Altheim ist ein Ortsteil von Münster (Hessen) im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisch wurde zeitweise auch der Name „Spitzaltheim“ verwendet.
Geographische Lage Altheim liegt vier Kilometer nordöstlich von Dieburg südlich der B26, die den Ort von der nördlich gelegenen Kerngemeinde Münster trennt auf der flachen Ebene des Naturraums Gersprenzniederung in der Dieburger Bucht der Östlichen Untermainebene (Hanau-Seligenstädter Senke) auf . Westlich des Ortes fließt die Semme.
Geschichte Ortsgeschichte mini|Hanauer Wappen am ehemaligen Gasthof "Zum Löwen" in Altheim. Der Hosenbandorden ("Honi soit qui mal y pense") ist aber eine freie Zutat mini|Altheimer Fachwerkhäuser
Die Ersterwähnung von Altheim stammt aus dem 12. Jahrhundert. 1357 ist Altheim als Lehen der Herren von Eppstein an die Familie der Gayling von Altheim belegt. 1318 hat Konrad Krieg von Altheim den Zehnten von Gottfried von Eppstein zu Lehen. 1500 ist Balthasar, Forstmeister von Gelnhausen im Besitz des Zehnten. Drei Adelsfamilien sind im Ort belegt: die Gayling von Altheim (seit 1254), die Krieg von Altheim (seit 1276) und die Schade von Altheim (seit 1342).
1527 tauschte Kurfürst Ludwig V. von der Pfalz die bisher pfälzische Hälfte von Altheim mit Graf Philipp III. von Hanau-Lichtenberg gegen die Hanauer Besitzungen zu Astheim und Trebur. Noch im gleichen Jahr erwarb Graf Philipp III. auch das bisherige Viertel des Erzbischofs von Mainz. 1542 gehört Altheim insgesamt zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg, wo es dem Amt Babenhausen zugeordnet war.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., kam es um das Amt Babenhausen fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Beide Seiten besetzten mit ihrem Militär jeweils einen Teil des Amtes. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 durch einen Vergleich, dem sogenannten Partifikationsrezess, beendet werden. Danach fiel Altheim zusammen mit Dietzenbach, Harpertshausen, Schaafheim und Schlierbach an Hessen-Darmstadt, das daraus 1773 das Amt Schaafheim bildete.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Altheim:
Am 31. Dezember 1971 wurde Altheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Münster eingegliedert. Ein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Altheim angehört(e):
vor 1736: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Babenhausen 1736–1773: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1773: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Vergleich mit Landgrafschaft Hessen-Kassel), Amt Schaafheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Schaafheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde Münsteram 31. Dezember 1971 als Ortsteil zur Gemeinde Münster. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Münster
Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: zum Zentgericht Dieburg gehörig ab 1821: Landgericht Umstadt ab 1879: Amtsgericht Groß-Gerau ab 1905: Amtsgericht Dieburg
Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Altheim unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Alderheim (1137) (?); Altheim et Altheim (1189–1220); Kleinen Altheim (1318); Altheim (1354); Großen Altheim (1357); Altheym (1376); Althem (1418); Altheim (1429); Altheyme (1443); Althem (1487); Althum (1490); Altem (1500); Spitzaltheim (1527); Spitzen Altheim (1582); Spitzaltheim (1688); Spitzaltheim (1806).
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Altheim 2589 Einwohner. Davon waren 108 (4,2 %) nicht deutscher Staatsangehörigkeit. 453 Einwohner waren unter 18 Jahren, 306 zwischen 18 und 29, 765 zwischen 30 und 49, 594 zwischen 50 und 64, 471 Einwohner waren 65 Jahre und älter. Die Einwohner lebten in 1095 Haushalten. Davon waren 282 Singlehaushalte, 327 Paare ohne Kinder und 363 Paare mit Kindern, sowie 90 Alleinerziehende und 33 Wohngemeinschaften. In 210 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 750 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1806: 682 Einwohner, 118 Häuser • 1829: 868 Einwohner, 140 Häuser • 1867: 796 Einwohner, 140 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 792 lutheranische (= 91,42 %), 49 jüdische (= 5,65 %) und 17 katholische (= 1,96 %) Einwohner • 1961: 981 evangelische (= 83,28 %), 189 katholische (= 16,04 %) Einwohner
Religion mini|Die evangelische Kirche in Altheim
Der älteste Teil der Kirche stammt aus dem 10. Jahrhundert. Der 45 m hohe Turm wurde zwischen 1518 und 1520 errichtet. Von diesem Turm (Spitz-Älthemer Kirchturm) wurde in früheren Jahrhunderten der Name des Ortes Spitz-Altheim hergeleitet. Kirchliche Mittelbehörde war im Mittelalter das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Mit der Reformation wurde der Ort – wie die ganze Grafschaft Hanau-Lichtenberg – lutherisch.
