Kętrzyn ( Rastenburg) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Bekannt ist der Ort unter anderem für seine Pferdezucht; zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Burg Rastenburg. 1940 wurde nahe der Stadt das Führerhauptquartier Wolfsschanze errichtet.

Geographische Lage Die Stadt liegt im Nordosten Polens, etwa 30 Kilometer südlich der Staatsgrenze zur russischen Oblast Kaliningrad. Durch den Süden der Stadt fließt der Guber, rund 65 Kilometer (Luftlinie) südwestlich der Stadt liegt Olsztyn. Das Stadtgebiet erstreckt sich über hügeliges Gelände.

Klima

Geschichte Deutscher Orden mini|Stadtzentrum mini|hochkant|Innenhof der Ordensburg 1329 wurde hier von der Komturei Balga des Deutschen Ordens eine hölzerne Prußen-Festung zum Rasten übernommen und über der Guber ein Ordenshaus angelegt. 1399 wird der Ort als Rastekaym erwähnt. Der Name leitet sich von prußisch „raistan“ (Moosbruch) / „rast“ (Pfahl) und „caymis, keims“ (Dorf) ab und bedeutet frei übersetzt Pfahlbau-Dorf im Moosbruch.Georg Hermanowski: Ostpreußen Lexikon. Adam Kraft Verlag, Mannheim 1980, S. 245; Georg Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Berlin/Leipzig 1922, S. 139. Die Burg Rastenburg, die als Grenzposten Schutz vor den Angriffen der Litauer gewähren sollte, war nur Teil einer Kette von Burgen, die von Ragnit über Insterburg bis nach Allenstein und Osterode führte.

1345 und 1347 griffen die Litauer unter Algirdas und Kęstutis die neue Burg an, plünderten sie und brannten sie nieder. Die Reimchronik des Wigand von Marburg beinhaltet Klagelieder zu den damaligen Ereignissen.

Auf Grund der überaus günstigen Lage für den Orden baute man die Burg jedes Mal neu auf. Das neue Ordenshaus erhielt ein besonders schönes Tor, der Remter wurde nach dem Vorbild der Marienburg ausgemalt. 1350 wurde eine Wehrmauer errichtet. 1357 wurden der Ortschaft die Stadtrechte von dem Komtur von Balga, Henning Schindekopf, zuerkannt. 1370 war die Ortschaft aber schon zu klein und man errichtete eine Neustadt. Die Burg war in der Folgezeit Sitz eines Pflegers der Komturei Balga. Ab 1410 unterstand der Pfleger direkt dem Hochmeister mit der Zuständigkeit für die Verwaltung der Gebiete Rastenburg, Rhein und Leunenburg, mit der kurzen Ausnahme der Jahre 1418–1422, in denen die Burg zur Komturei Rhein gehörte. Michael Küchmeister von Sternberg (Hochmeister ab 1414) und Paul von Rußdorf (Hochmeister ab 1422) waren Pfleger in der Rastenburg. Letzterer erbat sich sogar 1440 vom Ordenskonvent die Rastenburg mit den damals vorhandenen Weinbergen zum Leibgedinge; denn damals wurde hier wie in den Gegenden von Leunenburg, Rhein, Hohenrade im Kreis Königsberg, in Tapiau und auch bei Thorn Wein angebaut. 1440 trat Rastenburg dem „preußischen Bund“ bei.

Zu Beginn des Ständekrieges (1454–1466) standen die Bürger auf der Seite des Preußischen Bundes und gegen den Orden, der sich in der Rastenburg verschanzt hatte. 1461 schloss man einen Waffenstillstand, und im Frieden von Thorn 1466 kam Rastenburg an den Orden zurück.

Preußen mini|Regimentsdenkmal vor der Burg (1926) In Rastenburg stand das älteste preußische Regiment in Garnison, das 1626 gegründete Grenadier-Regiment „König Friedrich der Große“ (3. Ostpreußisches) Nr. 4.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts galt Rastenburg als drittreichste Stadt in (Ost-)Preußen nach Königsberg und Memel mit einem zu versteuernden Vermögen, das 1067 Hufen (à ca. 16,5 ha) umfasste. Durch Naturkatastrophen, Stadtbrände und Plünderungen in den Kriegen der Nachordenszeit sowie die Große Pest ging der Reichtum allerdings verloren. Auf der Vermögensliste des Herzogtums rangierte Rastenburg 1698 nur an sechster Stelle. Allerdings hatte die Stadt das Glück, dass die Befestigungsanlagen dem Ansturm der Tataren 1656 standhielten und dass die große Pest 1709–1711 die Einwohner verschonte.

