Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) ist die zweitgrößte österreichische Bank. Ihre Aktien notieren an der Wiener Börse. Rund 61% der Geschäftsanteile werden von den Raiffeisenlandesbanken gehalten, der Rest befindet sich im Streubesitz.

In Russland, wo die RBI über eine Tochterbank trotz des seit Februar 2022 laufenden russischen Überfalls auf die Ukraine weiterhin aktiv tätig ist, wickelt sie einen erheblichen Teil des internationalen Zahlungsverkehrs ab und ist daher nach wie vor als systemrelevant eingestuft. Während die RBI vor Kriegsbeginn bis zu 60% ihrer Gewinne in Russland erwirtschaftet hatte, fuhr sie seit Februar 2022 das lokale Geschäftsvolumen laufend zurück. Ende 2025 lag das Kreditvolumen der russischen RBI-Tochterbank um rund 60% unter dem Stand zu Kriegsbeginn. Gleichzeitig sorgten kontinuierliche Ertragssteigerungen im Kernkonzern ohne Russland dafür, dass die Betriebserträge Ende 2025 mit 6,4 Milliarden Euro deutlich über dem Vorkriegshöchststand von 5,6 Milliarden Euro (inklusive Russland) lagen.

Geschichte Die RBI entstand ursprünglich durch die Fusion der Kundengeschäftsfelder der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (RZB) mit der Raiffeisen International Bank Holding AG im Oktober 2010. Die RZB blieb unverändert das Spitzeninstitut der Raiffeisen Bankengruppe Österreich und die Zentrale des RZB-Konzerns.

Mit einer Kapitalerhöhung an der Wiener Börse stockte die RBI im Jänner 2014 ihr Eigenkapital um 2,78 Milliarden Euro auf. Der Anteil der RZB an der RBI sank dabei von 78,5 auf 60,7 Prozent. Im Gegenzug stieg der Streubesitz von 21,5 auf 39,3 Prozent. Die Stärkung der Kapitalbasis sollte die Bank auf die strengen Kapitalvorschriften nach Basel III vorbereiten. Die 2009 aufgenommenen 1,75 Milliarden Euro an staatlichem Partizipationskapital wurden am 6. Juni 2014 zurückgezahlt.

2015 beschloss die RBI ein Transformationsprogramm zur Erhöhung ihres Kapitalpuffers, das zu einer Verbesserung der harten Kernkapitalquote (CET1 Ratio, fully loaded) auf 12 Prozent bis Ende 2017 führen sollte. Die geplanten Schritte sahen unter anderem den Verkauf der Banken in Polen und Slowenien sowie den Rückzug aus den USA und teilweise Asien vor. Neben der Kapitalstärkung sollte die Komplexität der Bank reduziert und ihr Risikoprofil verbessert werden. Die Tochterbank in Slowenien wurde Mitte 2016 verkauft. Der Verkauf der Raiffeisen Polbank kam letztendlich im Dezember 2016 vorerst nicht zustande. Mit einer CET1 Ratio (fully loaded) von 13,6 Prozent erreichte die RBI dennoch bereits zum Jahresende 2016 – und somit ein Jahr vor Ablauf der selbst gesetzten Frist – ihr Kapitalziel.

Im Jahr 2016 wurde weiters beschlossen, RZB und RBI zu verschmelzen. Die formelle Zustimmung erfolgte in der außerordentlichen Hauptversammlung am 24. Jänner 2017 (RZB: 23. Jänner 2017).Fusion von RZB und RBI "im Grundsatz" beschlossen im Standard vom 5. Oktober 2016, abgerufen am 6. Oktober 2016. Mit dem Firmenbucheintrag am 18. März 2017 wurde die Verschmelzung rechtlich abgeschlossen. Die RBI übernahm dabei als Gesamtrechtsnachfolgerin zur Gänze die Rechte, Pflichten und Aufgaben der übertragenden Gesellschaft RZB.

Am 10. April 2018 wurde bekannt, dass die RBI ihr polnisches Tochterunternehmen bis auf die Fremdwährungskredite an BNP Paribas verkaufen werde. Der Abschluss des Transfers erfolgte im vierten Quartal 2018.

Am 15. Februar 2021 erwarb die RBI den tschechischen Devisen- und Zahlungsanbieter Akcenta, um ihre Position in Mittel- und Osteuropa zu stärken.

Im ersten Halbjahr 2022 betrug der Gewinn 1,71 Milliarden Euro. Darin enthalten war auch ein Gewinn von 453 Millionen Euro aus dem Verkauf der bulgarischen Tochter.

