mini|hochkant=1.5|Gaia. Detail aus der Gigantenschlacht. Darstellung 1886 (dort Verweis auf Taf. 56, Fig. 1 in Alexander Conze: Heroen- und Götter-Gestalten der griechischen Kunst. 2 Lieferungen = 2 Abtheilungen. Waldheim, Wien 1874–1875). nach einer attisch-rotfigurigen Schale (410–400 v. Chr.). Gaia oder Ge ( oder , dorisch ), deutsch auch Gäa, ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde und eine der ersten Gottheiten. Ihr Name ist indoeuropäischen Ursprungs und bedeutet möglicherweise die Gebärerin.Michael Meier-Brügger: Zu griechisch γῆ und γαῖα. In: Münchener Studien zur Sprachwissenschaft. 53, 1992, S. 113–116. Ihre Entsprechung in der römischen Mythologie ist Tellus.

Mythos Abstammung und Entmannung des Uranos In Hesiods Theogonie entsteht Gaia als eine der ersten Gottheiten folgend dem Chaos. Ihre Geschwister sind Tartaros, Eros, Erebos und Nyx.Hesiod, Theogonie 116–124. Für die Orphiker ist Hydros (ὕδωρ, Wasser) ein Grundprinzip (ἀρχή), aus dem nach ihrer Vorstellung Gaia als einzige Gottheit ohne Befruchtung hervorgegangen ist.Orpheus, Fragmente 54 & 57 Kern. Der Mythograph Hyginus nennt als Eltern der Gaia Aither und Hemera.Hyginus, Praefatio.

Bei Hesiod gebiert Gaia dem Uranos die Titanen, die einäugigen Kyklopen und schließlich die hundertarmigen Hekatoncheiren. Dem Vater sind seine Kinder verhasst, darum hält er sie in Gaia (in der Höhlung der Erde) versteckt und freut sich seiner Tat. Gaia sinnt auf eine List, sie bringt das unzerbrechliche graue Adamant hervor und macht daraus eine gezähnte Sichel. Dann fordert sie ihre Kinder auf, sich gegen den Vater aufzulehnen. Der Titan Kronos folgt ihr als einziger. Als Uranos sich voll Verlangen Gaia nähert, schneidet Kronos ihm mit der Sichel das Geschlechtsteil ab und wirft es fort. Das aus der Wunde des Uranos fließende Blut befruchtet Gaia und sie gebiert die Giganten, die Erinnyen und die melischen Nymphen.Hesiod, Theogonie 154–187.

In der Bibliotheke des Apollodor überredet Gaia aus Ärger darüber, dass Uranos die Hekatoncheiren und die Kyklopen in den Tartaros verbannt hat, die Titanen dazu, über ihren Vater herzufallen. Kronos gibt ihnen die Sichel, und alle Titanen außer Okeanos wenden sich gegen Uranos. Kronos entmannt ihn, und Gaia gebiert aus seinem Blut die Giganten und die Erinnyen. Die Titanen befreien ihre Geschwister aus dem Tartaros und ernennen Kronos zum höchsten Herrscher.Bibliotheke des Apollodor 1,1–5.

Titanomachie

In der Theogonie sagen Uranos und Gaia dem Kronos voraus, dass einer seiner Nachkommen ihn stürzen würde, so wie er seinen Vater entmachtet hat. Kronos verschlingt daraufhin jedes Kind, sobald es von seiner Gemahlin Rhea geboren worden ist. Als Rhea aber den Zeus erwartet, bittet sie Gaia, ihn vor Kronos zu verstecken. Anstatt des Kindes bringt Rhea diesem einen gewindelten Stein, den dieser verschlingt, und Gaia zieht Zeus heimlich in Kreta auf. Als Zeus herangewachsen ist, überredet er die Okeanide Metis, dem Kronos ein Brechmittel in seinen Trank zu geben, sodass er die Kinder mitsamt dem Stein erbricht. Diese geben Zeus zum Dank den Donner, den Zündkeil und den Blitz, die Gaia in sich verborgen hatte.Hesiod, Theogonie 453–506 Zeus und seine Geschwister führen daraufhin zehn Jahre Krieg gegen die Titanen, bis Gaia ihnen den Ort zeigt, an dem die Kyklopen und Hekatoncheiren gefangen gehalten werden. Zeus befreit sie und gemeinsam besiegen sie die Titanen und verbannen sie in den Tartaros, wo sie von den Hekatoncheiren bewacht werden.Hesiod, Theogonie 617–735. Auf Gaias Rat wird Zeus von den anderen Göttern zu ihrem Obersten gemacht.Hesiod, Theogonie 881–884 Auch laut der Bibliotheke kann Zeus mit Hilfe der aus dem Tartaros befreiten Hekatoncheiren und Kyklopen die Titanen besiegen.Bibliotheke des Apollodor 1,6.

