mini|300px|Stiftsberg in Bad Grönenbach mini|300px|Marktplatz in Bad Grönenbach, mit Kollegiatstift und Kirche St. Philipp und Jakob im Hintergrund
Bad Grönenbach ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Unterallgäu und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bad Grönenbach.
Der Ort ist als Kneippkurort staatlich anerkannt. Der Markt befindet sich zwischen den Städten Memmingen im Norden und Kempten im Süden. Etwas östlich von Bad Grönenbach verläuft die A 7. Die Herrschaft über den 1099 erstmals urkundlich erwähnten Ort wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals. Ein lokaler Ortsadel bestand bis Anfang des 13. Jahrhunderts, danach ging die Herrschaft über verschiedene Adelsgeschlechter, bis Bad Grönenbach 1803 Bayern zugeschlagen wurde.
Seit dem 1. April 1997 führt der Markt den Namen Bad Grönenbach.Statistisches Bundesamt, Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1997 (eingesehen am 18. Oktober 2024)
Geografie mini|300px|Ausdehnung des Gemeindegebietes von Bad Grönenbach Topographie Der Ort liegt im Südwesten Bayerns, rund 13 Kilometer südlich der kreisfreien Stadt Memmingen in der Region Donau-Iller in Oberschwaben. Der Markt im südwestlichen Bereich des Landkreises Unterallgäu auf einer Höhe von und grenzt südlich an den Landkreis Oberallgäu, mit dem die typische Allgäuer Hügellandschaft beginnt. Die höchste Erhebung mit befindet sich im Südosten des Gemeindegebietes, etwa 1,4 km südsüdöstlich des Weilers Hintergsäng. Ungefähr ein Viertel des Gemeindegebiets ist mit Wald bedeckt, größtenteils der Grönenbacher Wald südwestlich des Hauptortes.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde hat 46 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Bad Grönenbach und Zell.
Nachbargemeinden Bad Grönenbach grenzt im Uhrzeigersinn an die Gemeinden Legau, Kronburg, Woringen, Wolfertschwenden, Böhen, alle im Landkreis Unterallgäu, sowie an die Gemeinde Dietmannsried im Landkreis Oberallgäu.
Geologie Geologisch liegt der größte Teil des Gemeindegebietes in der Naturraumeinheit des Unteren Illertales, lediglich ein kleiner Teil im Süden wird dem Naturraum Iller-Vorberge zugeordnet. Dort befinden sich die zu Bad Grönenbach gehörenden Dörfer Ziegelberg und der südöstliche Bereich von Herbisried. Die ältesten Gesteine im Untergrund des Gemeindegebietes werden durch miozäne Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse gebildet, die hier aus Mergeln, Sanden sowie Tonen mit eingelagerten Kiesen aufgebaut ist. Während der nachfolgenden Eiszeiten im Pleistozän wurde die Ebene der Oberen Süßwassermolasse mehrfach von Gletschern überfahren. Eiszeitliche Flüsse schnitten sich tief in die Ebene ein, so dass die Ablagerungen der Süßwassermolasse heute nur noch lokal an den Rändern der Täler aufgeschlossen sind.Ulrich Lagally, Stefan Glaser, Elisabeth Jobe, Georg Loth, Andreas Murr, Hubert Schmid, Wolfgang Schmid, Klaus Schwerd, Stephan Sieblitz, Ulrich Teipe: Geotope in Schwaben. Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz, Band 7, Augsburg 2009, ISBN 978-3-936385-34-2, S. 91–93.
Geomorphologisch prägend war im Raum Bad Grönenbach die Würm-Kaltzeit. Während des Maximums der Eisausdehnung lag die Gletscherfront im Memminger Tal. Beim Zurückschmelzen des Gletschers bildeten sich zwischen den Endmoränen und der Gletscherfront große Eisstauseen. Östlich von Ziegelberg durchbrachen die Wassermassen die Endmoräne und überfluteten die nördliche Schotterebene bei Memmingen. Durch die hohe erosive Kraft des plötzlich austretenden Gletscherseewassers schnitt sich der Wasserlauf tief in die Schotterterrassen ein und bildete ein charakteristisches Trompetental. Die Stelle, wo die Gletscherwässer durch die Endmoräne gebrochen sind, wird auch als „Allgäuer Tor“ bezeichnet.Ulrich Lagally, Stefan Glaser, Elisabeth Jobe, Georg Loth, Andreas Murr, Hubert Schmid, Wolfgang Schmid, Klaus Schwerd, Stephan Sieblitz, Ulrich Teipe: Geotope in Schwaben. Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz, Band 7, Augsburg 2009, ISBN 978-3-936385-34-2, S. 98.