Im Januar 2023 geriet Raiffeisens Russlandgeschäft ins Visier des amerikanischen Amts zur Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC). RBI ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine eine der letzten verbliebenen Großbanken in Russland. Die russische Tochterfirma wickelte zu Kriegsbeginn 40% von Russlands internationalem Zahlungsverkehr ab und wurde dadurch von russischen Stellen offiziell als systemrelevant eingestuft. Weiters lag der Anteil der Tochterbank am gesamten Nachsteuer-Gewinn 2022 bei 2 von 3,8 Milliarden Euro. Nach Anfrage von OFAC im Hinblick auf diese Situation versprach die RBI Kooperation mit der Behörde bei der Durchleuchtung ihrer Russlandgeschäfte. Die RBI reduzierte ab dem Geschäftsjahr 2022 ihr Russlandgeschäft.

Trotz des russischen Überfalls auf die Ukraine (ab 2022) setzte die Bank ihr Geschäft in Russland fort. Die fortgesetzten Tätigkeiten der Bank in Russland begründeten ihre Aufnahme im März 2023 in die Liste von Kriegssponsoren der ukrainischen Nationalagentur für Korruptionsbekämpfung. Im Dezember 2023 nahm die Ukraine anlässlich des Beschlusses des 12. Pakets von EU-Sanktionen gegen Russland die RBI wieder von dieser Liste.

Die Großbank teilte Ende September 2024 mit, dass sie ihre belarussische Tochter, die Priorbank JSC, an die Soven 1 Holding, mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten verkauft habe. Der Verkaufspreis betrug in etwa 300 Mio. EUR. Die RBI stieg somit komplett aus dem belarussischen Markt aus und verlor 45 Geschäftsstellen.

Tätigkeit Die RBI ist in Österreich als Kommerz- und Investmentbank, in Zentral- und Osteuropa (CEE) als Universalbank tätig. Die Tochterbanken in CEE bieten ihren Kunden Dienstleistungen im Corporate-, Investment- und Retail-Banking an. Die überwiegende Mehrzahl der Kunden in CEE sind Privatkunden sowie Klein- und Mittelbetriebe. In Österreich betreut die RBI ausschließlich Großkommerzkunden, Finanzinstitutionen und multinationale Unternehmen.

Die RBI betrachtet Österreich und CEE als ihren Heimmarkt. 11 Märkte der Region werden durch Tochterbanken abgedeckt, darüber hinaus umfasst der Konzern zahlreiche andere Finanzdienstleistungsunternehmen beispielsweise in den Bereichen Leasing, Vermögensverwaltung und Mergers and Acquisitions. Rund 42.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen 18,8 Millionen Kundinnen und Kunden in rund 1.300 Geschäftsstellen, der weitaus überwiegende Teil davon in Zentral- und Osteuropa (Stand: Mitte 2026).

mini|Filiale der Raiffeisenbank in Iwano-Frankiwsk, Ukraine +Anzahl der Geschäftsstellen der RBI in Zentral- und Osteuropa (30.6.2026) Land Bank Geschäftsstellen Albanien Raiffeisen Bank 74 Bosnien und Herzegowina Raiffeisen Bank Bosna i Hercegovina 85 KosovoRaiffeisen Bank Kosovo 37 Kroatien Raiffeisenbank Austria 66 Rumänien Raiffeisen Bank 267 RusslandRaiffeisenbank 63 SerbienRaiffeisen banka 104 Slowakei Tatra banka 139 Tschechien Raiffeisenbank 125 Ukraine Raiffeisen Bank 256 Ungarn Raiffeisen Bank 68 In Westeuropa betreibt die RBI eine Filiale in London und Repräsentanzen in Düsseldorf, Frankfurt, Paris und Stockholm. In Asien ist die RBI mit Filialen in Peking und Singapur sowie Repräsentanzen in Indien, Südkorea und Vietnam vertreten.

Von 1996 bis 2014 hielt die Bank die Raiffeisen Malta Bank plc und verkaufte sie an Firmen, welche unter Kontrolle der Kronospan stehen.

