mini|Werbung für eine britische Sonnencreme aus den 1930er Jahren. Sonnencreme und andere Sonnenschutzmittel werden auf die Haut aufgetragen, um die negativen Wirkungen der Sonnenstrahlung (wie Sonnenbrand mit Hautrötung, Blasenbildung, Hautalterung) zu mindern oder zu verhindern. Statistiken zeigen ein steigendes Hautkrebsrisiko vor allem bei Menschen mit „hellem Hauttyp“ (Typen I bis IV minimum), die sich häufig ungeschützt intensiver Sonneneinstrahlung aussetzen. Besonders kritisch sind Sonnenbrände in der Kindheit. Die UV-Strahlen des Sonnenlichtes gelten als Hauptursache für lichtbedingte Hautschäden, weshalb Sonnenschutzmittel sowohl vor UV-B- als auch UV-A-Strahlung schützen. Die Wirksamkeit wird häufig über den Lichtschutzfaktor (Sun Protection Factor, SPF) bestimmt. Die relevanten Spektralbereiche der Sonnenstrahlung werden dabei klassisch in UVB (280–320 nm) und UVA (320–400 nm) unterteilt. mini|Tipps zum Auftragen von Sonnencreme (Video der Tagesschau) Von Fachgesellschaften wird empfohlen, sich in seinem Verhalten an der Intensität der Sonneneinstrahlung und dem individuellen Hauttyp zu orientieren. Als Schutzmaßnahme steht an erster Stelle das Vermeiden übermäßiger UV-Exposition (durch Sonne und Solarien), gefolgt von „textilem Lichtschutz“ (mit Kleidung und Kopfbedeckung). Sonnenschutzpräparate werden als ergänzende Maßnahme empfohlen, diese müssen jedoch rechtzeitig und großzügig aufgetragen werden. Wasserfeste Produkte verzögern das Abwaschen des Sonnenschutzmittels und erhalten so einen zeitlich begrenzten Schutz während des Badens, beim Wassersport oder bei starkem Schwitzen. Der Schutz der Augen durch Sonnenbrillen gehört zum Gesamtkonzept des Sonnenschutzes. Deutschen Gesellschaft für Dermatologie, AWMF Online, 11/2005

Geschichte Erste Erwähnungen von Produkten zum Schutz vor Sonnenstrahlen finden sich bereits in Papyrusrollen aus dem alten Ägypten.

Mit der Entdeckung der Rolle von UV-Strahlung bei Sonnenbrand durch Everard Home im Jahr 1820, wurden verschiedene Substanzen auf ihre Fähigkeit zur Strahlungsabsorption untersucht. Angesäuertes Chininsulfat war die erste Substanz, die zur Verringerung von UVB-induziertem Sonnenbrand auf der Haut eingesetzt wurde. Die Kombination dieser Substanz mit einer Lotion gelang 1891 dem Deutschen Friedrich Hammer, der damit das erste chemische Sonnenschutzmittel der Welt kreierte.

Zwischen 1920 und 1930 präsentierte sich eine neue, zumeist als frech oder gar als unmoralisch angesehene Bademode mit rückenfreier Badekleidung. Mit mehr nackter und der Sonne ausgesetzter Haut bekam das Problem Sonnenbrand einen neuen Stellenwert. Weiterhin wurden in den 1920er-Jahren Sportarten wie Ski- und Faltbootfahren populär, die bei teilweise sehr hoher Sonnenintensität und -Reflexion stattfanden. Schon in den 1920er-Jahren entwickelte der Österreicher Josef Maria Eder zusammen mit Leopold Freund das Sonnenschutzmittel Antilux. Seine Forschungsergebnisse wurden bereits 1922 in der Wiener klinische Wochenschrift publiziert. 1928 entwickelten zwei deutsche Wissenschaftler, Hausser und Vahle, die ersten kommerziell erhältlichen Sonnenschutzmittel auf der Basis von Benzylsilikat und Benzylcinnamat, die UVB-Strahlen sehr gut absorbierten.

In den 1930er Jahren wurde in Deutschland die Delial-Salbe mit Novantisolsäure als Lichtfilter von der I.G. Farben entwickelt und 1933 von der IG-Farben-Tochter Drugofa mit hohem Werbeaufwand auf den Markt gebracht.Dieter Wildt: Sonnenkult. Econ Verlag, Düsseldorf 1987, ISBN 3-430-19676-0. 1936 kam dann durch Eugène Schueller, dem Gründer von L’Oréal, das erste auf Para-Aminobenzoesäure (PABA) basierende Sonnenschutzmittel auf den Markt: Ambre solaire. 1938 zog sich der österreichische Chemiestudent Franz Greiter beim Besteigen des Piz Buin einen schlimmen Sonnenbrand zu und entwickelte anschließend in einem kleinen Labor im Haus seiner Eltern eine Rezeptur für eine Creme, die die Haut vor der Sonne schützen sollte. 1946 kam Greiters Piz Buin auf den Markt.

