mini|hochkant=1.25|Mathias Metternich (undatiertes Ölgemälde von Johann Kaspar Schneider)

Mathias Metternich (* 8. Mai 1747 in Steinefrenz, Kurfürstentum Trier; † 28. Oktober 1825 in Mainz, Großherzogtum Hessen) war Mathematiker sowie revolutionärer Politiker und Publizist.

Metternich war Professor für Mathematik und Physik an der Kurfürstlichen Universität zu Mainz. Seine Studien, bei denen er zum Doktor der Philosophie promoviert wurde, betrieb er an der Kurfürstlichen Universität in Mainz und später an der Universität Göttingen, wo er unter anderem Student bei Abraham Gotthelf Kästner und Georg Christoph Lichtenberg war.

Spätestens ab 1789 sympathisierte er mit den Ideen der Französischen Revolution und betätigte sich im folgenden Jahrzehnt vornehmlich als revolutionärer Politiker und Publizist in Mainz und Südwestdeutschland. So war er im Oktober 1792 Mitbegründer des überregional einflussreichen Mainzer Jakobinerklubs und einer der bedeutendsten Klubisten der Mainzer Republik 1792/93. 1793 war Metternich kurzzeitig Vizepräsident des Rheinisch-Deutschen Nationalkonvents, des Parlaments der Mainzer Republik.

Trotz Metternichs zahlreich publizierter Werke als Mathematiker und Physiker wird in der Rezeption seines Lebenswerks vornehmlich seine Rolle als revolutionärer Politiker und Publizist während der 1780er und 1790er Jahre gewürdigt.

Leben Herkunft und Ausbildung Mathias Metternich wurde im nahe bei Montabaur im Westerwald liegenden kurtrierischen Steinefrenz geboren. Die Familie Metternich, die nicht mit dem gleichnamigen rheinländischen Adelsgeschlecht von Metternich verwandt war, lebte dort als eine seit dem 17. Jahrhundert ansässige Bauernfamilie, die über mehrere Generationen das Amt des Ortsvorstehers ausübte und damit zum kleinbürgerlich-bäuerlichen Milieu gehörte.Susanne Lachenicht: Information und Propaganda. Die Presse deutscher Jakobiner im Elsass (1791–1800). München 2004, S. 478. Gefördert wurde der junge Metternich durch einen adeligen Gönner, ein Mitglied der kurtrierischen Grafenfamilie von Walderdorff, der gleichzeitig auch Amtmann in Montabaur war. Wahrscheinlich handelte es sich um Carl Anton von Walderdorff, der Oberamtmann in Montabaur war.Siehe Susanne Lachenicht: Information und Propaganda. Die Presse deutscher Jakobiner im Elsass (1791–1800). München 2004, S. 478; Mario Keller: Rund um den Freiheitsbaum – Die Bewegung von unten und ihr Sprecher Mathias Metternich in der Zeit der Mainzer Republik (1789–1799). Frankfurt 1988, S. 78 ff. Metternich wurde damit der Besuch des Jesuitengymnasiums in Hadamar ermöglicht. Anfang der 1770er Jahre kam er mittellos, aber mit einem Empfehlungsschreiben seines adligen Gönners nach Mainz. Sein anfänglich einfaches bäuerliches Erscheinungsbild wurde nach 1793 Gegenstand einer gegen Metternich gerichteten politischen Kampagne. Der Chronist Anton Joseph Hoffmann verspottete Metternich als „bäuerlich-plebejische Kanaille“ und schrieb weiter: .Nach Anton Hoffmann: Darstellungen der Mainzer Revolution oder Geschichte der Stadt Mainz und umliegender Gegend, von Entstehung des französischen Revolutionskrieges bis nach der Wiedereroberung dieser Stadt, des Klubbs und des in der Stadt eröffneten rheinisch-teutschen Nationalkonventes. S. 94. Trotzdem war Metternich 1771/1772 Volksschullehrerkandidat für das „Normalinistitut“ (Normalschule), die Institution im kurfürstlichen Mainz, die für die Lehrerausbildung zuständig war. 1773/1774 war er nach erfolgreicher Ausbildung Elementarschullehrer an der Pfarrschule St. Emmeran und St. Quintin. 1774 starb der reformfreudige und liberale Kurfürst Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim und es kam unter seinem Nachfolger, Friedrich Karl Joseph von Erthal, in Mainz zu der „Antireform-Kampagne“. Die Normalschule wurde von den kurfürstlichen Behörden kurzzeitig geschlossen, vorherige Reformen teilweise zurückgesetzt. Wie einige andere Lehrer verlor auch Metternich seine Stelle als Lehrer. Indizien deuten darauf hin, dass sich Metternich bereits damals politisch betätigte und seine Entlassung mit seinem Engagement zusammenhing.Mario Keller: Rund um den Freiheitsbaum – Die Bewegung von unten und ihr Sprecher Mathias Metternich in der Zeit der Mainzer Republik (1789–1799). Frankfurt 1988, S. 81. Ab 1780 übte Metternich allerdings wieder eine Lehrtätigkeit im Fach Mathematik an der Normalschule aus.

