mini|Münchner Kammerspiele, Maximilianstraße (2014) Die Münchner Kammerspiele sind ein traditionsreiches städtisches Theater in München.

1926 erfolgte der Umzug in das 1901 fertiggestellte Schauspielhaus in der Maximilianstraße 26 und 28 in München. Das Schauspielhaus wurde im Jugendstil errichtet und ist eine Zusammenarbeit des Architekten Max Littmann und des mit der Innenausstattung beauftragten Richard Riemerschmid.

Derzeit verfügen die Münchner Kammerspiele über drei Spielstätten: Die große Bühne des Schauspielhauses und zwei kleine Bühnen, der Werkraum in der Hildegardstraße sowie die Therese-Giehse-Halle im Probengebäude in der Falckenbergstraße (Bauzeit 1997–2001, Architekten Gustav Peichl, Stefan A. Schumer, Walter Achatz).

Geschichte des Schauspielhauses Bei dem Bau handelt es sich um einen privat erteilten Auftrag von Karl und Arthur Riemerschmid.Wüllenkemper, 2009, S. 74 Nach Abschluss der Bauarbeiten sollte das Schauspielhaus später an das gleichnamige Theaterunternehmen verpachtet werden.

Die Anfänge der Planung wurden 1899 an das Familienunternehmen Heilmann & Littmann vergeben. Es stand zu dieser Zeit unter der Leitung Jakob Heilmanns und seines Schwiegersohns Max Littmann, der den Rohbau des Theaters entwarf.Wüllenkemper, 2009, S. 75 Das erst in Aussicht gestellte Grundstück erwies sich allerdings als zu klein bzw. ungeeignet, woraufhin sich die Gebrüder Riemerschmid im Februar 1900 bereit erklärten, „im rückwärtigen Gartengelände ihrer Anwesen an der Maximilianstraße einen Theaterbau zu errichten und diesen langfristig an das „Schauspielhaus“ zu verpachten“. Hierfür verlangten sie aber die Versicherung, dass Richard Riemerschmid an Innenausstattung und Innenbau beteiligt werden solle. Ab Februar 1900 begannen die Planungen für das heutige Theater. Leider fehlten dem Schauspielhaus zu diesem Zeitpunkt neben dem Grundstück aber auch die finanziellen Mittel zum Bau, so dass die Familie Riemerschmid hier ebenfalls aushalf und die Kosten übernahm.

Nach zehnmonatiger Bauzeit wurde das Theater am 20. April 1901 mit Johannes, einer Tragödie von Hermann Sudermann, eröffnet. Die Hauptrolle dabei spielte Franz Herz. In der Folge war das Schauspielhaus an der Durchsetzung des Naturalismus in München maßgeblich beteiligt, widmete sich besonders dem modernen Drama und stand in Konkurrenz zum Königlichen Hofschauspiel. Das Theaterunternehmen des Schauspielhauses war 1897 gegründet worden, als sich das Deutsche Theater bald nach seiner Gründung zum Varietétheater wandelte, Teile seines Ensembles waren übernommen worden. Seit 1898 lag die Leitung in den Händen des Wieners Ignaz Georg Stollberg, der zuvor an der Freien Bühne gewirkt hatte. Er war einer der bekanntesten Münchner Theaterdirektoren. Seinem Wirken verdankt das Haus an der Maximilianstraße seinen Ruf als eine der wichtigsten und angesehensten Bühnen Deutschlands. Bleibende Verdienste erwarb sich Stollberg um die großen naturalistischen Dichter. Von August Strindberg, Gerhart Hauptmann, Frank Wedekind bis Leo Tolstoi fanden die Dramatiker jener Zeit durch die kluge und energische Vermittlung Stollbergs Eingang in München Theaterwelt.

Von 1919 bis 1925 wurde das Schauspielhaus von der Schauspielerin und Regisseurin Hermine Körner geleitet, die ein hervorragendes Ensemble aufbaute. 1919 führte Elisabeth Bergner Regie, die u. a. Kabale und Liebe und Der Kaufmann von Venedig aufführte, für die sie u. a. Alexander Granach besetzte.Alexander Granach. Da geht ein Mensch. Henschelverlag Berlin, 1965, S. 171/172 1926, als die Kammerspiele unter Leitung von Otto Falckenberg in den Bau einzogen, war das Schauspielhaus allerdings bereits führungslos geworden.

Beschreibung des Schauspielhauses Lage und Bedeutung Das Schauspielhaus befindet sich zwischen der Falckenberg- (ehemals Herrnstraße), Stollberg-, Maximilian- und Hildegardsstraße und ist somit straßenseitig nicht einsehbar. Es erstreckt sich auf einem ca. 6800 m² großen Grundstück, und wurde mit Baukosten von 380.000 Mark dort errichtet.

