Sossenheim ist seit dem 1. April 1928 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.
Lage mini|Renaturierungsarbeiten an der Nidda beim Sossenheimer Wehr (im Hintergrund erkennbar, inzwischen abgerissen) nahe dem Westkreuz Frankfurt im Sommer 2024. Das rechte Ufer gehört zu Sossenheim, das linke zu Nied. Der Stadtteil liegt im Nordosten des Ortsbezirks Frankfurt-West und bildet einen Teil der Nordwest-Grenze der Stadt Frankfurt am Main. Die anliegenden Stadtteile und Gemeinden sind im Westen Unterliederbach und Höchst, im Norden Eschborn, Schwalbach am Taunus und Sulzbach (Taunus), im Osten Rödelheim und im Süden Griesheim und Nied. Bei den beiden Letztgenannten markiert der Fluss Nidda die Grenze. Im Westen wird ein großer Teilteil der Grenze durch den Verlauf des Sulzbachs definiert, im Nordwesten durch die Autobahn A 66 sowie im Osten durch die A 5.
Das Sossenheimer Unterfeld, das einen großen Teil Sossenheims ausmacht, zählt zum Frankfurter Grüngürtel.
Die östlich gelegene Frankfurter Innenstadt (Hauptwache) ist etwa 6,2 km entfernt.
Geschichte Eine große Siedlung der Linienbandkeramik vor 7.000 Jahren ist in Sossenheim 2012 vom Denkmalamt an der Westerbachstraße 131 und 151 gefunden worden: Langhaussiedlung mit 4 Hausgrundrissen, Grabstätte mit Leichenbrand, Töpferware; Andrea Hampel, Archäologie in Frankfurt am Main Fund- und Grabungsberichte 2012–2016, S 324 SOS 11,19, 2017 Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, S 25ff (DNB 1255322284). Karl Wurm, Die vorgeschichtlichen Funde und Geländedenkmäler des Main-Taunus-Kreises und der westlichen Frankfurter Vororte 1975 Weitere Steinzeitfunde sind vom Archäologen Georg Wolff in der Ziegelei Kunz & Söhne Westerbachstraße nachgewiesen und 1931/1934 zwei 2,5 m lange Mammutzähne in der Gemarkung Am Leisrain/Kurmainzerstraße in der ehemaligen Ziegelei Noss sind vom Oberpräparator Struntz des Senckenbergmuseums gefunden. Die Römische Besiedelung dokumentieren 13 Münzfunde und ein römisches Gräberfeld fand der Leiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte Dr Karl Woelcke 1938 beim Bahnhof Sossenheim der Bahnlinie RB 11. Ein neues römisches Gräberfeld in Frankfurt-Sossenheim, 1938 in das Museum für heimische Vor- und Frühgeschichte Frankfurt, 1938 S 57–60; Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 40 ff.
Sossenheim wird erst im Jahre 1150 und dann als Rittersitz des Ritter Waltherus von Sossenheim 1213 urkundlich erwähnt sowie in weiteren über 33 Urkunden, wobei man vermutet, dass es wesentlich älter ist, denn sein vermutlicher Gründer, ein Franke namens „Suzo“, hatte sich bereits um 600 n. Chr. hier zwischen Mainz und Frankfurt angesiedelt,Eduard-Spranger-Schule: und andere fränkische Dörfer im Umkreis, deren Namen ebenfalls auf -heim enden, werden bereits in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts im Lorscher Codex genannt. So wurde aus dem Heim des „Suzo“ erst Suzoheim und später Sossenheim. Das älteste Bauwerk Sossenheims ist der um 1300 errichtete gotische Kirchturm mit verschiefertem Glockengeschoss von 1926 unter Spitzhelm; im Erdgeschoss ist ein kuppelartiges Gratgewölbe, heute Taufkapelle. Der 24 m hohe Turm hat ein Turmdach mit 4 Fenstern und auf seiner Spitze Knauf, Kreuz und Wetterhahn. Die 800-Jahr-Feier Sossenheim geht auf eine Urkunde zurück, in der Sossenheim und die spätere Wüstung Breitenloch erwähnt sind.Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 48 ff. und 59 ff.
Nördlich von Sossenheim führt die von Frankfurt-Praunheim kommende Militärstraße vorbei (s. Elisabethenstraße), und es bestehen auch Spuren römischer Besiedlung und römische Ziegeleien aus der Gegend um Sossenheim in Nied den Vordertaunus und die Wetterau mit Baumaterial versorgten.
