Als Sloweniendeutsche werden Menschen in Slowenien bezeichnet, die sich als ethnische Deutsche oder Österreicher betrachten und deren Muttersprache in der Regel Deutsch ist. Sie machten in der Zwischenkriegszeit in der damaligen Drau-Banovina des Königreichs Jugoslawien mehrere Prozent der Bevölkerung aus, doch seit den Vertreibungen am Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichneten sich bei Volkszählungen jeweils nur wenige hundert Menschen als „Deutsche“ oder „Österreicher“.
Geschichte Bei den Deutschen in Slowenien bzw. innerhalb des geschlossenen slowenischen Sprachgebiets handelte es sich um mehrere, sozial und ökonomisch sehr unterschiedlich gestellte Gruppen. Neben den wenigen Adligen und den auf mittelalterliche bäuerliche Besiedlung zurückgehenden Zarzern, Gottscheern und Bewohnern des Abstaller Feldes bestand die bürgerlich geprägte deutschsprachige Bevölkerung aus Händlern, Handwerkern und seit dem 19. Jahrhundert auch Industriellen sowie Beamten der Städte Krains und der Steiermark. Hinzu kam seit dem 19. Jahrhundert – insbesondere in Marburg an der Drau – ein deutschsprachiges Industrieproletariat.
Mittelalter und frühe Neuzeit mini|Gottscheer, aus „Ehre des Herzogtums Krain“ (Laibach und Nürnberg 1689) von Johann Weichard Valvasor
Seitdem das ehemalige Karantanien unter Lehenshoheit der Bajuwaren geriet und später Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation wurde, spielte die deutsche Sprache als Kommunikationsmittel der Oberschichten eine wichtige Rolle. Trotz Zuwanderungen aus dem deutschsprachigen Raum blieb das Slowenische in Krain, Untersteiermark und Südkärnten außerhalb der Städte das nahezu ausschließliche Verständigungsmittel bzw. setzte sich gegen die Sprachen der Zuwanderer durch. Ausnahmen hiervon waren die seit dem 12. bzw. dem 13. Jahrhundert bestehenden deutschen Sprachinseln von Zarz und Gottschee. Die städtische Bevölkerung bevorzugte dagegen seit dem Spätmittelalter – in regional unterschiedlichem Maße – das Deutsche, wobei von einem hohen Maße an Zweisprachigkeit in den Städten und deren Umgebung auszugehen ist. Der sprachliche Gegensatz zwischen Stadt und Land wird beispielsweise für die Stadt Cilli von Hartmann Schedel in dessen Nürnberger Chronik 1493 beschrieben: „Das volck in den stetten ist gewohnlich Teutsch. Vnd das pawrvuolck herdisshalb windisch. Hier innen ist ein altes Stettlein das ettlich Cili nennen.“
17. Jahrhundert Im 17. Jahrhundert dominierte in Laibach die deutsche Sprache. In einem Steuerverzeichnis von 1600 werden 443 Familiennamen genannt, von denen 247 deutscher Herkunft waren. 154 Namen waren slowenischer und 41 italienischer Herkunft.Moritz Gehre: Die deutschen Sprachinseln in Österreich. Verlag Hentze, Großenhain 1886, S. 46. Auf Deutsch erschienen eine ganze Reihe literarischer Werke in Krain, von denen als das historisch bedeutendste die „Ehre des Herzogtums Krain“ (Laibach und Nürnberg 1689) von Johann Weichard Valvasor (1641–1693) genannt werden kann.
19. Jahrhundert Die Entwicklung des Nationalismus führte seit dem 19. Jahrhundert zu einer Polarisierung zwischen „Deutschen“ und „Slowenen“. Insbesondere in den Städten bestanden deutsche und slowenische Bibliotheken, Theater und Vereine aller Art nebeneinander. Eine wichtige Rolle bei der Stärkung des Slowenischen spielte der slowenische Klerus, so besonders unter dem Marburger Bischof Anton Martin Slomšek. Dabei errangen die Slowenen in allen Städten Krains mit Ausnahme von Gottschee bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die politische Vorherrschaft. Die Städte der Untersteiermark – insbesondere Cilli, Pettau und Marburg an der Drau, blieben damals noch ökonomisch und politisch in deutscher Hand. Dieses politische Bild spiegelte sich auch in der Sprachsituation wider: Das Deutsche war noch in der Sprachinsel Gottschee sowie in den Städten der Untersteiermark und Südkärntens dominant, während sich andernorts das Slowenische im öffentlichen Leben durchsetzte. In der ehemaligen deutschen Sprachinsel Zarz in Oberkrain sprachen Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch die alten Menschen Deutsch.
