Die Prießnitz ist ein rechter Nebenfluss der Elbe in Sachsen. Bis auf ein kurzes Stück an ihrem Oberlauf liegt die 25,4 km lange Prießnitz im Gebiet der Stadt Dresden, in deren Gemarkungen sie entspringt und auch in die Elbe mündet. Ein großer Teil des Flusslaufs liegt im Landschaftsschutzgebiet Dresdner Heide, nur etwa 500 Meter sind kurz vor der Mündung im innerstädtischen Siedlungsbereich verrohrt.
Verlauf mini|Verlauf der Prießnitz mini|Mündung der Prießnitz im Stadtplan Dresdens von 1828 mit eingezeichnetem Jüdischem Friedhof, der Cichorien-Fabrik und dem Ausflugslokal Lincke’sches Bad Die Prießnitz entspringt in einer Höhe von in der Nachbarschaft des Forschungszentrums auf den Fluren Rossendorfs, eines Teils der Ortschaft Schönfeld-Weißig im äußersten Osten Dresdens, und fließt zunächst auf mehr als der ersten Hälfte ihres Verlaufs innerhalb des Radeberger Landes grob nach Nordwesten, also parallel zur Elbe. Unmittelbar nach der Quelle speist sie den Rossendorfer Teich, um anschließend kurz auf dem Gebiet von Ullersdorf zu verlaufen. Auf den folgenden drei Kilometern bildet sie die Stadtgrenze zu Radeberg und tritt an der Todmühle bei Weißig auf endgültig auf das Dresdner Stadtgebiet über. Nun durchfließt die Prießnitz die zum Stadtbezirk Loschwitz gehörige Dresdner Heide und passiert auf ihrem Weg die Heidemühle. Von hier an wird der Fluss auf seinem weiteren Verlauf durch die Heide von einem befestigten Waldweg begleitet, der Prießnitztalstraße.
Im Nordwesten des Waldgebietes, kurz vor Klotzsche, wendet sie sich auf scharf nach Süden und strebt von hieran der Elbe zu. Dabei bildet ein längerer Abschnitt ihres Tals die Ostgrenze des Industriegeländes, das bereits zum Stadtbezirk Neustadt beziehungsweise zur gleichnamigen Gemarkung gehört. Vorbei am Kasernengelände der Offizierschule des Heeres und dem Militärhistorischen Museum in der Albertstadt, erreicht die Prießnitz das dicht bebaute neustädtische Gebiet, das sie auf den letzten beiden Kilometern ihres Verlaufs durchfließt.
Zunächst folgt sie der Straße An der Prießnitz, um dann kurz nach links abzuknicken und unter dem westlichen Teilstück der Jägerstraße in einem Tunnel zu verlaufen. Ab dem Kraszewski-Museum fließt sie wieder grob in Richtung Süden parallel zur Prießnitzstraße und bildet hier die Grenze zwischen der Radeberger Vorstadt und der Äußeren Neustadt. Nachdem die Prießnitz die Halbinsel, auf der sich die Straße Prießnitzaue befindet, umflossen hat, erreicht sie an der Bautzner Straße gegenüber der Diakonissenhauskirche ihren zweiten unterirdischen Kanalabschnitt. Die Mündung der Prießnitz in die Elbe befindet sich, kurz nachdem sie wieder an die Oberfläche tritt, am Diakonissenkrankenhaus auf . Damit überwindet sie auf einer Länge von ca. 25 Kilometern einen Höhenunterschied von 175 Metern.
Geomorphologie Präglaziale Urprießnitz Einer Theorie von Geologen der Bergakademie Freiberg zufolge, 17.–21. März 2003, Institut für Geologie, Technische Universität Bergakademie Freiberg floss die Elbe vor dem am Ende der Kreidezeit liegenden zeitlichen Beginn, Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie der Entstehung der Lausitzer Verwerfung über Dresden-Klotzsche und Ottendorf-Okrilla, wo es ergiebige Lagerstätten fluvialer Elbsande gibt, weiter nach Norden. Etwa am heutigen Prießnitzknick östlich von Klotzsche muss demnach die Einmündung der Urprießnitz in diesen präglazialen Senftenberger Elbelauf gelegen haben.
