Die U-Boote der Klasse 206, auch U 13-Klasse, sind eine deutsche U-Boot-Klasse, die für die Bundesmarine gebaut wurde. Die Boote wurden alle in den 1970er Jahren in Dienst gestellt. Sechs U-Boote wurden zwischen 1996 und 1998 außer Dienst gestellt. Zwölf wurden um 1990 zur U-Boot-Klasse 206 A umgebaut, zwischen 2004 und 2011 außer Dienst gestellt und durch die U-Boot-Klasse 212 A abgelöst. Zwei der Boote sind seit 2015 in der Kolumbianischen Marine im Dienst.

Entwicklungsgeschichte mini|links|U 15 mit dem typischen Sonardom mini|links|U 29 mit seitlichem Minengürtel

Gemäß den Pariser Verträgen von 1954 durfte Deutschland U-Boote bis zu einer Größe von 350 ts Standardverdrängung bauen. 1962 wurde diese Grenze auf 1.000 ts angehoben.Siegfried Breyer, Gerhard Koop: Die Schiffe, Fahrzeuge und Flugzeuge der deutschen Marine 1956 bis heute. München 1996, ISBN 3-7637-5950-6. Vor diesem Hintergrund begann 1962 die Entwicklung der Klasse 206 mit dem Ziel, gegenüber der Klasse 205 leistungsfähigere und verbesserte Boote zu bauen. Als wesentliche Verbesserung war gefordert, die Batterie noch einmal zu vergrößern und den Ballast zu reduzieren.Lutz Nohse, Eberhard Rössler: Moderne Küsten-Uboote. München 1972, ISBN 3-469-00390-4.

Verbessert wurde außerdem die Feuerleitanlage, die den Einsatz drahtgelenkter Torpedos ermöglichte.Hannes Ewerth: Die U-Flottille der deutschen Marine. Herford 1988, ISBN 3-7822-0398-4. Um Seeminen mitführen zu können, ohne die Torpedobeladung zu reduzieren, wurden für die Boote Minengürtel gebaut, die die Mitnahme von 24 Minen außerhalb des Rumpfes ermöglichten. Die wesentlichen Baumerkmale der Klasse 205 wurden beibehalten, darunter die Anordnung der Bewaffnung, die Verwendung nichtmagnetisierbaren Stahls und die Ausführung als Einhüllenboot mit einer wasserdichten Abteilung. Das Sonar wurde gegenüber der Klasse 205 unter einem für die Klasse 206 typischen Sonardom auf dem Bug günstiger angeordnet.

Die Boote sind in erster Linie für die Verwendung im küstennahen Raum gebaut worden und sollten Überwasserschiffe, U-Boote und den Nachschubverkehr bekämpfen. Zum Schutz vor Minen und Entdeckung durch MAD-Sensoren diente die Bauweise aus nicht magnetisierbarem Stahl.

Mit dem Bau wurden nach einer Ausschreibung die Werften Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) (8 Boote) und die Rheinstahl Nordseewerke GmbH (RNSW) (10 Boote) beauftragt.

Verwendung und Einsatz Die 18 Boote wurden dem 1. Ubootgeschwader (6 Boote) in Kiel und dem 3. Ubootgeschwader (1./3. UG) in Eckernförde (12 Boote) zugeteilt und bildeten den Kern der Ubootflottille der Bundesmarine. Im Februar 1998 wurden alle noch aktiven Boote im 1. UG in Eckernförde zusammengefasst.

Während des Kalten Krieges wurden die Boote vor allem in der Ostsee und den Ostseezugängen eingesetzt. Im Kriegsfall hätte ihre Hauptaufgabe in der Bekämpfung gegnerischer Landungsverbände bestanden. Darüber hinaus wurden Einsätze gegen gegnerische Überwasserkräfte im Nordflankenraum der NATO geplant, soweit es die Reichweite der Boote zuließ. Bei Übungen gegen große, gut geschützte Flottenverbände erwiesen sich die Boote als äußerst schwer ortbar, und es gelang ihnen sogar, in die Sicherung US-amerikanischer Flugzeugträgerverbände einzudringen. So gelang es U 24 während eines gemeinsamen Manövers in der Karibik, unbemerkt von den Sicherungsfahrzeugen an die Enterprise heranzukommen, erfolgreich einen simulierten Torpedofächer auf den Träger zu feuern und ihn durch das Periskop zu fotografieren.Günther Stiller: , Hamburger Abendblatt vom 8. August 2007.

Nachdem U 29 bereits 1979 eine Mittelmeerreise unternommen hatte und bei einem Übungsschießen vor Kreta den ehemaligen Zerstörer 1 versenkt hatte, fanden in den späteren Jahren mehrere Ausbildungsreisen von Booten der Klasse 206 in entferntere Seegebiete statt, um Erfahrungen für die nächste Generation von Booten zu gewinnen. So nahmen U 17 und U 26 im Frühjahr 1997 an Übungen der US-Navy in der Karibik und an der amerikanischen Ostküste in Begleitung des Versorgers Meersburg teil. Im Februar 1999 überquerten auch U 15 und U 25 den Atlantik und 2001 U 24 und U 28.

