mini|Der Kreis Memel in den Grenzen von 1818 bis 1920

Der Kreis Memel war ein 1818 gegründeter preußischer Landkreis im Regierungsbezirk Königsberg in Ostpreußen. Im Jahre 1920 fiel der Kreis an das vom Deutschen Reich abgetrennte und 1923 Litauen zugeschlagene Memelland. Sitz der Kreisverwaltung war die Stadt Memel, die seit 1918 einen eigenen Stadtkreis bildete. Während der Wiederinbesitznahme des Memellandes zwischen 1939 und 1945 durch das Deutsche Reich war der Kreis als Landkreis Memel nochmals als Teil der Provinz Ostpreußen eingerichtet. Das ehemalige Kreisgebiet liegt heute im litauischen Distrikt Klaipėda.

Geographie mini|Nimmersatt, das ehemals nördlichste Dorf Deutschlands mini|Sanddünen auf der Kurischen Nehrung

Der Kreis Memel war bis 1920 der nördlichste Landkreis des Deutschen Reiches. Das Kreisgebiet bestand aus einem Stück Festland am nördlichen Ende des Kurischen Haffs und dessen Mündung in die Ostsee im Stadtgebiet von Memel (Memeler Tief) sowie aus dem nördlichsten Stück der Kurischen Nehrung, der langen schmalen Landzunge, die Haff und Ostsee voneinander trennt.

Der größte Fluss im Kreisgebiet war die Minge, die u. a. durch Prökuls fließt. Von der Minge beim Dorf Lankuppen bis zum Kurischen Haff im Hafen von Memel führte der 1863–1873 erbaute König-Wilhelm-Kanal.

Der Kreis Memel grenzte im Süden an den Kreis Heydekrug sowie auf der Kurischen Nehrung an den Kreis Fischhausen. Auf dem Festland lag die Südgrenze des Kreises etwa in Höhe von 55° 30' n. Br., südlich des Dorfs Lankuppen, zwischen Prökuls und Heydekrug. Auf der Nehrung reichte das Kreisgebiet deutlich weiter nach Süden, so dass Nidden noch zum Kreisgebiet gehörte. Im Norden und Osten grenzte das Kreisgebiet bis 1918 an das Russische Reich (Gouvernement Kowno), danach an das unabhängig gewordene Litauen. Im Westen grenzte der Kreis an die Ostsee.

Der Landkreis Memel gehörte zum Regierungsbezirk Königsberg. Die Lage war vergleichsweise isoliert, denn die nächstgelegenen Kreise Heydekrug und Niederung zählten zum Regierungsbezirk Gumbinnen. Nur die Kurische Nehrung verband den Kreis Memel mit dem Rest des Regierungsbezirks.

Geschichte Das Gebiet des Kreises Memel gehörte seit der Einteilung Ostpreußens in landrätliche Kreise von 1752 zu dem damaligen Kreis Insterburg.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Perthes Gotha 1858, S. 320. (Digitalisat) Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen ergab sich mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 die Notwendigkeit einer umfassenden Kreisreform in ganz Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Zum 1. Februar 1818 wurde im Regierungsbezirk Königsberg aus Teilen des alten Kreises Insterburg der neue Kreis Memel gebildet. Dieser umfasste die damaligen Kirchspiele Deutsch Crottingen, Deutsch Memel (mit der Stadt Memel), Litauisch Memel, Prökuls und Schwarzort.Kreis Memel, Verwaltungsgeschichte und Landratsliste, Hrsg. Rolf Jehke, Herdecke, Stand 6. Juli 2013. Das Landratsamt war in der Stadt Memel.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der Provinzen Preußen (nicht: Ostpreußen) und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg i. Pr. Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Memel am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens. Sonderlich im Kreis Memel wurde auf dem Land vielerorts vorwiegend Litauisch gesprochen; auf Basis des Zensus vom 1. Dezember 1900 wurden 1905 diejenigen Landgemeinden und Gutsbezirke des Kreisgebiets aufgezählt, in denen mehr als 75 von hundert Einwohnern Litauisch als Muttersprache benutzen.Festschrift des Königlich Preußischen Statistischen Bureaus zur Jahrhundertfeier seines Bestehens, Hrsg. Emil Blenck, Verlag des Königlichen Statistischen Bureaus, Berlin 1905. Zweiter Teil: Tabellen und Übersichten zum Statistischen Atlas für den Preußischen Staat, S. 19, rechte Spalte (Digitalisat).

Während des Ersten Weltkrieges besetzten russische Truppen am 18. März 1915 den Kreis Memel, dieser wurde jedoch am 21. März 1915 von deutschen Truppen zurückerobert. Am 1. April 1918 schied die Stadt Memel – unter gleichzeitiger Eingemeindung der Landgemeinden Bommelsvitte, Janischken und Schmelz – aus dem Kreisgebiet aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. Seitdem führte der Kreis Memel die Bezeichnung Landkreis.