Wappen Der neuzeitliche WappenentwurfDas Wappen ist nach Aussage der Gemeinde Münster: ... "aber lediglich ein Entwurf, der nicht offiziell genehmigt wurde" und damit auch nicht bei HADIS Hessen zu finden ist. zeigt im Schild die drei roten Sparren auf goldenem Grund und verweist auf die lange Landesherrschaft des Hauses Hanau und dessen Wappen. Mittig befindet sich ein in grau (silber) gehaltener Krug auf schwarzem Schild. Dessen Bedeutung ist nicht ganz klar, da kein Bezug zu den drei ortsansässigen Adelsfamilien besteht, die eine silberne Hirschstange auf blauem Grund als Wappen hatten. Karl Ernst Demandt bemerkt dazu, dass das älteste Gerichtssiegel Altheims, abgedruckt 1528 und 1715, die Hanauer Sparren und dahinter einen Schöffen als Schildhalter wachsend mit einem Krug in der rechten Hand abbildet. Er vermutet eine Wortanspielung auf das mit Beginn des 16. Jahrhunderts erloschene Ortsadelsgeschlecht der Krieg von Altheim. Der Wappenentwurf wurde daher unter Ausschaltung der nicht wappengemäßen Schildhalterfigur des Schöffen geschaffen, indem Wappen und das Symbol des Kruges vereinigt wurden.Hermann Knodt (Hg.): Hessisches Ortswappenbuch, Doppelband 1 und 2, bearb. im Auftrag des Staatsarchivs Wiesbaden von den Staatsarchivräten Karl Demandt (für Hessen) und Otto Renkhoff (für Nassau), Glücksburg, C. A. Starke Verlag, 1956, S. 68
Regelmäßige Veranstaltungen Oktober: KerbDarmstädter Echo, Freitag, 7. Oktober 2016, S. 26
Infrastruktur mini|Die Hauptstraße von Altheim
Altheim besitzt ein neoklassizistisches Rathaus. Der Ort hat zwei eigene Kindergärten, einer wird von der Evangelischen Kirchengemeinde getragen, der andere ist der Naturkindergarten Blumenkinder. Zusätzlich hat Altheim eine Grundschule, die Regenbogenschule.
Die Hessische Ludwigsbahn errichtete die Rhein-Main-Bahn und nahm deren Betrieb 1858 auf. Altheim erhielt einen Haltepunkt im Abschnitt zwischen Darmstadt Ludwigsbahnhof (heute: Darmstadt Hauptbahnhof) und Aschaffenburg Hauptbahnhof. Er wurde ursprünglich unter der Bezeichnung Altheim in Betrieb genommen und 1904 in Altheim (Hessen) umbezeichnet. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndi-rektion in Mainz vom 27. Februar 1904, Nr. 10. Bekanntmachung Nr. 96, S. 131f (132). Heute wird die Bezeichnung Altheim (Hess.) verwendet.
Literatur Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 91f. Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 1–9. Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 9–13. Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 49. Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 366–375. Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Wiesbaden: Historische Komm. für Nassau, 2000, S. 369–370, 372–373. ISBN 3-930221-08-X.
Weblinks
Altheim In: Webauftritt der Gemeinde Münster (Hessen).
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise (aus Webarchiv)
Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Geographie (Münster, Hessen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung im 12. Jahrhundert Kategorie:Gemeindeauflösung 1971