Die Heldenorgel in der Festung Kufstein wurde erstmals 1931 als Tönendes Denkmal errichtet, d. h. als Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Nach einem technischen Neubau 1971 sowie einer Erweiterung 2009 und mit 4.948 Pfeifen versehen galt sie seit dem Jahr 2009 als größte Freiluftorgel der Welt. 2015 wurde dieser Rekord durch die Vergrößerung der Austin-Orgel im Spreckels Organ Pavilion (Balboa Park, San Diego) gebrochen: sie enthält 5.017 Pfeifen.

Geschichte Max Depolo (* 13. September 1888 in Stein in Krain; † 24. August 1971 in Innsbruck), der 1911 das populäre Kaiserjägerlied Wir Jäger lassen schallen ein froh gewaltig Lied … gedichtet hatte, gab im Juni 1924 den Anstoß, eine große Freiluftorgel in Kufstein zu errichten. Sie sollte auch dem „Fremdenverkehr einen kräftigen Anstoß geben“. 1926 wurde eine Riesenfreiorgel mit 80 Registern geplant, die Vinzenz Goller befürwortete. Sie sollte von der Salzburger Orgelbau-AG Cäcilia errichtet werden.

In Kufstein gab es zunächst Bedenken, dass die veranschlagten Kosten von 300.000 S nicht allein aus Spenden gedeckt werden könnte, und damit die Stadt Kufstein und der Steuerzahler einen erheblichen Teil der Kosten zu tragen hätte. Diese Bedenken versuchte der Direktor der Orgelbauanstalt Cäcilia bei einem Vortrag am 11. November 1927 zu zerstreuen: Direktor Franz Laval wies darauf hin, dass „von deutschen Vereinen, besonders in Amerika“ Mittel eingeworben werden könnten. Zuvor waren Einladungsschreiben nach Amerika gesandt worden. Die Finanzierung sollte durch die Zeichnung von Patenschaften für die Orgelpfeifen erfolgen:

Am 1. Dezember 1930 wurde „im Einvernehmen mit den Sachverständigen der Hochschule für Musik in Wien“ der Auftrag zum Bau eines infolge der Weltwirtschaftskrise wesentlich bescheidener geratenen Instruments an die Firma E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg vergeben. Die Disposition erstellte Franz Schütz, der auch später das Abnahmegutachten ausfertigte. Das Instrument mit elektrischer Traktur wurde in den folgenden Monaten in den Bürgerturm der Festung eingebaut und war zur damaligen Zeit bereits die größte Freiluftorgel der Welt. Sie hatte 26 Hochdruck-Register und ein Glockenspiel, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Der Organist bespielte die Orgel von einem 90 m entfernten Spieltisch, welcher in einem Spieltischhäuschen stand, das zu diesem Zweck eigens errichtet wurde. Durch den Einbau einer Organola konnte die Orgel auch ohne einen Organisten zum Klingen gebracht werden.Die Heldenorgel. Heldenorgel-Stiftung, Kufstein 1932

Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am Sonntag den 3. Mai 1931 statt, eine Woche vor Beginn der Deutschen Bankenkrise. Nach vorsichtiger Schätzung waren über 20.000 Gäste (darunter 15.000 Auswärtige) in Kufstein anwesend. Die kirchliche Weihe nahm Fürsterzbischof Ignatius Rieder vor, der auch die Begrüßungsrede hielt und eine Feldmesse im Hof der Festung zelebrierte. Die Festrede hielt der Bürgermeister von Kufstein, Georg Pirmoser, als weiterer Redner trat der Bundespräsident der Republik Österreich, Wilhelm Miklas, in Erscheinung. Auch der Abgeordnete Kurt Schuschnigg hielt eine Festrede. Neben zahlreichen Vereinen waren Abordnungen des Österr. Bundesheeres und des Deutschen Stahlhelms vertreten, ebenso der Deutsche Gesandte in Wien, Kurt Rieth. Nach den Festreden erklang nach einem Moment der Stille die Orgel zum ersten Mal, gespielt von Franz Schütz mit dem Kirchenlied Großer Gott, wir loben dich. Die Stadt Kufstein sandte an den deutschen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg folgendes Telegramm:

Die Eröffnungsfeierlichkeiten wurden von Radio-Wien Sonntag, 3. Mai 1931 10,35 Wiener Sender 581 kHz sowie in Deutschland von den Sendern Leipzig, Sonntag, 3. Mai 1931 10,40 Leipzig 1157 kHz Berlin Sonntag, 3. Mai 1931 10,40 Berlin 716 kHz und München Sonntag, 3. Mai 1931 10,40 München 563 kHz übertragen.

1931 wurde Fritz Heitmann für Konzerte auf der Heldenorgel verpflichtet.

Kritik mini|Spieltisch von 1971 (heute im Innern der Orgel) mini|Spieltisch seit 2009 mini|Spieltischhäuschen Die Salzburger Wacht warf den Betreibern 1929 vor, die Heldenorgel würde... ein Monument der reichsdeutschen und österreichischen Reaktion übelster Färbung:

Krieg ist MordNach Fertigstellung der Orgel wurde die Widmung des Instruments in einer österreichischen unabhängigen Wochenschrift für alle Frauen kritisiert. In einem Text, der mit dem Schlagbegriff Krieg ist Mord untersetzt ist, wird u. a. die Frage aufgeworfen: Wann endlich werden wir das Aushängeschild „Helden“ wegtun?

Instrumente Erste Walcker-Orgel von 1931 Bis zur Erweiterung 1971 umfasste die Orgel 1831 Pfeifen, 26 Register auf zwei Manualen mit Kegelladen.

I. Manual (schwellbar) C–g3 1. Bordun (C-f1 = Nr. 16) 16′ 2. Principal major 8′ 3. Doppelflöte 8′ 4. Fugara 4′ 5. Kornett VI-X 6. Cymbel III-IV 7. Trompete 8′ Glockenspiel II. Manual (schwellbar) C–g3 8. Principal 8′ 9. Gamba/Vox coelestis I-II 8′ 10. Octave 4′ 11. Quinte ′ 12. Oktav 2′ 13. Mixtur V-VI Tromba (Ext. Nr. 14) 16′ 14. Helltrompete 8′ Clairon (Ext. Nr. 14) 4′ Pedal (schwellbar) C–f1 15. Kontrabass 16’ 16. Subbaß 16′ Violon (= Nr. 8) 8′ Octave (= Nr. 10) 4′ Mixtur V-VI (= Nr. 13) Tuba (Ext. Nr. 7) 16′ Tromba (Ext. Nr. 14) 16′ Helltrompete (= Nr. 14) 8′ Clairon (Ext. Nr. 14) 4′ Koppeln: II/I, I/P, II/P, P/I Suboktavkoppeln: II/I, II/II Superoktavkoppeln: I/I, II/I, II/II, I/P, II/P Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, Crescendowalze, Schwelltritte, Handregister ab, Tutti, Walze ab, Zungenabsteller, zwei Tremulanten

Zweite Walcker-Orgel von 1971 1970/71 wurde die erste Heldenorgel durch einen technischen Neubau der Firma Walcker aus Ludwigsburg ersetzt. Zunächst wurde lediglich das Positiv 1970 als Teilausbau realisiert, um die Auswirkung des hohen Winddrucks auf die Funktion von Schleifladen zu testen. Nachdem dieser Test erfolgreich verlaufen war, wurde die neue Heldenorgel bis 1971 auf mit elektrischen Schleifladen erbaut. In diesem Zuge konnte der Tonumfang der Manuale auf C-c4 sowie der Pedalumfang von C-g1 realisiert werden. Aus der ersten Heldenorgel von 1931 wurden 11 der 16 Register wiederverwendet.Günter Lade: Österreichische Freiluftorgeln in Geschichte und Gegenwart, S. 47f. Bis zur Erweiterung 2008 umfasste die Orgel 4.307 Pfeifen, 46 Register auf vier Manualen und diverse Spielhilfen.

