Sazan (, , , ) ist eine Insel an der albanischen Adriaküste. Es ist die größte Insel Albaniens und hat eine strategisch bedeutsame Lage am Eingang zur Bucht von Vlora und der Straße von Otranto, dem Übergang von der Adria zum Ionischen Meer. Die Insel hat eine Fläche von knapp sechs Quadratkilometern und liegt knapp fünf Kilometer nördlich der Halbinsel Karaburun. Sazan war bis 2025 grundsätzlich unbewohnt. Die Gewässer vor der Insel sind, mit Ausnahme eines Abschnitts an der Hafeneinfahrt, Teil des im Jahr 2010 gegründeten Marinen Nationalparks Karaburun-Sazan.

Die ausschließlich von Touristen besuchte Insel, die lange Zeit für die Seefahrt und den Handel auf der Adria von Bedeutung war, fand ab 2025 internationale Beachtung durch das Projekt Sazan Island Resort, das landesweite Proteste nach sich zog, zumal der Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten darin verwickelt ist.

Geschichte In der Antike wird die Insel recht häufig erwähnt, zumeist als „Saso“.„Saso ist die kleine Insel Saseno, die vor den Häfen von Oricum und Apollonia liegt; sie wird bei den Alten ziemlich häufig genannt (Scylax 26; Polybios 5, 110; Strabon 6, 3, 5 p. 281; Silius 7, 480; Plinius 3, 26, 152; Ptolemaeos 3, 13, 47; Itin. Ant. p. 489. 520; geogr. Rav. 5, 24 p. 408, 19, wo sie Sarona heißt) und war bekannt als Piratenstation…“ (Theodor Mommsen: Zu Caesar, in: Hermes 2 (1867), S. 145–146, hier S. 145). mini|links|Karte der Insel aus dem 16. Jahrhundert Mehrfach spielte die Insel in den Kämpfen um die Herrschaft über die Adria eine bedeutende Rolle. So unterlag die venezianische Kriegsflotte zur Zeit des Dogen Vitale Falier während der Kämpfe zwischen den Normannen unter Robert Guiskard und Byzanz um 1085. Den Genuesen gelang im August 1264 ein Sieg über eine venezianische Flotte bei Saseno.Marco Pozza: Zeno, Ranieri, in: Dizionario Biografico degli Italiani 100 (2020) 663–668. Die Insel gehörte bis 1797, also bis zur Auflösung der Republik Venedig, zu deren überseeischen Territorien.

Ab 1815 stand sie unter britischem Protektorat, nämlich als Teil der Republik der Ionischen Inseln. 1864 trat das Vereinigte Königreich die Inseln an das Königreich Griechenland ab. Jedoch nahm Griechenland seine Souveränitätsrechte auf der entlegenen Insel zunächst nicht wahr. Der italienische Botaniker A. Baldacci besuchte die Insel und berichtete 1893: „Saseno ist eine Klippe von 990 ha Fläche, mit einer höchsten Erhebung von 331 m … auf 40°, 29′, 45″ N. Br. gelegen.“ Zudem berichtet er von einer „osmanischen Besatzung“.Escursione botanica allo Scoglio di Saseno, in: Beihefte zum Botanischen Centralblatt 4 (1894), S. 256.