Der Untergrund des Hauptortes ist strukturgeologisch geteilt in Schotter der Eiszeiten des Pleistozäns, der Mindel- und der Rißeiszeit. Der Rand des östlichen Gemeindegebietes besteht aus Schotter der Würm-Kaltzeit, der letzten Kaltzeit im Alpenraum. Die Weiler Vordergsäng und Niedergsäng liegen auf einer Altmoräne der Mindel-Kaltzeit, die Hochterrasse des Falken, nördlich daran anschließend, wurde in der Riß-Kaltzeit gebildet. Die Obere Süßwassermolasse aus dem Miozän bildet den Sockel der Erhebung. Die Obere Süßwassermolasse ist auch im Osten der Gemeinde zur Iller hin aufgeschlossen. Der Naturraum der Iller-Vorberge besteht aus einer Jungmoräne mit Endmoränenzügen der Würm-Kaltzeit.
Naturdenkmäler und Geotope mini|Nagelfluh-Aufschluss bei Waldegg, Bad Grönenbach. Geotop Nr. 778A007 mini|Ziegelberger Trompetentälchen, Geotop Nr. 778R003
In Bad Grönenbach sind die Baumgruppe am Schloßberg, vorwiegend aus Eschen bestehend, und die Weihbrunner Quelle in der Gemarkung Zell als Naturdenkmäler ausgewiesen.
Eingetragene Geotope sind die Nagelfluh-Aufschlüsse westlich von Bad Grönenbach und Waldegg, das Toteisloch bei Herbisried, das Ziegelberger Trompetentälchen, der Nagelfluhfelsen am Falken nordöstlich von Ittelsburg, die Zeller Hochterrasse nordöstlich von Grönenbach und der Prallhang am Illertal nördlich von Fluhmühle.
Die beiden Nagelfluh-Aufschlüsse zeigen Deckenschotter des Unterpleistozäns und wurden künstlich durch den Abbau von Kies geschaffen. Der Nagelfluhfelsen bei Ittelsburg besteht aus Geröll mit überwiegend kalkalpiner Herkunft. Da es deutlich mehr eckige als gerundete Stücke aufweist, wurde das Geröll nur wenig transportiert. Die Gletscherstirn während der letzten Kaltzeit muss somit in nächster Nähe gelegen sein.
Ebenfalls in der letzten Kaltzeit wurde das Ziegelberger Trompetentälchen gebildet, das größte Trompetental im Allgäu. Der Name Trompetental geht auf die trichterförmige Öffnung des Tales in nördlicher Richtung, ähnlich einem Trompetenhals, zurück. Albrecht Penck wies unter anderem mit Hilfe der Zeller Hochterrasse und des dort abgelagerten Schotters die Mehrgliedrigkeit des Pleistozäns nach.Ulrich Lagally, Stefan Glaser, Elisabeth Jobe, Georg Loth, Andreas Murr, Hubert Schmid, Wolfgang Schmid, Klaus Schwerd, Stephan Sieblitz, Ulrich Teipe: Geotope in Schwaben. Erdwissenschaftliche Beiträge zum Naturschutz, Band 7, Augsburg 2009, ISBN 978-3-936385-34-2, S. 94–95 Der Talgrund der Schotterterrasse stammt aus der Würmeiszeit, darüber erhebt sich die Hochterrasse der Rißeiszeit, die wiederum von der Terrasse der Mindeleiszeit überragt wird.