Königreich Jugoslawien mini|Ehemaliges Deutsches Haus von Cilli, heute Celjski dom, vorne links Denkmal für Alma Karlin
Mit der Gründung des Königreichs Jugoslawien wurden die Deutschen, die bisher in den Städten Steiermarks und in der Gottschee eine Vorrangstellung gehabt hatten, zu einer Minderheit. Sichtbares Zeichen hierfür war die gewaltsame Auflösung einer Kundgebung von etwa 10.000 Menschen in Marburg für den Anschluss der Stadt an Deutsch-Österreich am 27. Januar 1919 durch Truppen des slowenischen Generals Rudolf Maister, bei der 13 Personen getötet wurden und die als Marburger Blutsonntag ins Gedächtnis der Deutschen Sloweniens einging. Kurz darauf wurde das Deutsche Haus in Cilli, in dem sich deutsche Vereine und Unternehmen befanden, enteignet und als Celjski dom der nunmehr slowenischen Stadt Celje überlassen.
In den Jahren 1919 und 1920 verließen etwa 2000 Laibacher sowie etwa 39.000 Untersteirer ihre Heimat in Richtung Deutsch-Österreich. Die jugoslawischen Volkszählungen ergaben für das Gebiet Sloweniens (innerhalb der damaligen jugoslawischen Grenzen) 1921 eine Zahl von 41.514 Personen (3,9 %) mit deutscher Muttersprache, 1931 dagegen nur noch 28.999 (2,5 %). Neben der Abwanderung spielt dabei eine Rolle, dass zweisprachige Personen, die sich in Österreich-Ungarn als „Deutsche“ erklärt hatten, sich nunmehr als „Slowenen“ bezeichneten.
Sehr schnell wurde auch die deutsche Unterrichtssprache in den Schulen durch das Slowenische ersetzt, so dass es keine deutsche Schule in Slowenien bzw. der Drau-Banovina gab. Auch das zuvor deutschsprachige Gymnasium in Gottschee ging zur slowenischen Unterrichtssprache über. Privatschulen wurden verboten. Zugelassen blieben in Jugoslawien Parallelklassen mit deutscher Unterrichtssprache, an denen jedoch keine Kinder mit slawischem Familiennamen teilnehmen durften. Mindestens 40 zugelassene Anmeldungen waren für einen deutschsprachigen Klassenzug erforderlich. In der Untersteiermark gab es 1935 elf solche deutschsprachigen Parallelklassen an sechs Volksschulen, 1938 waren es in ganz Slowenien dreißig.
1924 wurde der „Politische und wirtschaftliche Verein der Deutschen in Slowenien“ gegründet, doch 1929 unter der Königsdiktatur wie alle ethnisch ausgerichteten Organisationen in Jugoslawien verboten. 1931 wurde der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund, der seinen Schwerpunkt bei den Donauschwaben Serbiens und Kroatiens hatte, auch in Slowenien zugelassen, doch wurde dessen Tätigkeit unter dem Innenminister Anton Korošec wieder unterbunden.
Den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland und den „Anschluss Österreichs“ verbanden viele Sloweniendeutsche mit der Hoffnung, ans Deutsche Reich angeschlossen zu werden. Bei den Auseinandersetzungen im Schwäbisch-Deutschen Kulturbund ergriffen dabei viele Sloweniendeutsche für die Nationalsozialisten Partei.
Zweiter Weltkrieg Mit der Besetzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg 1941 wurde Slowenien zwischen Deutschland, Italien und Ungarn geteilt. Adolf Hitler und Benito Mussolini vereinbarten, sämtliche Deutschen aus der nunmehr italienischen Provinz Laibach auszusiedeln. Betroffen waren hiervon insbesondere die Gottscheer und die Deutschen in der Stadt Laibach.
Die Nationalsozialisten verfolgten das Ziel, die von ihnen kontrollierten Gebiete Sloweniens zwangsweise einzudeutschen. Zu diesem Zwecke verschleppten sie etwa 30.000 Slowenen aus dem CdZ-Gebiet Untersteiermark nach Serbien, Kroatien und Deutschland. Neben Österreichern und Deutschen aus dem „Altreich“ wurden Volksdeutsche aus der Untersteiermark in die Positionen vertriebener Slowenen eingesetzt.
Im sogenannten Rann-Dreieck im Gebiet von Gurkfeld (Krško) und Rann (Brežice) an der Save wurden in Bauernhöfen verschleppter Slowenen etwa 11.000 Gottscheer sowie „heim ins Reich“ geholte Volksdeutsche aus Bessarabien und Südtirol angesiedelt. In welchem Maße die Umsiedlung der Gottscheer zwangsweise oder freiwillig erfolgte, ist bis heute Gegenstand von Diskussionen.