I Hauptwerk C–c4Gedacktpommer 16′Prinzipal 8′Rohrflöte 8′Prinzipal 4′Nachthorn 4′Oktave 2′Sesquialter III Mixtur VII 2′Scharff V 1′Trompete 8′ II Schwellwerk C–c4Quintade 16′Weitprinzipal 8′Doppelflöte 8′Gamba 8′Vox Céleste 8′Oktave 4′Rohrflöte 4′Nasard ′Prinzipal 2′Gemshorn 2′Mixtur VI–VIII ′Fagott 16′Oboe 8′Tremulant III Positiv C–c4Spitzflöte 8′Gedeckt 8′Prinzipal 4′Blockflöte 4′Oktave 2′Quinte ′Terzzimbel IV ′Kopftrompete 8′Tremulant IV Block- und Bombardwerk C–c4Großmixtur VIII–XI 8′Trompete 16′Trompete 8′Trompete 4′Glockenspiel Pedal C–f1Kontrabass 16′Subbass 16′Oktavbass 8′Gedecktbass 8′Choralbass 4′Mixtur VI ′Bombarde 32′Posaune 16′Helltrompete 8′Clairon 4′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Superoktavkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Suboktavkoppeln: II/I Spielhilfen: 30 Setzerkombinationen, Tutti, Crescendowalze mit Anzeiger, Walze ab, Manual 16′ ab, Manual Zungen ab, Zungen ab, Zungenchor an/Labiale ab, Schweller für II. Manual, Generalschweller

Erweiterung durch Eisenbarth 2009 2009 wurde eine Ergänzung auf 65 Register (inklusive Auszüge) und der Neubau des Spieltischs sowie der elektrischen Traktur durch die Firma Orgelbau Eisenbarth (Passau), die die Orgel seither auch betreut, durchgeführt. Das 500-adrige Kupferkabel wich einem Glasfaserkabel. Die Orgel wurde in drei Kammern aufgeteilt, um ihren Klang mit stufenlos regelbaren Lamellen an den Austrittsfenstern steuern zu können. Seitdem umfasst das Instrument 4948 Pfeifen und eine elektronische Setzeranlage. Nach Umbau des Spieltischhäuschens kann man den Organisten bei seinem Vortrag auch sehen.Informationen zur auf der Website der Orgelbaufirma Der Organist kann sein Spiel durch eine Lautsprecheranlage verzögerungsfrei hören, während der Orgelklang infolge der Schallgeschwindigkeit mit einigen Zehntelsekunden Verspätung bei den Zuhörern ankommt.

