Ulrich Ernst „Uli“ Borowka (* 19. Mai 1962 in Menden (Sauerland)) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer.
Sportliche Laufbahn Vereinskarriere Borowka lernte zunächst den Beruf des Maschinenschlossers. In der Bundesliga war er in 15 Spielzeiten für Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen aktiv. Mit Bremen wurde er 1988 und 1993 Deutscher Meister sowie 1991 und 1994 DFB-Pokalsieger. Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1991/92 mit Werder Bremen in Lissabon.
Der als „Eisenfuß“ bekannte Abwehrspieler – oder auch „die Axt“ genannt – war als besonders schuss- und zweikampfstark geschätzt und gefürchtet. Während seine technischen Fähigkeiten eher begrenzt waren, galt er als einer der besten und im Zweikampf härtesten Verteidiger seiner Zeit. Borowka war auch für seinen Trashtalk bekannt. Olaf Thon erinnerte sich an sein Bundesligadebüt 1984 gegen Mönchengladbach: „Mein Gegenspieler war Uli Borowka und er empfing mich mit den Worten: ,Heute brech’ ich Dir beide Beine.'“ Derartiges ist aber nie eingetreten. Von seinen Fußballerkollegen wurde er einige Jahre hintereinander bei der „kicker“-Wahl zum unbeliebtesten Spieler der Liga gekürt.
Abseits dieses Rufs als harter und abgezockter Profi überzeugte er auch fußballerisch als Gesamtpaket. Borowka stieg zum Nationalspieler auf und war zwischen 1981 und 1996 in insgesamt 388 Bundesligaspielen für die Gladbacher und den SV Werder am Ball. Der Defensivkraft gelangen dabei 19 Treffer.
Nachdem er Werder Bremen 1996 verlassen musste und kurzzeitig in Berlin bei Tasmania Neukölln und Hannover 96 unter Vertrag gestanden hatte, wechselte Borowka Anfang 1997 zu Widzew Lodz und war damit der erste deutsche Fußballspieler in einer Profiliga im Gebiet des ehemaligen Ostblocks, der Ekstraklasa in Polen.Thomas Urban: Schwarze Adler, Weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik; Göttingen Die Werkstatt, 2011, S. 157. Doch der Trainer Franciszek Smuda, mit dem er sich auf Deutsch verständigte, setzte ihn insgesamt nur achtmal ein. Wegen seines andauernden Alkoholkonsums verlängerte der Verein nach einer Saison Borowkas Vertrag nicht, woraufhin dieser 1998 seine aktive Karriere beendete.
Auswahleinsätze Seine Leistungen in der Bundesliga machten zu Beginn der 1980er-Jahre auch die Auswahltrainer des DFB auf den Gladbacher Profi aufmerksam. Im April 1982 debütierte Borowka im Trikot der deutschen U-21-Nationalelf beim 1:1 in Prag gegen den tschechoslowakischen Nachwuchs. Seine zweite und letzte Partie in diesem Team absolvierte er als einer der spielberechtigten älteren Akteure fünf Jahre später innerhalb der U-21-EM-Qualifikation. In Venlo verlor der bundesdeutsche Nachwuchs im April 1987 gegen die niederländische Vertretung mit 1:3.
Ebenfalls 1987 gelang ihm der Sprung in die bundesdeutsche Olympiaauswahl, für die er insgesamt bis Frühjahr 1988 neun Partien bestritt. Sechs dieser neun Begegnungen waren Teil der europäischen Qualifikation für das olympische Fußballturnier 1988 in Seoul, die die DFB-Elf erfolgreich absolvierte.
Der Verteidiger gehörte wenige Tage vor Beginn der Spiele in Seoul noch zum zwanzigköpfigen Kader von Olympiaauswahlcoach Hannes Löhr,Drei waren schon vor vier Jahren dabei. In: kicker Sportmagazin. 5. September 1988, Seite 39. aber die Entscheidung für ein Bundesligaspiel mit Werder gegen den Bayern München, für das er sich fitspritzen ließ,Werder in der Klemme. In: kicker Sportmagazin. 15. September 1988, Seite 7. und im gleichen Atemzug jene gegen die fest eingeplante Reise nach SüdkoreaMit Fritz Walter nach Seoul. In: kicker Sportmagazin. 15. September 1988, Seite 2. führten an der Seite von Andreas Köpke, Michael Zorc, Dieter Eckstein und Günther Schäfer, die alle zur ursprünglichen Teambesetzung Löhrs zählten, im September 1988 zu seiner Nichtteilnahme.Karlheinz Wild: Fünf gucken in die Röhre. In: kicker Sportmagazin. 19. September 1988, Seite 21.
