Die Deutsche Gesellschaft für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie e. V. (DGPT) ist ein „Vereinsverband“ dreier Fachgesellschaften, nämlich der Deutschen Gesellschaft für Pharmakologie (DGP), der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmakologie und Therapie e. V. (DGKliPha) und der Gesellschaft für Toxikologie (GT). Ziel der DGPT ist, die Pharmakologie, Klinische Pharmakologie und Toxikologie nach innen und außen zu vertreten, in Forschung und Lehre zu fördern und für das Gesundheitswesen nützlich zu machen. Sind die drei Teilgesellschaften für ihre je spezifischen Aspekte zuständig, so die Dachgesellschaft für gemeinsame Aufgaben. Präsidenten der DGPT sind abwechselnd jeweils für ein Jahr die Vorsitzenden der drei Einzelgesellschaften.

Die DGPT ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Mainz. Sie zählt heute (2010) etwa 2500 Mitglieder.Internetseite der Gesellschaft: https://www.dgpt-online.eu/

Geschichte

Bis 1920: Vorläufer Die weltweit älteste bis heute fortlebende pharmakologische Fachzeitschrift, das Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie, heute Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology, erschien zuerst 1873. Damals gab es noch keinen Verband von Pharmakologen.

Eine erste Pharmakologen-Vereinigung wurde 1900 anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden gegründet. Nach der Wiesbadener Gründung tagte sie noch dreimal, zuletzt 1907. Spätere Nachrichten fehlen.

Die weltweit erste pharmakologische Fachgesellschaft entstand 1908: die American Society for Pharmacology and Experimental Therapeutics.

Der Plan einer internationalen Gesellschaft wurde zum Beispiel von John Jacob Abel aus den USA, Arthur Robertson Cushny und Henry Hallett Dale aus Großbritannien und Walther Straub aus Deutschland verfolgt, durch den Ersten Weltkrieg aber verhindert.E. Muscholl: Gründungsgeschichte und die ersten 25 Jahre der Deutschen Pharmakologischen Gesellschaft. in: DGPT Mitteilungen 1995; Nr. 16, S. 29–33Klaus Starke: A history of Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology. In: Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology 1998; 358:1–109

1920 bis 1932: Gründung Die heutige DGPT schließlich wurde als Deutsche Pharmakologische Gesellschaft am 24. September 1920 auf der 86. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Bad Nauheim gegründet. Gründungs- und erste Vorstands-Mitglieder waren Alexander Ellinger (1870–1923) aus Frankfurt am Main, Rudolf Gottlieb (1864–1924) aus Heidelberg, Arthur Heffter (1859–1925) aus Berlin, Hans Horst Meyer (1853–1939) aus Wien, Josef Schüller (1888–1968) aus Freiburg im Breisgau und Walther Straub (1874–1944) ebenfalls aus Freiburg im Breisgau. Nach der US-amerikanischen ist die deutsche die zweitälteste nationale pharmakologische Gesellschaft. Sie hatte stets auch nicht-deutsche Mitglieder, sowohl aus dem deutschsprachigen als auch aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland, so nach der ersten Liste aus dem Jahr 1924 unter insgesamt 142 Mitgliedern 41 von außerhalb Deutschlands. Naunyn-Schmiedebergs Archiv ist heute das wissenschaftliche Organ der Gesellschaft, wo unter anderem ihre Kongress-Berichte erscheinen. Sitz war zunächst Berlin-Charlottenburg.

1932 bis 1945: Im Nationalsozialismus 1932 gehörten zum Vorstand der Deutschen Pharmakologischen Gesellschaft Otto Loewi (1873–1961) aus Graz (Vorsitzender), Ferdinand Flury (1877–1947) aus Würzburg (Stellvertreter), Werner Lipschitz (1892–1948) aus Frankfurt am Main (Geschäftsführer), Oskar Gros (1877–1947) aus Heidelberg, Wolfgang Heubner (1877–1957) aus Berlin (bis zum Herbst 1932), Poul Edvard Poulsson (1858–1935) aus Oslo und Otto Riesser (1882–1949) aus Breslau (ab Herbst 1932 statt Heubner).

