Bad Berka ist eine Kleinstadt im Süden des Landkreises Weimarer Land in Thüringen. Sie ist nach der Kreisstadt Apolda die zweitgrößte Stadt im Landkreis und liegt an der Ilm, die ihr Tal in der Gegend tief in den Buntsandstein eingegraben hat, etwa zwölf Kilometer südlich von Weimar. Der staatlich anerkannte Kurort trägt die Artbezeichnung Ort mit Heilquellenkurbetrieb. Bad Berka hat sich als Zentrum medizinischer Kompetenz (bspw. Zentralklinik als Akutklinik sowie der drei Median-Kliniken als Kureinrichtungen für die Anschlussheilbehandlung und Rehabilitation) einen Namen über die Grenzen Deutschlands hinaus gemacht. Die Geschichte des Kurwesens und der 1813 gegründeten Badeanstalt Berka ist eng mit dem Wirken Goethes verbunden. mini|300px|Blick vom Paulinenturm über die Stadt mini|Ilmbrücke

Geographie und Stadtgliederung mini|300px|Stadtgliederung

Bad Berka, umgeben vom 150 km² großen Landschaftsschutzgebiet „Mittleres Ilmtal“, liegt im Hügelland der Ilm-Saale-Platte, 12 km südlich von Weimar, 24 km südöstlich von Erfurt und 20 km westlich von Jena.

Die Stadt Bad Berka ist in die acht Ortsteile Bad Berka, Tannroda (mit den Weilern Böttelborn und Kottendorf), Bergern, Schoppendorf, Tiefengruben, Meckfeld, Gutendorf und München gegliedert. Bis auf die Kernstadt haben alle Ortsteile eine Ortsteilverfassung nach der Thüringer Kommunalordnung, sodass ein Ortsteilbürgermeister und ein Ortsteilrat bestehen.

Die Kernstadt weist eine Fläche von ca. 21,35 km² auf. Sonstige Flächen, wie etwa der Kurpark, Gärten und Landwirtschaftsflächen sind ca. 6,08 km² groß.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.2008.

Einwohner Jahr Einwohner 2012 7651 2019 7491 2020 7498 2021 7446 2022 7415

Geschichte mini|Forstamt mit Tafel zur Erinnerung an Goethe mini|hochkant|Turm der Stadtkirche mini|Einer der Grabsteine für 23 auf dem Friedhof Bad Berka bestatteten Bombenopfer von April 1945 Bis 1800 Der Name Berka bedeutet so viel wie ‚‚Stadt der Birken am Wasser‘‘ und erfuhr im Laufe der Jahrhunderte mehrere Schreibweisen: Birka, Berkaw, Berkau, seit 1911 Bad Berka.Ulrich Völkel: Gastliches Thüringen. Arnstadt 1993, ISBN 3-929662-00-0.

Bad Berka wurde erstmals im Mai 1119 als Bercha urkundlich erwähnt, Anlass war die Übergabe der Kirche durch Graf Wichmann an das Marienstift zu Erfurt.Manfred Stimming: Die Urkunden bis zum Tode Erzbischof Adalberts I. (1137) (= Mainzer Urkundenbuch. Band 1). Selbstverlag der Hessischen Historischen Kommission, Darmstadt 1932, (482). Sie wurde 1414 das erste Mal als Stadt bezeichnet. Ab dem 12. Jahrhundert sind spärliche Informationen des Berkaer Grafengeschlechts überliefert, das zunächst in einer Wasserburg, dem „Edelhof“ direkt an der Ilm residierte (1248 urkundlich belegt,Archäologischer Wanderweg: Das Mittlere Ilmtal, Thüringisches Landesamt für Landesamt für Archäologische Denkmalpflege, Weimar, 1997.), etwa ab 1277, nach der erfolgreichen Belagerung der Wasserburg Edelhof durch Landgraf Albrecht wurde die neue Höhenburg, die heute als Altes Schloss bekannte Anlage, auf dem Schlossberg errichtet.

Auch von dem um 1240 gegründeten Kloster Berka künden lediglich die Mauern im Untergeschoss der heutigen Pfarrei sowie einige Flur- und Ortsbezeichnungen.H. Tänzer: Bad Berka. Das Goethe-Bad im Grünen. 2001, S. 3. Das Kloster bestand bis 1525. Die Klosterkirche wurde bei einem Brand 1608 schwer beschädigt und von 1727 bis 1741 neu wieder aufgebaut.H. Tänzer: Bad Berka. Das Goethe-Bad im Grünen. 2001, S. 8.

Seit dem 17. Jahrhundert gehörte der Ort zum Herzogtum Sachsen-Weimar bzw. Sachsen-Weimar-Eisenach. Das herzogliche Jagdzeughaus wurde 1739 eingeweiht.