Zuvor, von April bis Juni 1988, trug Borowka sechs Mal den Dress der westdeutschen A-Nationalmannschaft und nahm an der Europameisterschaft in der Bundesrepublik teil, bei der er vor heimischer Kulisse in allen vier Spielen der DFB-Elf zum Einsatz kam. Laut eigener Aussage besitzt er aus dieser Zeit sogar ein Trikot von Diego Maradona, auf den er in seinem ersten Länderspiel gegen Argentinien am 2. April 1988 traf. Nach der Europameisterschaft wurde Borowka vom Teamchef Franz Beckenbauer sowie später dessen Nachfolger Berti Vogts nicht mehr in A-Länderspielen eingesetzt.
Erfolge Deutsche Fußballmeisterschaft: 1988 und 1993 DFB-Pokal: 1991 und 1994 Europapokal der Pokalsieger: 1992 Polnische Fußballmeisterschaft: 1997
Weiterer Werdegang Nach dem Ende der Karriere war Borowka wegen alkoholbedingter und familiärer Probleme Thema in Boulevardmedien. 1996 verursachte er einen Autounfall unter erheblichem Alkoholeinfluss.Axel Wolfsgruber:
Seit einer viermonatigen stationären Entziehungskur im Jahr 2000 lebt er abstinent. In einer Autobiografie „Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker“ hat er seine Karriere und Alkoholabhängigkeit verarbeitet.Karsten Krogmann: Borowka gründete auch einen Verein zur Suchtprävention und berät Spieler mit Suchtproblemen.Katharina Reckers:
In den Jahren 1997, 2000, 2001 und 2003 arbeitete er als Trainer bei den Oberligisten FC Oberneuland, Berliner AK 07, Türkiyemspor Berlin. 2004 war er noch einmal bei Berliner AK 07 tätig. Oberliga Nordost-Nord DSFS, Berliner Athletik-Klub 07, S. 59–60.
Borowka hat mit der Bremer Punkband Dimple Minds eine Single mit dem Titel Barfuß oder Lackschuh aufgenommen.Sport-Bild vom 23. Dezember 1997, S. 15.Carsten Vollmer: REVIEWS: DIMPLE MINDS FEAT. ULI BOROWKA: Barfuß Oder Lackschuh, Ox-Fanzine – Ausgabe #30 I 1998
Seit dem Jahr 2007 ist Borowka im Bereich Sportmarketing selbständig tätig und veranstaltet auch Jugend-Fußball-Camps.
Im Jahr 2024 hielt er einen Vortrag bei der Bremer Bürgerschaftsfraktion der rechtskonservativen Kleinpartei Bündnis Deutschland.Inside Bremen – Droge Alkohol, open.spotify.com, 7. Dezember 2024
Borowka ist in zweiter Ehe verheiratet. Er ist Vater von drei Kindern (zwei Kinder aus erster Ehe und eine Tochter aus zweiter Ehe)Udo Koller: Uli Borowka im PZ-Forum: Einmal Abgrund und zurückpz-news.de, 26. Oktober 2018 und lebt in Hämelerwald bei Lehrte, Niedersachsen (Region Hannover).Jonas Freier:
Literatur Uli Borowka, Alex Raack: Volle Pulle. Mein Leben als Fußballprofi und Alkoholiker. Edel Books, Oktober 2012, ISBN 978-3-8419-0179-8.
Weblinks Offizielle Website von Uli Borowka
Peter Putzig:
Einzelnachweise
Kategorie:Fußballnationalspieler (Deutschland) Kategorie:Deutscher Meister (Fußball) Kategorie:Sieger des Fußball-Europapokals der Pokalsieger Kategorie:DFB-Pokal-Sieger Kategorie:Deutscher Supercupsieger (Fußball) Kategorie:Fußballspieler (FC Oberneuland) Kategorie:Fußballspieler (Werder Bremen) Kategorie:Fußballspieler (Tasmania Berlin, 1973) Kategorie:Fußballspieler (Borussia Mönchengladbach) Kategorie:Fußballspieler (Hannover 96) Kategorie:Fußballspieler (Widzew Łódź) Kategorie:Teilnehmer an einer Fußball-Europameisterschaft (Deutschland) Kategorie:Fußballtrainer (Berliner AK 07) Kategorie:Fußballtrainer (Türkiyemspor Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1962 Kategorie:Mann Kategorie:Polnischer Meister (Fußball) Kategorie:Autobiografie