Die Siedlungsgeschichte des Kapellenbergs bei Hofheim am Taunus reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Eine umfangreiche Besiedlung bestand während der Epoche der Michelsberger Kultur, was durch die große, sich heute noch abzeichnende Ringwallanlage bezeugt wird. Aber auch schnurkeramische Grabanlagen oder die Überreste eines römischen Wachturms deuten die besondere Stellung an, die der Kapellenberg für die Besiedlung der Region bei Hofheim hatte. Ein weiteres bedeutendes Bauwerk ist die für den Kapellenberg namensgebende Kapelle aus dem 17. Jahrhundert im Süden des Plateaus.

Die Bauwerke und Fundstellen auf dem Kapellenberg mini|hochkant=1.45|Übersicht über die Anlage mini|hochkant=1.45|Digitales Reliefbild des Kapellenbergs Der Ringwall umschließt den größten Teil des Bergrückens. Er ist im Nordbereich am ausgeprägtesten wahrzunehmen. Zwei Grabanlagen etwa in der Mitte des Ringwalls können aufgrund der Untersuchungen der schnurkeramischen Kultur zugeordnet werden.

Im Süden befinden sich die Überreste eines frührömischen Wach- und Beobachtungsturms, der von einem Schutzgraben umgeben war und von dem man Sichtverbindung zum Kastell Hofheim hatte, und eine kleine Rundschanze mit etwa 60 m Durchmesser.

Eine Kapelle aus dem 17. Jahrhundert im Süden nahe der Bergspitze ist Namensgeber für den Bergrücken. Ebenfalls mittig der Anlage befindet sich der Aussichtsplatz Meisterturm und im Süden außerhalb des Walls der Cohausen-Tempel. Ein historischer Lehrpfad von rund 3,5 km Länge führt durch die Anlage an den historischen Stätten vorbei.

Überblick über die Siedlungsgeschichte Die jüngsten Forschungen zeigen, dass der aus der Zeit der Michelsberger Kultur stammende jungsteinzeitliche Ringwall ursprünglich aus einem reinen Palisadenwall bestand. Er folgte dabei einer natürlichen Senke. Nachdem der Palisadenwall niedergebrannt war, wurde in einer zweiten Phase ein Erdwall aufgeschüttet. Auch dieser zeigt Brandspuren. In einer dritten Phase wurde der Erdwall nochmals erhöht. Umfangreiche Pfeilspitzenfunde deuten auf kriegerische Auseinandersetzungen hin.Frankfurter Rundschau vom 10. August 2009 - Kämpfe am Kapellenberg Ob die Brände im Zusammenhang mit diesen Kämpfen stehen, ist unbekannt. Der Umfang der Anlage lässt darauf schließen, dass sie eines der großen politischen und wirtschaftlichen Zentren der damaligen Zeit im Rhein-Main-Gebiet war. Angenommen wird, dass die Besiedlung etwa 600 Jahre andauerte.

In Fachkreisen ist man sich uneinig, wann der römische Wachturm errichtet und wie lange er genutzt wurde. Einige Experten gehen von einer Nutzung in den Jahren 40 bis 70 n. Chr. aus, andere ordnen den Bau des Turms den Jahren 83 bis 86 n. Chr. und dem Chattenkrieg des Domitian zu. Er ist jedenfalls im Zusammenhang mit den römischen Kastellen in Hofheim zu sehen.

Vor der Errichtung der Wallfahrtskapelle trug der Kapellenberg verschiedene andere Namen wie Rabberg, Rabenberg, Rabenkopf, Waldberg und Räuberberg. Der Bau der Kapelle in Fachwerk erfolgte im Jahr 1667. Sie wurde in den Jahren 1771 und 1772 durch einen Steinbau ersetzt. In der Zeit des Ersten Koalitionskrieges wurde sie 1795 zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1851 und 1895 wurde der Meisterturm errichtet.

Bodendenkmale Der Ringwall Der Ringwall Kapellenberg ist eine jungsteinzeitliche Verteidigungsanlage und nach dem keltischen Heidetränk-Oppidum die zweitgrößte vorgeschichtliche Anlage im Taunus. Der der Michelsberger Kultur zuzuordnende Wall diente einst der Verteidigung der innerhalb des Walls befindlichen Siedlung. Er umschließt eine Fläche von 46 Hektar. Auf dem Gesamtareal befand sich die größte Anlage dieser Epoche. miniatur|links|Der Nordwall mit Graben in westlicher Richtung Zum Bergsattel hin war die Befestigung am stärksten ausgebaut. Der Ringwall hat in Nord-Süd-Richtung eine Länge von etwa 1300 m und in Ost-West-Richtung eine Breite von bis zu 500 m. Der Gesamtumfang beträgt etwas mehr als 3 km. Im Norden führt der Wall in leichtem Bogen quer über den Bergrücken, biegt dann im Osten und Westen scharf südlich ab. Beiderseits führen rechtwinklige Ecken den Wall an die Bergflanken, wo er bis zur Südspitze dem Geländeverlauf folgt. Im Bereich der Kapelle ist der Wall unterbrochen.

