Louis Nerz, auch Ludwig Nerz, (* 16. Februar 1866 in Niemes, Böhmen; † 20. Jänner 1938 in Wien) war ein österreichischer Schauspieler, Regisseur, Dramaturg und Drehbuchautor.

Leben Der böhmische Bauerssohn hatte seine ersten beruflichen Erfahrungen bei der k.u.k.-Staatsbahn gesammelt, ehe er mit 19 Jahren zur Schauspielerei wechselte. Ohne eine künstlerische Ausbildung genossen zu haben, startete Louis Nerz 1885 seine Laufbahn am Budweiser Stadttheater. Nach weiteren Bühnenstationen in der böhmisch-mährischen Provinz (Pilsen, Marienbad, Reichenberg, Olmütz, Troppau) wurde er im Herbst 1893 an das soeben gegründete Raimund-Theater nach Wien geholt. Im Jahr darauf wechselte Nerz ans Prager Landestheater, 1896 nach Brünn und weitere zwei Jahre später nach Hamburg. 1899 kehrte Nerz nach Wien zurück, um ein Engagement am Theater in der Josefstadt anzutreten, dem er viele Jahre, zuletzt auch als Regisseur, angehören sollte. Sein Rollenfach war zunächst das des jugendlichen Liebhabers, mit den Jahren wuchs Louis Nerz aber rasch in das Charakterfach hinein.

Obwohl bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs filmisch aktiv, konzentrierte sich Nerz erst mit Gründung der österreichischen Republik auf die Arbeit vor der Kamera. Nach anfänglichen Hauptrollen musste er sich jedoch bald mit kleineren Rollen begnügen. In den 20er Jahren war Nerz beim Film vor allem als Drehbuchautor aktiv und arbeitete in dieser Funktion primär für die ‘Pan-Film’, an Literaturverfilmungen (Melodramen) ebenso wie an tülligen Stoffen mit Publikumslieblingen wie Grit Haid und Magda Sonja. Besondere Aufmerksamkeit erlangte sein Manuskript zu Österreichs wichtigstem Beitrag zum expressionistischen Kino, der Schauergeschichte Orlac’s Hände. Regie führte dort der Deutsche Robert Wiene, für dessen Wiener Inszenierungen Nerz am Ende seiner filmischen Laufbahn mehrfach die Drehbücher verfasste.

Für die Pan-Film war Nerz, der auch im Vorstand des österreichischen Filmbundes saß, überdies als künstlerischer Leiter und Dramaturg tätig. Der Jude Freund/Nerz starb zwei Monate vor der Annexion seines Heimatlandes durch das nationalsozialistische Deutschland.

Filmografie Schauspieler 1914: Der Storch ist tot 1918: Das Haus zum schwarzen Raben 1919: Der Fall Schermann 1920: Glanz und Elend der Kurtisanen 1920: Königin Draga 1920: Auf dem Gipfel der Macht 1921: Der Roman zweier Herzen 1921: Gevatter Tod 1921: Roman eines Kammerdieners 1921: Die Spur im Dunkeln 1921: Die Venus 1922: Die Marquise von Clermont 1922: Rondinella 1922: Die Hölle von Barballo 1923: Die Stimme des Gewissens

Drehbuchautor 1920: Auf dem Gipfel der Macht 1921: Das grinsende Gesicht 1921: Der Roman zweier Herzen 1921: Das Weib des Irren 1921: Die Venus 1922: Das Gespenst auf Mortons Schloß 1922: Meriota, die Tänzerin 1922: Die Marquise von Clermont 1922: Rondinella 1922: Die Hölle von Barballo 1924: Pension Groonen 1924: Orlac’s Hände 1925: Der Rosenkavalier 1926: Der Leibgardist (Der Gardeoffizier) 1929: Revolution der Jugend 1929: Der Dieb im Schlafcoupé 1929: Eros in Ketten

Literatur

Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 641 f.

Weblinks

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