Der Titan Prometheus beklagt sich in Der gefesselte Prometheus des Aischylos darüber, dass er vergeblich seine Geschwister gewarnt habe, diese hätten nicht auf die Prophezeiung von Uranos und Gaia hören wollen.Aischylos, Der gefesselte Prometheus 206 ff.

Gigantomachie

Die Gigantomachie wird erstmals in der Bibliotheke ausführlich beschrieben. Gaia zeugt mit Tartaros aus Ärger über die Gefangennahme ihrer Kinder, der Titanen, die Giganten, die von ihr aufgestachelt werden, den Olymp zu stürmen. Da die Giganten, wie die Olympier vom Orakel erfahren, nicht von der Hand eines Gottes getötet werden können, holen diese Zeus’ Sohn Herakles an ihre Seite. Doch Gaia macht sich auf die Suche nach einer Pflanze, die die Giganten dennoch unbesiegbar machen soll. Zeus aber bittet Eos, Selene und Helios darum, kein Licht mehr zu spenden, und findet in der Nacht selbst das Kraut. Die Götter besiegen mit Herakles’ Hilfe die Giganten und Gaia zeugt, erzürnt über die Niederlage, mit Tartaros den Typhoeos.Bibliotheke des Apollodor 1,34–39.

In der Dionysiaka des Nonnos bittet Hera sie darum, etwas gegen die Taten des Zeus und des Dionysos zu unternehmen, der das erdgeborene Volk der Inder in seinem Feldzug bekämpft hat. Gaia ist darüber so erzürnt, dass sie ihre Kinder, die Titanen und Giganten, aussendet um Dionysos zu bekämpfen und lebend oder tot zu ihr zu bringen.Nonnos, Dionysiaka 48,6.

Nachkommen mini|Die Geburt des Erichthonios: Athena nimmt aus den Händen der Mutter Gaia den Knaben Erichthonios in Empfang. Auf der linken Seite Hephaistos. Attisch-rotfiguriger Stamnos, 470–460 v. Chr. In der Theogonie gebiert Gaia ohne Befruchtung Uranos, Ourea und Pontos.

Mit Uranos zeugt sie daraufhin die Titanen Okeanos, Koios, Kreios, Iapetos, Hyperion, Theia, Rhea, Mnemosyne, Themis, Phoibe, Tethys und Kronos, die Kyklopen Brontes, Steropes und Arges sowie die Hekatoncheiren Briareos, Gyges und Kottos.Hesiod: Theogonie 126–138.

Aus Uranos’ Blut, das nach seiner Entmannung auf Gaia fällt, wachsen die Giganten, die Erinnyen und die Meliaden, die alle nicht näher benannt werden.

Von Pontos bekommt sie die Kinder Nereus, Keto, Phorkys, Thaumas und Eurybia.Hesiod, Theogonie 228–234. Als Zeus später den Kronos stürzt und mit den Titanen kämpft, zeugt Gaia mit Tartaros den Typhoeos und sendet diesen gegen die olympischen Götter aus. Sie muss sich aber fügen und die Oberherrschaft des Zeus anerkennen.

Nach anderen, Hesiod zugeschriebenen, Texten zeugt sie mit Poseidon den Laistrygon,Hesiod, Katalog der Frauen Fragment 40A. und bringt den Skorpios hervorHesiod, Astronomie Fragment 4. Mit Epaphos ist sie zudem Erzeugerin zahlreicher menschlicher Völker, namentlich der Hemikunoi, Libyes, Aithiopes, Katoudaioi, Pygmaioi, Melanokhrotoi, Skythes, Laistrygones und Hyperboreoi.

In Homers Odyssee bringt sie den TityosHomer, Odyssee 11,580 hervor und in der Ilias zeugt sie mit Hephaistos den Erichthonios.Homer, Ilias Der Epiker Eumelos nennt als Nachkommen der Gaia mit Uranos die Kyklopen und die Hekatoncheiren.Eumelos, Titanomachia Fragment 1 In den Texten der Orphiker zeugt sie mit Hydros, aus dem sie selbst hervorging, den Kronos und die Ananke.

In der archaischen Lyrik werden ebenfalls Nachkommen der Gaia genannt. Bei Alkaios stammen die Phaiaken von ihr ab,Alkaios von Lesbos Fragment 441. bei Simonides der ÄtnaSimonides von Keos Fragment 52 und bei Bakchylides wird Aristaios genannt.Bakchylides Fragment 45. In: David A. Campbell: Greek Lyric: Bacchylides, Corinna, and others. Band 4, Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1992. In einem anonymen Fragment werden die Kabiren, Dysaules, Pelasgos, Alalkomeneos und Iarbas genannt.Anonymes Fragment 985. In: David A. Campbell: Greek Lyric: Bacchylides, Corinna, and others. Band 5, Harvard University Press, Cambridge, Mass. 1993.

