Kluczbork [] (deutsch: Kreuzburg O.S., ältere Schreibweise: Creutzburg (18. Jahrhundert) auch CreuzburgFriedrich Albert Zimmermann: Beyträge zur Beschreibung von Schlesien. 1794, S. 133. bzw. später Kreutzburg (Anfang/Mitte 19. Jahrhundert), manchmal auch Kreuzberg, z. B. in Genealogien und bei Antiquariaten; 1945–1946: Kluczborek) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Opole in Polen. Sie ist zugleich Kreisstadt des Powiat Kluczborski und Verwaltungssitz der Stadt- und Landgemeinde Kluczbork mit mehr als 36.000 Einwohnern.

Geographie Die Stadt liegt im Norden Oberschlesiens am rechten Ufer der Stober (Stobrawa), einem rechtsseitigen Zufluss der Oder, auf 209 m ü. NHN in der Schlesischen Niederung etwa 50 Kilometer nordöstlich von Opole.

Geschichte Vorgeschichte Die ersten Siedlungen an der Stelle des heutigen Kluczbork gab es bereits 1000 bis 800 v. Chr. Dies wird durch Archäologische Funde aus der Steinzeit und der Früheren Bronzezeit belegt. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts siedelten sich Skiren und Bastarnen auf dem späteren Stadtgebiet an, denen die Kelten folgten. Die Wandalen waren etwa 100 v. Chr. hier, die Schlesien um 400 n. Chr. wieder verließen. Damit konnten slawische Völker in das Gebiet vordringen. Im 13. Jahrhundert erfolgte dann die eigentliche Entstehung von Kreuzburg. Der Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern erwarb in dieser Zeit Land sowohl um Breslau als auch im Kreuzburger Land, u. a. die Dörfer Ullrichsdorf, Kuhnau und Kotschanowitz. Das so erworbene Gebiet erhielt um 1252 ein Zentrum. Einer Gründungsurkunde zufolge wurde die Siedlung am 2. November 1252 gegründet.

Mitte 13. Jahrhundert: Stadt mit Magdeburger Recht mini|Landkarte von Creutzburg um 1750 mini|Kreuzburger Rathaus am Ring mini| St.-Salvator-Kirche Am 26. Februar 1253 wurde der Siedlung das Stadtrecht nach Magdeburger Recht verliehen. Dieses Datum wird als Gründungsdatum von Kreuzburg angesehen. Der schlesischeGundolf Keil: „blutken – bloedekijn“. Anmerkungen zur Ätiologie der Hyposphagma-Genese im ‚Pommersfelder schlesischen Augenbüchlein‘ (1. Drittel des 15. Jahrhunderts). Mit einer Übersicht über die augenheilkundlichen Texte des deutschen Mittelalters. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 7–175, hier: S. 40 f. (dort auch zu weiteren Formen wie „Crawczburg“ und „Cratzberg“). Name war damals Cruceburg. Bis 1274 oblag den Kreuzherren mit dem Roten Stern die Rechtsprechung. Danach ging sie an einen herzoglich bestellten Vogt über, welcher zusammen mit Schöffen Recht sprach. Der Glogauer Herzog Heinrich III.erhielt nach dem Tod des Breslauer Herzogs Heinrich IV. von die Stadt in seinen Besitz. Nach dem Tod des Glogauer Herzogs Heinrich III. gelangte Kreuzburg 1309 an dessen Sohn Konrad I. von Oels.

Im Jahr 1335 kam der Ort durch Verzicht von Kasimir I. zum Heiligen Römischen Reich. Während dieser Zeit wurde der Ort mehrfach verpfändet und, nicht immer friedlich, wieder ausgelöst. 1426 wurde der Stadt das Privileg, einen Salzmarkt abzuhalten, erteilt. Ab 1480 war die Stadt mehrheitlich von polnischsprachiger Bevölkerung bewohnt. 1553 wurde die erste Tuchmacherinnung des Ortes gegründet. Ein großer Brand wütete am 8. Dezember 1562 in der Stadt und vernichtete viele Häuser. Nur sechs Jahre später wurde der Ort bei einem weiteren Großbrand vernichtet. 1588 wurde die Stadt anlässlich der Schlacht bei Pitschen von den Polen geplündert und in Brand gesteckt.

Im Juni 1661 wurde in Kreuzburg eine bedeutende Synode der unter der Gegenreformation in Polen verfolgten Kirche der Polnischen Brüder abgehalten. Vor allem die Elite der Polnischen Brüder kam hier in der Verfolgungszeit zusammen. In Kreuzburg bestand unter dem Schutz des einheimischen Adels auch eine unitarische GemeindePaul Wrzecionko (Hrsg.): Reformation und Frühaufklärung in Polen: Studien über den Sozinianismus und seinen Einfluß auf das westeuropäische Denken im 17. Jahrhundert. Vandenhoeck + Ruprecht, 1997, ISBN 3-525-56431-7, Seite 52, wo unter anderem Christopher Crell-Spinowski als Prediger wirkte.

1675 erbten die Habsburger die Stadt.Nicola Kaminski, Robert Schütze (Hrsg.): Gryphius-Handbuch. de Gruyter, Berlin 2022, ISBN 978-3-11-113026-2, S. 49. Im Jahr 1681 lebten etwa 1000 Einwohner in Kreuzburg. Am 23. April 1737 wurde die Stadt wieder durch einen Großbrand zerstört. Nur wenige Häuser und das Schloss blieben verschont. Der Aufbau zu der einstigen Größe zog sich über viele Jahre hin. Der nächste Stadtbrand brach 1819 aus, dabei brannte auch das 1778 von Carl Gotthard Langhans erbaute Armenhaus nieder.

Preußische Kreisstadt mini|Empfangsgebäude des Bahnhofes Kluczbork mini|Der Ring nach dem Brand der „Zwölf Apostel“ am 28. Juni 1925 Im Jahr 1741 fiel der Ort wie fast ganz Schlesien an Preußen und wurde 1820 dem Regierungsbezirk Oppeln zugeordnet. Auch wenn der Kreuzburger Kreis ursprünglich zum niederschlesischen Herzogtum Brieg gehört hatte,Vgl. A. Scheer, Zmiany granic Śląska na przestrzeni wieków. Świdnica 2002, S. 28. galt er seither als Teil Oberschlesiens.

1868 erhielt die Stadt mit der Rechten Oder-Ufer-Eisenbahn einen Anschluss an das preußische Eisenbahnnetz und wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem Eisenbahnknotenpunkt ausgebaut. Am 15. November 1868 wurde die Strecke aus (Breslau–)Oels nach Vossowska eröffnet. Am 10. Dezember 1875 wurde die Posen-Kreuzburger Eisenbahn, die heutige Bahnstrecke Kluczbork–Poznań, eröffnet. Am 1. Juli 1883 folgte die Strecke nach Lublinitz. 1899 eröffnete die Bahnstrecke nach Oppeln. Begünstigt durch die Verkehrslage siedelten sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Vielzahl an Industriebetrieben an, darunter eine Zuckerfabrik, Sägewerke, Maschinenfabriken, eine Lederfabrik, eine Fassdaubenfabrik, eine Dachpappenfabrik und eine Holzstiftfabrik.Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 251–253. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kreuzburg eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Lehrerseminar, ein Waisenhaus, eine Provinzial-Irrenanstalt und ein Diakonissenmutterhaus.

Im Jahr 1875 lebten 5238 Menschen in der Stadt, die im 19. Jahrhundert noch zu zwei Dritteln, 1933 dann zur Hälfte evangelischer Konfession waren. In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten im etwa je zur Hälfte deutsch- und polnischsprachigen Landkreis Kreuzburg 95,6 % der Wähler für einen Verbleib des Kreises bei Deutschland. Am 19. Juni 1922 erfolgte die Rückgabe des von französischen Truppen im Auftrag des Völkerbundes besetzten Kreises Kreuzburg an das Deutsche Reich. Beim Stadtbrand von 1925 brannten acht der als die Zwölf Apostel bezeichneten Giebelhäuser aus dem Jahre 1737 am Ring ab.

Zeit des Nationalsozialismus mini|Kreuzburger Synagoge, 1938 zerstört Während der reichsweiten Novemberpogrome 1938 wurde die Kreuzburger Synagoge zerstört. Im Jahr 1939 war die Kreisstadt Kreuzburg O.S. zentraler Ort eines Gebiets mit etwa 50.000 Einwohnern, wobei die Stadt selbst 11.693 Einwohner zählte. Kreisleiter der NSDAP und damit eigentlicher Herrscher im Kreis war von Sommer 1939 bis Oktober 1942 Alfred Rieger, sein Vorgänger war Johannes SchweterJoachim Lilla: Statisten in Uniform, Mitglieder des Reichstags 1933–1945., sein Nachfolger war Harksen.Kreuzburger Heimatnachrichten Jahrgang 1944, Februar-Dezember(Feldpostzeitung der NSDAP-Kreisleitung Kreuzburg OS.), Herausgeber: Kreisleiter HarksenWolfgang Schwarz, Edgar Günther Lass: Die Flucht und Vertreibung, Oberschlesien 1945/46. verlegt 1965, S. 45, Zitat: Auch der Kreisleiter Harksen aus Kreuzburg ist anwesend

In Kreuzburg befanden sich während des Zweiten Weltkriegs mehrere Kriegsgefangenen- und InterniertenlagerLager im Wehrkreis VIII – Breslau (Wrocław): Ilag VIII Z, Juli 1942 – November 1943 Ilag/Oflag 6, Zweiglager, Januar 1944 – April 1944 Ilag/Stalag 344, Zweiglager, Mai 1944 – Januar 1945 Oflag VIII A, Dezember 1939 – Mai 1942 Im Ilag VIII Z war der englische Musiker und Musikpädagoge William Hilsley von Mitte 1942 bis zur Evakuierung des Lagers im Januar 1945 interniert. Diese Zeit hat er in einem eindrucksvollen TagebuchWilliam Hilsley: Musik hinterm Stacheldraht. festgehalten. Die Noten der von ihm dort komponierten Musik wurden mit Unterstützung des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM/YMCA) nach Schweden geschafft und dort für eine Übertragung im Schwedischen Rundfunk Ende Dezember 1943 arrangiert.

Von Henry Söderberg, der als YMCA-Delegierter Zugang zu den Lagern hatte, stammen weitere Plattenaufnahmen aus dem Lager aus dem Jahre 1944, die jedoch erst nach dem Krieg als Dokumente über das Lagerleben genutzt werden konnten.

Am 17. Januar 1945 begann die Evakuierung der städtischen Bevölkerung, kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee, die am 21. Januar die Stadt einnahm.Evakuierung Niederschlesiens

Nach Kriegsende 1945 mini|Johann-Dzierzon-Museum mini|Partie am Stadtpark nach der Sanierung mini|Der Stober im Stadtgebiet Bis 1945 war Kreuzburg Verwaltungssitz des Landkreises Kreuzburg O.S. im Regierungsbezirk Oppeln der preußischen Provinz Schlesien des Deutschen Reichs.

Im März 1945 unterstellte die Sowjetunion Kreuzburg der Verwaltung der Volksrepublik Polen. Es begann danach die Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen, wo sie der polnischen Minderheit angehört hatten. Der Ortsname wurde zunächst als Kluczborek polonisiert und später in Kluczbork abgeändert. Die deutsche Bevölkerung wurde von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde fast gänzlich aus Kreuzburg vertrieben. Unter der polnischen Verwaltung kam die Stadt mitsamt dem ehemaligen Kreis Kreuzberg O.S. zunächst zur Woiwodschaft Schlesien. 1950 kam der Ort zur Woiwodschaft Oppeln und wurde wiederum Kreisstadt des Powiat Kluczborski.

1959 wurde in der Stadt das Johann-Dzierzon-Museum gegründet. Es erinnert an den in Lowkowitz geborenen schlesischen Priester Johann Dzierzon, der als Bienenforscher bekannt wurde. Mit der Verwaltungsreform 1975 erfolgte die Auflösung des Powiats Kluczborski. Die Stadt verblieb in der Woiwodschaft Oppeln. Zwischen 1982 und 1987 erfolgte der Bau der röm.-kath. Herz-Jesu-Kirche (Kościół Najświętszego Serca Pana Jezusa), des ersten Kirchenbaus in der Stadt nach 1945. Mit der Verwaltungsreform von 1998 wurde der Powiat Kluczborski wiedergegründet und Kluczbork wurde wiederum Kreisstadt. Im Jahr 2003 feierte die Stadt ihr 750-jähriges Jubiläum der Stadtgründung.

Zwischen 2007 und 2013 lief das Städtebauförderprogramm zur Revitalisierung der Stadt Kluczbork (Rewitalizacja Miasta Kluczborka). Dabei wurden größtenteils durch EU-Mittel Teile des alten Ortskerns saniert. Bis 2012 erfolgte der Umbau und die Sanierung des Rings und des Rathauses sowie die Revitalisierung des Stadtparks südlich der Stadt. Weiterhin wurden Finanzmittel zur Verfügung gestellt, um denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren. Insgesamt wurden etwa acht Millionen Złoty zur Sanierung der Innenstadt aufgebracht. 2013 gewann die Stadt den Preis für den besten öffentlichen Raum in der Woiwodschaft Oppeln.Revitalisierung Stadt Kluczbork 2007–2013 (poln.) Das Programm wird im Städtebauförderprogramm Rewitalizacja Miasta Kluczbork 2014–2020 fortgesetzt.Revitalisierung Stadt Kluczbork 2014–2020 (poln.)