Bei Condylomata acuminata – auch unter dem Begriff Feigwarzen, Feigblattern, Feuchtwarzen und Genitalwarzen bekannte Warzen – oder kurz Kondylomen handelt es sich um eine Viruserkrankung. Feigwarzen sind kleine, weiche rosa Warzen (papillomatöse Fibroepitheliome), die am häufigsten an den Schamlippen, am Penisschaft und auf der Vorhaut vorkommen, sich aber auch um den Enddarm oder in der Mundhöhle befinden können. Sie sind neben Herpes genitalis und Chlamydiose eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen.
mini|250px|Mehrere Feigwarzen um den Anus
Erreger Feigwarzen werden zu 90 % durch Niedrigrisikotypen des humanen Papillomvirus (HPV) verursacht.Cloe Borton, Laurence Knott: Human Papillomavirus and Genital Warts, 19. Juli 2013; abgerufen am 24. April 2015 Die auch Kondyloma-Viren genannten Erreger sind kugelförmige, unbehüllte, doppelsträngige DNA-Viren (dsDNA), die zu den Papillomaviridae gehören, und von denen insgesamt 200 verschiedene (davon ca. 40 anogenitale) Typen bekannt sind. Die anogenitalen HPV-Typen werden in Niedrigrisikotypen (z. B. 6 und 11) und Hochrisikotypen (z. B. 16 und 18) unterschieden. Während eine persistierende Infektion mit Hochrisikotypen das Risiko für bestimmte Krebsformen (v. a. Gebärmutterhalskrebs, in seltenen Fällen aber auch für Peniskarzinom, Analkrebs und Krebs im Mund-Rachen-Raum) erhöht, besitzen Veränderungen durch Niedrigrisikotypen kaum Entartungspotenzial.
Übertragung und Verbreitung Grundsätzlich werden die Krankheitserreger durch Kontaktinfektion beziehungsweise Schmierinfektion übertragen.Was sind Feigwarzen und wie häufig kommen sie vor?, Geschlechtskrankheiten.de – Das Informationsportal für sexuell übertragbare Krankheiten; abgerufen am 18. April 2015 Damit ist es theoretisch möglich, dass HP-Viren bei fast allen Haut-zu-Haut-Kontakten übertragen werden können, Hauptursache für eine Infektion ist aber der ungeschützte Geschlechtsverkehr. Eine Infektion auf anderen Wegen, z. B. in der Sauna, beim Baden oder sogar auf Türklinken, ist zwar möglich, aber höchst selten.Dr. med. Harald Bresser: Condylome, Feigwarzen, HP-Viren: Diagnose, Ursache, Behandlung der Genitalwarzen
Aufgrund des Infektionsweges von HPV bieten Kondome keinen völligen Schutz. Eine Studie zur Schutzwirkung von Kondomen vor HPV hat aber ergeben, dass sich durch konsequenten Kondomgebrauch im Laufe eines Jahres ca. 70 % aller HPV-Infektionen verhindern lassen.Condom Use and the Risk of Genital Human Papillomavirus Infection in Young Women. (PDF) In: The new england journal of medicine. 22. Juni 2006, (englisch).
Global gesehen steigt die Anzahl an Neuinfektionen mit Feigwarzen kontinuierlich an. Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Koloproktologie; abgerufen am 22. April 2015 Es existieren verschiedene Hypothesen über die Ursache dieser Entwicklung. Eine davon lautet, dass die bei Intimrasuren entstehenden kleinen Verletzungen das Risiko für Feigwarzen begünstigen und immer mehr Menschen sich im Intimbereich rasieren. Die Haupt-Risikofaktoren bleiben dennoch: ungeschützter Geschlechtsverkehr, besonders wenn er mit mehreren Personen und in jungen Jahren ausgeführt wirdWhat are genital warts? What causes genital warts? medicalnewstoday.com; abgerufen am 22. April 2015 Faktoren, die die Immunabwehr des Körpers schwächen, wie Stress, Rauchen, Immunsuppressiva. Darüber hinaus wird auch empfohlen, Unterwäsche heiß zu waschen, da die HP-Viren bei 55 °C inaktiviert werden.