Nach 1775, möglicherweise erst ab 1780,Mario Keller: Rund um den Freiheitsbaum – Die Bewegung von unten und ihr Sprecher Mathias Metternich in der Zeit der Mainzer Republik (1789–1799). Frankfurt 1988, S. 576. studierte Metternich zusätzlich an der Universität Mainz Mathematik. Ab 1784 setzte er an der Universität Göttingen seine Mathematik- und Physikstudien fort. Dort war er Schüler Abraham Gotthelf Kästners und Georg Christoph Lichtenbergs, die zu dieser Zeit sowohl als Kapazitäten auf den Gebieten Mathematik und Physik als auch als fortschrittliche Aufklärer im Rahmen der Göttinger Kant-Schule galten. Für das Jahr 1786 ist eine Promotion über das Thema Reibung an der kurmainzischen Universität zu Erfurt bekannt.Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek Erfurt. Handschriftenabteilung: Archiv der früheren Universität Erfurt, C. E. 2°108a, 24.1786 Metternich wurde zum doctor philosophiae promoviert.Dissertatio inavgvralis physico-mathematica de frictione: qvam svb avspiciis divinis consentiente amplissimo philosophorvm ordine in alma et perantiqva vniversitate Erfvrtensi, pro svmmis in philosophia honoribvs rite capessendis die XXIV. Aprilis MDCCLXXXVI H.L.C. pvblice defendet Mathias Metternich, veröffentlicht bei: Literis Henrici Rvdolphi Nonnii, 1787?

Nach seiner Promotion wurde er 1786 neben Rudolf EickemeyerMario Keller: Rund um den Freiheitsbaum – Die Bewegung von unten und ihr Sprecher Mathias Metternich in der Zeit der Mainzer Republik (1789–1799). Frankfurt 1988, S. 577. zum außerordentlichen Professor für Mathematik und Physik an die kurfürstliche Universität Mainz berufen, wo er der Philosophischen Fakultät angehörte. Ab 1786 war Metternich auch Mitglied der Erfurter Akademie gemeinnütziger Wissenschaften und beschäftigte sich im Rahmen seiner Mitgliedschaft mit naturwissenschaftlichen Studien.

Tätigkeit als Universitätsprofessor Über die ersten Jahre als Universitätsprofessor ist wenig bekannt. Metternich trat der Gruppe der Mainzer Illuminaten bei und war außerdem Mitglied der Mainzer Gelehrten Lesegesellschaft, einer für die Aufklärungszeit typischen Institution. Dort entstand bereits ein intensiver Gedankenaustausch zu anderen Mitgliedern der Lesegesellschaft, wie Felix Anton Blau oder Anton Joseph Dorsch, die später ebenfalls als Jakobiner Karriere machten. Auch Rudolf Eickemeyer lernte er bei diesen Zusammenkünften kennen. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Universitätsprofessor und später, nach seinem Rückzug aus dem öffentlichen Leben, widmete er sich der Publikation von Fachbüchern zu mathematischen Themen. Mit der Abhandlung Von dem Widerstande der Reibung gewann er bereits 1789 den Preis der Societas Jablonoviana. Seine ersten Werke vor 1792 sind noch dem Kurfürsten von Mainz, seinem „… hochwürdigsten Fürsten und Herrn …“, gewidmet.Widmung des Buches Anfangsgründe der Geometrie und Trigonometrie 1789

