Reinhard Heß (* 30. Juni 1904 in Trier; † 9. August 1998 in Wittlich) war ein deutscher Maler und Glasmaler. Für über 40 Kirchen im Bistum Trier entwarf er Fenster, meist in Zusammenarbeit mit dem Architekten Fritz Thoma.

Familie Reinhard Heß war das älteste von neun Kindern von Peter Heß (1876–1921) und Gertrud Heß geb. Steffens (1880–1946). Gertrud Heß stammte aus einer Winzer- und Wirtsfamilie aus Alf an der Mosel. Peter Heß, der aus einer Trierer Metzgerfamilie stammte, machte sich als Malermeister selbständig und übernahm auch Aufträge für Kirchenmalerei. In seiner Freizeit widmete er sich der Malerei und kopierte alte Meister. Reinhard Heß kam auf diese Weise bereits in seiner Kindheit mit der Malerei in Berührung.

1926 heiratete Reinhard Heß Anna Maria Doyen (1902–1982), mit der er drei Kinder hatte.

Laufbahn mini|hochkant=0.8|Siegel des VDP In den 1920er Jahren absolvierte Reinhard Heß eine Lehre im Betrieb seines Vaters und besuchte gleichzeitig die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Trier. Seine Lehrer waren Hans Proppe und August Trümper. Nach dem Tod seines Vaters arbeitete er als Kirchenmaler in Luxemburg und 1923 übernahm er die Leitung des väterlichen Malerbetriebs. Bis 1925 besuchte er wieder die Handwerker- und Kunstgewerbeschule. Im gleichen Jahr nahm er zum ersten Mal an einer Ausstellung (Das Gewerbe und die Kunst) in Trier teil.

1926 wurde ihm bei einem Plakatwettbewerb des Reichsausschusses für Weinpropaganda der erste Preis zugesprochen. Sein Entwurf bildet – in leicht abgewandelter Form – noch heute das Signet des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).

1928 unternahm Reinhard Heß seine erste Studienreise nach Italien und blieb ein halbes Jahr in Rom, Florenz und Venedig. Dort begeisterte er sich für die pittura metafisica und die Bilder von Gino Severini, Giorgio de Chirico, Carlo Carrà, Giorgio Morandi und Filippo De Pisis, die er in den dortigen Kunstgalerien im Original betrachten konnte.

Nach seiner Rückkehr aus Italien war er an der Ausmalung der Kirche von Neumagen an der Mosel nach Entwürfen von August Trümper beteiligt. Als Heinrich Dieckmann (1890–1963) 1930 Direktor der Handwerker- und Kunstgewerbeschule wurde, berief dieser Heß als Lehrer für Malerei und Materialienkunde an die Schule.

Wie Dieckmann, der 1934 zur Kündigung gezwungen wurde, musste Heß nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1935 seine Stelle aufgeben. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, legte er die Meisterprüfung als Maler ab und trat wieder in den familiären Malereibetrieb ein, den seine Brüder zwischenzeitlich weitergeführt hatten. In dieser Zeit nahm Heß an keinen Ausstellungen teil und verkaufte nur noch Bilder im Kreis von Bekannten und Förderern. 1940 wurde Reinhard Heß zum Militärdienst eingezogen und, nachdem er zunächst in Trier stationiert gewesen war, nach Holland und später nach Triest versetzt.

1945 kehrte er nach Trier zurück und wurde 1946 von Fritz Grewenig (1891–1974) als Hilfslehrer für Angewandte Malerei und Graphik wieder an seine alte Schule berufen, die seit 1943 Meisterschule für das gestaltende Handwerk und ab 1951 Trierer Werkschule (heute Hochschule Trier) hieß. Von 1947 bis 1953 war Reinhard Heß stellvertretender Direktor der Schule, an der er in der Abteilung Dekorative Malerei bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1969 tätig war.

1948 erhielt Reinhard Heß den Auftrag für die Gestaltung eines Fensters im nördlichen Querhaus der Kirche der ehemaligen Benediktinerabtei St. Matthias in Trier. Es war sein erster Auftrag für die Gestaltung eines Kirchenfensters. Da viele Kirchen durch die Kriegszerstörungen ihre Fenster verloren hatten, sollte dieses Tätigkeitsfeld in den folgenden Jahren viele Aufträge bringen. In den 1950er und 1960er Jahren entwarf Reinhard Heß für zahlreiche Kirchen des Bistums Trier Glasfenster, z. B. in Saarbrücken, Andernach, Niedermendig, Koblenz. Zur Heilig-Rock-Wallfahrt 1959 entwarf er den Vorhang mit Christuskopf für den Hochaltar im Trierer Dom. Er entwarf auch die Fenster der Ostkrypta des Domes, für die er 1975 eine Anerkennung für Kunst am Bau erhielt. Neben seinen Entwürfen für Kirchenfenster schuf Reinhard Heß über 800 Ölgemälde und Aquarelle, außerdem Druckgraphiken und Zeichnungen.

Heß war eines der Gründungsmitglieder des 1948 gegründeten Landesberufsverbandes Bildender Künstler (BBK). Außerdem war er Mitglied der 1949 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Bildender Künstler am Mittelrhein (AKM) und der 1957 gegründeten Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK). Seit 1958 gehörte er der Neuen Gruppe Rheinland-Pfalz (NG) an.

2003 benannte die Stadt Trier eine Straße nach ihm, die 2004 von „Reinhard-Heß-Straße“ in „Maler-Heß-Straße“ umbenannt wurde, um eine Verwechslung mit Rudolf Heß zu vermeiden. Reinhard Heß ist auf dem Pfarrfriedhof St. Matthias in Trier bestattet.

Ehrungen 1962: Kaiser-Lothar-Preis der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen 1975: Bundesverdienstkreuz am Bande 1994: Ehrenbrief der Stadt Trier 1997: Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz

Ausstellungen 1928: Ausstellung mit Heinrich Hamm und Michael Trierweiler im Rheinischen Landesmuseum Trier 1956: Teilnahme an der Ausstellung der Groupe de Peintres Rhenans et Sarrois in der Galerie Duncan in Paris 1962: Personalausstellung in der Galerie Wolfgang Gurlitt in München 1964: Personalausstellung in der Galerie des Deutschen Bücherbundes in Karlsruhe 1964: Ausstellung der AKM (Arbeitsgemeinschaft Bildender Künstler am Mittelrhein) im kurfürstlichen Schloss in Koblenz 1974: Ausstellungen im Künstlerhaus Metternich in Koblenz 1977: Personalausstellung mit Michael Trierweiler im Stadtmuseum Simeonstift Trier 1978: Teilnahme am Salon Comparaisons im Grand Palais in Paris 1984: Retrospektive im Kurfürstlichen Palais in Trier anlässlich seines 80. Geburtstages 1985: Ausstellung im Kulturzentrum Dada-House in Luxemburg 1986: Teilnahme an der Ausstellung „Deutsche Expressionisten“ 1988 und 1994: Ausstellungen im Stadtmuseum Simeonstift in Trier 1997: Retrospektive in der Reihe „Große Rheinland-Pfälzer Künstlerinnen und Künstler“ des Kunstvereins Ludwigshafen am Rhein 1997: Ausstellung im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier „Lebenswege“ 2009: Ausstellung im Kurfürstlichen Palais in Trier „Unbekannte Werke“

Glasfenster