Die Adalet ve Kalkınma Partisi (offizielle Kurzbezeichnung AK Parti, inoffiziell oft einfach AKP), für Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (oder „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“),Roy Karadag, André Bank: Die politische Ökonomie regionaler Macht. Die Türkei unter der AKP. In: Die großen Schwellenländer: Ursachen und Folgen ihres Aufstiegs in der Weltwirtschaft. Springer VS, Wiesbaden 2014, S. 249.Heinz Kramer: Türkei. Aufsteiger am Rande Europas. In: Außenpolitik in der Wirtschafts- und Finanzkrise. Oldenbourg Verlag, München 2012, S. 246.Bülent Küçük: Die Türkei und das andere Europa. Phantasmen der Identität im Beitrittsdiskurs. Transcript Verlag, Bielefeld 2008, S. 95.Udo Steinbach: Geschichte der Türkei. 4. Auflage, C.H. Beck, München 2007, S. 90.Hakan Yılmaz: Euroskeptizismus in der Türkei. Parteien, Eliten und öffentliche Meinung. In: Die Türkei und Europa. Lit Verlag, Hamburg 2007, S. 217. ist eine rechtspopulistische und neoosmanische politische Partei in der Türkei. Sie war bei ihrer Gründung 2001 nach eigener Programmatik konservativ-demokratischYalçın Akdoğan: The Meaning of Conservative Democratic Identity. In: M. Hakan Yavuz (Hrsg.): The Emergence of a New Turkey. Democracy and the AK Parti. University of Utah Press 2006, S. 54. ausgerichtet und lehnte trotz entsprechender Wahrnehmung eine Klassifizierung als „muslimisch-demokratisch“ ab.Sultan Tepe: A Pro-Islamic Party? Promises and Limits. In: M. Hakan Yavuz (Hrsg.): The Emergence of a New Turkey. Democracy and the AK Parti. University of Utah Press 2006, S. 118. Beobachtern zufolge führt die Regierung der AKP unter Recep Tayyip Erdoğan jedoch zu einer stärkeren Reislamisierung der Gesellschaft in der Türkei.Charlotte Joppien: Die türkische Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP) – Eine Untersuchung des Programms „Muhafazakar Demokrasi“; Studien zum Modernen Orient. Hrsg.: Gerd Winkelhane; Seiten: 101, 103, 111 f. Der Partei wird zur Last gelegt, das Land mit einem immer stärker werdenden Autoritarismus zu regieren. Sie gilt seit den 2010er Jahren als enger Verbündeter der Moslembruderschaft.

Die AKP ist mit 288 Abgeordneten (Stand 21. August 2021) die stärkste Fraktion im türkischen Parlament. Sie ist in allen 81 Provinzverbänden organisiert, seit 2018 ist die AKP im Wahlbündnis „Volksallianz“ mit der rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), mit der sie die Mehrheit im Parlament stellt. Ihr Wahlspruch lautet „Die Türkei ist bereit, das Ziel: 2023“ (Türkiye hazır, hedef 2023).http://www.akparti.org.tr/site/foto/9500/tuerkiye-hazr-hedef-2023

Entwicklung Gegründet wurde die AKP am 14. August 2001 in Afyonkarahisar von Recep Tayyip Erdoğan, Abdullah Gül, Bülent Arınç, der späteren Bildungsministerin Nimet Çubukçu und weiteren Politikern, die aus verschiedenen Parteien stammten. Die AKP ist ein Erbe der transnationalen islamistischen Bewegung Millî Görüş. Bedeutende Mitglieder der ersten Stunde der AKP, wie Erdoğan, entstammen der Bewegung.

Den Kern der Partei bildete der Reformflügel der islamistischen Tugendpartei (FP), darunter Personen wie Abdullah Gül und Bülent Arınç. Eine zweite Gründergruppe bestand aus Mitgliedern der liberalkonservativen Mutterlandpartei (ANAP) wie Cemil Çiçek und Abdülkadir Aksu. Auch traten einige Mitglieder der liberalkonservativen Partei des Rechten Weges (DYP), darunter Hüseyin Çelik und Köksal Toptan, der AKP bei. Andere wie Kürşad Tüzmen hatten einen nationalistischen Hintergrund. Erdoğan gelang es auch, die „Gemeinde“ (cemaat) Fethullah Gülens ins Boot zu holen. Das von ihm geschaffene Bildungs- und Medienimperium besteht aus mehreren tausend Privatschulen und mehreren Universitäten innerhalb und außerhalb der Türkei, Kindergärten, Wohngemeinschaften für Studierende und einflussreichen Medien.Klaus Kreiser: Geschichte der Türkei, Von Atatürk bis zur Gegenwart. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-64065-0, S. 112. Mitglieder der Muslimischen Linken wurden hingegen größtenteils ausgeschlossen..