Viele Sloweniendeutsche nutzten die ihnen nun gebotenen Privilegien, traten in die NSDAP oder die SS ein oder beteiligten sich auch an Kriegsverbrechen. Andererseits nahmen auch Sloweniendeutsche am Widerstand gegen den Nationalsozialismus teil, darunter die Cillier Schriftstellerin Alma Karlin. Ein Teil der in der Gottschee zurückgebliebenen Deutschen schloss sich den slowenischen Partisanen an.Mladina, 23. Februar 2004: Nemci, ki so bili partizani (Deutsche, die Partisanen waren)Zdravko Troha (2004), Kočevski Nemci - partizani (Die Gottscheer - Partisanen (auf Slowenisch), Kočevje, Arhiv Slovenije). - Ljubljana : Slovensko kočevarsko društvo Peter Kosler. ISBN 961-91287-0-2
Kriegsende mini|Kränze für Umgekommene im Lager Tüchern/Teharje, im Gedenkpark auf dem Gebiet des ehemaligen Lagers
Mit der Niederlage der deutschen Wehrmacht flohen Anfang Mai viele Sloweniendeutsche Richtung Österreich. Aus dem „Rann-Dreieck“ wurden am 5. und 7. Mai einige hundert Gottscheer mit dem Zug nach Österreich gebracht, doch wurden die meisten von den deutschen Behörden festgehalten. Der Evakuierungsbefehl kam erst am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, so dass nur ein Teil der Flüchtlingstrecks nach Österreich gelangen konnte. Die OZNA richtete in Sterntal (Strnišče) bei Ptuj ein zentrales Internierungslager für die Deutschen Sloweniens ein. Dort und im Lager Tüchern (Teharje) wurde ein Großteil der zurückgebliebenen Sloweniendeutschen gefangen gehalten, wobei in den hoffnungslos überbelegten Lagern mehrere tausend Menschen starben.
Durch die AVNOJ-Beschlüsse wurde sämtliches bewegliches und unbewegliches Eigentum der Deutschen enteignet. Die Vertreibung erfolgte in Slowenien schneller als in Serbien: Bis 1946 waren nahezu alle deutschen Lagerinsassen entweder gestorben oder nach Österreich abgeschoben.
Sozialistisches Jugoslawien Wie in ganz Jugoslawien besaßen auch in Slowenien die Deutschen keine Minderheitenrechte. Deutsche Organisationen waren verboten. Ebenso gab es keinen muttersprachlichen Deutschunterricht an Schulen, jedoch lernten viele Schüler in Maribor und Umgebung Deutsch als erste Fremdsprache. Nur noch sehr wenige Menschen bezeichneten sich bei Volkszählungen als „Deutsche“ oder „Österreicher“ (1953: 1906 Deutsche und Österreicher, 1961: 986, 1971: 700, 1981: 560, 1991: 745). Diese Zahlen schließen zugewanderte Deutsche ein, die z. B. als Ehepartner von Slowenen nach Jugoslawien gekommen sind. Die Deutschen sind in Slowenien seit Kriegsende weitgehend gleichmäßig verteilt.
Heutige Situation mini|Zweisprachige Aufschriften gibt es nur privat - hier vor dem Zentrum des Gottscheer Altsiedlervereins in Krapflern (Občice).
Bei der Volkszählung 2002 gaben 1.628 Personen Deutsch als „Umgangssprache im Haushalt (in der Familie) und Muttersprache“ an.Volkszählung 2002: Bevölkerung in Slowenien nach Umgangssprache im Haushalt (in der Familie) und Muttersprache. https://www.stat.si/Popis2002/si/rezultati/rezultati_red.asp?ter=SLO&st=60 Es bezeichneten sich dabei aber nur 499 Personen (0,03 %) als „Deutsche“ sowie 181 (0,01 %) als „Österreicher“Volkszählung 2002: (Zählungen vor den Vertreibungen: 1918: 106.000; 1931: 49.000).
Deutsche Organisationen in Slowenien Nach der Unabhängigkeit Sloweniens wurden erstmals seit 1945 in Slowenien Organisationen mit einem Bezug zur deutschen Minderheit zugelassen.
1992 konstituierte sich in Maribor unter Vorsitz des Rechtsanwalts Ludvik Dušan Kolnik ein „internationaler Verein“ mit dem Namen „Freiheitsbrücke“ (), der die Rückübertragung von Grundstücken an die in Slowenien lebenden Nachkommen enteigneter Volksdeutscher anstrebt und im Mai 1992 in die Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten (FUEN) aufgenommen wurde.