An der Nordseite hat der Wall dort, wo ihn die Königsteiner Straße durchbricht, eine Höhe von 2 m bei einer Basisbreite von 15 m. Der Graben ist dort etwa 1 m tief und 12 m breit.Fritz-Rudolf Herrmann: Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis. Führungsblatt zu den vorgeschichtlichen Grabhügeln, dem römischen Wachtturm und dem frühmittelalterlichen Ringwall. Wiesbaden 1983, ISBN 3-89822-030-3 (Archäologische Denkmäler in Hessen 30) Im Nordbereich hat der Wall eine Höhe bis zu 4 m; durchschnittlich ist er etwa 3,5 m hoch. Dort ist dem Graben ein weiterer 6 m breiter und 0,6 m hoher Außenwall vorgelagert. An den Bergflanken ist der Wall deutlich schwächer ausgeprägt und eine innenseitige Erhebung kaum noch feststellbar. Die 2,5 m bis 3,0 m hohe Außenböschung ist aber gut wahrnehmbar. Fast überall befindet sich vor dem Hang ein kleiner Absatz, der auf einen verschwemmten Graben hinweist. Vermutet wird, dass sich im westlichen und östlichen Bereich des Nordwalls wie auch an der Südspitze Toranlagen befanden. Der Erhaltungszustand des Walls ist angesichts seines Alters bemerkenswert gut. Die Bodenhärte und die Bewaldung verhinderten oder verzögerten die Erosion. Auf der Grundlage der Befunde der Begehungen über mehrere Jahre und der Sammlungen des Vermessers der Denkmalpflege Frankfurt, Rolf Kubon, wird davon ausgegangen, dass sich entlang des Osthangs und in der Mitte der Plateaus die Wohnbehausungen befanden, während sich im westlichen Bereich Nutztierherden aufhielten.

Die Grabhügel Dietwulf Baatz entdeckte 1963 die Grabhügel und Rolf Kubon untersuchte 1975 einen davon. Es waren keine Megalithgräber, volkstümlich auch Hünengräber genannt, sondern bestanden aus Erde, wahrscheinlich mit einem den Hügelfuß umgebenden Steinwall. Da das verwendete Erdreich aus dem Bereich der Gesamtanlage entnommen worden war, enthält es eine auffällige Menge von Fundstücken, die der Michelsberger Kultur zuzuordnen sind. Die Grabhügel gehören aber der schnurkeramischen Kultur an. Man vermutet, dass der untersuchte Hügel ursprünglich einen Durchmesser von etwa 6 m hatte und bis zu 2 m hoch war.Rolf Kubon, Günter Rühl: Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. In: Beiträge zur Hofheimer Geschichte. Geschichts- und Altertumsverein Hofheim e. V., 1977, S. 13. Heute ist er bis auf etwa 12 m Durchmesser und 0,5 m Höhe abgeschwemmt. Einzelne größere Geröllstücke könnten zur Umfassung des Hügelfußes gehört haben.

Zwischen 3750 und 3650 v. Chr. existierte auf dem Kapellenberg ein Dorf mit etwa 900 Einwohnern. Im 19. Jahrhundert wurden aus einem damals noch nicht erkannten gewaltigen Grabhügel zwei steinerne Beilklingen geborgen. Mit der Entdeckung, und der Interpretation als Grabmonument folgerten Archäologen im 21. Jahrhundert, dass die Beile Grabbeigaben für eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein müssen. Das Grab selbst ist nicht erhalten, wurde vielleicht im 19. Jahrhundert zerstört. Eine der beiden Klingen ist aus Jade gefertigt worden.https://idw-online.de/de/news747965

