mini|84 004 mit Luttermöller-Achsantrieb

Der Luttermöller-Achsantrieb ist eine Sonderbauform des Achsantriebes von Dampflokomotiven, bei der die äußeren Kuppelradsätze radial einstellbar sind und deshalb über ein Zahnradgetriebe statt über Kuppelstangen angetrieben werden.

Funktionsweise Bei Lokomotiven mit mehreren gekuppelten Radsätzen müssen einer oder mehrere im Rahmen seitenverschiebbar gelagert oder radial einstellbar sein, um Gleisbögen zwanglos durchlaufen zu können. Für seitenverschiebbare Kuppelradsätze genügen Stangenlager mit seitlichem Spiel. Ein reibungsärmerer Bogenlauf und bessere Traktionseigenschaften sind mit radial einstellbaren Endradsätzen möglich. Ein solches System konstruierte der Maschinenbauingenieur Gustav Luttermöller (1868–1954), Direktor der Lokomotivfabrik Drewitz von Orenstein & Koppel, mit dem nach ihm benannten Achsantrieb. Bei diesem werden die äußeren Kuppelradsätze mit einem auf der Radsatzwelle angeordneten Zahnrad von einem Zwischenrad und dieses vom Zahnrad des benachbarten Kuppelradsatzes angetrieben. Gemeinsam mit den drei Zahnrädern ist die Luttermöller-Achse fest in einem gegenüber dem Hauptrahmen schwenkbaren Getriebegehäuse gelagert, an welchem auch die Rückstelleinrichtung angreift. Das Ende des Gehäuses umschließt den treibenden Radsatz. Im Gleisbogen erfolgt die Kraftübertragung von diesem unter einem Winkel auf das Getriebe. Ein entscheidender Vorteil des Luttermöller-Antriebs im Vergleich mit der Klien-Lindner-Hohlachse ist die Kompatibilität mit dem für Dampflokomotiven üblichen Innenrahmen.

Anwendung Für die Hamburger Hafenbahn mit ihren engen Bögen wurde die fünffach gekuppelte Baureihe 87 mit zwei Luttermöller-Endachsen gebaut. Die Auslieferung der 16 Lokomotiven dieser Bauart begann im Jahr 1928. Bereits 1954 wurden die Fahrzeuge wieder ausgemustert, da sie bei höheren Geschwindigkeiten zum Heißlaufen neigten und daher nur im Rangierdienst eingesetzt werden konnten.

Von der privaten Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft (SHE) wurde 1928 bei Orenstein & Koppel eine fünfachsige Meterspur-Dampflokomotive mit dem System Luttermöller für die Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne beschafft (Betriebsnummer 61). Sie bewährte sich auf der kurvenreichen Strecke so gut, dass 1930 auch zwei Mallet-Lokomotiven von Henschel & Sohn aus dem Jahr 1925 auf das Luttermöller-System umgerüstet wurden (Betriebsnummern 56 und 57). Henschel & Sohn musste dazu eine Lizenz zum Verwenden des Luttermöller-Antriebs von Orenstein & Koppel erwerben.

Bei der speziell für die umgespurte Müglitztalbahn mit ihren engen Radien vorgesehenen DR-Baureihe 84 erhielten zwei 1935 von Orenstein & Koppel gelieferten Probelokomotiven ebenfalls den Luttermöller-Antrieb. Der Antrieb bewährte sich hier jedoch nicht. Die Serienlieferung von BMAG ab 1938 erhielt das in den von BMAG gelieferten beiden anderen Probelokomotiven verwendete Schwartzkopff-Eckhardt-Lenkgestell.Reiner Preuß: Die Müglitztalbahn. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1985, S. 104–107. (als Lizenz-Ausgabe: Alba, Düsseldorf 1985, ISBN 3-87094-211-8)

Weitere Anwendung fand der Luttermöller-Achsantrieb bei Schmalspurbahnen auf Java.

Siehe auch Klien-Lindner-Hohlachse

Weblinks Englische Beschreibung mit guten Bildern

Einzelnachweise

Kategorie:Dampflokomotivtechnik