Seit den 1990er Jahren waren die Boote regelmäßig an Einsätzen und Übungen im Mittelmeer beteiligt.Uboote und Minenjagdboote im Mittelmeer. In: Marineforum 6-1997, S. 30. Dazu gehörte die Unterstützung der Operation Sharp Guard und die Teilnahme an der Operation Active Endeavour.Matthias Faermann, Arne Herrler: Die U-Boot-Flottille der Deutschen Marine. In: Marineforum 4-2004 S. 11 ff. Hinzu kamen einzelne Ausbildungsvorhaben auf der Westseite des Atlantiks, insbesondere in die Übungsgebiete der US Navy in der Karibik.Gemeinsame Flottenübungen in der Karibik. In: Marineforum 6-1997, S. 31.

Technische Daten Verweildauer unter Wasser: ca. 96 Stunden Ausrüstung Ausfahrgeräte: ELO/UM-Mast (Elektronische Kampfführung) Sehrohr Stabantenne Schnorchel mit integriertem Navigationssehrohr Waffenleitanlage SLW83 Krupp Atlas Elektronik Ruder: Als vordere Tiefenruder dienen 2 ausfahrbare Flächen, die konvex bzw. konkav geformt sind und so bei Anströmung Auf- bzw. Abtrieb erzeugen, dies hat den Vorteil, dass diese Ruder bei Nulllage vollständig eingezogen werden können und so keine störenden Strömungsgeräusche verursachen. Das Seitenruder befindet sich im Gegensatz zu vielen U-Booten des Klasse 205 hinter dem Propeller in dessen Strömung, die hinteren Tiefenruder sind an einem Tiefenruderträger befestigt, der auch das untere Lager des Seitenruders aufnimmt.

Einheiten Deutschland – Bundesmarine bzw. Deutsche Marine

Zwischen 1973 und 1975 wurden 18 Boote der Klasse 206 bei der Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie waren, verteilt auf zwei Ubootgeschwader, in der Ostsee stationiert. Ein Teil der Boote wurde in den Jahren 1987 bis 1992 zur Klasse 206 A modifiziert. Hierbei erhielten die Boote ein moderneres Sonar sowie ein Führungs- und Waffeneinsatzsystem, eine verbesserte Fernmeldeeinrichtung und eine leistungsstärkere Navigationsanlage. Ebenso wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Bord verbessert. 1995–96 wurde eine weitere Umrüstung auf Torpedos des Typs DM 2 A3 vorgenommen. In den späten 1990er-Jahren, 1996 und 1998, begann die Außerdienststellung der Klasse beginnend mit den unmodifizierten Booten der Klasse 206. 2005–06 folgten die Boote U 28, U 26, U 29, und U 30 und 2008 U 22, welches verschrottet wurde, und U 25, welches ab Ende 2011 der wehrtechnischen Dienststelle 71 (WTD 71) zu Ansprengversuchen diente. Über die Außerdienststellung der letzten sechs U-Boote der Klasse 206 A in Diensten der Deutschen Marine wurde in der ersten Juni-Woche 2010 entschieden. Sie wurden mit sofortiger Wirkung aus der Fahrbereitschaft genommen (am 1. Juni 2010 stillgelegt) und im Marinestützpunkt Eckernförde aufgelegt. Für U 15 und U 17 erfolgte die Außerdienststellung im Dezember 2010, die restlichen vier Boote folgten im März 2011. Das Boot U 17 im Eigentum der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz wird 2023 nach erfolgter Demilitarisierung als Dauerleihgabe an das Technik-Museum Sinsheim abgegeben. Es existieren auch noch die an Kolumbien abgegebenen Exemplare sowie das (der Klasse 206 ähnliche) israelische U-Boot Gal, das als Museum zu besichtigen ist.