1946 wurde der Bikini vorgestellt. Er setzte in den 1950er- und 1960er-Jahren als Markenzeichen von Brigitte Bardot einen neuen Modetrend und braune Haut wurde zum Statussymbol der aufstrebenden industriellen Gesellschaft. Immer mehr Menschen reisten an südliche Strände, um sich dort in ausgiebigen Sonnenbädern zu bräunen. Mit zunehmendem Wohlstand entwickelte sich der Markt der Sonnenschutzmittel weiter, und er weist heute eine Vielfalt an Produkten in Form von Milch, Spray, Creme, Öl, Stift, Gel, Schaum mit jeweils den unterschiedlichen Lichtschutzfaktoren aus.

Als der Pionier der Forschung zum Lichtschutzfaktor gilt Harold Blum (1899–1980), der für die US-Armee nach einer Methode suchte, um die Wirkung der verschiedenen Produkte quantitativ vergleichen zu können. Er entwickelte eine erste Methode zum Vergleich der Schutzwirkung verschiedener Produkte. Der Marker war für ihn eine gerade noch sichtbare Rötung der Haut, die durch UV-Strahlung hervorgerufen wird. Als Maß für die Wirkung eines Produkts definierte er den Quotienten aus Energie, die benötigt wird, um ein vergleichbares Erythem bei geschützter (Qp) und ungeschützter Haut (Q) zu erzeugen und gab dieser Größe die Abkürzung P für Protection.

Im Jahr 1956 führte der Hamburger Strahlenphysiker Rudolf Schulze den Begriff Lichtschutzfaktor ein. 1962 führte Franz Greiter die alternative Bezeichnung Sonnenschutzfaktor ein.Wilfried Umbach: Kosmetik – Entwicklung, Herstellung und Anwendung kosmetischer Mittel. 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-13-712602-9, S. 147 ff. Im deutschsprachigen Raum hat sich der Begriff Lichtschutzfaktor endgültig durchgesetzt, als er von der Stiftung Warentest ab 1966 regelmäßig zur Messung und Bewertung der Produktleistung eingesetzt wurde.Stiftung Warentest: Test 1. Heft 3, Jahrgang 32, 1966. Die internationale Verbreitung erfolgte definitiv ab 1978, als die Methode zur Messung des Sonnenschutzes durch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) anerkannt wurde.

1957 wurde durch die französischen RoC-Labore das erste Sonnenschutzmittel mit sehr hohem Schutzfaktor (LSF 50+) entwickelt.

Ab den späten 1950er Jahren begannen Dermatologen, Patienten mit einer PABA-Allergie zu behandeln, was 1965 zu dessen schrittweiser Abschaffung führte.

Seit Ende der 1980er-Jahre werden die Sonnencremes mit winzigen Partikelfiltern versehen, die u. a. eine physikalische Schutzkomponente und bessere kosmetische Eigenschaften bewirken. Der Schutz mineralischer Filter (z. B. Titandioxid, Zinkoxid) beruht jedoch primär auf Absorption im UV-Bereich; der Reflexionsanteil über das UV-Spektrum liegt im Mittel nur bei etwa 4–5 %.

Die Bedeutung der Bräune hat sich seit Ende der 1980er Jahre deutlich verändert. Das Wissen um die Risiken des exzessiven Sonnenbadens (Hautalterung, Hautkrebs) hat den Sonnenschutz in Richtung Krankheitsprävention weiter entwickelt. Sonnenschutzmittel sind heute neben angemessenem Verhalten und Schutz durch Textilien ein wichtiger Teil des Schutzes der Haut vor den negativen Folgen der Sonnenstrahlung.Wilfried Umbach: Kosmetik und Hygiene. 3. Auflage. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2004, ISBN 3-527-30996-9, S. 157 ff.

Die technische Entwicklung der Sonnenschutzmittel und damit verbunden auch die Stärke der Lichtschutzfaktoren zeigte über Jahre eine Entwicklung.Peter Finkel: Kosmetische Lichtschutzmittel. In: SÖFW-Journal. 126. Jahrgang 2000, Heft 7, S. 16–20. Heute ist die Auslobung der Lichtschutzfaktoren und aller sonstigen Aussagen zur Produktleistung durch Empfehlungen von EU-Kommission, Industrie- und Wissenschaftsverbänden geregelt.