Parlamentswahlen 2002 Bei der vorgezogenen Parlamentswahl 2002 erreichte die AKP mit 34,26 % secimsonuclari.com (dt.: Wahlergebnisse). der Stimmen aus dem Stand heraus die absolute Mehrheit der Sitze. Nur die Republikanische Volkspartei (CHP) schaffte mit ihr den Sprung ins Parlament.

Der frühere Istanbuler Bürgermeister Erdoğan konnte zunächst nicht das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen, da er wegen öffentlichen Zitierens des folgenden Verses im Jahre 1998 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und ihm auf Lebenszeit die Kandidatur für das Parlament untersagt worden war. Nach damaliger Rechtslage konnten aber nur Abgeordnete zum Ministerpräsidenten gewählt werden. So wurde zunächst Erdoğans Stellvertreter Abdullah Gül Ministerpräsident, bis nach einer Verfassungsänderung und Nachwahl Erdoğan dieses Amt am 11. März 2003 antreten konnte. Gül wurde zum Außenminister ernannt.

Parlamentswahl 2007 mini|200px|Wahlkundgebung in Eskişehir

Am 3. Mai 2007 beschloss das Parlament, die Parlamentswahl vorzuziehen und am 22. Juli 2007 abzuhalten., Zaman online, abgerufen am 3. Mai 2007.Türkei: Neuwahl am 22. Juli fix.

Am 7. Mai 2007 verabschiedete das Parlament folgendes Reformpaket: der Präsident wird für 5 Jahre direkt vom Volk gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich. Die Legislaturperiode des Parlaments wurde von 5 auf 4 Jahre verkürzt. Die Mindestanzahl der anwesenden Abgeordneten im Parlament soll für jede Versammlung und Wahl ein Drittel (184) betragen; für Entscheidungen reicht die einfache Mehrheit der Stimmen der anwesenden Parlamentarier, solange diese nicht weniger als ein Viertel (138) aller Abgeordneten beträgt., CNNTÜRK, abgerufen am 7. Mai 2007.Türkei: Parlament beschließt Direktwahl des Präsidenten, abgerufen am 7. Mai 2007.

mini|200px|links|Ergebnis der Parlamentswahl 2007. Die AKP konnte in 67 der 81 Provinzen die Mehrheit erlangen. Die AKP erreichte bei der Wahl 46,6 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit. Mit 341 Abgeordneten im 549 Sitze zählenden Parlament konnte sie erneut allein regieren. Allerdings büßte die AKP im Verhältnis zur letzten Wahl trotz eines Stimmenzuwachses von zwölf Prozentpunkten einige Sitze ein, da im neuen Parlament drei statt zwei Parteien vertreten sind. In: Neue Zürcher Zeitung.Erdoğans AKP verliert Sitze. In: taz. Bislang konnte in der Türkei nur die Demokratische Partei (DP) unter der Führung von Adnan Menderes bei der Wahl von 1954 ihren Stimmanteil erhöhen und somit ein zweites Mal die Regierung stellen.

Der ehemalige Generalsekretär der CHP, Ertuğrul Günay, trat als Kandidat der AKP an und wurde als Abgeordneter gewählt. Er bekam den Posten des Kultur- und Tourismusministers. Auch Haluk Özdalga, ebenfalls ehemaliges Mitglied der CHP, wechselte zur AKP über. Der Verfassungsrechtler Zafer Üskül und der Ökonom Mehmet Şimşek traten bei der Wahl für die AKP an. Auch führende Namen aus dem alevitischen Lager waren bei dieser Wahl auf den Wahllisten der AKP vertreten. Der alevitische Journalist und Wissenschaftler Reha Çamuroğlu ist das bekannteste Beispiel. In: FAZ. Angehörige religiöser Minderheiten stimmten bei dieser Wahl mehrheitlich für die AKP, da sie sich von ihr eher eine Demokratisierung des autoritären Staatsapparats und eine Entwicklung in Richtung europäischer Wertvorstellungen erwarteten als von der säkular-nationalistischen CHP, die im Wahlkampf vor allem mit nationalistischen Parolen gegen USA und EU sowie gegen Minderheiten innerhalb der Türkei um Stimmen warb. Dies änderte sich in den folgenden Jahren, als die Politik der Regierung Erdoğan zunehmend autoritäre Züge annahm. Der Wahlsieg eröffnete der Partei neue Möglichkeiten, den Einfluss der alten kemalistischen Eliten in Staatsverwaltung und Militär zu schwächen und „islamische“ Reformen wie die Aufhebung des Kopftuchverbots an Universitäten (siehe unten) durchzusetzen.Gerhard Schweizer: Türkei verstehen. Von Atatürk bis Erdoğan, Stuttgart 2016, 3. 367–389.