Postglaziale Prießnitz Talformen Zunächst fließt die heutige Prießnitz in einem flachen Muldental. Dieses wird im oberen Teil ihres Verlaufs von Hempelsberg und Hutberg begrenzt. Auch in der Dresdner Heide ändert sich der Zustand vorerst nicht. Knapp unterhalb der Breiten Furt bildet die Prießnitz jedoch ein anfangs noch recht enges, aber rasch an Tiefe gewinnendes Kerbtal, den Prießnitzgrund. An der Heidemühle beginnt sie dann erneut zu mäandrieren, weshalb nun Prall- und Gleithänge gut ausgebildet sind. Hier ist das Tal erst 15 Meter tief. In der Gegend um Klotzsche erreicht der Prießnitzgrund eine Tiefe von 30 Metern, am Ausgang aus der Lausitzer Platte sogar 40 Meter. Im Bereich der Albertstadt wird das Tal schnell wieder flacher und breiter. Hier wird die Heidesandterrasse verlassen und das Elbtal erreicht. Die Prießnitz nähert sich nun in einer flachen Senke der Elbe.
Untergrund mini|Der Wasserfall der Prießnitz bei Klotzsche und die Granodiorit-Felsen im Zuge der Lausitzer Störung
Bestimmend für den aktuellen Lauf der Prießnitz ist die Aufschüttung des Schwemmfächers der Dresdner Heide durch die Schmelzwässer südlich des Gletscherrandes der Elster-Eiszeit. In dessen Sandboden grub sie sich im gesamten Heidegebiet ein. Der darunter befindliche Lausitzer Granodiorit tritt im Bett der Prießnitz bei Klotzsche kurz zu Tage und lässt an einer Störungslinie den kleinen Prießnitz-Wasserfall entstehen. Etwa 8 Kilometer oberhalb ihrer Mündung quert sie die Lausitzer Verwerfung und verlässt damit ihren bisherigen Untergrund, die Lausitzer Platte, um in den Elbtalkessel einzutreten. Zunächst durchläuft die Prießnitz aber noch mit der Mittelterrasse einen schmalen Streifen zwischen beiden, weshalb der Prießnitzgrund nach wie vor durch sandige Hänge gekennzeichnet ist. Im Elbtalkessel selbst bewegt sie sich auf ihren eigenen bzw. fluviatilen Ablagerungen der Elbe.
Flussanzapfung und Entstehung des Prießnitzwasserfalls Der merkwürdige Verlauf der heutigen Prießnitz geht wahrscheinlich auf den seltenen geomorphologischen Vorgang der Flussanzapfung zurück. Der nach Nordwesten gerichtete, auf der Lausitzer Granitplatte liegende Oberlauf fand wohl vor mehreren 10.000 Jahren etwa im jetzigen Promnitztal seine Fortsetzung und war somit der Großen Röder tributär. Als Fluss der Hochfläche hatte der Oberlauf ein nur mäßiges Gefälle und geringe Erosionskraft. Wesentlich kräftiger arbeitete sich hingegen der heutige Prießnitzunterlauf, welcher schon damals der nahen, tiefliegenden Elbe zustrebte, in den Sandboden ein. Auf Grund der rückwärtigen Erosion schnitt er schließlich am heutigen Prießnitzknick östlich von Klotzsche den hoch gelegenen Röderzufluss seitwärts an und leitete diesen nach Süden zur Elbe hin um. Daraufhin erhöhten sich auch Gefälle und Erosion des Oberlaufs, der sich folglich ein gleichmäßiges Tal schuf, bis er auf die im Abschnitt Untergrund beschriebene Granodioritstörung traf und sie freilegte. Deshalb verlangsamte sich die Erosion im Oberlauf erneut, im Unterlauf ging sie allerdings weiter ungehindert vonstatten. An deren Schnittstelle an der Störung entstand auf Grund dieser Vorgänge eine in der Vergangenheit bis zu mehrere Meter hohe Stufe, die heute als Prießnitz-Wasserfall bekannt ist.
Entstehung des Neustädter Schwemmkegels Die langen Erosionsprozesse bewirkten, dass die Prießnitz große Mengen Material ins Elbtal eintrug. Dieses lagerte sich vorwiegend am rechten Ufer der Elbe unterhalb der Prießnitzmündung ab. So entstand nach und nach der Schwemmkegel in Form des Elbbogens um die Neustadt, auf dem sorbische Siedler im Mittelalter den späteren Ort Altendresden gründeten. So gesehen waren die Aktivitäten der Prießnitz mitentscheidend für die Anlage der Stadt Dresden.
Natur des Prießnitzgrundes Böden In den Kerbsohlentälern der Prießnitz und ihrer Nebengewässer im Nordosten befinden sich feuchte, da grundwassernahe Auenböden, die reich an Humus und Schwemmmaterial sind. In den Altarmen der Prießnitz entwickeln sich torfhaltige sehr nährstoffreiche Moorböden, die teilweise durch den Versickerungsprozess auf den Sandböden oberhalb der Täler stark unter Quelldruck stehen.