Aktuelle Disposition I Hauptwerk C–c41.Gedacktpommer 16′2.Prinzipal 8′ (W)3.Rohrflöte 8′4.Prinzipal 4′ (W)5.Nachthorn 4′6.Sesquialter III ′7.Oktave 2′ (W)8.Mixtur VII 2′9.Scharff V 1′10.Basstuba 16′ (E) Tuba (Ext. Nr.10) 8′ (E)11.Trompete 8′ (W) II Positiv C–c412.Spitzflöte 8′13.Gedeckt 8′14.Prinzipal 4′15.Blockflöte 4′16.Oktave 2′17.Quinte ′18.Terzzimbel IV ′19.Kopftrompete 8′ Tremolo III Schwellwerk Ost C–c420.Quintade 16′21.Weitprinzipal 8′ (W)22.Doppelflöte 8′ (W)23.Gamba 8′ (W)24.Vox celeste 8′ (W)25.Oktave 4′26.Rohrflöte 4′27.Nasat ′ (W)28.Prinzipal 2′29.Gemshorn 2′30.Mixtur VI–VIII ′31.Fagott 16′32.Oboe 8′ Tremolo IV Block- und Bombardwerk C–c433.Großmixtur VIII–XI 8′ Prinzipal (GM) 8′ Prinzipal (GM) 4′ Quinte (GM) ′ Prinzipal (GM) 2′ Mixtur IV-VII (GM) 34.Großkornett V 8′ (E) Flöte (GK) 8′ (E) Flöte (GK) 4′ (E) Quinte (GK) ′ (E) Flöte (GK) 2′ (E) Terzflöte (GK) ′ (E)35.Bombarde 32′ (E)36.Trompete 16′ Tuba (= Nr.10) 16′ (E) Tuba (Ext. Nr.10) 8′ (E)37.Clarinet 8′ (E)38.Trompete 8′39.Trompete 4′ Glockenspiel (W) Pedal C–g140.Kontrabass 16′ (W)41.Subbass 16′ (W)42.Oktavbass 8′43.Gedecktbass 8′44.Choralbass 4′45.Mixtur VI ′ Contratuba (Ext. Nr.10) 32′ (E) Bombarde (= Nr. 36) 32′46.Posaune 16′ Tuba (= Nr. 10) 16′ (E) Tuba (Ext. Nr.10) 8′ (E) Helltrompete (= Nr.38) 8′ Clarine (= Nr. 39) 4′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Suboktavkoppeln: I/I, II/I, III/I, IV/I, II/II, III/II, IV/II, III/III, IV/III, IV/IV Superoktavkoppeln: I/I, II/I, III/I, IV/I, II/II, III/II, IV/II, IV/III, IV/IV, I/P, II/P, III/P, IV/P Spielhilfen: Setzeranlage mit 10.000 Kombinationen, Crescendowalzen W1 und W2 mit Anzeiger, Walze ab Manual, USB-Anschluss, programmierbares Spielaufzeichnungsgerät Anmerkungen (E) = neues Register von Eisenbarth (2008, 2009) (W) = altes Register aus der ersten Heldenorgel von Walcker (1931) (GM) = Vorab-Auszug aus der Großmixtur VIII-XI 8' (Nr. 34) (GK) = Vorab-Auszug aus dem Großkornett V 8' (Nr. 40) Register ohne nähere Bezeichnung stammen von Walcker (1971)

Technische Daten 46 Register (4.948 Pfeifen), inklusive Auszüge 65 Glockenspiel mit 30 Glocken

Windversorgung:

Winddruck in mmWS: 470.

Spieltisch: Freistehend. 4 Manuale, Pedal. Registerzüge, Registerwippen. Trakturen: Tontraktur: Opto-elektrisch. Registertraktur: Opto-elektrisch.

Panoramafoto der Heldenorgel mini|zentriert|hochkant=3.5|Links: Bombardewerk (IV)Mitte: Contratuba 32' und Kontrabass 16' (horizontal), darunter Hauptwerk (I) und Positiv (II)rechts: Schwellwerk (III)

Konzert Die Heldenorgel wird täglich mittags um 12:00 Uhr – in den Monaten Juli und August zusätzlich abends um 18:00 Uhr – zum Gedenken an die Gefallenen beider Weltkriege gespielt. Seit dem 30. Mai 1981, dem 50-Jahr-Jubiläum der Orgel, wird dabei auch aller Opfer von Gewalt gedacht.

Am Ende des etwa zehnminütigen Vortrages erklang bis 2022 in einer Orgelfassung die Weise vom Guten Kameraden. Im Zuge der Umwidmung der Orgel beschloss der Gemeinderat am 16. November 2022, ab dem Jahr 2023 solle ein anderes, jährlich wechselndes Lied das tägliche Orgelspiel beenden (2023 die Europahymne, 2024 das Kufsteiner Segenslied, 2025 der Kaiser-Walzer von Johann Strauss (Sohn)). Das Volle Werk ist in der ganzen Stadt zu hören, bei günstigen Witterungs- und Windverhältnissen sogar bis ins Kaisertal.

Neuwidmung Im Jahr 2022 entstand, im Laufe einer Initiative des Kulturreferenten Klaus Reitberger, eine emotional geführte Diskussion über den Namen und die Widmung der Orgel, sowie über das bisher täglich gespielte Schlusslied Ich hatt’ einen Kameraden.