mini|Lucian Freud Lucian Freud, OM, CH, CBE (* 8. Dezember 1922 in Berlin; † 20. Juli 2011 in LondonWilliam Grimes: Lucian Freud, Figurative Painter Who Redefined Portraiture, Is Dead at 88. In: The New York Times. 21. Juli 2011, abgerufen am 25. November 2025.) war einer der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts. Der Kunstkritiker Robert Hughes bezeichnete Lucian Freud im Jahr 2004 als „Großbritanniens größten lebenden Maler“ ().
Biographie Herkunft und Ausbildung Lucian Freud war ein Enkel von Sigmund Freud und einer der drei Söhne des österreichischen Architekten Ernst L. Freud. Seine Mutter Lucie (Lux) Freud, geb. Brasch (1896–1989), stammte aus einer Berliner Kaufmannsfamilie.Shulamith Behr, Marian Molet (Hrsg.): Arts in Exile in Britain 1933–1945. Rodopi, New York/Amsterdam 2005, S. 209. Lucian Freud hatte zwei Brüder, Stephen Gabriel Freud (1921–2015) und den Schriftsteller und Politiker Clement Raphael Freud (1924–2009).
Die Familie wohnte im Berliner Bezirk Tiergarten am Matthäikirchplatz. Er besuchte das Französische Gymnasium.Friederike Kraus: Lucian Freud 1922. Diplomarbeit. Wien 2013, S. 13. 1933 emigrierte die Familie aufgrund des steigenden Antisemitismus nach England, wo Freud 1939 die britische Staatsbürgerschaft annahm.
Lucian Freud besuchte die Dartington Hall School in der Grafschaft Devon und die Bryanston School in Dorset, von der er nach einem Jahr wegen Disziplinschwierigkeiten verwiesen wurde.Lucian Freud, OM. In: Telegraph. 21. Juli 2011. (Registrierung zur Lektüre erforderlich.) In den Jahren 1938 und 1939 nahm das Central Saint Martins College of Art and Design in London den 16-Jährigen für wenige Monate auf. mini|Benton End House Von 1939 bis 1941 belegte er Kurse an der von Cedric Morris gegründeten East Anglian School of Painting and Drawing in Dedham. Diese zog 1940 nach einem Bombentreffer nach Benton End-House in Suffolk nahe Hadleigh um. 1941 wurde er zur Handelsmarine eingezogen, aber bereits nach drei Monaten ausgemustert. Anschließend studierte er bis 1943 am Londoner Goldsmiths College.Freud, Lucian in Munzinger Online/Personen. Abgerufen am 23. Dezember 2015. Von 1959 bis zu dessen Tod 1992 verband Freud eine Freundschaft mit Francis Bacon. Beide Maler porträtierten sich gegenseitig regelmäßig.
Frühwerk Freud bezog 1941 eine Wohnung in Delamere Terrace in Paddington. In diesem Londoner Stadtteil lebte er dreißig Jahre bis zu seinem Umzug nach Holland Park 1977. Im Jahr 1943 beauftragte ihn der Herausgeber der Zeitschrift Poetry London, der anglo-indische Poet und Literat Meary James Tambimuttu (1915–1983), mit der Illustration des Gedichtbands The Glass Tower von Nicholas Moore. Der Band, für den Freud auch das Titelblatt entwarf, enthält neben drei Farblithographien insgesamt 14 Tierzeichnungen, die das Ergebnis seiner Studien im Londoner Zoo sind. Sie stehen nur in losem Bezug zu den Gedichten und verleihen dem Buch das Aussehen eines modernen Bestiariums.Lucian Freud, Dead Monkey. Christie's Sale 7977, Lot 4. Website von Christie’s, abgerufen am 23. Dezember 2015. Freuds erste Einzelausstellung fand 1944 in der renommierten Lefevre Gallery in London statt.
1946 verbrachte er zwei Monate in Paris bei seinem Freund John Craxton, den er 1941 kennengelernt hatte. Dort entstanden seine beiden ersten Radierungen. Nach einer Ausstellung in der Schweiz reiste Craxton nach Südeuropa und hielt sich vom Spätsommer 1946 bis zum folgenden Frühling auf der griechischen Insel Poros auf, wo ihn Freud besuchte und Stillleben mit Zitronen, Mandarinen oder Disteln in einem strahlenden südlichen Licht malte. Die beiden Maler skizzierten sich auch gegenseitig.Nachruf auf John Craxton. In: The Telegraph. 19. November 2009, abgerufen am 25. Dezember 2015.
