Mussidan (, ) ist eine französische Stadt mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Périgueux und zum Gemeindeverband Communauté de communes Isle et Crempse en Périgord. Die Einwohner werden Mussidanais und Mussidanaises genannt.

Die Gemeinde erhielt 2025 die Auszeichnung „Zwei Blumen“, die vom Conseil national des villes et villages fleuris (CNVVF) im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs der blumengeschmückten Städte und Ortschaften verliehen wird.

Geografie

Mussidan liegt etwa 32 Kilometer südwestlich von Périgueux, etwa 69 Kilometer westnordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 23 Kilometer nordnordwestlich von Bergerac am Übergang der Landschaft des Landais zur Double, im touristisch benannten Périgord blanc. Das Gemeindegebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Isle, die es im Norden begrenzt, und von der Crempse, die im Norden in die Isle mündet.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Mussidan liegt auf der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und lakustrischen Kalksteinen aus dem Tertiär. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär und aus Sedimentgesteinen, teils aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Das Gebiet von Mussidan erstreckt sich über eine kaum bewaldete, gewellte Landschaft, die durch das breite Tal der Isle begrenzt wird und deren Erhebungen Höhen über selten überschreiten. Der topografisch höchste Punkt liegt mit im äußersten Südwesten an der Grenze zur Nachbargemeinde Saint-Médard-de-Mussidan, der tiefste Punkt mit im äußersten Norden beim Austritt der Isle aus dem Gemeindegebiet. Das Rathaus liegt auf etwa Höhe.

Rund 55 % der Fläche der Gemeinde sind bebaute Gebiete, rund 33 % werden landwirtschaftlich, in erster Linie heterogen, genutzt, rund 10 % sind bewaldet, rund 2 % entfallen auf Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen (Stand: 2018).

Das Zentrum von Mussidan teilen sich das Quartier de la Halle und das Quartier de la Gare sowie das dazwischenliegende Quartier Beaupuy. Am Ortsrand liegen die Quartiere Seguinou, La Clède und La Freunie.

Umgeben wird Mussidan von den fünf Nachbargemeinden:

Klima Die Gemeinde Mussidan besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima (Cfb-Klima nach Köppen und Geiger), das sich durch folgende Parameter auszeichnet:

Die Angaben von Temperatur, Niederschlag, Regentag und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991 bis 2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999 bis 2019.

In Montpon-Ménestérol ist das ganze Jahr über Niederschlag zu verzeichnen, und selbst im trockensten Monat Juli gibt es noch erhebliche Niederschläge. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 13,6 °C. Jedes Jahr liegt die Niederschlagsmenge bei etwa 821 mm. Der Monat mit der höchsten relativen Luftfeuchtigkeit ist der Januar (83 %). Die Monate mit der niedrigsten relativen Luftfeuchtigkeit sind der Juli und der August (62 %).

Für die Zukunft können die für 2030, 2050 und 2100 nach verschiedenen Szenarien geschätzten Klimaparameter der Gemeinde auf einer speziellen Website eingesehen werden, die von Météo-France im November 2022 veröffentlicht wurde.

Etymologie und Geschichte Es gibt zahlreiche Belege des Namens der Stadt in latinisierten Formen zwischen dem neunten und dreizehnten Jahrhundert. Mulcedonum (830) wurde zu Dux () Moxedanensis gegen 1038 und Castrum () de Muxidanii. Die Buchstabengruppe -ulc führt normal zu -ox, -ux, das -uis oder -ois dann -us wurde mit Muissida im Jahre 1094, Moisedanum im Jahr 1100 und Mussidanum im Jahr 1210. Ausgehend von Mulc- gibt es auch Varianten mit Musch- und Moys-. Das 16. Jahrhundert lieferte Mucidan, das 18. fügte ein finales -t an mit Mussidant (1732). Die erste Form, Mulcedonum, löst zwei sehr verschiedene Interpretationen aus. In der Endung -donum wird das gallische °dunum- () gesehen wie in zahlreichen Toponymen mit -dun, beispielsweise Verdun. Der erste Teil würde von einem Personennamen gallischen Ursprungs, Melissos, stammen. Eine zweite Hypothese schlägt vor, in der ersten Form das lateinische mulcedo () zu erkennen, ein Ort, der nach einem der typischen Merkmale benannt ist, der ihm verliehen wurde.Siehe Tanet, Hordé, Seite 242