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 fielen die Stadt und der Landkreis Memel an das neu errichtete Memelgebiet. Am 10. Januar 1923 wurde das Memelgebiet von litauischen Truppen besetzt und am 7. Mai 1923 unter litauische Oberhoheit gestellt. Der Kreis bestand in Litauen als Verwaltungsbezirk Klaipėdos apskritis fort.

Einwohnerentwicklung Jahr Anzahl Bemerkungen 1818 30.932 1836 37.350 Deutschland und seine Bewohner. Ein Handbuch der Vaterlandskunde für alle Stände, bearbeitet von K. Fr. Vollrath Hoffman (Stuttgart 1836), S. 349. 1846 46.078 1871 55.958 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preußen und ihre Bevölkerung 1871, Berlin 1874. 1890 59.410 1900 59.797 1905 61.018 Sprachen: 33.508 Deutsch, 26.328 Litauisch; 1897 sprachen 3506 Nehrungskurisch als Fischersprache, 1184 auch als AlltagsspracheKarte von Franz Tetzner mit Tabelle aus: Franz Tetzner: Die Slaven in Deutschland : Beiträge zur Volkskunde der Preussen, Litauer und Letten, der Masuren und Philipponen, der Tschechen, Mährer und Sorben, Polaben und Slowinzen, Kaschuben und Polen. Braunschweig 1902, Kartenteil „Zu Seite 127.“; Religion: 56.975 Evangelische, 2384 Katholiken, 981 Juden 1910 61.972 44 % der Einwohner des Kreises benutzen Litauisch als MutterspracheAuswärtiges Amt (Hrsg.): Materialien, betreffend die Friedensverhandlungen, Teil III, abgeschlossen am 29. Mai 1919. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte mbH, Charlottenburg 1919, S. 49. (Digitalisat)

Politik Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Memel zusammen mit dem Kreis Heydekrug den Reichstagswahlkreis Königsberg 1.Datenbank der Reichstagsabgeordneten

Landräte 1818–1834Ernst Flesche 1834Tolcksdorff (kommissarisch) 1834–1850Wilhelm Martin Waagen (1795–1877) 1850–1851Frenzel-Beyme (kommissarisch) 1851–1862Friedrich Wilhelm Theodor Dieckmann 1862–1868Hugo Schultz (1835–1905) 1868–1870von Röder 1870–1883Alfred von Gramatzki (1834–1888) 1884–1918Heinrich Cranz 1918–1920Hans Honig

Kommunalverfassung Der Kreis gliederte sich in die Stadt Memel (bis 1918), in Landgemeinden und in Gutsbezirke. Diese kommunale Gliederung blieb im Wesentlichen auch in der memelländischen Zeit bestehen.

