Olivia Atavia „Babsy“ Grange (* 27. April 1946 in Kingston) ist eine jamaikanische Politikerin der Jamaica Labour Party (JLP), Kulturfunktionärin und frühere Akteurin der Musik- und Unterhaltungsbranche. Sie ist Ministerin für Kultur, Gender, Unterhaltung und Sport und vertritt seit 1997 den Wahlkreis St Catherine Central im jamaikanischen Repräsentantenhaus. Im September 2025 wurde sie erneut zur Ministerin für Kultur, Gender, Unterhaltung und Sport ernannt.
Leben und berufliche Anfänge Grange wuchs in Luke Lane im westlichen Kingston als Tochter eines Schuhmachers und einer Schneiderin auf. Ihr Spitzname „Babsy“ entstand in der Familie, nachdem sich der Vorname Barbara nicht mehr gegen die bereits vergebenen Namen Olivia und Atavia durchsetzte. Sie besuchte die All Saints Primary und die Gaynstead High School, zog später zu ihrer Mutter nach Kanada und studierte an der Ryerson University in Toronto. Gemeinsam mit weiteren Mitgründern rief sie Contrast ins Leben, eine frühe schwarze Community-Zeitung in Kanada. In Kanada arbeitete sie zudem mit der Ontario Human Rights Commission und engagierte sich gegen Rassismus. Als Chief Executive Officer der Entertainment Promotions Company war sie als Veranstaltungsmanagerin, Promoterin und Künstlermanagerin tätig, unter anderem für Reggae-Musiker wie Leroy Sibbles, Shabba Ranks, Patra, Mad Cobra und Bounty Killer.
Politische Laufbahn Grange kehrte in den 1970er Jahren nach Jamaika zurück, ging aber nach einer Inhaftierung während des Ausnahmezustands im Jahr 1976 wieder nach Kanada ins Exil.Female Jamaica Ministers. Abgerufen am 9. Februar 2011. Als sie 1980 nach dem Ende der Regierung der People’s National Party für einen Urlaub nach Jamaika zurückkehrte, wurde sie von Edward Seaga, der kurz zuvor mit der JLP die Wahl gewonnen hatte und zum Premierminister gewählt worden war, eingeladen, für ihn in West Kingston zu arbeiten.Featured Speakers: Olivia Grange, Informationen zur Creative Clusters Conference, Glasgow 2008. Abgerufen am 26. Oktober 2010. Sie organisierte dort Jugendkulturprogramme und arbeitete im politischen Umfeld Seagas, bevor sie 1997 Abgeordnete für St Catherine Central wurde.
Von 1983 bis 1985 war sie Regierungssenatorin und Parlamentarische Staatssekretärin für Information und Kultur, von 1985 bis 1989 Staatsministerin im Büro des Premierministers. Sie bekleidete daneben verschiedene öffentliche und Parteiämter und war unter anderem stellvertretende Generalsekretärin sowie Public-Relations-Verantwortliche der Jamaica Labour Party. Bei der Parlamentswahl am 3. September 2007 wurde sie als Kandidatin der JLP für den Wahlkreis St Catherine Central erneut ins Repräsentantenhaus gewählt. Die JLP errang bei dieser Wahl die Mehrheit und bildete die neue Regierung. Grange wurde zur Ministerin für Information, Jugend, Sport und Kultur berufen und am 14. September 2007 vereidigt. Bei einer Kabinettsumbildung am 6. April 2009 gab ihr Ministerium die Zuständigkeit für Information ab, danach wurde sie Ministerin für Jugend, Sport und Kultur.Prime Minister Announces Cabinet Changes, 6. April 2009, Jamaica Information Service. Abgerufen am 29. Oktober 2010. Sie blieb Ministerin bis zur Wahlniederlage der JLP am 29. Dezember 2011. Da sie ihren Wahlkreis auch bei dieser Wahl gewinnen konnte, blieb sie Mitglied des Repräsentantenhauses. Am 19. Januar 2012 ernannte Oppositionsführer Andrew Holness sie zur Oppositionssprecherin für Jugend-, Sport- und Kulturpolitik.Holness names Shadow Cabinet, Jamaica Gleaner vom 19. Januar 2012. Abgerufen am 17. Februar 2012.
Seit 2016 prägt sie als Ministerin die Politikfelder Kultur, Gender, Unterhaltung und Sport, darunter Programme zu Kulturwirtschaft, Musikförderung, Geschlechterpolitik und Sport.
Kultur- und Musikpolitik Grange ist Mitbegründerin und Direktorin der Jamaica Association of Composers, Artistes and Producers (JACAP) und Direktorin des Edward Seaga Research Institutes. Während ihrer Amtszeit als Kulturministerin nahm die UNESCO 2018 den Reggae in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf; Grange bezeichnete die Entscheidung als historischen Tag für Jamaika. Nach Hurrikan Melissa plante ihr Ministerium 2025 unter dem Titel I Love Jamaica internationale Benefizkonzerte.
Reparationspolitik In der Reparationspolitik kündigte Grange 2025 an, Jamaika werde König Charles III. ersuchen, dem Judicial Committee of the Privy Council Fragen zur Rechtmäßigkeit der Verschleppung und Versklavung von Afrikanern in Jamaika sowie zu möglichen britischen Wiedergutmachungspflichten vorzulegen. CARICOM unterstützte Jamaikas Petition im Juli 2025, und Grange stellte den Schritt als Teil einer regional koordinierten Reparationsstrategie dar. Im Mai 2026 traf Ralph Gonsalves sie in Jamaika, wobei sie als führende Figur der jamaikanischen Reparationsbewegung beschrieben wurde.
Im September 2026 führte Grange eine Delegation nach London, um König Charles III. um die Vorlage der Rechtsfragen zur Versklavung in Jamaika und einer möglichen britischen Wiedergutmachungspflicht beim Judicial Committee of the Privy Council zu ersuchen. Die Petition wurde am 7. September 2026 beim Buckingham Palace eingereicht; zudem waren Gespräche mit dem British Museum über die Rückführung jamaikanischer Kulturgüter vorgesehen.
Auszeichnungen Für ihre Beiträge zu Musik, Kulturentwicklung und öffentlichem Dienst wurde Grange 2015 mit dem Rang eines Commanders im Order of Distinction ausgezeichnet; 2022 wurde ihre Auswahl für den Order of Jamaica bekannt. Im Bereich Gleichstellung wurde sie 2025 mit dem Commonwealth Parliamentary Equality and Diversity Award ausgezeichnet, der ihre Arbeit für Geschlechtergerechtigkeit, Frauenführung, Jugendbeteiligung und Inklusion würdigte.
Literatur Shakira Maxwell: Breaking the Barriers: A Brief Examination of Olivia ‘Babsy’ Grange. In: Cynthia Barrow-Giles (Hrsg.): Women in Caribbean politics. Ian Randle Publishers, Kingston, Jamaica 2011, ISBN 976-637-670-0, S. 117–124.
Weblinks
JLP Candidates and MP's: Olivia Grange Informationsblatt über Olivia Grange, World Summit on Arts & Culture 2009 (PDF-Datei; 66 kB)
Einzelnachweise
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