Flora Im Tal der Prießnitz befindet sich in allen Waldschichten eine sehr umfangreiche und wechselhafte Vegetation, die auch im Verlauf des Tals wechselt. In der Nähe des Wasserfalls, wo das Tal keine wesentliche Sohle hat, wachsen Schluchtwälder an südexponierten Hängen, die am Ufer ansetzen. Dort vertreten ist neben den Fichten auch der Bergahorn. Dieser ist sonst vor allem in bis zu hochmontanen Lagen der Mittelgebirge in Deutschland vertreten. Ursprünglich waren auch Tannen weit verbreitet.
Dort, wo eine Sohle mit teilweise moorartigen Gebieten neben dem Fluss gebildet wurde, findet man Schwarzerle, Hänge-Birke, Esche, Erle, Roteiche und am Rand der Sohle am Übergang zu den umliegenden Waldgesellschaften Rotbuche, Kiefer, Bergahorn und Fichte in der Baum- und Strauchschicht. Durch moorartige Quellflächen und die Gewässer ist die Baumschicht teilweise unterbrochen und so wachsen dort auch lichtbedürftige Arten wie die Espe an exponierten Stellen.
Als besonders artenreich erweist sich auch die dortige Krautschicht mit geschützten Arten wie Sumpfdotterblume, Rundblättrigem Sonnentau, Sumpf-Schwertlilie, Wasserfeder und weiteren. Sonnige Stellen in Hang- oder Sohlenlage begünstigen das Vorkommen des Großen Springkrauts. In den Nebentälern enthält die Krautschicht auch sonst eher montanere Pflanzenarten wie Hain-Gilbweiderich oder Berg-Ehrenpreis.
Fauna mini|Künstliche Aufstauung als Maßnahme der Fließverlangsamung im FFH Prießnitzgrund In der Prießnitz, die vom DAV als Angelgewässer genutzt wird, finden sich als Teil der Ichthyofauna Bachforellen sowie die stark gefährdeten Fischarten Bachneunauge und Groppe. Niedere heimische Wassertiere sind Flohkrebse (Amphipoda) und Strudelwürmer (Turbellaria). Auch Vögel haben ihren Lebensraum am oder im Fluss. So sind Stockenten, Gebirgsstelzen, Eisvögel, Gimpel und Zaunkönige anzutreffen. Seltener ist die Wasseramsel und der Graureiher.
Schutz Die Prießnitz durchfließt auf einer Länge von mehr als 15 Kilometern das seit 1969 bestehende Landschaftsschutzgebiet Dresdner Heide. Mehrere Einzelabschnitte des Flusses innerhalb der Heide stehen ebenfalls unter Schutz. Dabei handelt es sich um die Dresdner Naturdenkmäler Altarme der Prießnitz (ND 4) und Prießnitz-Wasserfall und Uferhänge (ND 6, seit 1967). Am Dorfwasser, einem rechten Zufluss der Prießnitz, ist das Flächennaturdenkmal Ullersdorfer Dorfwasser (ND 3) ausgewiesen.
Der Prießnitzgrund mit seinen besonderen Standorten ist als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH) ausgewiesen. Dieses Gebiet durchläuft die gesamte Dresdner Heide von Osten her im Bogen des Flussverlaufes bis zum Prießnitztalviadukt (vormals Carolabrücke) der Stauffenbergallee im Südwesten. Es erfasst den Fluss, die Talsohle und die unterschiedlich ausgeprägten Hänge und Teile der Nebentäler. Schutzziele sind dort der Erhalt naturnaher Fließgewässerabschnitte, der Bruchwälder, Torfmoor-Schlenken und Staudenfluren sowie die Bewahrung der Habitate für gefährdete Arten der Fauna. Speziell auf den Fluss bezogen gehen dafür Maßnahmen der naturnahen Ufergestaltung, Verlangsamung und Durchlässigkeit einher. Im Umfeld werden monokulturelle Forstgebiete naturnaher umgestaltet. Die Grünlandbereiche müssen durch eine extensive Bewirtschaftung erhalten werden (jährlich alternierende stückweise Mahd als Gegenmaßnahme gegen Verstaudung). Bezogen auf die Naherholungsfunktion der Dresdner Heide wird eine Vermeidung der weiteren Freizeitnutzung des Gebietes als Schutzmaßnahme genannt.
Wasserführung mini|Ein Pegel der Prießnitz in der Dresdner Neustadt an der Kreuzung Prießnitzstraße zur Jägerstraße