Aktionärsstruktur

Grundkapital1003,28 Mio. EuroAktien328,94 Mio. StückRBI-Aktie. Website RBI, abgerufen am 22. Mai 2017.AktionäreAnteil8 Raiffeisenlandesbanken 61,2%Streubesitz 38,8% Stand: Mitte 2026

Beteiligungen der RBI (Auszug) mini|Entwicklung der Raiffeisen-Logos Raiffeisen Digital Bank AG Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft Raiffeisen Kapitalanlage Ges.m.b.H. Raiffeisen-Leasing Gesellschaft m.b.H. Raiffeisen Factor Bank AG Raiffeisen Bausparkasse Gesellschaft m.b.H. Raiffeisen Wohnbaubank AG Raiffeisen Informatik GmbH Raiffeisen e-force GmbH UNIQA Insurance Group AG Valida Holding AG Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG

Verhalten im Krieg Russlands gegen die Ukraine Stand Oktober 2026 operiert die RBI weiterhin auf dem russischen Markt. Die RBI-Tochter Raiffeisenbank beschäftigte per Mitte 2026 rund 8.100 Mitarbeiter und betreute rund 2,8 Millionen Privat- und Firmenkunden. Sie ist damit die größte im Land verbliebene westliche Bank. Sie ist offiziell als systemrelevant eingestuft und wickelt 30 Prozent des internationalen Zahlungsverkehrs in Russland ab.

Unter dem Druck der ukrainischen Regierung und ihrer Verbündeten änderte die RBI Ende März 2023 jedoch ihre Rhetorik. Der RBI-Konzern werde Transaktionen, die zu einem Verkauf oder einer Abspaltung der Raiffeisenbank Russland und ihrer Endkonsolidierung aus dem RBI-Konzern führen würden, in voller Übereinstimmung mit den lokalen und internationalen Gesetzen und Vorschriften und in Absprache mit den jeweils zuständigen Behörden weiterverfolgen. Die Erklärung dürfte auch eine Reaktion auf den Druck der Europäischen Zentralbank sein, einen Plan zur Reduzierung des Geschäfts in Russland zu entwickeln. In derselben Erklärung wird betont, dass im Falle einer Abspaltung oder eines Verkaufs die CET1-Ratio des RBI-Konzerns robust bleiben werde. Die RBI wies in der Erklärung auf die reduzierte Kreditmenge hin (am 7. April 2023 stoppte die russische Niederlassung der RBI russischen Medien zufolge die Ausgabe neuer Karten mit dem Paket „Gehalt“) und versprach, ihre Geschäftstätigkeiten weiter zu reduzieren. Kritiker monierten jedoch fehlenden Willen, und Insidern zufolge spielte die Bank auf Zeit.

Den Rückzug der RBI aus dem Kreditgeschäft in Russland kommentierte die Nationalbank der Ukraine (NBU) als eine positive Veränderung. Sie beklagte aber das Fehlen konkreter Ausstiegspläne. Andererseits hob sie den Beitrag der Tochtergesellschaft der RBI in der Ukraine zur Finanzstabilität des Landes während des laufenden Krieges hervor.

Insgesamt reduzierte die RBI seit dem Geschäftsjahr 2022 ihr Russlandgeschäft signifikant. Neben dem Kreditgeschäft – das Kreditvolumen wurde in Russland per Ende 2025 um 60% zurückgefahren – reduzierte sie ihr Zahlungsverkehrsgeschäft mit Russland stark und beendete alle Geschäftsbeziehungen mit russischen Korrespondenzbanken mit Ausnahme ihrer Tochter Raiffeisenbank.

Westliche Banken haben Schwierigkeiten, Russland zu verlassen. Laut Financial Times operieren Banken wie AO Raiffeisenbank, JSC UniCredit Bank, JSC Commercial Bank Citibank und andere immer noch in Russland. Die meisten Banken haben weitere Investitionen in ihre russischen Tochtergesellschaften gestoppt. Es ist jedoch erwähnenswert, dass die Société Générale in der Lage war, Russland zu verlassen und ihre Vermögenswerte an die Rosbank zu verkaufen. Der geschätzte Verlust für die Bank betrug 3,3 Milliarden Euro. Reuters zitierte einen leitenden RBI-Manager, dass Verhandlungen über einen Verkaufsvertrag für die russische Niederlassung mit zwei potenziellen Käufern geführt worden seien. Die Abspaltung selbst könne bis zu sieben Monate dauern.

Die österreichische Bundesregierung hat die Zustimmung zum EU-Sanktionspaket gegen Russland von Ende 2023 an die Bedingung geknüpft, dass die Raiffeisen Bank International von der Ukraine-Blacklist genommen wird.

Im Dezember 2023 berichtete die österreichische Zeitung Die Presse über einen möglichen Deal mit dem russischen Oligarchen Oleg Wladimirowitsch Deripaska. Das Kreditinstitut plante, von ihm über ihre russische Tochter Aktien der Strabag im Wert von 1,57 Milliarden Euro (27,8%) zu kaufen. Die RBI versuchte so, die aufgrund der Sanktionen gegen Russland eingefrorenen Gewinne ihrer russischen Tochter nach Österreich zu holen.