki kehrt zufrieden zurück und übergibt das Gold an Hreidmar und seine Söhne. Obwohl ihm Loki schadenfroh von dem Fluch erzählt, ist Hreidmar doch unbeeindruckt und prahlt mit seinem neuen Reichtum.
Signý An den Küsten des Nordens unternimmt der Seekönig Rerir, ein Enkel des Odin, Raubzüge mit Wikingerschiffen. Sein Nachfolger wird sein Sohn Wölsung. Diesem, von Odin bevorzugt, wurde eine Walküre zur Frau gegeben. Während der Herrschaft ihres Mannes gebiert sie ihm die Zwillinge Sigmund und Signý.
Jahre später schickt Siggeir, König der Gauten, einen Botschafter und verlangt Signýs Hand als Preis für Frieden zwischen den beiden Reichen. Sigmund rät seinem Vater, der Heirat zuzustimmen und argumentiert, dass die Goten wertvolle Verbündete werden würden.
Auf der Hochzeitsfeier betritt Odin die Halle in Verkleidung eines bärtigen Alten namens Grimnir. Er treibt ein Schwert in den Stamm des Eichbaums in der Mitte der Halle und fordert alle anwesenden Männer auf, es herauszuziehen. Nachdem alle anderen es vergeblich versucht haben, gelingt es Sigmund als letztem, die Klinge aus der Eiche zu ziehen. König Siggeir, der nun das Schwert begehrt, bietet Sigmund einen Goldschatz dafür. Ungerührt verkündet Sigmund, dass das Schwert nur für seine Hand bestimmt sei und gelobt, es niemals zu verkaufen.
Siggeir erklärt daraufhin dem König Wölsung, Sigmunds Vater, den Krieg und Wölsung wird erschlagen, nachdem er selbst viele gotische Krieger getötet hat. Obwohl Signý für das Leben ihrer Brüder bittet, lässt Siggeir diese im Wald an Bäume fesseln und überlässt sie den Wölfen zum Fraß. Während seine neun Brüder ums Leben kommen, erschlägt Sigmund eine Wölfin und flieht in eine verwunschene Höhle. Dort begeht er Inzest mit seiner Schwester, die sich als Elbenfrau verkleidet in die Höhle geschlichen hatte. Neun Monate später bringt sie einen Sohn Sinfjötli zur Welt.
Als Sinfjötli zum Mann wird, besucht er seinen Vater in der Höhle und bringt ihm Grimnirs Schwert. Während der folgenden Jahre streifen Vater und Sohn raubend und mordend durch das Gautenland. Schließlich schleichen sie sich in die Halle des Siggeir, töten die Wachen und schwören, dass niemand innerhalb der Mauern geschont werden solle. Obwohl sie Signý bitten, mit ihnen zu kommen, entscheidet sie sich, an der Seite ihres Mannes Siggeir zu sterben.
Sinfjötlis Tod Mit Beute aus Siggeirs Halle beladen kehren Sigmund und Sinfjötli zu Schiff in das Land der Wölsungen zurück. Zusammen regieren sie viele Jahre, töten sieben Könige und plündern viele Städte weit und breit. Obwohl er es später bereuen wird, nimmt Sigmund sich eine Königin aus den Reihen der Kriegsgefangenen.
Diese Königin hasst Sinfjötli, den Mann, der ihren Vater erschlug, und will ihn aus Rache töten. Nach zwei erfolglosen Versuchen, Sinfjötli zu vergiften, gelingt es der Königin, Sinfjötli einen Krug vergiftetes Äl trinken zu lassen. Sinfjötli stirbt daraufhin zu Sigmunds zu großem Entsetzen und wird in Walhall von seinem Großvater König Wölsung empfangen. Dieser bemerkt, dass man immer noch auf den Auserwählten warte.
Sigurds Geburt Im Laufe der Zeit wird Sigmund alt, nachdem er beide Söhne und seine verräterische Königin verloren hat. Schließlich hört er jedoch von der schönen Prinzessin Sigrlinn. Obwohl sieben junge Königssöhne ebenfalls um ihre Hand anhalten, heiratet Sigrlinn den König Sigmund, da sie hofft, durch ihn die Mutter eines mächtigen Helden zu werden.
Tief erzürnt durch diese Schmach dringen die sieben Königssöhne in das Wölsungenland ein. Sigmund gelobt, dass sie mit dem Schwerte Grímnirs empfangen werden sollen und tötet viele Männer in der Schlacht. Er wird jedoch von einem einäugigen Krieger im Kampf gestellt und an dessen Speer zerbricht die Klinge des Grimnir. Schwer verwundet sinkt Sigmund zu Boden.
Obwohl Sigrlinn ihn heilen will, lehnt Sigmund dies ab, und besteht darauf, von Odin nach Walhall gerufen zu werden. Er sagt voraus, dass ihr ungeborenes Kind der Drachentöter sein werde und weist sie an, gut auf die Trümmer von Grimnirs Geschenk acht zu geben. Sigmund stirbt und Sigrlinn wird als Sklavin entführt. Als jedoch später die Abstammung ihres Kindes bekannt wird, wird Sigrlinn mit dem König des Landes vermählt. Der kleine Sigurd wird als Ziehsohn zu Regin gegeben, dem Sohn des Dämonen Hreidmar.
Regin Jahre später befindet sich das Wergeld für Otrs Tod in der Obhut von Regins Bruder Fafnir, der in einen Drachen verwandelt wurde. Da er den Schatz begehrt, stachelt Regin Sigurd an, mit Fafnir zu kämpfen. Regin behauptet, dass sein Bruder Fafnir damals ihren Vater Hreidmar erschlagen hätte, nachdem dieser das Wergeld nicht hätte teilen wollen. Er wolle nun Rache für seinen Vater, das Gold könne Sigurd behalten.
