Die Südinseltakahe (Porphyrio hochstetteri) ist eine seltene Vogelart von der Südinsel Neuseelands, die zur Familie der Rallenvögel (Rallidae) gehört.

Sie ist mit durchschnittlich 63 cm Körpergröße und durchschnittlich 2,65 kg Gewicht etwa so groß wie eine Hausgans und die größte noch lebende Ralle der Welt. Sie ist völlig flugunfähig, kann aber sehr schnell rennen.

Die Südinseltakahe galt seit 1894 als ausgestorben und wurde erst 1948 wiederentdeckt. Durch ein sehr umfangreiches und durch wissenschaftliche Untersuchungen und Öffentlichkeitsarbeit gestütztes Schutzprogramm wurde sie vor dem Aussterben bewahrt. Die Population bestand 2016 aus 306 Individuen.

Als bezeichnet man zwei einander sehr ähnliche flugunfähige Vögel Neuseelands: die rezente Südinseltakahe (Porphyrio hochstetteri) und die ausgerottete, deutlich größere Nordinseltakahe (Porphyrio mantelli). Der Name Takahe stammt aus der Sprache der Māori.

Merkmale Aussehen mini|Der Schnabel ist sehr hoch aber schmal mini|150px|links|Von hinten ist die Südinseltakahe eher olivbraun Die Südinseltakahe hat einen sehr hohen und schmalen Schnabel, mit dem sie sehr kraftvoll zubeißen kann, um die Halme ihrer Hauptnahrung, dem Tussockgras der Gattung Chionochloa, nahe am Boden abzuknipsen. Im Verhältnis zur Körpergröße ist der Schnabel mehr als anderthalbmal so hoch wie der des nahe verwandten Purpurhuhns.J. A. Mills, R. B. Lavers, W. G. Lee: The Takahe - A Relict Of The Pleistocene Grassland Avifauna Of New Zealand. In: New Zealand Journal of Ecology. Band 7, 1984, S. 57–70.J. M. Suttlie, P. F. Fennessy: Organ Weight And Weight Relationships In Takahe And Pukeho. In: Notornis. Band 39, 1992, S. 47–53.

Das Gefieder hat eine lockere und seidige Struktur. Die Brust hat eine dunkelblaue Farbe, die an Hals, Kopf, Hinterleib und dem befiederten Teil der Beine matter wird. Die Beine sind lachsrot. Die Federn an Rücken, die kurzen Flügel und Schwanz sind olivgrün und schimmern fast metallisch. Die Federn unter dem kurzen Schwanz sind weiß. Betrachtet man den Vogel von vorne, wirkt das Gefieder wesentlich klarer und strahlender gefärbt als von hinten. Die Augen sind rotbraun. Der große Schnabel ist rosa. Über dem Oberschnabel schließt sich eine unbefiederte rote Stirnplatte an.

Die Südinseltakahe ähnelt im Aussehen dem Purpurhuhn (Porphyrio porphyrio), hat aber leuchtendere Farben. Außerdem ist sie viel größer und kräftiger gebaut. Männchen sind mit durchschnittlich 2,65 kg (2,3–3,25 kg) größer und schwerer als Weibchen, die durchschnittlich 2,30 kg (1,85–2,60 kg) wiegen. Während der Jungenaufzucht im Dezember haben sie das geringste Gewicht. Trotz des Größenunterschieds sind die Geschlechter schwer zu unterscheiden.Walter L. Buller: On the Ornithology of New Zealand. In: Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961. Volume 31, 1898, Art. 1G. R. Williams: The Takahe (Notornis mantelli Owen, 1848): A General Survey. In: Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961. Volume 88, S. 1960–1961.J. S. Bunin, I. G. Jamieson: A cross-fostering experiment between the endangered Takahe (Porphyrio mantelli) and its closest relative, the pukeko (P. porphyrio). In: New Zealand Journal of Ecology. Vol. 20, No. 2, 1996, S. 207–213.Ian G. Jamieson, Graham P. Wallis, James V. Briskie: Inbreeding and Endangered Species Management: Is New Zealand Out of Step with the Rest of the World? In: Conservation Biology. Volume 20, No. 1, Februar 2006, S. 38–47. doi:10.1111/j.1523-1739.2005.00282.xBrian Reid: Faeces Of Takahe (Notornis mantelli): A General Discussion Relating The Quantity Of Faeces To The Type Of Food And To The Estimated Energy Requirements Of The Bird. In: Notornis. Vol 21, Part 4, Dezember 1974.G. R. Williams, K. H. Miers: A Five-Year Banding Study Of The Takahe (Notornis imntelli Owen). In: Notornis. Vol. VIII, Part 1, 1958.Daryl Eason, Graig D. Millar, Alison Cree, Joy Halverson, David M. Lambert: A comparison of five methods for assignment of sex in the Takahe (Aves: Porphyrio mantelli). In: Journal of Zoology. (Cambridge University Press). Band 253, Nr. 3, März 2001, S. 281–292. doi:10.1017/S0952836901000267