Am 3. August 1829 feierte die Stadt Rastenburg ihr fünfhundertjähriges Jubiläum.Roscius: Über das Jubelfest der Stadt Rastenburg am 3. August 1829. In: Preußische Provinzialblätter. Band 2, Königsberg 1829, S. 436–438 (Google Books). Bei dieser Gelegenheit wurde auf der äußeren Königsberger Vorstadt für die Kinder der dort wohnenden Familien eine vom Magistrat gestiftete Elementarschule eröffnet.Das fünfhundertjährige Jubiläum der Stadt Rastenburg, gefeiert am 3. August 1829. In: Preußische Provinzialblätter, Band 2, Königsberg 1829, S. 380–392 (books.google.de).

Das Gymnasium der Stadt entließ im Laufe der zwölf Jahre von 1820 bis 1831 insgesamt 92 Absolventen zur Universität. Im Jahr 1830 wurde eine Buchdruckerei eingerichtet und ein Wochenblatt herausgegeben.

Seit Anfang des 18. Jahrhunderts existierte der durch Veränderung der Verwaltungsstruktur entstandene Landkreis Rastenburg mit einem Landrat an der Spitze. Er umfasste die Hauptämter Bartenstein, Rastenburg, Barten sowie das Erbamt Gerdauen. Die bis 1945 geltende Landkreiseinteilung beruhte im Wesentlichen noch auf der großen preußischen Verwaltungsreform von 1818.

Die Freimaurerloge Drei Thore des Tempels wurde 1818 in Rastenburg gegründet und war ein Teil der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“. Sie bestand bis 1935. Sie errichtete das heute noch bestehende Logengebäude.

1865 wurde in Rastenburg eine Privatanstalt für Geisteskranke gegründet, die 1908 in die Verwaltung des Provinzialverbandes Ostpreußen übernommen wurde. Ab diesem Zeitpunkt nannte sie sich Provinzialanstalt für Schwachsinnige. Zum 1. Januar 1928 waren dort 654 Patienten untergebracht (weitere 110 Kranke befanden sich in Familienpflege), die von zwei Ärzten sowie 76 Pflegerinnen und Pflegern betreut wurden.Hans Laehr: Die Anstalten für Geisteskranke, Nervenkranke, Schwachsinnige, Epileptische, Trunksüchtige usw. in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Berlin/Leipzig 1929, S. 96. 1934 wurde der Krankenbestand verringert und ein Teil der Patienten in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt TapiauSächsisches Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20047, Landesanstalt Altscherbitz Nr. 9147 verlegt. Über das weitere Schicksal der Anstalt, der Patienten bzw. die Nachnutzung der Gebäude ist bisher nichts bekannt geworden.

In den Jahren 1867/68 wurde Rastenburg durch die Bahnstrecke Königsberg–Lyck an das Netz der Ostpreußischen Südbahn angeschlossen. Zur weiteren Erschließung des Umlandes entstanden ab 1898 die Rastenburg–Sensburg–Lötzener Kleinbahnen. In den Jahren 1907/08 baute die Preußische Staatsbahn die Strecken nach Angerburg und nach Heilsberg.

Die Rastenburger Häuser waren mit roten Ziegeln gedeckt, worauf die Redensart „Er glüht wie ein Rastenburger“ zurückgeht.

Im Ersten Weltkrieg war Rastenburg knapp zwei Wochen lang von russischen Streitkräften besetzt. Dabei gab es aber nur geringe Schäden; lediglich das Offizierskasino brannte ab.

Zweiter Weltkrieg und Kriegsende mini|hochkant|Wojciech-Kętrzyński-Denkmal Ab September 1940 wurde unweit von Rastenburg nahe dem kleinen Ort Görlitz (Gierłoż) unter höchster Geheimhaltung das Hauptquartier Wolfsschanze in Vorbereitung des Krieges im Osten angelegt, wobei man vorgab, Anlagen für die Chemischen Werke Askania zu bauen. Hitler hielt sich vom 24. Juni 1941 bis zum 30. November 1944 an rund 800 Tagen in der Wolfsschanze auf. Am 24. Januar 1945 wurde die gesamte Anlage von deutschen Pioniertruppen gesprengt. Die Reste der Wolfsschanze sind heute ein Freilichtmuseum.