Etwa 1 % bis 2 % der sexuell aktiven Bevölkerung haben sichtbare Feigwarzen.Susanne Krüger Kjær, Trung Nam Tran, Par Sparen, Laufey Tryggvadottir, Christian Munk, Erik Dasbach, Kai-Li Liaw, Jan Nygård, Mari Nygård: The Burden of Genital Warts: A Study of Nearly 70,000 Women from the General Female Population in the 4 Nordic Countries. In: The Journal of Infectious Diseases. 196, 2007, S. 1447, doi:10.1086/522863. Darüber hinaus weisen ca. 5 bis 10 % der Bevölkerung subklinische HPV-assoziierte Läsionen im Anogenitalbereich auf, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind und in der Regel nicht diagnostiziert werden. Bei ca. 60 % der Bevölkerung lassen sich Antikörper gegen HPV im Blut finden, die eine frühere Infektion nachweisen. Das Risiko, im Laufe des Lebens eine HPV-Infektion durchzumachen, wird folglich mit zwischen 75 % und 80 % beziffert.Humane Papillomviren und Krebs: Antworten auf häufige Fragen – Ansteckungswege: Wie werden die Viren übertragen?, Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Heidelberg. Vom 17. Februar 2014. Zuletzt abgerufen am 4. September 2014.
Aufgrund der hohen Infektiosität und Verbreitung ist eine HPV-Infektion eine fast zwangsläufige Konsequenz sexueller Kontakte. Fünf Jahre nach Beginn ihrer sexuellen Aktivität haben sich ca. 70 % aller Frauen mit mindestens einem anogenitalen HPV-Typ infiziert.[ digene.de] (PDF) Zwischen 64 und 70 % der männlichen Beziehungspartner von Frauen, die unter einer zervikalen HPV-Erkrankung leiden, weisen wiederum – wie mehrere Studien zeigen – ihrerseits HPV-assoziierte Läsionen am Penis auf.Häufige Fragen zu Humanen Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs. cervical cancer consortium europe
Lokalisation Eine feuchte und warme Umgebung begünstigt die Entwicklung von Feigwarzen, daher finden sie gerade in Hautrissen im Genital- und Analbereich ideale Wachstumsbedingungen vor.Renate Huch, Klaus D. Jürgens (Hrsg.): Mensch, Körper, Krankheit. 6. Auflage. Elsevier / Urban & Fischer, München 2011, ISBN 978-3-437-26792-5, S. 138, 409. Feigwarzen bleiben auf Grund ihres Typus lokal beschränkt. Bei beiden Geschlechtern finden sich Feigwarzen somit im Analbereich, seltener im Enddarm. Bei der Frau sind vor allem die Schamlippen sowie die Scheide, seltener Gebärmutterhals betroffen. Beim Mann können die Eichel, die Vorhaut am Penis und auch der Hodensack befallen sein.
Krankheitsverlauf und Symptome Zwischen der Infektion und dem ersten Auftreten der Feigwarzen liegt eine Ausbruchszeit von einigen Tagen oder Wochen bis zu mehreren Monaten – und in sehr seltenen Fällen auch Jahren.Dr. med. Nonnenmacher: Feigwarzen (HPV). 19. März 2014; abgerufen am 24. April 2015 Außerdem muss nicht jede Infektion zwingend zu einer Warze führen. Die HP-Viren persistieren in den Stachel- und Plattenepithelzellen der Epidermis. Somit sind die Betroffenen zwar Virusträger, aber die Krankheit bricht nicht aus. Man spricht in so einem Fall auch von einer stummen Infektion.Risikofaktoren für die Ansteckung mit HPV und die Entstehung von Feigwarzen. geschlechtskrankheiten.de; abgerufen am 22. April 2015
Die Mehrzahl der Infektionen verläuft ohne klinische Symptome und ist nach einiger Zeit selbst mit aufwendigen Methoden nicht mehr nachweisbar. In etwa 30 % der Fälle heilen aufgetretene Feigwarzen von selbst wieder ab.