Die Rundschanze miniatur|hochkant|Hinweise an der Rundschanze Die Rundschanze mit 60 m Durchmesser wurde 1895 von Christian Ludwig Thomas entdeckt und 1896 von Georg Wolff erkundet. Sie war vermutlich zur Entwässerung von einem 3 m breiten und 1 m tiefen Graben und einer Palisade umgeben.Rolf Kubon, Günter Rühl: Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. In: Beiträge zur Hofheimer Geschichte. Geschichts- und Altertumsverein Hofheim e. V., 1977, S. 30. Die Anlage wird vom Königsteiner Weg durchschnitten. Sichtbare radiale Gräben zeigen die seinerzeitigen Grabungsschnitte. Im Mittelpunkt der Anlage wurde ein Rundbau mit einem Durchmesser von etwa 5 m festgestellt, der 0,9 m in den Boden eingelassen war. Das Erdreich hat im Bereich der Anlage eine ungewöhnliche dunkle Färbung, wie sie im Umfeld nicht wieder vorgefunden wurde. Fritz-Rudolf Herrmann vermutet, dass es sich um eine kultische Anlage möglicherweise keltischen Ursprungs handelte, mit einer Funktion ähnlich den Henge-Monuments. Der frühere Name Rabberg des Kapellenbergs könnte für diese Theorie ein Indiz sein (sinngemäße Übersetzung Rab = Dem Heiligen zugehörend). Christian Ludwig Thomas ordnete die Schanze dagegen einer Eremitage zu.

Der römische Wachturm miniatur|Reste der Wallanlage am römischen Wachturm Die Reste des römischen Wachturms wurden 1887 von Karl August von Cohausen gefunden und 1896 von Georg Wolff untersucht. Die kleine Wallanlage um den Turm ist nahezu kreisrund mit einem Durchmesser von 35 m. Sie besteht aus zwei ursprünglich rund 4,5 m breiten und 1,5 m tiefen Gräben.Rolf Kubon, Günter Rühl: Der Kapellenberg bei Hofheim am Taunus. In: Beiträge zur Hofheimer Geschichte. Geschichts- und Altertumsverein Hofheim e. V., 1977, S. 31. Zwischen den Gräben befand sich ein flacher Wall. Im Zugangsbereich waren die Gräben zueinander versetzt angeordnet. Der etwa 150 m2 große Innenbereich war durch eine Holzwand geschützt. Hierbei kann es sich nicht um eine Palisade gehandelt haben. Wahrscheinlicher ist eine Flecht- oder Bohlenwand mit davorliegendem Erddamm, wie man sie schon häufiger bei leichten Befestigungen der römischen Zeit fand.

Der Turm hatte wahrscheinlich eine beträchtliche Höhe. Dies lässt sich daraus schließen, dass seine Gründungspfähle 2,2 m tief in den steinigen Boden eingelassen waren. Vom Turm aus bestand eine Sichtverbindung zum Kastell Hofheim. Die Mainebene ließ sich von dort aus gut überwachen. Aus örtlichen Funden ist zu schließen, dass die Turmbesatzung immer mehrere Tage dort stationiert war. Nördlich des Turms innerhalb der Wallanlage befanden sich Überreste eines Wohngebäudes, das wahrscheinlich der Turmbesatzung als Unterkunft diente. Über das Aussehen des Turms ist nichts bekannt. Aufgrund des deutlich höheren Alters ist er mit Sicherheit nicht mit den Limestürmen vergleichbar. Im nördlichen Hinterland des Limes existierten aber ähnliche Türme, die ebenfalls zur Signalübermittlung gedient haben dürften. Solche rückwärtigen Türme wurden nachgewiesen bei Wölfersheim-Wohnbach und am Johannisberg bei Bad Nauheim. Dazu gehört auch der vergrößerte Limeswachturm Wp 4/16 auf dem Gaulskopf im Taunus.

Erkundung der Bodendenkmale

Im Jahr 1880 dokumentierte der Archäologe Karl August von Cohausen erstmals den gut erkennbaren Nordbereich des Ringwalls. Er interpretierte ihn als reinen Abschnittswall. Erst 1895 entdeckte Christian Ludwig Thomas, dass der Wall die komplette Bergkuppe umschließt. 1896 untersuchte G. Wolff Rundschanze und Römerturm. Knapp 80 Jahre wurden dann auf dem Kapellenberg keine weiteren gezielten Forschungen durchgeführt, bis im Jahr 1975 unter der Leitung von Kubon eine der Grabanlagen geöffnet wurde und die Grabanlagen der schnurkeramischen Kultur zugeordnet wurden.

miniatur|links|hochkant|Tulpenbecher der Michelsberger Kultur, Landesmuseum Württemberg Die Befunde der Hauptanlage basierten bis 2008 weitgehend auf Lesefunden. Diese ließen schon frühzeitig darauf schließen, dass der Kapellenberg bereits zur Zeit der Michelsberger Kultur umfangreich besiedelt war. Auch eine Besiedlung in der hallstattzeitlichen Epoche erscheint aufgrund der Funde wahrscheinlich. Angenommen wurde auch, dass der Kapellenberg bereits in der La-Tène-Zeit eine Befestigung aufwies.