Im Jahr 1947 lernte Freud Kitty Garman kennen, die er 1948 heiratete. Sie war eine Tochter des Bildhauers Jacob Epstein und Nichte von Lorna Wisharts (1911–2000), mit der Freud ein längeres Verhältnis gehabt hatte. Beide besuchten 1947 den Maler Graham Sutherland in Aix-en-Provence. Sutherland, der ein hervorragender Grafiker war, hatte sich zwischenzeitlich der surrealistischen Malerei zugewendet und schenkte Freud sein Radierwerkzeug. In Aix entstand u. a. die Radierung Girl with a Fig Leaf, ein Porträt Kitty Garmans mit einem Feigenblatt in der Hand, das fast ihr ganzes Gesicht verdeckt. Mit der Illustrierung der surrealistischen Novelle Equilibriad (1948) von William Sansom (1912–1976) endete vorerst Freuds Phase intensiver Auseinandersetzung mit der Zeichnung, und er wendete sich verstärkt der Malerei zu., abgerufen am 23. Dezember 2015.
1950–1970 1949 nahm er eine Stelle als Visiting Tutor an der Slade School of Fine Art an, wo er bis 1954 unterrichtete.
1951 war er mit seinem Bild Interior in Paddington an der Ausstellung Sixty Paintings for ’51 im Rahmen des Festival of Britain beteiligt. Für das Bild wurde er vom Arts Council of Great Britain mit einem Förderpreis von 500 Pfund Sterling ausgezeichnet. Es war sein erstes großes Auftragswerk und zugleich sein erstes großformatiges Bild. In einer Raumecke dargestellt ist der Fotograf Harry Diamond (1924–2009), der hier Freud zum ersten Mal Modell steht, in Gesellschaft einer dominanten Topfpflanze. Beide stehen auf einem roten Teppich, den Freud speziell für dieses Bild bei einem Trödler erworben hatte. Der Blick aus dem Fenster fällt auf den Grand-Union-Kanal in dem als Little Venice bekannten Londoner Quartier.
1952 begann seine Affäre mit der aus einer anglo-irischen Aristokraten-Familie stammenden Lady Caroline Blackwood, deren Mutter ein Mitglied der Guinness-Familie war. Sie brannte als 21-Jährige mit Freud nach Paris durch und heiratete ihn dort am 9. Dezember 1953. Zurück in London wurde sie zu einem Mittelpunkt der Londoner Bohème. 1957 wurde die Ehe geschieden. Freud porträtierte Caroline Blackwood mehrmals, z. B. 1952 als Hotel Bedroom. Girl in Bed und 1954 als Girl in a Green Dress.
1954 wurden Werke von Freud, Francis Bacon und Ben Nicholson als britischer Beitrag auf der Biennale von Venedig ausgestellt. Von Freud wurden 22 Bilder gezeigt. In den folgenden Jahren erhielt Freud zunehmend Aufträge aus der englischen Aristokratie, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglichten. In dieser Zeit hielt er sich gelegentlich auch in Irland auf, wo er in Dublin mit dem Maler Patrick Swift (1927–1983) das Atelier zeitweise teilte. Dabei malte Patrick Swift auch das Portrait of Lucian Freud in Patrick Swift's Hatch Street Studio.
In den frühen 1950ern porträtierte er den Maler John Minton (1917–1957) und 1951/1952 zum ersten Mal Francis Bacon – Portrait of Francis Bacon. Dieses Bild wurde 1988 aus der Berliner Neuen Nationalgalerie gestohlen und ist seitdem verschollen. In London gehörte Freud zu einer losen Gruppe von Künstlern, die „figurativ“ malten, und die der amerikanische Maler R. B. Kitaj als School of London („Londoner Schule“) bezeichnete. Diese Maler, die mehr oder weniger intensiv miteinander in Kontakt standen, schufen gegenständliche Bilder in einer Zeit, in der die abstrakte Malerei, Konkrete Kunst und die Performance- und Installationskunst die internationale Kunstszene dominierten. Neben Freud und Bacon zählten Frank Auerbach, Michael Andrews, Leon Kossoff, Robert Colquhoun (1914–1962), Reginald Gray und Kitaj selbst zu diesem Kreis.
1971–2012 Freuds zweite Einzelausstellung fand 1974 in der Londoner Hayward Gallery statt und wurde von Arts Council of Great Britain organisiert. 1977 zog Freud in den Londoner Stadtteil Holland Park um. Ab 1979, als die Nishimura Gallery in Tokio die erste Ausstellung in Japan organisierte, wurden seine Bilder in Galerien und Museen auch außerhalb von Großbritannien gezeigt. So war er 1981 an der Ausstellung Eight Figurative Artists am Yale Center for British Art in New Haven, USA, beteiligt. 1987 organisierte der British Council eine Retrospektive für das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, DC, die anschließend im Musée National d’Art Moderne in Paris, in der Hayward Gallery und in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigt wurde.