Am 31. März 1933 notierte der Berliner Pharmakologe und Gegner des Nationalsozialismus Wolfgang Heubner in sein Tagebuch: „Fakultätssitzung auf Grund einer mündlichen Besprechung einer Fakultätskommission im Kultusministerium ...: es wird 'emp'/befohlen, allen jüdischen Angestellten zu kündigen, sonstige jüdische Institutsinsassen zu ‚beurlauben‘.“ Am 7. April 1933 wurde das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erlassen. Die Vorstandsmitglieder Lipschitz, Loewi und Riesser waren jüdischer Herkunft.

Am 1. Oktober 1933 traf sich der Vorstand, erweitert um Heubner und den Freiburger Pharmakologen Sigurd Janssen (1891–1968). Das Protokoll vermerkt: „In sehr eingehender Aussprache wies Heubner darauf hin, daß das Ministerium auf einer Änderung des Vorstandes bestehe und, falls dies abgelehnt wird, die Gesellschaft auflösen werde. Herr Riesser stellt fest, daß die Mehrzahl der Anwesenden das Ausscheiden der nichtarischen Vorstandsmitglieder für unvermeidlich hält. Er schlägt folgende Fassung vor: ‚Unter den heutigen Verhältnissen ist die Pharmakologische Gesellschaft nicht in der Lage, ihren Vorstand nach den bisherigen Satzungen zu bilden. Sie überträgt daher, bis zur Aufstellung einer neuen Satzung, die verantwortliche Führung an Herrn Prof. Dr. Heubner.‘ Die Fassung wird einstimmig angenommen.“ Dementsprechend trat der gesamte Vorstand zurück, und Heubner und Janssen übernahmen die kommissarische Leitung. Bei der nächsten Mitgliederversammlung, am 17. September 1934 in Göttingen, erfolgte die Gleichschaltung. Das Protokoll vermerkt:Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1935; Band 181, S. 15

Alle Änderungen wurden als neue Paragraphen eingefügt, ohne den Text sonst zu verändern. Als neuer Vorstand wurden Sigurd Janssen (Vorsitzender), Walther Straub (Stellvertreter), Behrend Behrens (1895–1969) aus Berlin (Geschäftsführer), Max Baur (1893–1936) aus Marburg, Felix Haffner (1886–1953) aus Tübingen und Karl Zipf (1895–1990) aus Königsberg gewählt.

Vom 24. bis 28. April 1938 fand in Berlin die letzte Tagung der Gesellschaft vor dem Zweiten Weltkrieg statt. Im März hatte sich der Anschluss Österreichs vollzogen. In der Nacht vom 11. auf den 12. März war Otto Loewi in Graz verhaftet worden, um erst zwei Monate später wieder freizukommen, nachdem er sein Nobelpreis-Geld aus Schweden auf eine nationalsozialistisch kontrollierte Bank hatte überweisen lassen.

Bei seiner Eröffnungsrede am 25. April sprach der Vorsitzende, Ferdinand Flury, die Lingua Tertii Imperii. In dramatischem Kontrast dazu stand die anschließende Rede des Berliner Gastgebers Heubner. Er begann und endete mit Aspekten seines Fachs, der Pharmakologie. Dazwischen aber fügte er ein Plädoyer für Humanität, den Verstand, das Rationale, Einsicht, Weisheit, Redlichkeit, das Gewissen – alles Werte, die der nationalsozialistischen anti-rationalen Weltanschauung diametral entgegenstanden. Kaum verhüllt erinnerte er an Otto Loewi, indem er sagte: „So werden viele Seelen davon berührt, wenn Unglück hereinbricht über einen hervorragenden Entdecker weitreichender Zusammenhänge.“

Auszüge aus den beiden Reden stehen in der Diskussion zu diesem Artikel.

Als neuer Vorstand wurden Behrend Behrens (Vorsitzender), Walther Straub (Stellvertreter), Hermann Druckrey (1904–1994) aus Berlin (Geschäftsführer), Ferdinand Flury, Ludwig Lendle (1899–1969) aus Göttingen und Karl Zipf gewählt.

Tagungen, die für 1939 in Köln, für 1940 in Heidelberg, für 1942 in Würzburg und für 1943 in Bad Nauheim geplant waren, verhinderten der Krieg und ein Verbot der Regierung.