1800 bis 1900 1807 machte der Berkaer Korbmachersohn Ludwig Geist (von 1795 bis 1804 Diener und Sekretär bei Johann Wolfgang von Goethe) auf besondere Quellen in Berka aufmerksam. 1811 regte der Mädchenschullehrer Johann Heinrich Friedrich Schütz erneut die Nutzung der Heilquellen in Berka an. Auf Veranlassung des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar erfolgte der Bau eines Schwefelbades in Berka. Es wurde im Juni 1813 eröffnet. Goethe hatte dem Aufbau der Kuranlagen in Berka unterstützend und beratend zur Seite gestanden und weilte 1814 selbst für sechs Wochen in Berka zur Kur. 1825 wurde am Rande des Kurparks, unter der Leitung des großherzoglichen Oberbaudirektors Clemens Wenzeslaus Coudray, ein Badegesellschaftshaus errichtet und eingeweiht. 1876 folgte ein Moorbadehaus, das 1910 als zeitgemäßes Kurbadehaus von Grund auf erneuert wurde. Heute befindet sich in dem Gebäude das Hotel „Am Goethebrunnen“.H. Tänzer: Bad Berka. Das Goethe-Bad im Grünen. 2001, S. 21.

Der Ortsteil München wurde 1836 in den Heimatverband Berka eingegliedert. 1887 wurde Berka an das Eisenbahnnetz angeschlossen und mit den Städten Weimar und Blankenhain verbunden. Eine in Berka abzweigende Teilstrecke verlängerte das Netz 1888 bis nach Kranichfeld. Auf dem Teilstück Bad Berka–Blankenhain stellte man 1967 den Eisenbahnverkehr ein.Michael Kurth, Ulf Haussen, Waldemar Haussen: Die Weimar-Berka-Blankenhainer Eisenbahn. Von der „Berk’schen Bimmel“ zur „Ilmtalbahn“. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2007, ISBN 978-3-88255-589-9, S. 44. Außerdem wurde 1901 die Werkbahn des Zement- und Mineralwollewerkes Bad Berka als normalspurige Anschlussbahn des Zementwerkes „Aktiengesellschaft Portland-Cementwerk Berka a. Ilm“ parallel zu der entlang des Ilmtals gebauten Weimar-Berka-Blankenhainer Eisenbahn (WBBE) errichtet. Bereits 1907 erfolgte die Elektrifizierung der Werkbahn mit einer Fahrleitungsspannung von 220 Volt Gleichstrom. Der Bahnbetrieb wurde im Januar 1993 stillgelegt und die Gleisanlagen zurückgebaut. Alle drei der in Bad Berka eingesetzten Werkslokomotiven sind in Sammlungen und Museen, u. a. im Verkehrsmuseum Dresden erhalten geblieben.

Ab 1900 1898 entstand vier Kilometer von Berka entfernt auf dem Emskopf oberhalb von München, die erste Lungenheilanstalt – die Sophienheilstätte. Den Titel Bad erhielt der Ort 1911.

Die „Kernstadt“ verfügt seit 1906 über eine leitungsgebundene öffentliche Wasserversorgung; einige der 1994 eingemeindeten Orte hatten für ihre Einwohner schon zuvor derartige Einrichtungen geschaffen. Heute obliegt die Aufgabe der Wasserversorgung im gesamten Gebiet der Stadt dem Wasserversorgungszweckverband Weimar; die Abwasserbeseitigung ist dem Zweckverband JenaWasser übertragen worden.

Eine „Deutsche Heimatschule“ in Berka, gegründet von Theodor Scheffer, bildete seit 1922 bis in die NS-Zeit hinein eine „Zweckgemeinschaft“ des völkischen Deutschbunds; über das Lehrpersonal dieser Schule bestand ein Zusammenhang mit dem frühen KZ Nohra in der Nähe, in dessen Räumen eine ähnliche Schule untergebracht war. Die „Heimatschule“ diente zugleich den Artamanen als ihre eigene Schulungsstätte. Auch August Georg Kenstler gründete 1932 innerhalb dieses Netzwerks völkischer Organisationen im Ort eine Bildungsstätte deutscher Volkheit; vom Typ her eine Bauernhochschule.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich benachbart zum Ortsteil München im Wald ein gut getarntes, teils unterirdisches Treibstofflager für die Luftwaffe. Am 31. März 1945 erfolgte darauf ein Luftangriff von 29 amerikanischen Boeing B-17 „Flying Fortress“ mit 81 Tonnen Bomben, der das Ziel knapp verfehlte. Das (leere) Depot wurde dann am 9. April bei einem erneuten Luftangriff völlig zerstört, wenige Tage vor Einmarsch der US-Bodentruppen in Bad Berka.Bad Berka – Eine Kleinstadt in den Kriegswirren. | Das geheime Öldepot. MDR Thüringen, 1. April 2020

Am 5. April 1945 griffen US-Tiefflieger den Bahnhof Bad Berka an. 28 Menschen aus einem von Weimar gekommenen Personenzug starben.