Körperbau mini|300px|Takahenskelett Wenn man diese vier Arten miteinander vergleicht, ist das Purpurhuhn uneingeschränkt flugfähig, während vom Grünfuß-Teichhuhn über die Südinseltakahe zur Wekaralle die Rückbildungen, die zur Flugunfähigkeit führen, immer weiter fortschreiten.T. Jeffery Parker: On the Skeleton of Notornis mantelli. In: Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961. Volume 14, 1881, Art. XXXII.

Der Brustkorb ist bei der Südinseltakahe im Verhältnis zur Körpergröße kürzer als bei den anderen drei Arten. Das Brustbein ist bei der Südinseltakahe breit und flach und hat nur eine schwach ausgebildete Brustbeinleiste, an der kaum Flugmuskulatur ansetzen könnte. Ein Teil des Brustbeins ist völlig verschwunden: an der Vorderseite fehlt das Rostrum, das dem Manubrium beim Menschen entspricht. Auch die Dicke des Schlüsselbeins ist beim Purpurhuhn wesentlich größer als bei der Südinseltakahe. Das Schulterblatt und das Schlüsselbein nehmen an Größe erheblich ab.

Die Südinseltakahe hat kurze Flügel, die zum Fliegen ungeeignet, aber am Handgelenk mit einer kräftigen Kralle bewehrt sind.J. Cowan: Notes on some South Island Birds, and Maori Associations connected therewith. In: Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand 1868–1961. Volume 38, 1905, Art. XLII. Dagegen nehmen Becken und Beine im Vergleich zum flugfähigen Purpurhuhn an Größe zu. Der Brustmuskel (M. pectoralis) ist bezogen auf die Körpergröße bei der Südinseltakahe deutlich kleiner als beim Purpurhuhn, während die Beinmuskeln (M. flexor cruris lateralis) deutlich länger sind.

Ernährung mini|Takahe beim Fressen Die Nahrung der wilden Südinseltakahe besteht hauptsächlich aus Gräsern und Kräutern, und die Tiere verbringen einen großen Teil des Tages damit, zu grasen.J. A. Mills, R. B. Lavers, W. G. Lee, M. K. Mara: Food Selection by Takahe Notornis mantelli in Relation to Chemical Composition. In: Ornis Scandinavica. Vol. 22, No. 2, Apr-Jun 1991, S. 111–128. doi:10.2307/3676542Kerry A. C. James, Peter J. Moore, James A. Mills, John P. Koolaard, Roger B. Lavers, Christine A. Butts, Bryan P. Treloar, Neville D. Grace, Lynne M. Bang: The nutritional value of cocksfoot (Dactylis glomerata L.), midribbed snow-tussock (Chionochloa pallens Zotov), and red tussock (Chionochloa rubra Zotov) for the takahe (Porphyrio hochstetteri Meyer). In: Journal of the Royal Society of New Zealand. Volume 34, Number 4, Dezember 2004, S. 333–345.P. A. Williams, P. Cooper, P. Nes, K. F. O’Connor: Chemical composition of tall-tussocks in relation to the diet of the takahe (Notornis mantelli Owen), on the Murchison Mountains, Fiordland, New Zealand. In: New Zealand Journal of Botany. Vol. 14, 1976, S. 55–61. Familiengruppen der Südinseltakahen verbrachten bei einer Untersuchung etwa 70 % der Beobachtungszeit mit Fressen und Futtersuche und 30 % ihrer Zeit mit anderen Beschäftigungen wie Putzen.M. J. Baber, J. L. Craig: The relationship between foraging behaviour and habitat use by South Island Takahe (Porphyrio hochstetteri) on Tiritiri Matangi Island. In: Notornis. Vol. 50, 2003, S. 59–66.