Produktarten mini|hochkant|Sonnenschutz-Aerosolspray bei der Anwendung Die gebräuchlichsten Sonnenschutzmittel sind flüssige Emulsionen. Der Unterschied zwischen den Produkten Sonnencreme, Sonnenlotion (auch Sonnenmilch genannt) und Sonnengel ist die Zusammensetzung, beziehungsweise die Art, wie die unterschiedlichen Inhaltsstoffe gelöst wurden. Dies wird für den Anwender insbesondere in der Konsistenz bemerkbar.

Lotionen bestehen dabei überwiegend aus O/W-Emulsionen (Öl-in-Wasser) und haben dadurch einen geringeren Anteil an Fetten oder Ölen und einen höheren Anteil an Wasser, weswegen Lotionen flüssiger sind als Cremes, die als W/O-Emulsionen (Wasser-in-Öl) entwickelt wurden. Cremes haben jedoch wegen ihres vergleichsweise fetten Charakters besonders hohe Wasserfestigkeit und damit Resistenz gegen Abwaschen des Sonnenschutzes beim Baden.

Lotionen und Gele können auch Alkohol enthalten. Gele sind jedoch komplett frei von Fett.

Es werden gemäß der geltenden EU-Richtlinie nur noch die vier Lichtschutzfaktor-Klassen Basis, mittel, hoch und sehr hoch sowie acht Lichtschutzfaktoren angeboten: 6 und 10 (Basis); 15, 20 und 25 (mittel); 30 und 50 (hoch); 50+ (sehr hoch). Produkte mit Lichtschutzfaktoren unter 6 sind nicht mehr den Sonnenschutzmitteln zugeordnet, da wegen der niedrigen Schutzwirkung die überwiegende Zweckbestimmung der Produkte (Sonnenschutz) nicht erfüllt wird. Die früher verwendete Produktbezeichnung Sunblocker wird ebenfalls nicht mehr verwendet, da der Verbraucher fälschlicherweise einen vollständigen Schutz vermuten könnte.Peter Finkel: Sonnenschutz, Kosmetik International. Heft 4, 2008, S. 140–142.

Nach wie vor spielt das Segment der flüssigen Emulsionen eine wesentliche Rolle im Markt. Daneben finden sich noch Öle, Schäume, Stifte und Aerosole sowie Produkte zur Anwendung nach dem Sonnenbad (After-Sun-Produkte) und Selbstbräunungsmittel.Wilfried Umbach: Kosmetik und Hygiene. 3. Auflage. WILEY-VCH, Weinheim 3004, S. 165–170.

Inhaltsstoffe Sonnenschutzmittel enthalten neben Wasser und Lichtschutzsubstanzen auch Fettsäuren, Di- und Triacylglyceride, Fettalkohole, Silikonöle (als Emulgatoren), Glycerin oder Propylenglycol (Feuchthaltemittel) und spezielle Wirkstoffe (Antioxidantien). Weitere Bestandteile dienen als Lösungsmittel für Lichtschutzmittel (Ölkomponenten), zur Erzielung notwendiger rheologischer (Fließ-)Eigenschaften (Verdicker) oder der Markenprägung (Parfüm). Sonnenschutzpräparate enthalten vergleichsweise hohe Mengen spezifischer Lichtschutzsubstanzen (Lichtschutzmittel) in einer kosmetischen Präparategrundlage. Ein hoher Lichtschutzfaktor erfordert tendenziell einen hohen Anteil an Lichtschutzsubstanzen, was jedoch zu spürbaren Rückständen auf der Haut und daher zu mangelnder Akzeptanz führen kann. Aber auch Mikroplastik ist in vielen Sonnenschutzmitteln enthalten.

Sonnenschutzfilter

Nach europäischem Recht sind Lichtschutzmittel über ihre Zweckbestimmung definiert. Sie sind demnach . Unabhängig davon, ob es sich um organische oder anorganische, sogenannte chemische oder physikalische, natürliche oder künstliche Lichtschutzmittel handelt, sind alle Lichtschutzmittel dieser Definition zugeordnet. Es dürfen nur die Lichtschutzmittel eingesetzt werden, die in der deutschen Kosmetik-Verordnung aufgelistet sind. Da die einzelnen Substanzen in der Regel keinen Schutz über das gesamte UV-Spektrum hinweg bieten, werden meist mehrere Stoffe kombiniert. Zusätzlich ergeben sich meist synergistische Effekte aus der Kombination von Lichtschutzmitteln.

Zu den anorganischen Filtern zählen vor allem Titandioxid und Zinkoxid. Deren primärer Schutzmechanismus ist die Absorption von UV-Strahlung; der Anteil der reinen Reflexion/Streuung über das UV-Spektrum ist vergleichsweise gering (≈ 4–5 %). In Sonnencremes werden häufig Nanopartikel dieser mineralischen Filter eingesetzt, die die Verteilbarkeit verbessern und das „Weißeln“ reduzieren.