Das mittelalterliche Sossenheim war geprägt durch bäuerliches Leben, wobei hier als Grundherren die Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz herrschten, wovon die nach Höchst führende Kurmainzer Straße zeugt. Lange Zeit gehörte Sossenheim den Grundherren derer von Cronberg, den Herren von Falkenstein, dem Erzstift Trier und auch der Frankfurter Bürgerschaft. Die mittelalterlichen Grund- und Territorialherrenmarkierten ihren Sossenheimer Besitz mit Grenzsteinen, wovon 4 gewappnete Steine als Flurdenkmale von 1605, 1678, 1735 und 1740 bekannt sind. Sossenheimer Zeitung 17.04.1934. Jedes Jahr fand seit dem Mittelalter für alle Sossenheimer eine Grenzbegehung bis 1906 statt. Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 66 ff.Die frühe Christianisierung Sossenheims belegt auch das Sossenheimer Bonifatiuskreuz 1513 Mechtild Schulze Dörrlamm Das steinerne des Hrabanus Maurus und auf dem Reliquiengrab des hl Bonifatius in Mainz, Jahrbuch RGZM 51, 2004 S 282ff mit Kreuzfoto S. 339.
In Kriegs- und Notzeiten fanden die Landbewohner in der nahen Reichsstadt Frankfurt Schutz. Allerdings war dieses „Burgrecht“ für die Sossenheimer nicht umsonst. Die Bewohner mussten dafür jährlich eine Zahlung leisten und mithelfen, die Stadtbefestigung mit Hacke und Schaufel auszubessern. 1438 wurde der Vertrag mit Frankfurt beendet, und sie begaben sich unter den Schutz von Höchst.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde bei der Schlacht bei Höchst, die eigentlich nicht auf dem Gebiet von Höchst, sondern in und um Sossenheim stattfand, am 19. Juni 1622 das katholische Sossenheim völlig zerstört und verwüstet. Christian von Braunschweig hatte das Dorf Sossenheim und 11 kurmainzische Dörfer geplündert und niedergebrannt, weshalb der Mainzer Kurfürst den Kaiser Ferdinand II um Hilfe bat. Der schickte seine Armee vom Winterlager Würzburg in 12 Tagen Eilmarsch mit 18 Kanonen. Herzog Christian hatte sich mit seinen Truppen und nur 3 Kanonen westlich von Sossenheim verschanzt, wo heute noch der Straßenname „Auf der Schanz“ erinnert. Graf Tilly, als Kriegsgegner Christians, rückte mit seinen Truppen von Frankfurt an, ließ Sossenheim und die feindlichen Truppen mit Kanonen beschießen und entschied schlussendlich die Schlacht für sich. 2013 und 2015 fand das Denkmalamt Frankfurt in der Wiesengeldstraße 84 Musketenkugeln 6 Kartätscheneisenkugeln und 4 Armbrustbolzen, die auf einen Teil des Sossenheimer Schlachtfeldes hinweisen.Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 93 ff.
Zählte Sossenheim 1609 noch 64 Familien mit 320 Einwohnern, so waren es 1652 nur noch 27 Familien, davon 19 alte und 8 neue darunter einige eingeheiratete FranzosenHeinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 93. 1771 gab es 75 Haushalte mit 358 Einwohnern. Davon waren 57 Bauern, 2 Schmiede, 2 Maurer; 1 Müller; 1 Bäcker; 1 Wagner; 1 Schneider; 1 Weber; 1 Krämer; 7 Tagelöhner; 25 Pferde, 246 Ochsen und Kühe sowie 222 Schweine.Adalbert Vollert, Sossenheim, Frankfurt 1980, S. 196. Historische Karten zeigen 1551 und 1583 zeigen Sossenheim als Straßendorf mit der St. Nikolauskirche (1706 wurde die Kirche dem Kirchenpatron St Michael gewidmet) als Ortsmittelpunkt und der Sossenheimer Mühle (1398–1963) mit Mühlgraben am Sulzbach und der Sossenheimer Bachschmiede.Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 77 ff. und 80 ff. und 82 ff.
Ziegeleien In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann 12 Ziegelbrennereien. Das ursprüngliche Bild des Straßendorfs wurde dadurch nachhaltig verändert, da nun Schornsteine der Ringöfen das Stadtbild prägten. Die Arbeiter und Wanderarbeiter wurden in Baracken untergebracht, wo es zu Alkoholkonsum, Schlägereien und Messerstechereien kam. Das führte dazu, dass im Volksmund die Einwohner der umliegenden Dörfer Sossenheim nur noch als Mordheim bezeichneten. In den 1920er-Jahren versiegten die Lehmvorkommen, was nach und nach zur Schließung der Ziegeleien führte.