Bereits ab 1789 sympathisierte Metternich mit den Gedanken und Zielen der Französischen Revolution. Er traf sich regelmäßig mit gleichgesinnten Oppositionellen in einem weiteren Zirkel. Auch in der Gelehrten Lesegesellschaft gab er sich nun offen als Revolutionsanhänger zu erkennen. Als diese sich 1791 aufgrund inhaltlicher Differenzen ihrer Mitglieder zu Fragen der Französischen Revolution spaltete, waren Metternich und sein Kollege Andreas Joseph Hofmann federführend bei der Aufteilung der Lesegesellschaft in eine Aristokratische und eine Demokratische Lesegesellschaft.

Metternich verbreitete zu dieser Zeit offen revolutionäres Gedankengut bei seinen Studenten, genauso wie die Universitätsprofessoren Hofmann und Georg von Wedekind. Trotz Denunziation und Anklage bei der kurfürstlichen Obrigkeit hatte dies aber keine Folgen für Metternich.

Politische Aktivitäten 1792/1793 mini|Versammlung des Mainzer Jakobinerklubs Bereits Tage vor dem Einzug der französischen Armee am 21. Oktober 1792 trug Metternich durch Anstecken einer blau-rot-weißen Kokarde seine Gesinnung öffentlich zur Schau.Karl Klein: Geschichte von Mainz während der ersten französischen Occupation im J. 1792–93, mit Aktenstücken, Mainz 1861, S. 112. Zusammen mit seinem Kollegen Wedekind und dem Hofgerichtsrat Hartmann führte er am 3. November 1792 einen Zug Gleichgesinnter durch Mainz und errichtete einen Freiheitsbaum. Mit der Flucht des Kurfürsten nach Aschaffenburg und dem Einzug der französischen Truppen trat Metternich zunehmend als Politiker vor und während der kurzlebigen Mainzer Republik in den Vordergrund.

Metternich war einer der führenden Mainzer JakobinerJörg Schweigard: Aufklärung und Revolutionsbegeisterung: Die katholischen Universitäten in Mainz, Heidelberg und Würzburg im Zeitalter der französischen Revolution (1789–1792/93–1803). München/Ravensburg 2007, S. 127. und gehörte damit der Gruppe von Anhängern der Revolution innerhalb und außerhalb Frankreichs an, die sich nach dem Kloster Saint-Jacques in Paris nannten. Er versuchte, mit einer Vielzahl von Reden, Flugschriften und einer eigenen Zeitung, dem Bürgerfreund, auch die Öffentlichkeit zu erreichen.Zu Metternichs publizistischen Aktivitäten und zur Mainzer Presse 1792/1793 gibt folgender Artikel einen umfassenden Einblick: Jürgen Wilke, Frank Förster: Journalismus zwischen Absolutismus und Republik. Die Mainzer Presse 1792/93. In: Horst Reber (Hrsg.): Goethe: »Die Belagerung von Mainz«. Ursachen und Auswirkungen. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung im Landesmuseum Mainz 1993, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 1993, ISBN 3-87439-291-0. Der Bürgerfreund erschien zweimal in der Woche; sie sollte den Menschen in allgemeinverständlicher Sprache Ziele und Gedanken der Revolution nahebringen und war gleichzeitig eine Agitationsplattform gegen das Ancien Régime. Die Zeitung erschien mit ihrer ersten Ausgabe bereits am 26. Oktober 1792, also kurz nach dem Einmarsch der französischen Truppen. Die letzte Ausgabe kam am 16. April 1793 heraus.