Kennung Name Version Bauwerft Kiellegung Stapellauf Indienststellung Einheit Außerdienststellung Verbleib S192 U 13 206 HDW, Kiel 15. November 1969 19. April 1973 in Eckernförde 26. März 1997 Übergabe an Indonesien annulliert, abgewrackt S193 U 14 206 NSW, Emden 1. März 1970 1. Februar 1972 19. April 1973 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 26. März 1997 Übergabe an Indonesien annulliert, abgewrackt S194 U 15 206206A ab 27.11.1989 HDW, Kiel 1. Juni 1970 15. Juni 1972 17. Juli 1974 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 14. Dezember 2010 Verkauf durch VEBEG zum 19.10.2022, Abwrackung nach Verkauf S195 U 16 206206A ab 14.03.1988 NSW, Emden 1. November 1970 29. August 1972 9. November 1973 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. März 2011 Verkauf durch VEBEG zum 19.10.2022, Abwrackung nach Verkauf S196 U 17 206206A ab 18.09.1989 HDW, Kiel 1. Oktober 1970 10. Oktober 1972 28. November 1973 3. Ubootgeschwader in Eckernförde als Museumsschiff der Wehrtechnische Studiensammlung (WTS) als Dauerleihgabe im Technik-Museum Sinsheim (Überführung im Mai 2023 nach Speyer und im Juli 2024 nach Sinsheim) S197 U 18 206206A ab 04.04.1990 NSW, Emden 1. April 1971 31. Oktober 1972 19. Dezember 1973 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. März 2011 Verkauf durch VEBEG zum 19.10.2022, Abwrackung nach Verkauf S198 U 19 206 HDW, Kiel 5. Januar 1971 15. Dezember 1972 9. November 1973 1. Ubootgeschwader in Kiel 23. August 1998 Übernahme durch Indonesien nicht erfolgt, abgewrackt S199 U 20 206 NSW, Emden 16. Januar 1973 24. Mai 1974 1. Ubootgeschwader in Kiel 26. September 1996 Übernahme durch Indonesien nicht erfolgt, abgewrackt S170 U 21 206 HDW, Kiel 15. April 1971 9. März 1973 16. August 1974 1. Ubootgeschwader in Kiel 3. Juni 1998 Übernahme durch Indonesien nicht erfolgt, Erhaltung als Museumsboot in Eckernförde gescheitert, abgewrackt S171 U 22 206206A ab 09.01.1989 NSW, Emden 18. November 1971 27. März 1973 26. Juli 1974 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 18. Dezember 2008 abgewrackt in Aliağa S172 U 23 206206A ab 10.08.1987 NSW, Emden 5. März 1973 25. Mai 1974 2. Mai 1975 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. März 2011 an Kolumbien (Intrépido) S173 U 24 206206A ab Mrz. 1991 NSW, Emden 20. März 1972 26. Juni 1973 16. Oktober 1974 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. März 2011 an Kolumbien (Indomable) S174 U 25 206206A ab 29.08.1988 HDW, Kiel 1. Juli 1971 25. Mai 1973 14. Juni 1974 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. Januar 2008 von der WTD 71 mit extern steuerbarer Hebe-/Senkvorrichtung gerüstet und 2011 für Ansprengversuche verwendet, am 18. Januar 2012 endgültig gehoben S175 U 26 206206A ab 02.07.1990 NSW, Emden 14. Juli 1972 20. November 1973 13. März 1975 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 9. November 2005 abgewrackt S176 U 27 206 HDW, Kiel 1. Oktober 1971 21. August 1973 16. Oktober 1974 1. Ubootgeschwader in Kiel 13. Juni 1996 abgewrackt S177 U 28 206206A ab 17.04.1989 NSW, Emden 4. Oktober 1972 22. Januar 1974 18. Dezember 1974 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 30. Juni 2004 abgewrackt S178 U 29 206206A ab 01.07.1987 HDW, Kiel 10. Januar 1972 5. November 1973 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. Dezember 2006 abgewrackt in Aliağa S179 U 30 206206A ab 30.05.1988 NSW, Emden 5. Dezember 1972 4. April 1974 13. März 1975 3. Ubootgeschwader in Eckernförde 31. Januar 2007 abgewrackt

Indonesien – Tentara Nasional Indonesia Angkatan Laut (TNI–AL)

Die indonesische Marine plante in den Jahren 1997/1998 die Übernahme von fünf gebrauchten Einheiten der Klasse 206 von der Deutschen Marine, die nicht auf den Standard 206 A modernisiert, jedoch tropentauglich gemacht werden sollten.Werner Globke (Hrsg.): Weyers Flottentaschenbuch 1997/1998. Bernhard & Graefe Verlag, Bonn 1998, S. 120–121. Die Übergabe kam letztendlich nicht zustande, obwohl bereits Namen und taktische Nummern vergeben wurden und zumindest auf Nagabanda (ex-U 14) auch die Umzeichnung am Turm und das Setzen der indonesischen Flagge erfolgte.

Kennung Name Vormals Indienststellung Einheit Außerdienststellung Verbleib 403 NagarangsangWerner Globke (Hrsg.): Weyers Flottentaschenbuch 1997/1998. Bernhard & Graefe Verlag, Bonn 1998, S. 558. U 13 (S192), ? – ? Übergabe annulliert, verschrottet 404 Nangabanda U 14 (S193), ? – ? Übergabe annulliert, verschrottet 405 Bramastra U 19 (S198), nicht erfolgt – – Übergabe nicht erfolgt, verschrottet 406 KRI Cundamani U 21 (S170), nicht erfolgt – – Übergabe nicht erfolgt, verschrottet 407 Alugoro U 20 (S199), nicht erfolgt – – nur Materialreserve/ErsatzteilspenderÜbergabe nicht erfolgt, verschrottet

Thailand – Königliche Marine