Sonstige Firmen Viele Sossenheimer waren Pendler und arbeiteten in Frankfurter Fabriken z. B. seit 1896 bei Torpedo Rödelheim, seit 1863 Farbwerke Höchst und Elektron Griesheim, seit 1880 bei Adler vormals Kleyer im Gallus, (Dampf-) Maschinenbau J.S. Fries Sachsenhausen. Für diese Pendler erhielt die Gemeinde Sossenheim von Frankfurt, Höchst und Griesheim jährlich seit 1900 einen Zuschuss von über 24.000 Mark zu den Schul-, Armen- und Polizeilasten, wie aus den Magistratsakten der Stadt Frankfurt und jährlichen Berichten der Sossenheimer Zeitung hervorgehtHeinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 139 ff. Sieben Familienunternehmen entstanden, die heute in 5. Generation existieren. Über 100 Vereine gab es im Kaiserreich und sie waren ein gemeinsam organisiertes Netz der Selbsthilfe auf lokaler Ebene. In Sossenheim waren 7 Kranken- und Sterbekassen in Vereinsform tätig und die Gemeinde hatte seit 1862 zwei Sparkassen in Vereinsform. Die Sossenheimer engagierten sich ehrenamtlich meist in mehreren Vereinen.Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 437 ff. Schnell wuchs die Bevölkerung bis 1900 auf weit über 3.000 Einwohner. Seit 1880 hatte Sossenheim frei praktizierende Gemeindeärzte und die katholischen Dernbacher Schwestern betrieben über 60 Jahre die Hauskrankenpflege und arbeiteten als „Bewahrschulschwestern“ (Kindergartenschwestern). Seit 1818 (bis 1934) hatte Sossenheim wie im ganzen Herzogtum Nassau ehrenamtliche Armenpfleger, die dem Fürsorgebezirksvorsteher in Höchst unterstanden und effizient mit Musterformularen Sozialfürsorge betrieben mit Übernahme Krankenkosten bis Lebensmittelhilfe und Familienunterstützung auch in einem örtlichen Armenhaus. 1928 wurde Sossenheim mit etwa 4.800 Einwohnern zu Frankfurt eingemeindet. ISG Magistratsakten z. B. 1907–1924 Signatur 279 AZ U10Nr 6a FSP V FSP H, SZ 16.04.1910 Mark 24.000.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Dorf durch den Bau von Großsiedlungen: Im Westen die Henry-Dunant-Siedlung, nordwestlich vom Ortskern die Robert-Dißmann-Siedlung, an die sich östlich die Carl-Sonnenschein-Siedlung anschließt sowie die wiederum südlich von dieser gelegene Otto-Brenner-Siedlung. 1993 kam eine weitere Großsiedlung auf dem Gelände einer ehemaligen Großmolkerei (MoHa) dazu, der sogenannte Westpark, so dass die Einwohnerzahl auf über 15.000 seither stieg. „Silicon Sossenheim“ wird das Gewerbegebiet an der Wilhelm Fay Straße seit 1985 mit seinen 8 Cloudfabriken und über 20 Großfirmen wie Deutsche Bank, IBM, Telekom, Porschezentrum (in Bau) genannt, worüber bei den Sossenheimern keine große Freude aufkommt.Heinz Hupfer: Sossenheim – gestern und heute. Aus der Geschichte eines Frankfurter Stadtteils. 2. Auflage Eigenverlag, 2022, (DNB 1255322284) S. 369 ff. Seit über 20 Jahren tägliche Staus an den Autobahnen A 66 und A 648 zum Gewerbegebiet. Hier ist die A 66 achtspurig und gehört zu den meistbefahrenen Autobahnabschnitten in ganz Deutschland. Die Aufnahme in den Lärmaktionsplan 3. Runde zeigt zu wenig Ergebnisse sagen die Lokalpolitiker und die örtliche Bürgerinitiative.
Bevölkerung
Sossenheim hatte Ende Dezember 2022 16.245 Einwohner. Sossenheim ist aus einem sogenannten „Straßendorf“ entstanden und hat dadurch kein historisch gewachsenes Zentrum. Das heutige Sossenheim wird geprägt durch seine Siedlungsbauten aus den 1960er- bis 1970er-Jahren mit einem hohen Migrationsanteil.