Die Krankheitserreger bilden in der Genitalregion oder am After meist kleine Warzen, die papillomatösen Fibroepitheliome,Günter W. Korting: Praxis der Dermatologie. Ein Lehrbuch für die Aus- und Weiterbildung. Stuttgart 1982, S. 149–150. die zur Beetbildung neigen und dann konfluierende (sich vereinigende) Warzen ausbilden. Kleinere Herde weisen dabei meist keine Symptome auf, größere können schmerzhafte Einrisse, Spannungsgefühl und ein Sekundärekzem verursachen.Volker Schumpelick, Niels Bleese, Ulrich Mommsen et al.: Kurzlehrbuch Chirurgie S. 364, 8. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart · New York, ISBN 978-3-13-127128-0 Insgesamt ist die Erkrankung selbst unbehandelt nicht tödlich, kann jedoch erheblichen negativen Einfluss auf die (sexuelle) Lebensqualität des Patienten erlangen. Ein eventuell betroffener Partner sollte sich dabei unbedingt auch auf das HP-Virus untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen, damit es nicht zu einer wiederholten gegenseitigen Infektion kommt.
Condylomata acuminata werden nahezu immer durch Niedrigrisikotypen (in über 90 % der Fälle durch HPV 6 oder 11) Uni München, Patienteninfo. verursacht, die nicht als kanzerogen gelten. Bei einer jahrelangen Erkrankung und nicht ausreichender Behandlung können Feigwarzen trotzdem entarten, bei Frauen etwas häufiger als bei Männern. Deshalb wird zu einer Behandlung geraten. Gelegentlich entstehen nämlich auch sehr große Tumoransammlungen, welche als Condylomata gigantea oder Buschke-Löwenstein-Tumoren bezeichnet werden. Sie zeichnen sich durch destruierendes Wachstum und benigne Entartung aus. Unbehandelt können sie auch aufbrechen und stark bluten. (PDF) AWMF-Leitlinie 082-008, abgerufen am 14. August 2019
Diagnostik In der Regel erfolgt aufgrund des charakteristischen Erscheinungsbildes nur eine Blickdiagnose. Bei unklarem klinischen Bild stehen dem behandelnden Arzt weitere diagnostische Maßnahmen offen.
Essigsäuretest: Eine drei- bzw. fünfprozentige Essigsäure färbt betroffene Areale weißlich. Hierbei können eher unauffällige Zellveränderungen sichtbar gemacht sowie die Ausbreitung besser eingeschätzt werden, falls die Kondylome chirurgisch entfernt werden sollen. Allerdings ist der Essigsäuretest unspezifisch und wenig sensitiv, d. h. sich verfärbende Areale sind nicht zwingend HPV-assoziiert. Falls sich verdächtige Areale nicht verfärben, bedeutet dies aber auch nicht zwingend, dass es sich nicht um Kondylome handelt. Daher kann der Test nur von einem erfahrenen Arzt richtig interpretiert werden. Histologische Untersuchung: Eine Gewebeprobe kann im Labor histologisch untersucht werden. Insbesondere Koilozyten gelten als Marker für HPV-assoziierte Hautveränderungen. Es finden sich aber auch zum Teil Hyper- und Parakeratosen. (PDF) aixcyto.de Virusnachweis: Der Nachweis von HPV-DNA gehört nicht zu der Routinediagnostik bei Condylomata acuminata. Dennoch ist ein Test per Abstrich von einer verdächtigen Stelle möglich. Als Testmethoden sind Sondentests (weit verbreitet, günstig, differenziert zwischen High und Low Risk) von Tests durch eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) (teuer, sehr sensitiv, erlaubt die Bestimmung des exakten Virustyps) zu unterscheiden. Die PCR zeichnet sich im Vergleich durch eine deutlich höhere Sensitivität und Spezifität aus. labor-bo.de HPV-Serologie: HPV-Infektionen verlaufen ohne Virämie. Daher lassen sich die Viren nicht im Blut nachweisen. Der Nachweis von Antikörpern ist wissenschaftlichen Untersuchungen vorbehalten und aufgrund der hohen Durchseuchung ohne diagnostischen Nutzen. Durch eine Kolposkopie, Anoskopie, Proktoskopie und bzw. oder Urethroskopie können „innere“ Kondylome ausgeschlossen werden. Vor derartigen Untersuchungen sollten äußere Kondylome entfernt werden, weil ansonsten die Gefahr besteht, die Infektion durch die Untersuchung selbst zu verschleppen.
Differentialdiagnosen