Bis 1945 gehörte die Stadt zusammen mit dem Landkreis Rastenburg zum Regierungsbezirk Königsberg in der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Besetzung durch die Rote Armee im Frühjahr 1945, worauf die Stadt mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen wurde. Soweit die deutschen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der polnischen Administration aus Rastenburg vertrieben und durch zuwandernde Polen ersetzt.

Das polnische Kętrzyn Am 7. Mai 1946 wählte die kommunistische polnische Verwaltung eine neue Bezeichnung für die Stadt, die sie bis dahin auf Polnisch Rastembork genannt hatte. Sie wurde nun nach Wojciech Kętrzyński (1838–1918), einem polnisch-nationalistischen Historiker, benannt. Er hieß ursprünglich Adalbert von Winkler und war Sohn eines preußischen Gendarmen. Später nahm er den Familiennamen seiner Vorfahren an und nannte sich nun Wojciech Kętrzyński. Er wirkte lange Jahre als Wissenschaftler am Ossolinski-Institut in Lemberg.

Zur Zeit der Volksrepublik Polen gab es eine Süßwarenfabrik, eine Brauerei, die Elektrotechnik-Firma „Farel“, eine Molkerei, eine Hefefabrik, eine Fabrik für Weihnachtsdekorationen, eine Fabrik für Lebensmittelaromen und Mayonnaise.

1946 wurde die Stadt in die neu gegründete Woiwodschaft Olsztyn im Nachkriegspolen eingegliedert, zu der sie bis 1998 gehörte.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1768 2.132 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 417 ff. (Google Books). 1782 > 2.000 ohne die Garnison (Stab und fünf Kompanien eines Infanterie-Regiments)Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 18, Nr. 4; . 1798 2.066 1802 2.202 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 362–363, Ziffer 567 (books.google.de). 1810 2.429 darunter 129 Katholiken, 3 Mennoniten und 1 Jude, sonst nur evangelische Bewohner 1816 2.729 davon 2.547 Evangelische, 130 Katholiken und 49 Juden 1821 3.195 1828 3.827 darunter 67 Katholiken und 72 Juden 1831 3.557 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 513, Nr. 109; . ohne die Garnison (eine Jägerabteilung) 1858 4.769 davon 4.686 Evangelische und 83 Katholiken (keine Juden)Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 210, Ziffer 200 (books.google.de). 1875 6.102 1880 6.534 1885 7.189 1890 7.304 1905 11.889 davon 907 Katholiken und 138 Juden 1910 11.945 am 1. Dezember, davon 10.647 Evangelische, 1023 Katholiken und 118 Juden; 1836 MilitärpersonenRastenburg, Kreisstadt, rechts der Guber, Regierungsabezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Rastenburg (meyersgaz.org). 1925 13.859 davon 12.720 Evangelische, 855 Katholiken, 8 sonstige Christen und 109 Juden 1933 16.021 davon 14.673 Evangelische, 1.139 Katholiken, 1 sonstiger Christ und 102 Juden 1939 17.247 davon 15.254 Evangelische, 1.435 Katholiken, 224 sonstige Christen und 29 Juden 1995 30.239 stat.gov.pl 2000 28.861 2005 28.103 2024 25.113 Główny Urząd Statystyczny, Powierzchnia i ludność w przekroju terytorialnym w 2024 roku, abgerufen am 27. März 2026

Baudenkmäler mini|St.-Georgs-Kirche mini|Das Rathaus von Rastenburg mini|Die Loge der Freimaurer

Die St.-Georgs-Kirche ist heute eine katholische Pfarrkirche. Der Deutsche Orden erbaute sie zwischen 1359 und 1370 als Wehrkirche. Von 1524 bis 1945 war sie ein evangelisches Gotteshaus. Seit 1945 dient sie als Bazylika kolegiacka św. Jerzego („Stiftsbasilika St. Georg“) der Römisch-katholischen Kirche in Polen. Papst Johannes Paul II. gab ihr 1999 den Basilika-Titel.gcatholic.org