mini|Trawler in Schottland mini|Fischer in Bangladesch

Die Fischerei (oder Fischereigewerbe, Fischwirtschaft) ist ein zur Urproduktion gehörender Wirtschaftssektor, der sich mit Fischfang, Fischzucht und der Nutzung anderer Wassertiere zur Weiterverarbeitung zwecks Nahrungsmittelproduktion befasst. Der traditionelle Beruf ist der Fischer, die modernen Ausbildungszweige beschreibt der Artikel Fischwirt.

Der Anteil des weltweit gefangenen Fischs, der zu Futtermitteln für andere Tiere weiter verarbeitet wird, wurde 2023 mit einem Drittel beziffert.N. Bertrams, I. Gercama und T. Taylor: Zu klug für eine Delikatesse? In: Süddeutsche Zeitung Nr. 284 vom 9./10. Dezember 2023, S. 38–39

Dieser Artikel befasst sich in erster Linie mit der Seefischerei (Hochseefischerei und Küstenfischerei), aber auch die Binnenfischerei (dazu zählen vor allem die Fischerei in Flüssen und Seen sowie die Teichwirtschaft) und das Angeln sind Teilgebiete der Fischerei. Die Aquakultur, das Züchten von Wasserlebewesen, ist eine Sonderform der Fischerei. Fischfang und Fischzucht machen den größten Teil der Fischerei aus; ihr Agrarprodukt sind Speisefische und Schalentiere. Zur Fischerei zählt außerdem der Fang und die Zucht von wirbellosen Meerestieren, darunter Muscheln, Krabben, Garnelen und andere Krebstiere. Walfang war historisch ebenfalls sehr relevant, wird heute aber nur noch in geringem Ausmaß betrieben.

Von großer Bedeutung für eine nachhaltige Fischerei ist eine verlässliche und langfristig angelegte Fischereiforschung, wie sie in Deutschland z. B. von der Bundesforschungsanstalt für Fischerei betrieben wird, die die Grundlage für ein langfristiges Fischereimanagement bildet. Nichtgewerbliche Fischerei, bei der biologische Meeresressourcen beispielsweise im Rahmen der Freizeitgestaltung, des Fremdenverkehrs oder des Sports ausgebeutet werden, wird als Freizeitfischerei bezeichnet.Art. 3 lit. b der

Tiergruppen in der Fischerei Die Fischereiprodukte können allgemein wie folgt eingeteilt werden:

Teilsektor Produktgruppen Produkte Fischerei Flussfische Seefische Speisefische, Schalentiere

Die Fischverarbeitung als Weiterverarbeitung auf der ersten Verarbeitungsstufe gehört nach EU-Recht noch zur Fischerei. Die „erste Verarbeitungsstufe“ ist ein Rechtsbegriff nach Abs. 1 AEUV. Hierin ist vorgesehen, dass zur Fischerei auch die Fischprodukte der ersten Verarbeitungsstufe gehören.

Die Hauptanstrengungen der Seefischerei gelten einer relativ kleinen Zahl von Knochenfischfamilien wie den Heringen (Clupeidae) und den Dorschen (Gadidae), zu denen auch der Kabeljau zählt. Wirtschaftlich sehr wichtig sind auch die Makrelen und Thunfische (Scombridae).

Das Fleisch von Knorpelfischen wie Haien und Rochen, die als Nebenprodukt (Beifang) der Netz- und Angelfischerei anfallen, findet geteilten Zuspruch. Aus deren Leber, besonders von großen Arten (z. B. Grönlandhai) wird vitaminhaltiger Tran gewonnen. Die mit Placoidschuppen durchsetzte Haut findet zum Schleifen von Holz und zur Herstellung von Leder Verwendung, die Bauchlappen des Dornhais werden geräuchert und als Schillerlocken verkauft.

Auch der Fang von Meeressäugern (Walen) gehört zur Fischerei. Walfang wird heute jedoch nur noch von wenigen Ländern betrieben.

Gefangen werden auch wirbellose Tiere wie Weichtiere (Mollusca) und Krebstiere (Crustacea), deren Anteil, soweit dieser statistisch überhaupt erfasst wird, im Vergleich zu den Fischen bescheiden aussieht. Unter den wirtschaftlich bedeutenden Mollusken herrschen die Muscheln wie Austern, Miesmuscheln und Kamm-Muscheln vor, die in gemäßigten Zonen auch bewirtschaftet werden. Die zahlreichen befischten Großkrebsarten wie Hummer, Langusten, Kaisergranat und Schmalhummer gelten alle als Delikatessen, ebenso Krabben und Garnelen (siehe dazu Krabbenfischerei).

Geschichte Das Sammeln maritimer Schalentiere ist bereits durch die paläolithischen Muschelhaufen, die Køkkenmøddinger, belegt. Die ersten bekannten Muschelhaufen, die auch Steinwerkzeuge enthielten, sind in der Höhle von Pinnacle Point am Indischen Ozean in Südafrika auf ein Alter von 164.000 Jahren datiert worden, ältere Funde stammen zum Beispiel aus Terra Amata bei Nizza und sind ca. 400.000 Jahre alt. und Paola Villa 1983

Vor 27.000 Jahren stand Fisch überraschenderweise nicht auf dem Speiseplan der eiszeitlichen Jäger und Sammler in Südeuropa. Sie ernährten sich auf der Iberischen Halbinsel im späten Gravettien stattdessen von Pflanzen und Landtieren wie Hasen, Rotwild oder Pferden. Dies stellte ein Forscherteam erstmals anhand einer Isotopenstudie an menschlichen Fossilien aus den Höhlen von Serinyà in Katalonien fest.

Fischereigeräte sind seit dem Altpaläolithikum bekannt. Der bislang älteste belegte Fischfang fand in Katanda am Fluss Semliki im Rift Valley in Zaire statt. Hier wurden neben Harpunen auch die Gräten eines zwei Meter langen Welsartigen gefunden, die auf ein Alter von 90.000 Jahren datiert sind. Im Mittelpaläolithikum lässt sich Fischfang selten nachweisen. In einer Höhle im Kaukasus machten Lachsreste etwa 75 % der rund 22.000 geborgenen Knochen aus. Eine Feuerstelle lässt auf menschliche Aktivität schließen. Vor 35.000–10.000 Jahren wurden Fischabbildungen in französischen Höhlen angefertigt. Es gab Fischereigeräte aus Knochen und Horn. Neben Forellen und Hechten wurden Lachse auf Fischwanderung (zum Beispiel Laichwanderung) gefangen. Sie konnten mit den Händen, mit Fischspeeren und Fischgabeln oder mit Netzen gefangen werden, besonders leicht beim Ziehen flussaufwärts.

2024 wurden mit Hilfe des Reflectance Transformation Imaging (RTI), einer bildgebenden Methode, auf den rund 15.800 Jahre alten Schieferplatten von Gönnersdorf detailreiche Gravierungen von Fischen sichtbar gemacht, die von gitterähnlichen Mustern überlagert sind. In der Zusammenfassung der Studie heißt es: „Der von FTI ermöglichte Analyseprozess hat eine komplexe Verbindung zwischen den Gittermustern und den Fischfiguren aufgedeckt und gezeigt, dass es sich um eine bewusste Kombination handelt, die den Einsatz von Fischernetzen darstellt.“Jérôme Robitaille et al.: Upper Palaeolithic fishing techniques: Insights from the engraved plaquettes of the Magdalenian site of Gönnersdorf, Germany. In: PLoS ONE. Band 19, Nr. 11, 2024, e0311302. doi:10.1371/journal.pone.0311302. Älteste Darstellungen von Fischfang: Eiszeitliche Schieferplatten offenbaren 15.800 Jahre alte Gravuren von Fischfallen. Auf: idw-online.de vom 6. November 2024.Ritzzeichnungen Altsteinzeit, Zeitschrift Antike Welt und Archäologie in Deutschland, 7. November 2024; in: herder.de. Verweist auf , in: leiza.de

Deutliche Hinweise auf Fischfang mit Angelgeräten, Fischspeeren, Harpunen, Netzschwimmer, Netzsenker, Netzen und Stellzäunen erschienen ab der Mittelsteinzeit, in Nordeuropa bei der Ertebølle-Kultur, um 5100 bis 4100 v. Chr. Eine Fischreuse aus Haselruten in Südschweden stammt um 7000 v. Chr. Nun finden sich auch Hinweise auf Fischfang der von Booten aus betrieben wurde. Beleg dafür sind die Überreste von Fischarten, die nur im offenen Meer vorkommen. Am Ende der Jungsteinzeit existierten bereits die meisten der Fischereigeräte, die heute noch gebräuchlich sind.

In der Jerimalaihöhle in Osttimor fand man die Überreste von gefangenen Fischen, die bis zu 42.000 Jahre alt sind. Die Hälfte der Arten stammt von der Hochsee, so dass Menschen wohl schon damals die Fähigkeit besaßen fern der Küste auf Fischfang zu gehen. Zudem fand man die Bruchstücke des ältesten bekannten Angelhakens. Er wurde aus der Schale einer Meeresschnecke hergestellt und hat ein Alter zwischen 16.000 und 23.000 Jahre. Ihn verwendeten die Bewohner Jerimalais zum Fischfang in den Küstengewässern, die zu dieser Zeit durch die Bildung von Korallenriffen fischreicher geworden waren.Sue O’Connor u. a.: Pelagic Fishing at 42,000 Years Before the Present and the Maritime Skills of Modern Humans. In: Science. Band 334, 2011, S. 1117.Adelaide Now: World's first anglers hooked in Timor. 26. November 2011.

Das Recht auf Nutzung fließender Gewässer wurde schon während der Herrschaft der sächsischen Kaiser zwischen 919 und 1024 der Allgemeinheit entzogen. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit wurden sogenannte „Fischbüchlein“Rudolph Zaunick: Das älteste deutsche Fischbüchlein vom Jahr 1498 und dessen Bedeutung für die spätere Literatur. (= Archiv für Fischereigeschichte. Beigabe) Berlin 1916. mit Anweisungen zum Fischfang verfasst und (beginnend 1493 mit Jakob Köbel in Heidelberg und Mathis oder Matthias Hupfuff (1497/98–1520) 1498 in Straßburg) bis ins 18. Jahrhundert immer wieder nachgedruckt. Diese, auch fischkundliche Inhalte aufweisende, Texte enthalten unter anderem Fischköder-RezepteVgl. auch Frieder Schanze: Fischbüchlein vom Bodensee. In: Burghart Wachinger u. a. (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 2: Comitis, Gerhard – Gerstenberg, Wigand. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. de Gruyter, Berlin / New York 1980, ISBN 3-11-007264-5, Sp. 741. und Hinweise auf die günstigsten Fangzeiten (Jahreszeiten) für die verschiedenen Fischarten. Erste in BayernVgl. auch Wilhelm Koch: Altbayrische Fischereihandschriften. In: Allgemeine Fischerei-Zeitung. Band 49, 1924, S. 250–251, 262–265, 278–282, 309–312 und 325–328. handschriftlich verfasste „Fischordnungen“ („Vischordnungen“, die vor allem für die Donau und ihre Nebengewässer galten) wurden (erlassen von den Herzögen Albrecht und Georg) zwischen 1484 und 1500 veröffentlicht, gedruckte bayerische Fischordnungen erschienen in Libellform zwischen 1528 und 1616.Heinrich Grimm: Neue Beiträge zur „Fisch-Literatur“ des XV. bis XVII. Jahrhunderts und über deren Drucker und Buchführer. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 89, 5. November 1968 (= Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 62), S. 2871–2887. Weitreichende Regularien sind insbesondere auch für die Teichwirtschaften in Böhmen (damalige Oberlausitz und die schlesische Bartsch-Niederung) und in Sachsen (Moritzburger Teiche) ab 1500 belegt. Seit 1502 ist ein sächsischer Landesfischmeister bekannt.Entstehung der Teichwirtschaft in Moritzburg, Sonderheft 2000, Freistaat Sachsen

Reuse Die ältesten Anlagen (Geräte) zum Fischfang dürften Fischreusen gewesen sein, also Bauten, die Fische zunächst in ein Bassin leiten, ihnen dann aber den Rückweg erschweren oder gänzlich versperren. Die Reste 9000 Jahre alter Haselruten von Reusen wurden im Meer an der Mündung des Flüsschens Verkeån in der Provinz Schonen (Skåne) in Südschweden gefunden.

Fischspeer