In den 1990er Jahren lernte Freud Leigh Bowery kennen, einen Performance-Künstler, der sich durch seine phantasievoll-schrillen Auftritte in der Kunstszene einen Namen gemacht hatte, und der ihm mehrmals Modell saß. Über Bowery lernte er Sue Tilley kennen, eine Verwaltungsangestellte mit beachtlichem Körperumfang. Zwischen 1993 und 1996 porträtierte er sie insgesamt viermal und fertigte außerdem zwei Porträts als Radierungen an. Zwei dieser großformatigen Ölbilder erzielten 2008 und 2015 bei Christie’s Spitzenpreise. 1991 organisierte der British Council eine Ausstellung unter dem Titel Lucian Freud. Paintings and Works on Paper („Gemälde und Werke auf Papier“) für den Palazzo Ruspoli in Rom. Die Schau wurde anschließend in der Tate Liverpool gezeigt und wurde nach drei Stationen in Japan 1993 in Australien mit Ausstellungen in Sydney und Perth beendet. Die Ausstellung Lucian Freud. Recent Works („Jüngste Werke“) der Whitechapel Gallery von 1993 fand anschließend im Metropolitan Museum of Art in New York und dem Museo Reina Sofia in Madrid statt. Weitere nationale und internationale Ausstellungen folgten. 2010 zeigte das Centre Pompidou in Paris unter dem Titel l’Atelier (The Studio) Freuds letzte Ausstellung zu Lebzeiten.
Am 20. Juli 2011 starb Freud in London. Er wurde am 27. Juli auf dem Highgate Cemetery bestattet, die Trauerrede hielt der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams.
Nachkommen Lucian Freud war ab 1948 mit Kitty Garman verheiratet, einer Tochter des Bildhauers Jacob Epstein; die Ehe wurde 1952 geschieden. Am 9. Dezember 1953 heiratete Lucian Freud Lady Caroline Blackwood. Diese Ehe blieb kinderlos und wurde 1959 geschieden.
Aus seinen zahlreichen Beziehungen hatte Freud eine Reihe von Kindern; über ihre genaue Anzahl wird in der Presse spekuliert.David Kamp: Freud, Interrupted. In: Vanity Fair. Februar 2012, abgerufen am 19. Dezember 2015. Die Journalistin Gina Thomas nannte vierzehn Kinder von sechs Frauen.Gina Thomas: Vor lädierten Kissen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 210, 9. September 2022, S. 12.
Kitty Garman (1926–2011) Annie Freud (* 1948) Annabel Freud (* 1952)
Suzy Boyt (* 1935) war eine Studentin Freuds an der Slade School of Fine Art. Aus der Beziehung gingen vier Kinder hervor.Vanity Fair, Februar 2012, S. 147. Alexander Boyt (* 1957) Rose Boyt (* 1959) (Rose Pearce), Schriftstellerin Isobel Boyt (* 1961) Susie Boyt (* 1969), Romanautorin, Kolumnistin
Katherine Margaret McAdam (1933–1998) war in den späten 1950ern Studentin an der St Martins School of Art in London, als sie Freud auf einer Party kennenlernte. Jane McAdam Freud (* 1958), BildhauerinJane McAdam Freud, The British Museum, abgerufen am 24. Januar 2022. Paul Freud (* 1959) (Paul McAdam), Maler
Bernardine Coverley (1943–2011), Lehrerin Bella Freud (* 1961), Modedesignerin Esther Freud (* 1963), Schriftstellerin
Jacquetta Eliot, Countess of St Germans (geborene Jacquetta Lampson, * 1943) war eine Dame der Gesellschaft. Zwischen 1969 und 1978 saß sie Lucian Freud, der sie mehrfach zeichnete, für mehrere seiner Akt-Bilder Modell. Francis Michael Eliot (* 1971). 2002 ließ er seinen Namen amtlich in Francis Michael Freud ändern.
Celia Paul (* 1959), Künstlerin. Lucian Freud, der damals 55 Jahre alt war, lernte sie als 18-jährige Studentin an der Slade School of Fine Art kennen, wo er ihr Tutor war. Es dauerte mehrere Monate, bis sie ein Liebespaar wurden und zwei Jahre, bevor sie ihm Modell saß. Frank Paul (* 1984), Künstler
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