Zweimal versucht Regin für Sigurd ein passendes Schwert zu schmieden, aber jedes Mal zerbricht dieser mühelos die Klingen. Sigurd geht schließlich zu seiner Mutter Sigrlinn und verlangt nach den Bruchstücken von Grímnirs Schwert. Regin nimmt sie und schmiedet daraus des Schwert Gramr. Sigurd kauft daraufhin das Pferd Grani, einen Abkömmling von Odins achtbeinigem Reittier Sleipnir, und zieht aus, Fafnir zu töten.
Als der Drache vom Trinken in seine Höhle zurückkehrt, versteckt sich Sigurd in einem Erdloch und durchbohrt von unten das Herz des Drachen. Fafnirs schwarzes Blut ergießt sich über Sigurd und verhärtet seine Haut zu einem Schutzpanzer.
Obwohl ihn der sterbende Fafnir vor dem Fluch des Goldes warnt, ist Sigurd unbeeindruckt und glaubt, der Drache wolle nur seinen Schatz retten. Als Fafnir schließlich stirbt, erscheint Regin und verlangt einen Anteil an dem Gold, da er auch zum Tode Fafnirs beigetragen habe und schließlich auch das Schwert geschmiedet habe. Sigurd spottet über die Logik seines Ziehvaters, aber Regin zieht ein Messer, schneidet dem Drachen das Herz heraus und weist Sigurd an, dieses zu braten. Daraufhin verlässt Regin die Höhle.
Während Sigurd das Herz über einem Feuer brät, verbrennt er sich an dem Herzen die Finger. Er steckt sie zur Kühlung in den Mund und kann plötzlich die Sprache der Vögel verstehen. Als er später Regin mit gezogenem Schwert zurück zur Höhle schleichen sieht, zieht Sigurd sein eigenes Schwert Gramr und erschlägt seinen Ziehvater. Er lädt den Goldschatz auf sein Pferd Grani und hört dabei die Vögel von der Walküre Brynhild singen, von ihrem Streit mit Odin und den Feuerkreisen, die die schlafende Brynhild umgeben.
Brynhild Nach langem Ritt auf Grani kommt Sigurd auf die Höhen des Hindarfell-Gebirges. Grani springt über die feurige Barriere, die Brynhild umringt, Sigurd zerschneidet ihre Rüstung mit dem Schwert Gramr und erweckt dadurch die schlafende Walküre.
Brynhild erzählt ihm, wie sie von Odin verdammt wurde, einen Sterblichen zum Mann zu nehmen und geschworen hatte, nur den auserwählten Drachentöter aus der Prophezeiung der Seherin zu heiraten. Sigurd verrät ihr daraufhin seine Abstammung von Odin und die Tötung Fafnirs. Brynhild ist überglücklich und die beiden schwören sich Treue.
Brynhild aber gelobt, dass sie Sigurd nur heiraten werde, wenn er ein eigenes Königreich erworben hat. Nachdem sie ihren Verlobten gewarnt hat, nicht den Verwirrungen und Ränken einer Hexe zu erliegen, kehrt Brynhild zurück nach Hindarfell und ihre Wege trennen sich. Sigurd reitet derweil an den Hof der Niflungen in Worms.
Gudrún Eines Morgens berichtet Prinzessin Gudrún von den Niflungen ihrer Mutter, der unredlichen Königin Grimhild, von einem Alptraum: Die Niflungen jagten einen Hirschen mit goldenem Fell und starkem Geweih, der sich jedoch ihrem Zugriff entzog. Gudrún war es schließlich, die ihn einfing, nur damit er schließlich von einer hasserfüllten Frau mit einem Spieß erstochen wurde. Ihre Mutter schenkte Gudrún danach einen Wolf zum Trost und badete sie im Blut ihrer Brüder. Grimhild erklärt daraufhin ihrer Tochter, dass böse Träume oft ein gutes Vorzeichen sind. Während sie reden, sieht Gudrún in der Ferne die Gestalt eines gerüsteten Kriegers, der sich ihrem Hof nähert und wenig später betritt Sigurd den Hof der Niflungen.
Am Abend singt Gudrúns Bruder Gunnar vom langen Krieg der Niflungen gegen König Atli von den Hunnen. Sobald er fertig ist, nimmt Sigurd eine Harfe und singt seinerseits von Brynhild und dem Goldschatz. Beeindruckt laden Gunnar und sein Bruder Högni Sigurd ein, bei ihnen zu wohnen, solange es ihm beliebt.
Die Zeit vergeht und Sigurd zieht mit den Niflungen in den Krieg, der Ruhm der burgundischen Herrscher wird nah und fern bekannt. Sigurd jedoch denkt immer noch an das verlorene Reich seines Vaters und kehrt dorthin mit einem Schiff zurück. Als er dort auf die Ruinen der Met-Halle seines Vaters blickt, erscheint Odin und sagt ihm, das Gramr nicht dazu bestimmt sei, im Land der Wölsungen zu scheinen. Dementsprechend fährt Sigurd nach Worms zurück.
Auf dem Fest zu Sigurds Rückkehr weist Grimhild ihre Söhne an, ihr Bündnis mit Sigurd zu festigen, indem sie Gudrún mit ihm verheiraten. Als Sigurd dann erzählt, dass er bald abreisen werde, um Brynhild zu holen, gibt ihm Grimhild einen Liebestrank zu trinken. Kurz darauf betritt Gudrún den Saal und Sigurd, von dem Trank verzaubert, vergisst seine Pläne für Brynhild.
Die betrogene Brynhild