Gesundbrunnen ist ein Ortsteil im Bezirk Mitte von Berlin.

Im Jahr 1861 wurden Gesundbrunnen und der benachbarte Wedding nach Berlin eingemeindet. Mit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 gingen beide Orte im damaligen Bezirk Wedding auf. Der heutige Ortsteil Gesundbrunnen entstand mit anderer Abgrenzung im Rahmen der Verwaltungsreform 2001 durch Teilung des alten Bezirks Wedding.

Die Reform fasste die ehemaligen Verwaltungsbezirke Wedding, Mitte und Tiergarten im neuen Bezirk Mitte zusammen, der aus den Ortsteilen Wedding, Gesundbrunnen, Mitte, Tiergarten, Moabit und Hansaviertel besteht.

Geographie und Erschließung mini|Übersichtskarte des Ortsteils Gesundbrunnen

Im Süden bzw. Westen grenzt Gesundbrunnen an die Ortsteile Mitte bzw. an den Wedding (die neue Grenzlinie von 2001 folgt ungefähr der Reinickendorfer Straße). Beides sind wie Gesundbrunnen auch Ortsteile des Bezirks Mitte. Die anderen Nachbarortsteile sind im Norden Reinickendorf im Bezirk Reinickendorf und im Osten Pankow und Prenzlauer Berg im Bezirk Pankow.

mini|links|Die Panke in Gesundbrunnen, einst als Schönhauser Graben angelegt

Eine der Hauptverkehrsachsen ist der Straßenzug Bad- und Brunnenstraße, der den Ortsteil von Nord nach Süd durchquert. Im Süden endet der Gesundbrunnen an der Bernauer Straße und im Norden und Osten an der Linie Louise-Schroeder-Platz – Reginhardstraße – Ritterlandweg – Provinzstraße – Kühnemannstraße – S-Bahn-Trasse (Nordbahn) – Mauerpark. Es gibt im Bezirk Mitte drei mit Gesundbrunnen benannte Stadtflächen: Ortsteil, LOR-PrognoseraumDer Rand des Prognosraums Gesundbrunnen deckt sich nach Nord und Ost mit der Bezirksgrenze Pankow. Eingeschlossen ist im Weiteren der Straßenlauf der Brunnenstraße nach West (Planungsraum Zentrum) und der Gartenstraße nach Norden (den Nordbahnhog ausgeschlossen), Liesen-, Chaussee-, Boyen-, Scharnhorstraße (die beiden ohne das Straßenland). An der Kieler Brücke und der Steg über die Spree liegen im Planungsraum, dessen Rand dann am Nordufer des Nordhafens / Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang und nordwestlich der Bahntrasse noch die Müllerstraße kreuzt. Die nordöstliche Häuserflucht der Müllerstraße folgt als Begrenzung bis zu einem Knick nach Osten mit Ausschluss der Häuserflucht am Nordrand der Gerichtsstraße. Nettelbeckplatz und dessen Norddreieck liegen im Planungsraum. Über die Reinickendorfer Straße zieht sich der LOR-Rand an der Häuserflucht der Pankstraße (Badstraße kreuzend) und die Prinzenallee bis über die Osloer Straße. Die Osloer Straße nach Westen ohne deren Straßenland und ohne Louise-Schröder-Platz wird der Soldiner Kiez mit Reginhard- und ohne Straßenland von Ritterland- und Provinzstraße entlang der Bezirksgrenze Reinickendorf geführt. Eingeschlossen im Planungsraum Gesundbrunnen ist die Kühnemannstraße, samt der Bahndurchführung an der Panke. Entlang der Nordbahnstraße verläuft die Bezirksgrenze zu Pankow dann wieder „innen“ an der Bahntrasse bis zum Bahnhof Gesundbrunnen. und LOR-Planungsraum.Der Planungsraum Gesundbrunnen schließt die Breite der Osloer Straße ein, grenzt an den Westrand des Bahngeländes und schließt das Gesundbrunnen-Center ein und den Bahnhofsvorplatz aus und schließt nach Westen das Straßenland der Badstraße und nach Norden die Prinzenallee ein. So gehört die gesamte Kreuzung Prinzenallee / Ecke Osloer Straße dazu.

Der südöstliche Teil wird Brunnenviertel genannt und im Norden liegt der Badstraßen-Kiez. Wichtigste Station des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs im Ortsteil ist der Umsteigebahnhof Gesundbrunnen.