Flächennutzung Flächennutzung Fläche in ha 2013 Fläche in ha 2023 Gebäude- und Freifläche 351 432 Verkehrsfläche 158 166 Landwirtschaftsfläche 2616 2475 Waldfläche 1031 1031 Wasserfläche 35 28 Sonstige Flächen 11 67 Gesamtfläche 4202 4199
Das ländlich geprägte Gebiet von Bad Grönenbach hat mit 58,9 Prozent einen signifikant höheren Anteil an Landwirtschaftsfläche als der bayerische Durchschnitt mit 46 Prozent. Die Waldfläche umfasst circa ein Viertel des Gebietes und ist um rund 10 Prozentpunkte geringer als der Landesdurchschnitt mit 35,4 Prozent. Die größte zusammenhängende Waldfläche erstreckt sich unmittelbar am Ortsrand südwestlich von Bad Grönenbach. Neben weiteren kleineren, auf dem Gemeindegebiet verteilten Waldflecken ist die südöstliche Ecke an der Grenze zum Landkreis Oberallgäu bewaldet.
Die Wasserfläche mit 28 Hektar oder 0,7 Prozent der Fläche ist statistisch weniger als halb so groß wie der Landesdurchschnitt mit 2 Prozent. Die Gebäude- und Freiflächen sowie der Anteil der Verkehrsflächen liegen ungefähr im Landesdurchschnitt.
Gewässer Auf dem Gebiet der Gemeinde liegen verschiedene natürliche und künstlich angelegte Gewässerflächen. Am nördlichen Ortsausgang befindet sich das Naturfreibad Bad Clevers und weiter nach Norden gibt es zwei weitere kleinere Seen im Bereich des Weilers Ziegelstadel. Westlich und südlich unterhalb des Hohen Schlosses sind mehrere Weiher, zum Teil für die Fischzucht, angelegt. Weitere Gewässer befinden sich im Grönenbacher Wald nach dem Gemeindeteil Rothenstein. Kurz hinter der Grenze zum Landkreis Oberallgäu entspringt der Zeller Bach, der das Gemeindegebiet in nördlicher Richtung durchfließt und kurz vor Memmingen in den Kressenbach mündet. Der Bach wird von einer Reihe kleiner Zuflüsse gespeist. Östlich des Dorfes Zell ist durch Kiesabbau ein Baggersee entstanden. Zu Bad Grönenbach gehört ein Teil der Iller. Das rechte Ufer des Flusses erstreckt sich von Süden ab dem Weiler Au bis zum Illerkraftwerk der Illerstufe 6 bei Sack auf dem Gemeindegebiet. Auf Höhe der Einöde Rechberg bildet die Iller eine Schleife mit einem Prallhang, der rund 78 Meter abfällt. Sämtliche Gewässer gehören zur Flussgebietseinheit Donau.
Klima In Bad Grönenbach herrscht ein gemäßigtes, im Vergleich zu den Daten der Normalperiode von 1961–1990 für Deutschland aber eher kühles Klima. Im Februar, dem statistisch trockensten Monat, gibt es noch 55 mm Niederschlag, im Jahr sind es durchschnittlich 995 mm. Der heißeste Monat ist mit durchschnittlich 16,3 °C der Juli (im deutschlandweiten Durchschnitt sind es 16,9 °C), der Januar ist mit durchschnittlich −2,0 °C der kälteste, während für den gleichen Monat im Durchschnitt in Deutschland eine Temperatur von −0,5 °C herrscht. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 7,2 °C, das Mittel der Normalperiode weist für Deutschland eine Durchschnittstemperatur von 8,24 °C aus.
Geschichte
Ur- und Frühgeschichte Bereits in frühgeschichtlicher Zeit war das Gebiet der heutigen Marktgemeinde besiedelt, was ein Depotfund bei Ittelsburg aus der Bronzezeit von 1800 bis 1200 v. Chr. belegt. Der Fund, bestehend unter anderem aus mehreren Lappenbeilen, wird im Stadtmuseum Memmingen aufbewahrt. Aus der Eisenzeit, genauer der La-Tène-Zeit, stammen die Wallanlagen auf dem Falken oberhalb von Ittelsburg. Die Römer besiedelten das Gebiet, nachdem sie 15 v. Chr. die Vindeliker besiegt und die Provinz Raetia gegründet hatten. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches besiedelten im 6. Jahrhundert germanische Alemannen und Thüringer die Gegend. Ein eigener Ortsadel bildete sich vermutlich im 8. Jahrhundert und bestand bis Anfang des 13. Jahrhunderts.
11. bis 17. Jahrhundert mini|Burgruine Rothenstein