mini|Heutige Rue de la Libération an der Einmündung der Avenue Gambetta zu Beginn des 20. Jahrhunderts mini|Brücke von 1840 über die Isle mini|Gedenkort für die 52 von der SS als Vergeltung erschossenen Menschen Im Tal der Isle wurden um das Jahr 3000 v. Chr. Menschen sesshaft. Um 830 dürfte sich an der Stelle, die Tonvorkommen aufwies und sich für den Weinbau eignete, um ein Landgut herum bereits ein kleiner Marktflecken entwickelt haben.

Im 12. Jahrhundert unterstützten die Herren von Mussidan Eleonore von Aquitanien und damit die Engländer während ihres langen Konflikts mit der französischen Krone. Fast 300 Jahre lang blieben sie Gegner der Grafen des Périgord, die Vasallen der französischen Könige waren. Erst in der Mitte des 15. Jahrhunderts, am Ende des Hundertjährigen Kriegs, wechselten sie ins französische Lager.

Im Jahr 1497 führten die Rochefoucauld, damals Herren von Mussidan, die bis heute samstags abgehaltenen Märkte ein. Mit dem Adelsgeschlecht Gramont verbreiteten sich Anfang des 16. Jahrhunderts von Mussidan aus protestantische Ideen. In der Folge wurde der Ort während der Hugenottenkriege zu einem Zentrum der Auseinandersetzungen im Périgord. Im 16. Jahrhundert wurde er, geteilt in Katholiken und Hugenotten, wiederholt belagert (z. B. in den Essais de Montaigne 1569 erwähnt), eingenommen, zurückerobert und geplündert. Im Jahr 1624 wurden die Kirche Notre-Dame du Roc und die Burg, 1687 die protestantische Kirche zerstört. Die Aufhebung des Edikts von Nantes, das den Protestanten 1598 religiöse Toleranz gebracht hatte, durch das Edikt von Fontainebleau des Jahres 1685, zwang die örtlichen Protestanten, entweder zum katholischen Glauben zu konvertieren oder aus Frankreich zu fliehen. Die Burggrafschaft Mussidan ging an die Herzöge von La Force.

Am Vorabend der Französischen Revolution war Mussidan ein bedeutender Marktflecken an der königlichen Straße von Bordeaux nach Périgueux. Er blühte dank seiner Messen, auf denen mit Rindern, Maultieren, Schmiede-, Töpfer- und Glaswaren sowie Erzeugnissen aus der Landwirtschaft und den Wäldern gehandelt wurde. Noch musste die Isle aber gebührenpflichtig auf einer Fähre gequert werden. Eine erste Holzbrücke, die über den Fluss führte, wurde 1820 errichtet. Sie wurde 1840 durch die existierende steinerne Brücke ersetzt.

Ende des 19. Jahrhunderts verschwanden die Öl- und Getreidemühlen an der Isle, Webereien sowie Ton- und Schamottemühlen traten an ihre Stelle. Bedeutung gewannen die Verarbeitung von Wachs zu Kerzen und die Herstellung von Schuhen, Kisten und Metallwaren. Hilfreich waren die verkehrsgünstige Lage an zwei Eisenbahnstrecken und ab 1895 die Versorgung mit elektrischem Strom durch die Mühlen am Fluss.

Im Zweiten Weltkrieg lag der Ort zunächst in der „Freien Zone“ am Rand der Demarkationslinie, die Frankreich in einen von den Deutschen besetzten Teil und das vom Vichy-Regime regierte Gebiet teilte. In Mussidan formierten sich Gruppen von Widerstandskämpfern, die der deutschen Wehrmacht zusetzten. Nachdem die Deutschen im November 1942 auch die Südzone besetzt hatten, wurde die Demarkationslinie im Februar 1943 aufgehoben. Am 11. Juni 1944 erschoss ein Trupp der SS 52 Personen in Mussidan als Vergeltung für eine versuchte Sabotage der Eisenbahn durch die Résistance, darunter Raoul Grassin, den Bürgermeister der Stadt.Artikel im Journal Sud Ouest, Ausgabe Périgueux, vom 16. Juni 2009 An dem Massaker beteiligt war auch die sogenannte SS Mohamed, eine Brigade von in Nordafrika geborenen, mit den deutschen Besatzern kollaborierenden Franzosen unter Führung von Alexandre Villaplane.Marcel Dreykopf: Fußball. Das Allerletzte. Intrigen und Dummheiten aus der Welt des Fußballs (= Rororo 62679 Sachbuch). Vollständig überarbeitete Neuausgabe. Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2011, ISBN 978-3-499-62679-1, S. 208.