Städteplanerisch sind die Berliner Bezirke seit 2006 in Lebensweltlich orientierte Räume (LOR) unterteilt, darunter in Prognoseräume, Bezirksregionen und Planungsräume. Letztere orientieren sich an den Kiezen. Der Bezirk Mitte besteht aus vier Prognoseräumen, zehn Bezirksregionen und 41 Planungsräumen. Den Nordosten des Bezirks nimmt der nicht mit dem Ortsteil identische Prognoseraum 03 Gesundbrunnen ein. Er ist gegliedert in die nördliche Bezirksregion 31 Osloer Straße (010331) und die südliche 32 Brunnenstraße Nord (010332). Zugehörige Planungsräume zu 31 sind 01 Soldiner Straße (010331 01) und 02 Gesundbrunnen (010331 02). Die südliche Region umfasst 01 Brunnenstraße (010332 01), 02 Humboldthain Süd (010332 02) und 03 Humboldthain Nordwest (010332 03). Zu den Planungsräumen Berlins werden halbjährlich von der Verwaltung Daten zur Einwohnerzahl und deren Aufteilung nach Alter, Staatsangehörigkeit und Sozialstatus veröffentlicht und seit 2008 zugänglich archiviert.Bevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ (LOR 01033101) Soldiner StraßeBevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ (LOR 01033101) GesundbrunnenBevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ (LOR 01033201) BrunnenstraßeBevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ (LOR 01033202) Humboldthain SüdBevölkerungsstruktur im „Lebensweltlich orientierten Planungsraum“ (LOR 01033203) Humboldthain Nordwest Das westliche Dreieck des Ortsteils Gesundbrunnen zwischen Reinickendorfer, Osloer Straße, Prinzenallee / Pankstraße gehört zur Bezirksregion Wedding Zentrum (42) und ist (auf den Ortsteil Gesundbrunnen bezogen) durch die Heinz-Galinski-/Schulstraße quer geteilt: nördlich als 03 Leopoldplatz (010442 03) und südlich als 01 Reinickendorfer Straße.Flächennutzungen der Planungsräume (lebensweltlich orientierte Räume – LOR) auf der Grundlage der Nutzungskartierung des Informationssystems Stadt und Umwelt / Umweltatlas (SenStadt III F), Datenstand 31. Dezember 2010.

+ Gesamtfläche des Prognoseraums 03 Gesundbrunnen (ohne Wedding Zentrum)Zwei Planungsräume des Prognoseraums Wedding gehören zwar zum Ortsteil Gesundbrunnen aber nicht zum Prognoseraum Gesundbrunnen verteilt sich auf fünf Planungsräume Planungsraum Fläche (in ha) Wohnungs- nutzung Misch­nutzung Gewerbe Industrie Einzelhandel Grün­flächePark / Grünfläche; Kleingärten und kleingartenähnliche Nutzungen; Friedhof Gemein­bedarf Sonder­nutzung Verkehrs- fläche Soldiner Straße 010331 01 170,49 36 % 12 % 2,5 % 23,7 % 10,0 % 0,7 % Gesundbrunnen 010331 02 65,55 28 % 16 % 0,0 % 14,5 % 8,6 % 2,6 % Brunnenstraße 010332 01 85,11 46 % 0 % 22,0 % 3,9 % 11,4 % 17,3 % Humboldthain Süd 010332 02 110,34 21 % 6 % 19,4 % 22,3 % 11,0 % 2,4 % Humboldthain Nordwest 010332 03 143,31 17 % 17 % 12,6 % 9,8 % 8,9 % 9,6 %

Die Straßenflächen nehmen zwischen 15 % und 29 % ein.10331 01: 15,1 % // 010331 02: 27,4 % // 10332 01: 28,8 % // 010332 02: 18,3 % // 010332 03: 19,8 % Besonderheiten sind in Humboldthain Nordwest 4728 m² Gewässer und 7302 m² für Stadtplatz. Für letztere Kategorie auch 4082 m² im (Kiez) Brunnenstraße.

Durch den Ortsteil Gesundbrunnen fließt die Panke.

Geschichte und Entwicklung Namensgebung mini|Der Gesundbrunnen, um 1900

Der Name Gesundbrunnen geht auf eine in der Nähe des späteren Luisenbades entdeckte mineralhaltige Quelle zurück, der heilende und jugenderhaltende Eigenschaften nachgesagt wurden. Durch starke Bautätigkeit im Umfeld der Quelle wuchs die Siedlung zu einem eigenen Stadtteil heran.

Die Ortsansässigen sagen „ich wohne am“, „in“ oder „im Gesundbrunnen“. Im Berliner Volksmund heißt der Gesundbrunnen auch liebevoll „Plumpe“ (abgeleitet von der Berliner Bezeichnung für ‚Wasserpumpe‘), auch wenn diese Bezeichnung nur noch die alteingesessenen Bewohner benutzen. Der Gesundbrunnen gilt wegen der kulturellen Entwicklung als zweite Keimzelle des ehemaligen Bezirks Wedding.

Ursprung und erste Besiedlung Eine Urkunde aus dem Jahr 1251 belegt die erste Besiedlung hier. Der Verbleib des Dorfes Weddinge ist aber nicht mehr nachweisbar: Es verschwand, ohne dass bekannt ist, warum dies geschah und ob es im heutigen Ortsteil Wedding oder Gesundbrunnen lag.