Erwachsene Südinseltakahen fressen keine tierische Nahrung, füttern aber ihre Jungtiere damit, die mit der Nahrung der erwachsenen Tiere verhungern würden. Da die Jungvögel für den Aufbau körpereigenen Eiweißes einen erhöhten Bedarf an solchen Stickstoffverbindungen haben, sind Insekten in den ersten Lebensmonaten unverzichtbar.Steve Trewick: Short Note: The diet of Kakapo (Strigops habroptilus), Takahe (Porphyrio mantelli) and Pukeko (P. porphyrio melanotus) studied by faecal analysis. In: Notornis. Band 43, Juni 1996, S. 79–84.

Eine Folge dieser Ernährungsform ist die erhebliche Größe des Muskelmagens und seine große Muskelmasse bei der erwachsenen und jungen Südinseltakahe. Aufgrund ihrer nährstoffarmen Nahrung produzieren Südinseltakahen Kot von etwa 8 m Gesamtlänge pro Tag. Außerdem nehmen sie viele Steinchen (täglich 240–440 Stück, durchschnittlich 18 mm3 groß) zu sich, um die faserreiche Nahrung im Muskelmagen aufschließen zu können.M. J. Baber: Home range size and carrying capacity of the South Island Takahe (Porphyrio hochstetteri) on Tiritiri Matangi Island. In: Notornis. Vol. 50, 2003, S. 67–74.

Trotzdem ist das Gras im Kot teilweise so wenig verdaut, dass man es mit nicht gefressenen Teilen der Futterpflanzen verwechseln kann. Kleinere Pflanzenfresser sind, wenn sie sich von faserreicher Nahrung ernähren, generell schlechte Futterverwerter, da Cellulose ausschließlich durch Bakterien verdaut wird, die im kürzeren Magen-Darm-Trakt kleinerer Tiere weniger Zeit haben, ihre Arbeit zu tun als bei großen Tieren. Das Moorschneehuhn ist ein vergleichbar schlechter Futterverwerter, Kanadagänse, Ringelgänse und Emus sind bessere Futterverwerter als die Südinseltakahe. Nur Zucker nimmt die Südinseltakahe gut aus der Nahrung auf. Da sie ein so schlechter Futterverwerter ist, ist die Südinseltakahe sehr wählerisch bei der Auswahl ihrer Futterpflanzen und frisst nur die nährstoffreichsten Teile eines Grashalms oder eines Krautes.

Ernährung in den Murchison Mountains Sommernahrung: Bültengräser und Celmisia mini|Takahen in Mount Bruce - Bei dem übergroßen Grasbüschel rechts im Hintergrund handelt es sich um eine Bültengrasart Die Südinseltakahen in den Murchison Mountains, einem Teil des Fiordland-Nationalparks, verbringen die schneefreie Zeit in den alpinen Bültengraswiesen zwischen 1110 m und 1430 m Höhe. Obwohl es dort und in den nahe gelegenen Bergwäldern etwa 250 Pflanzenarten gibt, die als Futter in Frage kommen könnten, besteht die Sommernahrung der Südinseltakahen von Oktober bis Januar überwiegend aus drei Arten der für Neuseeland typischen Büschel-, Tussock- oder Bültengräser und den Blattbasen von Celmisia petriei, die zu den Korbblütengewächsen zählt.

Von jedem Grashalm fressen Südinseltakahen nur die wasser- und nährstoffreiche Wachstumszone an der Stängelbasis. Je nährstoffreicher der Halm ist, desto mehr fressen sie davon. Mit ihrem kraftvollen Schnabel beißen sie den Halm an der Verbindung zwischen Stängel und Halm ab, fressen die unteren 1–2 cm des Halms und verschmähen den Rest. Dazu ist bei den Tussockgräsern eine so große Kraft nötig, dass ein kleinerer Vogel nicht fähig wäre, an diesen nährstoffreichsten Teil heranzukommen. Die Jungvögel sind deshalb die ersten drei Monate auf die Hilfe der Eltern angewiesen.