Präsidentschaftswahl 2007 Abdullah Gül kandidierte für das Präsidentenamt als Kandidat der Regierungspartei AKP.Erdoğan verzichtet. In: Zeit online, abgerufen am 24. April 2007. Nachdem die Wahl im Parlament am Quorum scheiterte und der Wahlgang vom Verfassungsgericht für ungültig erklärt wurde und nach einem Memorandum der Streitkräfte und mehreren Großdemonstrationen für Laizismus mit Millionen von Teilnehmern zog Gül seine Kandidatur zurück., Zaman online, abgerufen am 9. Mai 2007. Am 14. August 2007 gab Gül seine erneute Kandidatur für das Amt des Staatspräsidenten bei der für den 20. August vorgesehenen Wahl bekannt. Gül wurde im dritten Wahlgang zum Präsidenten gewählt und trat aus der AKP aus.

Parlamentswahl 2011 Zur Parlamentswahl 2011, die zum ersten Mal seit 34 Jahren nicht vorverlegt werden musste, trat die AKP mit dem Ziel an, eine Zweidrittelmehrheit zu erreichen, um alleine Verfassungsänderungen durchzuführen. Dies gelang ihr trotz der dritten Stimmensteigerung in Folge nicht. Insgesamt schafften es durch die 49,8 % der Stimmen 327 AKP-Abgeordnete ins Parlament, was durch Änderungen der Wahlbezirke und die besseren Ergebnisse der beiden anderen Parteien, welche die Sperrklausel von zehn Prozent überwinden konnten (CHP und MHP), weniger AKP-Abgeordnete als bisher bedeutete. Nur in drei der 81 Provinzen bekam die Partei kein Mandat (Hakkâri, Iğdır und Tunceli).

Präsidentschaftswahlen 2014 2014 konnte zum ersten Mal in der Geschichte der Türkei der Staatspräsident direkt vom Volk gewählt werden. Für die AKP trat der bisherige Ministerpräsident, Recep Tayyip Erdoğan, an und gewann die Wahl bereits nach dem ersten Durchgang mit 51,8 % der Stimmen. Vor allem Gebiete in Zentralanatolien und Provinzen der Schwarzmeerküste entschieden sich (erwartungsgemäß) für ihn.

Parlamentswahlen 7. Juni 2015 Die Wahl zum 25. Parlament brachten der AKP und Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen Stimmenverlust. Dieses Ergebnis bedeutete auch, dass die Partei ihre absolute Mehrheit, die sie seit 2002 innehatte, verlor. Zu dieser Wahl gab die AKP erneut das Ziel aus, die lange verfolgte Zweidrittelmehrheit zu erreichen, was eines der prägendsten Wahlkampfelemente darstellte. Es kam nach den (von der Verfassung vorgesehenen) 45 Tagen nach der Wahl zu keinerlei Koalition, weswegen Neuwahlen ausgerufen wurden. Diese brachte der AKP eine Parlamentsmehrheit und 49,5 % der Stimmen. Von Vertretern des Europarates und des OSZE wurde die Wahl als unfair eingestuft und es wurde dabei vor allem die Gewalt vor der Wahl und die parteiische Berichterstattung staatlicher Medien angesprochen.

Parlamentswahlen 1. November 2015 Bei den Parlamentswahlen im November 2015 gewann die AKP mit 49,5 % der Stimmen die absolute Mehrheit der Stimmen und konnte somit die Regierung alleine stellen.

Verfassungsreferendum 2017 mini|300x300px|Ergebnisse des Verfassungsreferendums in den Provinzen und Kreisen: grün (Ja), rot (nein) Am 16. April fand eine Volksabstimmung zu Verfassungsänderungen statt. Diese wurde von der AKP gemeinsam mit der MHP initiiert, die dazu mit ihrer gemeinsamen Dreifünftelmehrheit befugt waren. Zur Wahl entschieden die Wähler, ob 69 Artikel der Verfassung geändert werden sollen. Hierbei ging es vor allem um die Bündelung der Exekutivbefugnisse und mehr Einfluss auf die Justiz in der Hand des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Damit ging auch die Änderung der Regierungsform von einem Parlamentarischen Regierungssystem hin zu einem Präsidialsystem einher. Die Venedig-Kommission des Europarates warnte im Vorfeld bereits vor einem „persönlichen Regime“ und sprach von der Gefahr des Abgleitens in ein diktatorisches System. Zudem beklagten OSZE-Wahlbeobachter im Vorfeld unter anderem die Inhaftierungen von zahlreichen Journalisten und Oppositionellen sowie Einschüchterungen und Drohungen gegen das „Nein-Lager“.