Es zeichnet sich durch seine Innenhoflage aus, die sich eingegrenzt durch den Häuserblock, in die Gartenanlage einfügt. Diese Gartenanlage umfasst „zwei Tagwerk“Wolf, 1931, S. 42 und ist heute mit Garderoben und Werkstätten zugebaut. Der Abstand zu den angrenzenden Wohnhäusern beträgt 25 m. Aufgrund seiner Lage wird es auch als „Gartenpavillon“ bezeichnet.

Das Schauspielhaus wird heute (neben Cottbus) als „einziges erhaltenes Jugendstiltheater Deutschlands“ beschrieben, das sich durch seine Innenhoflage auszeichnet und durch die Integration in die Front der Maximilianstraße von außen nicht einsehbar ist.

Grundriss und äußere Erscheinung Das Schauspielhaus steht im Typ eines eingeschossigen Rangtheaters, das als „ein in Dimension und Raumform 'intimes' Schauspieltheater für max. 800 Besucher (verteilt auf Parkett und ein Ranggeschoß)“ beschrieben wird, „das der zeitgenössischen dramatischen Literatur und dem neuen naturalistischen Darstellungsstil einen entsprechenden Wirkungsraum schaffen sollte“. Zudem wird es in seiner Erscheinung als ein „bis in die Details geplantes Gesamtkunstwerk unter dem Einfluss Henry van de Veldes“ beschrieben.

Zur Erscheinung des Schauspielhauses wird noch erwähnt: „Die Umformung zu dem einzigartigen Raumkunstwerk des Jugendstils erfolgte erst in einem weiteren Schritt durch die Beteiligung Richard Riemerschmids. Ähnlich ist das Verhältnis zwischen konstruktiv-technischer Planung (Littmann) und dekorativer Gestaltung (Riemerschmid) in den Zuschauerraum umgebenden Räumen (Kassenvestibül, Parkett-Umgänge, Erfrischungsraum im Obergeschoss, seitliche Treppen); Littmann lässt in seiner eigenen Baubeschreibung gegenüber der Raumfassung durch Riemerschmid (plastisch modellierte Wand- und Deckengliederung und differenzierte Farbfassung) Distanz erkennen“Schaul, 1987, S. 130 Da das Schauspielhaus für nicht mehr als 800 Zuschauer geplant war, wurden insgesamt nur 727 Plätze umgesetzt. Damit wurde es schon zu Gründungszeit zu den eher kleineren Theatern in München gezählt.

Vom Grundriss des Schauspielhauses sind heute keine Originalpläne mehr erhalten. Im Vergleich mit dem zeitgleich von Heilmann & Littmann errichteten Prinzregententheater ist der Grundriss der Kammerspiele wesentlich schlichter. Der Grundriss ist „überschaubar und eindeutig gegliedert“ und das Gebäude selbst ist ein „tiefrechteckiger Baukörper mit Vorhalle und seitlichen Risaliten“. Im Erdgeschoss befinden sich eine „querrechteckige Vorhalle“, eine Kassenhalle mit direktem Anschluss an die Garderobe und das Foyer, von dem aus man in den Zuschauerraum mit Sitzreihen und Bühne gelangt, die an ihren Seiten von weiteren Räumen eingerahmt wird.

Das zweite Geschoss ist durch Foyer und Auditorium in der Mitte mit den einrahmenden Garderoben dreigeteilt. Diese Dreiteilung ist aber nur im Querschnitt zu sehen. Der Grundriss wiederholt sich also in der „Raumaufteilung und Nutzung des Erdgeschosses“ im Bühnenbereich. So wird auch der „Klarheit der Funktion und des Ablaufs eines abendlichen Theaterrituals […] unbedingt Rechnung getragen“ was sich im Aufbau des Theaters widerspiegelt. Es ist ersichtlich, dass Richard Riemerschmid Einfluss auf den Entstehungsprozess und die Pläne des Theaters hatte: Innenraum, Bühnenbereich, Bühnenvorhang, Beleuchtungstechnik, die Bestuhlung aus Holz in parallel verlaufender Wellenform – ausgeführt von der Fa. Gebrüder Thonet in Frankenberg, Hessen – stellen augenscheinlich Elemente einer Unterwasserwelt dar, die durch das Vorbild des Empfangsraums des Hof-Ateliers Elvira in der Von-der-Tann-Str. 15 nach Entwurf des Architekten August Endell inspiriert wurden.Vgl. Wüllenkemper, 2009, S. 78f Graham Dry: Das Hof-Atelier Elvira: München unter Wasser und die „Neue Frau“, in: Ingvild Richardsen (Hg.): Die modernen Frauen des Atelier Elvira in München und Augsburg 1887–1908, Volk Verlag, München 2022, S. S. 187–188.