In den 1950er Jahren war Mussidan ein wichtiges Industriezentrum im Département Dordogne. Nach einer Zeit der Krise erlebt die Stadt nun einen Aufschwung dank der Autobahn A 89, deren Anschlussstelle Mussidan-Sud knapp vier Kilometer südlich der Innenstadt angelegt wurde.

Bevölkerungsentwicklung

Sehenswürdigkeiten Musée des Arts et Traditions Populaires du Périgord du Docteur Voulgre (Museum für Volkskunst und Traditionen des Périgord)Site du Musée. Das Museum stammt aus dem Vermächtnis des André Voulgre für seine Heimatstadt Mussidan. Der Arzt siedelte nach Bordeaux über, wo er ein Institut für Physiotherapie und Sporterziehung gründete. Er blieb ganz dem Périgord verbunden und sammelte sein ganzes Leben im Haus seines Vaters in Mussidan. Seine Sammlung erinnert an die Vergangenheit und die Entwicklung der Gesellschaft des Périgord durch Literatur, Kunst, Alltag, Entwicklung der Technik usw. Am Vorabend seines Todes im Jahr 1971 vermachte er seine „Chartreuse“ und seine Sammlungen seiner Heimatstadt, unter der Voraussetzung, dass alle den Namen „Musée des Arts et Traditions Populaires du Périgord du Docteur Voulgre“ erhalten. Die Stadt nahm die Spende an und ein Verein der „Freunde des Museums“ wurde 1973 geschaffen, um die Arbeit von Voulgre weiterhin zu pflegen und zu bereichern. Neoromanische Kirche Saint-Georges aus dem 19. Jahrhundert, erbaut durch den Architekten Abadie. Ehemalige Kirche Notre-Dame du Roc aus dem 16. bis 17. Jahrhundert, umgewandelt in ein Kino.

Bildung Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vorschule (École maternelle) mit 81 Schülerinnen und Schülern in vier Klassen (2025), eine öffentliche Grundschule (École élémentaire) „F. Collas“ mit 123 Schülerinnen und Schülern in sieben Klassen (2025) ein öffentliches Collège „les Châtenades“.

Wirtschaft Erwerbstätigkeit + Beschäftigungsrate der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren (2023) Mussidan Département Metropolitan-FrankreichGesamtMännerFrauenGesamtMännerFrauen GesamtMännerFrauen 68,9 % 69,6 % 68,2 % 74,8 %75,9 %73,7 %75,7 %78,2 %73,3 % Die Beschäftigungsrate der Gemeinde ist niedriger als die des Départements Dordogne und die von Metropolitan-Frankreich. Die meisten Beschäftigten der Bewohner arbeiteten 2023 außerhalb von Mussidan (70,0 %), 8,9 % mehr als in 2017. Dabei benutzten sie zur Arbeitsstelle 2023 zu 79,8 % ein Auto, einen Last- oder Lieferwagen, nur 5,3 % ein öffentliches Verkehrsmittel.

+ Arbeitslosenquote der Bevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren (2023) Mussidan Département Metropolitan-FrankreichGesamt15–2425–5455–64Gesamt15–2425–5455–64Gesamt15–2425–5455–6418,3 %28,9 %15,7 %19,2 %11,2 %21,7 %10,1 %9,5 %11,0 %21,9 %9,8 %9,0 % Die Arbeitslosenquote ist bei allen Werten höher im Vergleich zum gesamten Département und zu Metropolitan-Frankreich. Im Vergleich zu 2017 fiel die Gesamtarbeitslosenquote der Gemeinde allerdings um 4,2 %, in der Altersklasse von 15- bis 24-Jährigen um 8,0 %.

Branchen und Betriebe 274 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2024 in Mussidan wirtschaftlich aktiv: