Die Firma C. Albert Bierling war eine Kunst- und Glockengießerei in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, Palmstraße 19, die von 1848 bis 1945 bestand.

Geschichte mini|Firmengründer Christoph Albert Bierling Die Gießerei wurde 1848 in Dresden von Christoph Albert Bierling gegründet. Technologisch gesehen erreichte Bierling im Zuge der Industriellen Revolution ein vergleichsweise hohes Niveau in der Gießerei.

Zunächst war Bierling Auftragnehmer der königlich-sächsischen Armee für das Gießen von Artilleriegeschützen aus Bronze. Aufgrund der Militärreform ab 1866 fielen diese Aufträge weitgehend weg. Bierling fand daher ein neues Geschäftsfeld in der Produktion und im Verkauf von Kirchenglocken.

So kam es in den Gründerjahren in Sachsens Kirchen zu einer Welle von Geläutwechseln, die den evangelischen Kirchgemeinden relativ geringe Ausgaben verursachten, indem Bierling das Finanzierungskonzept mitlieferte und die alten wertvollen Bronzegeläute aufkaufte. Zahlreiche sehr alte und bedeutende Glocken wurden auf diese Weise eingeschmolzen. Zwischen 1883 und 1913 produzierte die Gießerei in Dresden mehr als 200 neue Geläute für Kirchgemeinden der evangelischen Landeskirche Sachsens. Davon sind heute in Sachsen aufgrund der „Reichsmetallspenden“ in beiden Weltkriegen nur fünf Geläute vollständig erhalten geblieben. Eine Reihe bedeutender Kunstgüsse dieser Gießerei sind ebenfalls noch existent.

Die Glockengießerei Bierling war nach dem Ersten Weltkrieg eine der beiden letzten verbliebenen Glockengießereien Sachsens, stellte aber 1922 den Glockenguss ein. Der Erzgießer Albert Bruno Bierling (* 1854) starb 1923.Foto der Grabstätte auf Wikimedia Commons.

In Summe produzierte die Bierling’sche Gießerei mehr als 500 schmiedeeiserne Glockenstühle des Systems Bierling-Köppke, über 2000 Bronzeglocken und zahlreiche Königs- und Kriegerdenkmäler.

System Bierling-Köppke Bierling war außerdem Entwickler des Systems Bierling-Köppke zur Umwandlung frei schwingender Glocken in gestelzte Glocken. Dazu sägte man die Glockenkronen ab und hängte die Glocken in gestelzte (gekröpfte) Gusseisenjoche. An die Stelle der fliegenden Klöppel traten Gegengewichtsklöppel. Dies wurde z. B. 1890 beim Restaurierungsprogramm in der Annaberger St.-Annen-Kirche praktiziert.

Auswahl an Güssen

Glocken St. Annenkirche, Annaberg, Ersatz der vorherigen Häuerglocke, Schlagton b′, 1922 Apostelkirche, Dresden, 1901 Christuskirche, Klotzsche, 1906 Trinitatiskirche, Dresden, 1892 und 1920 Stadtkirche Radeberg, 1921 Freiberger Dom, 1896 Maria-und-Martha-Kirche, Bautzen, 1891Eberhard Schmitt: Bautzen, Geschichte in Bildern, Sutton Verlag, 2001, ISBN 978-3-89702-338-3, Seite 40 (Google Books) St. Michaeliskirche zu Chemnitz, des′–f′–as′ mini|Löwenskulptur von Clemens Grundig in Schönlinde St. Nikolaikirche, Chemnitz, 1887–1917, es′–g′–b′ Ev. Kirche zu Berbisdorf bei Chemnitz, 1904 Friedenskirche, Dresden-Löbtau, 1891 Lehrerseminar Dresden-Strehlen, an der Teplitzer Straße, 1910 Ev. Kirche Schönbrunn (Erzgebirge), as′–c′′–es′′ Trinitatiskirche zu Wiesa (Erzgebirge), des′–f′–as′ Deutschland-Schacht I in Oelsnitz (Erzgebirge), Schichtglocke, heute im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge, 1889Schichtglocke des Deutschlandschachts (abgerufen am 5. Oktober 2021) mini|Brunnenanlage „Stille Wasser“ am Albertplatz in Dresden

Kunstguss Bronzeplastik der Kurfürstin Anna von Sachsen, 1869, Annenkirche, Dresden Carl-August-Reiterstandbild, 1875, Weimar, geschaffen von Adolf von Donndorf (1835–1916) Carl August Denkmal (abgerufen am 11. November 2021) Gänsediebbrunnen, 1880, Dresden Rhein-Mosel-Gruppe am Niederwalddenkmal oberhalb Rüdesheim am Rhein (1883) Lutherstatue vor der Frauenkirche, 1885, Neumarkt, Dresden König-Johann-Denkmal, 1889, Theaterplatz, Dresden Stille Wasser und Stürmische Wogen, 1894, Albertplatz, Dresden Müllerbrunnen, 1902, Dresden Bismarck-Denkmal, 1903, Dresden, nicht erhalten Löwenskulptur, 1908, Schönlinde (Krásná Lípa), geschaffen vom Dresdner Bildhauer Clemens GrundigHrady.cz Löwenskulptur (tschech.) (abgerufen am 2. Dezember 2017) Figurengruppe Kinder mit Hund im Dresdner Rathaus, 1910, (gestiftet von Kommerzienrat Oskar Bierling)

Sonstiges mini|hochkant|Familiengrabstätte C. Albert Bierling Die Kunst- und Glockengießerei bestand über drei Generationen: Thümmel (2011), S. 65–67. Christoph Albert Bierling (1824–1904), Firmengründer bis 1881, dessen Sohn Clemens Albert Bierling (1852–1943) von 1881 bis 1918 sowie dessen Söhne Walter Bierling (1886–1962) und Werner Bierling (1890–1970) von 1918 bis 1945

Die Familiengrabstätte der Bierlings befindet sich auf dem Neuen Annenfriedhof in Dresden-Löbtau.

Literatur Rainer Thümmel: Glocken in Sachsen – Klang zwischen Himmel und Erde, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2011, 432 S., ISBN 978-3-374-02871-9 Jürgen Helfricht: Dresden und seine Kirchen. Evangelische Verlagsanstalt, Dresden 2005, ISBN 3-37402261-8.

Stadtarchiv Dresden: „Etha Richter (1883–1977) – Eine Dokumentation ihrer Tierplastiken“ – Neue Ausstellung im Stadtarchiv. 2005 (Pressemitteilung)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Dresden) Kategorie:Kunstguss Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Dresden) Kategorie:Unternehmensgründung 1848 Kategorie:Aufgelöst 1945