Italien besetzte zu Anfang des Ersten Weltkrieges am 30. Oktober 1914 Saseno. In einem geheimen Vertrag ließ sich Italien im April 1915 das Umland von Vlora mit der vorgelagerten Insel zusichern. Als nach dem Krieg albanische Truppen die Italiener vom albanischen Festland verdrängten, einigten sich die Konfliktparteien in einem Protokoll vom 2. August 1920 darauf, dass wenigstens Saseno/Sazan unter italienischer Hoheit verbleiben sollte. Die Insel blieb bis 1947 von Italien besetzt.Otto Maull: Albanien, in: E. von Seydlitz’sche Geographie, Hundertjahrausgabe, Europa (ohne Deutschland), Breslau: Ferdinand Hirt, 1931, S. 774, Abb. 883, sowie S. 690. Italien unterhielt auf der Insel einen Militärstützpunkt. Als Tochter des Oberkommandanten der Insel verbrachte die italienische Journalistin und Schriftstellerin Caterina (Rita) Durante (1928–2004) ihre Kindheitsjahre bis zum Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter und ihren Schwestern auf der Insel. mini|links|Bunker Erst mehr als eineinhalb Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt das nunmehr kommunistische Albanien gemäß dem Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 die Kontrolle über die Insel. 1946 hatte noch Griechenland die Rückgabe der 1914 von Italien besetzten Insel gefordert, um in der südlichen Adria für seine Sicherheit sorgen zu können, und da sie in seinen Augen noch immer zu den Ionischen Inseln gehörte.Neal H. Peterson, William Slany: Foreign Relations of the United States, Bd. IV: Paris Peace Conference: Documents, Washington 1970, S. 696–700. In der Folge wurde sie auch von sowjetischen Truppen als Stützpunkt genutzt, bis es 1960 zum Bruch zwischen Tirana und Moskau kam.

Auf der Insel entstand eine kleine Siedlung mit Wohnhäusern für die Angehörigen der Soldaten, einem Kino und einer Schule. Auch eine Chemiewaffenfabrik soll auf Sazan betrieben worden sein. Der Zutritt war Zivilisten verboten.Nigel West: Historical Dictionary of Cold War Intelligence, Rowman & Littlefield, Lanham 2021, S. 28.

Nutzung mini|Hafen von Sazan und alte Wohnhäuser Militärisch Heute wird Sazan noch immer von der albanischen Marine als Stützpunkt verwendet. Auch die italienischen Zollbehörden operieren von hier aus gegen albanische Schmugglerbanden. Etliche Yachten haben bereits wegen schlechten Wetters die Insel auf der Nordost-Seite als Nothafen angelaufen, was von den dort stationierten Besatzungen der italienischen Küstenwachboote geduldet wird, da vom Seerecht erlaubt.

Touristische Entwicklung Seit Sommer 2015 können Touristen von Vlora aus per Ausflugsboot in Gruppen die Insel erkunden.

Das albanische Tourismusministerium arbeitete wiederholt Pläne aus, nach denen die Insel in ein Ferienziel für Urlauber mit Hotels und einem Kasino verwandelt werden soll. Als problematisch wurde dabei allerdings erachtet, dass das Eiland über keine Süßwasserquellen verfügt.

Sazan Island Resort

Im Sommer 2025 besuchten Angehörige des US-Präsidenten Trump die Insel und spekulierten mit einer Übernahme. Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner begannen auf der Insel das Projekt Sazan Island Resort als Luxus-Destination für vermögende Urlauber zu realisieren und dafür Umweltschützer aus ganz Europa riefen die albanische Regierung auf, das Projekt zu stoppen. Die Bauarbeiten und das große Luxusresort würden sich negativ auf die geschützten Küstengewässer auswirken, beispielsweise auf die seltene Mittelmeer-Mönchsrobbe und die Seegraswiesen.

Im Mai 2026 begannen Proteste gegen das Projekt, zunächst in den Küstendörfern, dann in der Hauptstadt Tirana. Diese Proteste werden inzwischen als Flamingo-Bewegung bezeichnet, da durch das Projekt der Bestand der Flamingos auf der Insel gefährdet würde. Mit den Protesten wird eine breitere Kritik an Ministerpräsident Edi Rama und seiner Regierung verbunden. Demonstranten und Opposition werfen der Regierung fehlende Transparenz bei der Projektvergabe und Korruption vor. Grundsätzlich wird kritisiert, dass die größte albanische Insel an ausländische Investoren in dieser Weise veräußert werden soll.

Philatelie Im Jahr 1923 wurden acht italienische Briefmarken mit SASENO überdruckt.

Karten

Weblinks

Einzelnachweise

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