Gemeinden Im Jahre 1910 gehörten zum Kreis Memel 207 Landgemeinden: Aglohnen Alßeiken-Jahn Anduln Aschpurwen Baiten Bajohren Bajohr-Mitzko Barschken Bejehden Birkenhain Birßeninken Bommelsvitte Brusdeilinen Buddelkehmen Budwethen Bundeln Buttken Czutellen Dargußen Dargwill-Szodeiken Darzeppeln Daugmanten Daupern Dautzin-Niklau Dawillen Deegeln Deutsch Krottingen Dinwethen Dittauen Dräßen Drawöhnen Drucken Dumpen Dwielen Eglienen Eglischken Gabergischken Galten Gedminnen Gedwill-Paul Gellßinnen Gibbischen-Martin Gibbischen-Peter Girngallen-Gedmin Girngallen-Matz Götzhöfen Grabben Grabsten Grambowischken Grauduß-Bartel Graumen Grickschen Gropischken Groß Jagschen Groß Kurschen Größen Grumbeln Grünheide Gündullen Hennig-Hans Hohenflur Ilgauden-Mauserim Ilgegahnen Jaagschen Jagutten Janischken Jankeiten Janußen-Görge Jodicken Jurgen Kairinn Kallwischken Kalwen Kantweinen Karkelbeck Karlsberg Kasparischken Kebbeln Kepal-Klaus Kerndorf Kettwergen Kiaken Kindschen-Bartel Kissinnen Klausmühlen Klauspußen Klauswaiten Klein Jagschen Klein Kurschen Klischen Klooschen-Bartel Kojellen Kollaten Kooden Krucken-Görge Kuhlen Kunken-Görge Labatag-Michel-Purwin Lankuppen Lankutten Laugallen Launen Leisten Liebken Liewern Lingen Löbardten Löbardt-Nausseden Löllen Margen Martinsdorf Matzkieken Matzmasuhren Matz-Nauda-Baltrum Matzständen Matzwöhlen Meeßeln Mellneraggen Memel Nausseden-Jakob Neuhof Nibbern Nidden Nimmersatt Oberhof Paaschken Pakamohren Pangessen Patrajahnen Paugen Paul-Narmund Paupeln-Peter Pelleiken-Klaus Pempen Petraschen Piaulen Picktaßen Pippirn Pleschkutten Plicken Podßeit-Stankus Posingen Pöszeiten Prökuls Protnischken Purmallen Raddeilen Raischen-Jettkandt Ramutten-Jahn Rooken Rund-Görge Russlen Sakuten Schäferei Schattern Scheipen-Thoms Scheppothen Schilleninken Schillgallen Schlappschill Schlengen-Andres Schmelz Schmilgienen Schnaugsten Schompetern Schudebarsden Schudnaggen Schugsta-Stenzel Schußeiken-Jahn Schwarzort Schwentwokarren Schwenzeln Schweppeln Spengen Standschen Stankeiten Starrischken Stoneiten Stragna Stutten Sudmanten-Trusch Szabern-Wittko Szaggern Szarde Szaukeln Szimken Szodeiken-Jonell Terrauben Thaleiken-Jakob Thalen Truschellen Truschen Ußaneiten Waaschken Wallehnen Wannaggen Wensken Weßat-Herrmann Wewerischken Wilkieten Wirkutten Wittauten Wittinnen Wowerischken Woydußen Zarten Ziauken Vor 1920 aufgelöste Gemeinden Adlig Schmelz, am 10. Mai 1902 zu Schmelz Aßecken, am 21. Oktober 1897 zum Gutsbezirk Schernen Bandhußen, am 8. Mai 1897 zu Szarde Birrennischken, am 3. Juni 1896 zu Dargwill-Szodeiken Bliematzen, am 23. März 1896 zu Stoneiten Blinden-Wittko, am 26. Juli 1897 zu Dargußen Bommelsvitte, am 1. April 1918 zu Memel Braschken, am 29. Oktober 1894 zu Stankeiten Brusdeilinen-Bendig, am 24. Februar 1896 zu Brusdeilinen Cassareggen, am 13. Januar 1896 zu Jagutten Dargußen-Gerge, am 26. Juli 1897 zu Dargußen Darguß-Mißeiken, am 20. Oktober 1897 zu Trußellen Daugallen-Peter, am 3. Oktober 1899 zum Gutsbezirk Schaulen Dautzin-Toms, am 26. Juli 1897 zu Pippirn Dautzkur-Krüger, am 4. April 1896 zu Kuhlen Dautzkur-Narmund, am 8. Mai 1897 zu Kerndorf Dumszen-Peter, am 3. Oktober 1899 zum Gutsbezirk Schaulen Eglien-Niclau, am 1. Juli 1898 zu Eglischken Einahren, am 12. Oktober 1896 zu Standschen Genschellen, am 3. Juni 1896 zu Schmilgienen Glaudienen, am 6. Dezember 1897 zu Hohenflur Graudußen, am 20. April 1897 zu Purmallen Groß Daupern, am 9. Juli 1895 zu Daupern Groß Daupern, am 9. Juli 1895 zu Daupern Groß Stolzentietz, am 20. Oktober 1894 zu Kebbeln Größuppen, am 20. Oktober 1894 zu Ziauken Grünapp, am 30. Januar 1897 zu Laugallen Ilgauden-Paul, am 5. April 1897 zum Gutsbezirk Eckitten Ingken, am 13. August 1904 zu Sudmantschen-Trusch Janeiken-Gerge, am 9. Juli 1895 zu Jankeiten Jodeischen-Jahn, am 20. April 1897 zu Galten Jureiten, am 8. Februar 1897 zu Prökuls Kackeln, am 31. Oktober 1901 zu Dinwethen Kaitinnen-Jahn, am 13. April 1891 zu Martinsdorf Kaulen-Görge, am 6. Januar 1896 zu Anduln Keebeln, am 7. Januar 1895 zu Kantweinen Kerren-Gerge, am 8. Mai 1897 zu Kerndorf Kiaunoden-Gerge, am 8. Februar 1897 zu Kalwen Klein Daupern, am 9. Juli 1895 zu Daupern Klein Stolzentietz, am 5. November 1894 zu Dwielen Klein Szarde, am 8. Mai 1897 zu Szarde Köcken-Jacob, am 6. Dezember 1897 zu Hohenflur Koitecklen, am 12. Mai 1896 zu Kettwergen Königlich Schmelz, am 10. Mai 1902 zu Schmelz Kunzen-Hans, am 22. Juni 1896 zu Carlsberg Kurschen-Andres, am 13. Januar 1896 zu Lankutten Labatag-Michel, am 9. Juli 1895 zu Jankeiten Lampsaten-Paul, am 9. Juli 1895 zu Bajohren Leisten-Jacob, am 1. März 1897 zu Leisten Löllekraggen, am 9. Juli 1895 zu Löllen Masuhren-Jacob, am 13. Januar 1896 zu Sudmanten-Trusch Matzaten, am 3. November 1894 zu Deegeln Mauschellen, am 26. Juli 1897 zu Matzwöhlen Megallen, am 4. April 1896 zu Purmallen Moiszeningken, am 20. Oktober 1894 zu Buttken Norkaten, am 6. Dezember 1897 zu Kebbeln