Erst um 1600 gibt es Nachweise, die vom Vorwerk Wedding handeln. Im Gebiet des Gesundbrunnens ging es um Acker- und Wiesengrundstücke sowie um „Schäferei- und Meiereigerechtigkeiten“. Möglicherweise war die Bewirtschaftung des Areals mit dem Amt Mühlenhof verbunden. Dieses war zuständig, den gesamten Bedarf der königlichen Hofhaltung mit Holz und Lebensmitteln zu versorgen. Mit der zunehmenden Erweiterung des Hofstaates war auch eine Erweiterung der landesherrlichen Bewirtschaftungen notwendig.

1751: Entdeckung und Erschließung einer Heilquelle Dass der Ortsteil den Namen Gesundbrunnen erhielt, hängt mit der Entdeckung einer Quelle zusammen. Die eisenhaltige Quelle wurde 1748 zum ersten Mal erwähnt. Der im Ort ansässige Hofapotheker Wilhelm Behm ließ 1751 das Quellwasser durch den Chemiker Andreas Sigismund Marggraf untersuchen, der ihm eine Heilwirkung attestierte. Behm erwarb noch im gleichen Jahr das königliche Privileg, hier eine Heil- und Badeanstalt einzurichten. Er hatte den König wissen lassen, dass die Eigenschaften dieser Quelle jene in Bad Freienwalde (Oder) und in Bad Pyrmont übertreffe. Friedrich II. veranlasste daraufhin, das Gutachten durch das Obercollegium Medicum zu prüfen. Weil das Wasser bei leichten Frösten nicht gefror, was auf die Wirkung enthaltener Salze zurückzuführen ist, genehmigte der König finanzielle Förderungen für den Bau eines Brunnen- und eines Badehauses auf dem Gelände.Steinmann: Sonntagsspaziergänge. Gesundbrunnen… S. 16. Weitere Unterstützung versprach er aber nur, wenn der Gesundbrunnen von Besuchern und Berlinern angenommen werde. Nach dem königlichen Förderer erhielt der Ortsteil zunächst den Namen Friedrichs-Gesundbrunnen.

Behm begann im Laufe des Jahres 1758 mit der Anlage des Gesundbrunnens: Der Wasseraustritt wurde in Backstein gefasst und darüber ein sechseckiges Brunnenhäuschen mit großen Rundbogenfenstern und geschwungenem Dach errichtet. Zu Reklamezwecken gab Behm 1760 eine kleine Werbeschrift heraus mit dem Titel Vorläufige Nachricht von dem Gesundbrunnen, in der er die Entdeckung der Quelle mit einer Legende, betreffend den König und seinen Kronprinzen, verband. Um die Brunnenanlage ließ Behm auf eigene Kosten einen großzügigen Garten anlegen mit Trink- und Wandelhalle sowie mit Logierhäuschen für auswärtige länger verweilende Besucher.

Die Heilquelle, die jährlich das Wasser zu mehr als 1000 Wannenbädern ergab, lockte zahlreiche Gäste in den Ort, bis zu 40 Kurgäste konnten hier nächtigen und Linderung für chronische und rheumatische Krankheiten und Augenleiden erhalten. Der König selbst logierte hier mit seinem Gefolge, wenn er zur Inspektion der nahe gelegenen Artillerie­übungsplätze kam. Auch Moses Mendelssohn gehörte zu den Kurgästen. Trotzdem gab es keine weitere Förderung durch den König, sodass kein weiter Ausbau erfolgte und die Erben von Behm, der 1780 starb, die Kureinrichtung verkaufen mussten.Steinmann: Sonntagsspaziergänge. Gesundbrunnen… S. 17.

Im Jahr 1808 erwarb der erfolgreiche „Medicinal-Assessor“ und Buchhändler Christian Gottfried Flittner den Brunnen und renovierte die zwischenzeitlich verfallene Anlage, den Garten im englischen Stil. Die Beziehung von Flittners Schwägerin Friederike Bethmann-Unzelmann zum Hof führte dazu, dass Königin Luise (neue) Namenspatronin wurde. Luise schrieb aus dem Königsberger Exil ein Glückwunschschreiben zur bevorstehenden Taufe des Bades:

Ob die Namenspatronin jemals am Gesundbrunnen war, muss bezweifelt werden. Doch nach neuerer Quelle heißt es „Anlässlich der Namensgebung und Enthüllung einer Luise-Büste besuchte die Königin persönlich das neue Kurbad.“Steinmann: Sonntagsspaziergänge. Gesundbrunnen… S. 18. Dem Medicinal-Assessor Flittner folgten weitere Besitzer der Kureinrichtung: zuerst Ludwig Graßhoff; nach Erweiterungsmaßnahmen wie einem neuen Badehaus und der Errichtung eines Verpflegungsstützpunktes für pensionierte Offiziere wurde der Dekorationsmaler Carl Gropius Eigentümer. Trotz aller Investitionen entwickelte sich die Kuranlage nicht wie gewünscht,Steinmann: Sonntagsspaziergänge. Gesundbrunnen… S. 18/19. aber langfristig wurde die Gegend um das Luisenbad doch zur zweiten Siedlungswurzel des Wedding.