Von 1951 bis 1957 wurde die Zentralklinik Bad Berka gebaut und war zunächst als eine Heilstätte für Tuberkulosekranke gedacht. 1966 profilierte sich die Klinik u. a. auf den Gebieten Herzchirurgie und Herzerkrankungen. 1990 ging die Zentralklinik in die Verantwortung des Thüringer Ministeriums für Soziales und Gesundheit über. Noch im selben Jahr schloss das Ministerium einen Kooperationsvertrag mit der Rhön-Klinikum AG ab. In den 1990er Jahren wurden in der Klinik Um- und Neubauarbeiten durchgeführt. .

Bad Berka ist staatlich anerkannter Kurort mit dem Prädikat Ort mit Heilquellenkurbetrieb, (PDF; 8 kB). und zwar befristet bis 2027.

Kriege und Naturkatastrophen Abgesehen von den „üblichen“ Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg erlitt Bad Berka auch andere Zerstörungen: 1431 brannte die Stadt fast völlig nieder, 1608 gingen 44 Häuser nebst Nebengebäuden (und ihrem Inhalt) in Flammen auf, unter anderem auch die Kirche, das Rathaus, die Schule und das Klostervorwerk. 1674 brannten infolge eines Blitzeinschlags 50 Häuser nieder, 1816 vernichtete Feuer 90 Häuser nebst Scheunen und Ställen, das Rathaus und die Schule. 1613 versanken 23 Häuser bei der Thüringer Sintflut im Hochwasser der Ilm. 1777, bei einem erneuten Hochwasser, ertranken fünf Menschen, 1830 riss die Ilm bei einem Hochwasser alle drei über sie führenden Brücken weg. In der letzten Septemberwoche 1857 fielen etliche Häuser in der Innenstadt einem Großbrand zum Opfer. (PDF; 774 kB; ab S. 5). 1981 litt der Ort erneut unter einem verheerenden Ilm-Hochwasser.

Eingemeindungen Der Ortsteil München gehört seit 1836 zu Bad Berka. Mit der Verwaltungsreform im Jahr 1994 wurden die Gemeinden Tannroda (mit den Weilern Böttelborn und Kottendorf), Bergern (mit dem Ortsteil Schoppendorf), Meckfeld und Tiefengruben eingemeindet.Thüringer Verordnung über die Auflösung der Stadt Tannroda und der Gemeinden Bergern, Meckfeld bei Bad Berka und Tiefengruben und ihre Eingliederung in die Stadt Bad Berka vom 23. März 1994 (GVBl S. 383). Am 1. Dezember 2008 folgte die Gemeinde Gutendorf.

Wappen Das Stadtwappen Bad Berka zeigt eine goldene Palme. Ihre Früchte sind ebenfalls golden, die Wedel grün. Rechts, links und hinter der Palme erheben sich goldene Berge, den linken krönt eine Burg. Ähnliche Darstellungen existieren bereits auf Siegelabdrücken aus dem Jahr 1674. Seine heutige Form erhielt das Wappen 1930, die Farbgestaltung wurde 1992 neu festgelegt. Über Entstehung und Sinn des Berkaer Stadtwappens gibt es keine Akten, nur das Wissen um die Symbolkraft der Palme. Ihr wurde im 17. Jahrhundert Fruchtbarkeit, Kultur und Wohlstand zugeschrieben. Die Palme fand sich auf vielen Wappen adliger Familien, Hausmarken und anderen Wappenbildern, auch auf dem Emblem der 1617 gegründeten Fruchtbringenden Gesellschaft zu Weimar.

Die kleine Stadt Berka war im 17. Jahrhundert durch Krieg und Brand schwer zerstört. Es wird angenommen, dass der Herzog von Sachsen-Weimar ihr daher als neues Wappen einen „sprossenden Palmbaum“ als Zeichen der Fruchtbarkeit verliehen hat, verbunden mit dem Wunsch nach Frieden, Eintracht und Wachstum für die Stadt. Die Berge dokumentieren die typische Landschaft, die Burg den Sitz ehemaliger Berkaer Grafen- und Herrengeschlechter.

Politik mini|Rathaus Stadtrat Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,3 % zu folgendem Ergebnis: Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 35,3 % 7 BI Pro Bad Berka 18,9 % 4 BI zur Senkung der Kommunalabgaben 18,0 % 4 FWG Bad Berka 12,9 % 2 Die Linke/SPP 7,1 % 1 SPD 3,8 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 4,0 % 1

Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2019 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,4 % zu folgendem Ergebnis:wahlen.thueringen.de: Gemeinderatswahl 2019 in Thüringen: Bad Berka Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 26,8 % 5 Die Linke/SPD 11,8 % 3 Bündnis 90/Die Grünen 5,1 % 1 FWG 25,9 % 5 BI zur Senkung der Kommunalabgaben 15,8 % 3 BI Pro Bad Berka 11,7 % 2 Münchener Initiative e. V. 3,0 % 1

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