Die Front der gesamten Maximilianstraße wird als eine von Friedrich Bürklein englisch-gotisch entworfene Einheit beschrieben, die ohne Schmuck auskommt. Diese „bescheidene und unauffällige äußere Form“, zeigt sich auch dadurch, dass kein repräsentativer Eingang vorhanden ist. Auf diesen konnte verzichtet werden, sodass nur zwei passagenartige Durchgänge das Theater mit der Maximilianstraße verbinden. Der Außenbau zeigt sich, wie schon beschrieben, in Einfachheit und Konzentration auf die Funktion des Gebäudes, sodass auf eine aufwendige Fassadengestaltung verzichtet wurde. Lediglich zurückhaltende Ornamentik, die auf Riemerschmid zurückgeht, ist zu sehen. An der Westfassade vollziehen die Fenster im Bereich des Treppenhauses die Aufwärtsbewegung der Treppe nach und zeigen sich damit in einfacher Gestaltung. Zudem befinden sich zwei Ausgänge an den Querseiten des Theaters, die zum Innenhof führen. Zur dezenten Gestaltung des Innenhofs erwähnt Riemerschmid mit Nachdruck, dass hierbei der Besuch des Theaters und der damit verbundene eigene Eindruck der Gestaltung der Außenfassade vorgehe. Die zur Gartenseite gelegenen Fenster und Türen der Fassade waren ehemals „stark durchgrünt“ was dem Schauspielhaus wiederum den „Charakter eines Gartenhauses“ zugesprochen hat. Die ornamentale Verzierung an den Fenstern und auch die Formen der Fenster und Türen selbst sprechen „Riemerschmids Sprache“.

Ausstattung Innerhalb der Kammerspiele spiegeln Farben und Formen „den Aufbruchswillen der jungen Münchner Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts“Wüllenkemper, 2009, S. 74f wider. Es werden hier neue Ausdrucksmittel und Formen, anstelle historischer Vorbilder, in der Ausstattung verwendet. Riemerschmid wählte die „reduzierte Ausdrucksweise des Münchner Jugendstil“ und legt Wert auf Funktion, Handwerk und Konstruktion. Im selben Zug wird darauf hingewiesen, dass stets die finanzielle Lage des Theaters in Bau und Ausstattung berücksichtigt werden muss.

Erdgeschoss mini|Grundriss des Erdgeschosses der Münchner Kammerspiele

Zwei Zugänge im Erdgeschoss führen als breite KorridoreVgl. Wolf, 1931, S. 44 durch die Häuser der Maximilianstraße 26 und 28 in die Kassenhalle. Um dorthin zu gelangen, durchschreitet man den Eingang mit seiner zweiflügeligen Tür, die die Offenlegung der Konstruktionen, wie es Riemerschmids Wille war, spiegelt.

Die Eingangsflure sind mit Stuckleisten und herzförmiger Blattornamentik über den farblich abgesetzten Sockeln der Gänge ausgestattet. An der nördlichen Längswand befindet sich die Kasse, neben der sich rechts und links die zwei Zugänge in das untere Foyer und zu den Garderoben befinden. Über dem Kassenhäuschen, in der heute nicht mehr erhaltenen Kassenhalle, befanden sich, neben dem herzförmig stilisierten Blattwerk an den Wänden, direktes Oberlicht, das besonders den Bezug zur Natur herstellen sollte und zweitrangig als reine Lichtquelle diente. Die Decke der Halle war kassettiert und ebenfalls mit Blattornamentik in Rot verziert. Blütenförmige Leuchten aus Glas hingen an geschwungenen Lampenarmen neben dem Kassenhäuschen. Rechts und links neben dem Häuschen führen zwei, den Eingängen identische, Türen in das untere Foyer.

Die farbliche Gestaltung des Foyers ist, im Gegensatz zum Rot der Kassenhalle, in Graublau gehalten. Im Foyer finden sich zwei Eingänge zum Parkett, die ebenfalls den äußeren Eingangs- und den Zugangstüren nachempfunden sind. Pflanzenähnliche Arbeiten aus Stuck über den Türen setzen sich farblich ab und scharfe Kanten und Ecken werden durch die Abrundungen der Türblöcke vermieden. Zudem wird die Längsausdehnung des Foyers durch Beleuchtung in der herzförmigen Ornamentik betont. Diese Ornamentik findet sich auch kreisförmig an der Decke, die in verschiedenen Blautönen ausgestaltet ist. Die hellblaue Decke und die hellgrün gestrichenen Wände passen damit zu den leicht violett gefärbten Vorhängen der Garderoben.