Der Würzburger Pharmakologe Ullrich Trendelenburg hat in seinem Buch Verfolgte deutschsprachige Pharmakologen 1933–1945, in der 2. Auflage bearbeitet von dem Mainzer Pharmakologen Konrad Löffelholz, 69 – in der 2. Auflage 71 – Kurzbiographien veröffentlicht.K. Löffelholz und U. Trendelenburg: Verfolgte deutschsprachige Pharmakologen 1933–1945. 2. Auflage. Frechen, Dr. Schrör Verlag 2008. ISBN 3-9806004-8-3 Die Biographien zeigen, dass die Deutsche Pharmakologische Gesellschaft die Verfolgten weiter als Mitglieder führte, so lange sie ihre Adressen kannte. Bei einigen Personen verraten die Adressen ihr Schicksal, nämlich die Emigration oder wenigstens Entlassung, so bei Otto Krayer (1899–1982), der 1932 in Berlin, 1936 in Beirut, 1938 in Boston tätig war, bei Paul Pulewka (1896–1989), der 1932 in Tübingen, 1936 und 1938 in Ankara tätig war, und bei Otto Riesser, der 1932 und 1936 in Breslau Lehrstuhlinhaber, 1938 aber entlassen war und in Oberursel wohnte.

Quelle:

1947–1990: In zwei deutschen Staaten Die erste Tagung nach dem Krieg fand vom 22. bis 24. August 1947 in Hamburg statt. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Behrens, seit 1938 im Amt, länger als satzungsmäßig eigentlich möglich, begrüßte besonders Otto Riesser und bat ihn, den Ehrenvorsitz der Tagung zu übernehmen. Riesser sagte: „Indem ich Ihnen aufrichtigst für die große Ehre danke, die Sie mir durch die Übertragung des Ehrenvorsitzes antun, möchte ich sie annehmen zugleich auch im Namen all derer, die, von einer fanatischen politischen Führung vertrieben, ins Ausland flüchten mußten; vor allem aber auch im Gedenken an diejenigen unserer Kollegen, denen das Leben geraubt wurde. … Ihrer zu gedenken in kollegialer und herzlicher Anteilnahme, ist uns selbstverständliche Pflicht. Aber auch manche anderen möchte ich grüßen, die im Gefolge der politischen Umwälzungen nach Deutschlands Niederlage heute noch ihrem wissenschaftlichen Beruf ferngehalten werden und denen wir eine Rehabilitierung und den Wiedereinsatz in die wissenschaftliche Arbeit wünschen.“Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1949; Band 208, S. 3

In den ersten Nachkriegsvorstand wurden Otto Riesser aus Frankfurt am Main (Vorsitzender), Hellmut Weese (1897–1954) aus Düsseldorf (Stellvertreter und Geschäftsführer), August Wilhelm Forst (1890–1981) aus München, Ernst Frey (1878–1960) aus Göttingen, Fritz Külz (1887–1949) aus Frankfurt am Main und Josef Schüller (1888–1968) aus Köln gewählt.

Bereits bei der nächsten Tagung, vom 10. bis 13. September 1948 in Düsseldorf, konnte der Gastgeber Weese die Wiederaufnahme internationaler Beziehungen melden: Henry Hallett Dale, Mitglied der Gesellschaft seit 1932, hatte die Ehrenmitgliedschaft angenommen.

Zugleich bahnte sich bei diesen ersten Tagungen an, was die nächsten Jahre bestimmen sollte: So wie sich die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik trennten, so trennten sich die westdeutschen und ostdeutschen Pharmakologen. In Hamburg wurde der Plan entwickelt, die bisherige Deutsche Pharmakologische Gesellschaft mit Sitz in Berlin durch eine neue mit Sitz in Düsseldorf zu ersetzen, offizieller Name Deutsche Pharmakologische Gesellschaft, Sitz Düsseldorf, e. V. Sie sollte die Aufgaben der bisherigen Gesellschaft „übernehmen, solange diese nicht in der Lage ist, mit ihren über ganz Deutschland und das Ausland verteilten Mitgliedern eine Vereinstätigkeit auszuüben“.Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1949; Band 208, Geschäftliches der Düsseldorfer Tagung S. 6 In der Tat wurde die neue Gesellschaft am 29. Juli 1949 vom Amtsgericht Düsseldorf genehmigt und eingetragen.