Der Tragödiendichter Aischylos nennt als Nachkommen der Gaia in seinem Stück Der gefesselte Prometheus den Riesen Argos,Aischylos, Der gefesselte Prometheus 566. den Titanen PrometheusAischylos, Der gefesselte Prometheus 211., sowie die Titanen Okeanos, Kronos und TethysAischylos, Der gefesselte Prometheus 207. Zephyr wird in Agamemnon genanntAischylos, Agamemnon 690. und Themis und Phoibe in den Eumeniden.Aischylos, Eumeniden 1. In dem Stück Die Schutzflehenden nennt er noch Palaichthon.Aischylos, Die Schutzflehenden 250.

Nach Apollonios gebiert Gaia den Drachen Cholkykos,Apollonios von Rhodos 2,1215. nach Kallimachos ist sie mit Hephaistos die Mutter des ErichthoniosKallimachos, Hekale Fragment 260 und bei Strabon werden die Korybanten als Kinder genannt.Strabon 10,3,9. Nach Diodor zeugt sie mit Uranus die Titanen, deren Namen die aus der Theogonie sind, sowie die nicht namentlich genannten Kyklopen und Hekatoncheiren und sie gebiert die Korybanten.Diodor 5,65–66.

Stammbaum nach Hesiods Theogonie

Vergil nennt in seinem Epos Aeneis Enkelados und Koios, sowie PhemeVergil, Aeneis 4,174. und TityosVergil, Aeneis 6,595. als Nachkommen. Nach Ovids Metamorphosen gebiert sie den PythonOvid, Metamorphosen 1,438. und von einem Regenguss befruchtet die Korybanten.Ovid, Metamorphosen 4,282. Nach den Fasti gebiert sie den OphiotaurosOvid, Fasti 3,793. und wird von einem Ochsenfell befruchtet, das mit dem Urin von Zeus, Poseidon und Hermes vollgesogen ist und bringt daraus den Orion hervor.Ovid, Fasti 5,493. Im Thebais von Statius ist Gaia die Mutter des Drachen Nemeios.Statius, Thebais 5,505.

In der Bibliotheke des Apollodor zeugt sie mit Uranos die Titanen, Kyklopen und Hekatoncheiren, die auch dieselben Namen tragen, wie bei Hesiod. Als weiterer Titan wird Dione genannt.Bibliotheke des Apollodor 1,2. Wie bei Hesiod wachsen aus ihr die Erinnyen und die Giganten aus dem Blut des Uranos hervor, erhalten hier jedoch Namen. Die Erinnyen heißen Tisiphone, Megaira und Alekto und die Giganten sind Alkyoneus, Porphyrion, Enkelados, Ephialtes, Eurytos, Klytios, Mimas, Pallas, Polybotes, Hippolytos, Agrios und Thoon.Bibliotheke des Apollodor 1,3; 1,34. Von Okeanos bekommt sie den Triptolemos, von Tartaros den TyphonBibliotheke des Apollodor 1,39. und die Echidna,Bibliotheke des Apollodor 2,4 von Poseidon den AntaiosBibliotheke des Apollodor 2,115. und von Hephaistos bekommt sie den Erichthonios.Bibliotheke des Apollodor 3,188. Aus sich selbst bringt sie den OrionBibliotheke des Apollodor 1,25. und den Argos hervor.

Nach Hyginus’ Praefatio zeugt sie mit Aither den Pontos und den Tartaros sowie die Titanen und die Erinnyen. Die Erinnyen heißen bei ihm Briareos, Gyes und Steropes, von den Titanen nennt er Okeanos, Themis, Hyperion, Koios, Kronos, Rhea, Mnemosyne, Dione, Atlas und Polos. Mit Tartaros zeugt sie die Giganten Enkelados, Koios, Astraios, Peloros, Pallas, Emphytos, Rhoikos, Agrios, Ephialtes, Eurytos, Theomises, Theodamas, Otos, Typhon, Polybotes und Iapetos. Als weitere Kinder Gaias mit Aither nennt er Dolor, Dolus, Ira, Luctus, Mendacium, Justiurandum, Ultio, Intermperantia, Altercatio, Oblivio, Socordia, Timor, Superbia, Incestum und Pugna. Nach Hyginus’ Fabulae zeugt sie mit Poseidon den AntaiosHyginus, Fabulae 31. und gebiert den Kekrops.Hyginus, Fabulae 48. Zudem wird sie wie bei Ovid von einem Ochsenfell befruchtet und bringt den Orion zur Welt.Hyginus, Fabulae 140; Astronomica 2,34. Nach Hyginus Astronomica bringt Gaia den Skorpios zur Welt.Hyginus, Astronomica 2,26.

In Pausanias Reisen in Griechenland wird sie als Mutter des Anax und des HyllosPausanias, Reisen in Griechenland 1,35,6f. sowie des AreionPausanias, Reisen in Griechenland 8,25,8–9. genannt. Bei Antoninus Liberalis ist sie die Mutter des KekropsAntoninus Liberalis 6. und bei Flavius Philostratos mit Poseidon die des Antaios.Flavius Philostratos 2,21. Bei Athenaios ist sie Mutter des Sykeus.Athenaios 78a.