Die Literatur der Römischen Republik und des Römischen Reiches wurde großteils in Latein verfasst (daneben spielte ab etwa 200 v. Chr. auch das Griechische eine bedeutende Rolle). Die Perioden der lateinischen Literatur werden traditionell aufgeteilt in die Goldene Latinität, die etwa die Periode vom Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., und die Silberne Latinität, die die spätere klassische Periode umfasst. Nach dem Ende des 2. Jahrhunderts folgt schließlich die spätlateinische Literatur, deren Epoche bis zum Ende der Spätantike um 600 n. Chr. und zur Entwicklung der romanischen Sprachen reicht. Durch die Bücherverluste in der Spätantike ging der Großteil der antiken lateinischen Literatur verloren.

Frühlateinische Literatur Die frühlateinische Literatur (ca. 240–90 v. Chr.) stammte hauptsächlich aus Unteritalien und lehnte sich daher stark an die griechische Literatur an, zeigte jedoch auch auffällige Eigenheiten. Der größte Teil der Literaturproduktion dieser Periode ist heute verloren.

Dichtung Livius Andronicus verfasste wahrscheinlich 240 v. Chr. im Rahmen der Ludi Romani eine Übersetzung der homerischen Odyssee, die sogenannte Odusia. Nur etwa 45 Verse sind bei späteren Autoren erhalten. Gnaeus Naevius, der etwa zeitgleich lebte, war besonders für das Epos Bellum Punicum über den Ersten Punischen Krieg bekannt, welches ebenfalls nur fragmentarisch überliefert ist. Er schrieb außerdem Komödien und Tragödien. Während die beiden ihre Werke noch in Saturniern verfassten, führte Quintus Ennius den daktylischen Hexameter in Rom ein. Sein Epos, die Annales, stellte die römische Geschichte dar und gilt als Vorbild für Vergils Aeneis. Es ist ebenfalls nur bruchstückhaft überliefert.

Aus der frühlateinischen Dichtung sind nur von den Komödiendichtern Plautus und Terenz (beinahe) vollständige Werke erhalten. Von Plautus sind dies 20, von Terenz sechs Komödien. Die römische Komödie dieser Zeit (Palliata) wurde später als auf ihrem höchsten Niveau angesehen.

Marcus Pacuvius spezialisierte sich auf die Tragödie, von denen zwölf unter seinem Namen bekannt sind. Sie sollen vorwiegend von eher unbekannten Themen gehandelt haben. Ebenfalls ein Tragödiendichter war Lucius Accius. Er soll über 50 Stücke verfasst haben, von denen etwa 700 Zeilen fragmentarisch erhalten sind.

Der Ritter Gaius Lucilius war der erste römische Satirendichter. Er verfasste bunt durchmischte Gedichte (lat. satura) zum römischen Alltag, die 30 antike Bücher umfassten. Etwa 1350 Verse sind – teils nur bruchstückhaft – erhalten. Diese Gattung ist die einzige, die nicht von der griechischen Tradition übernommen, sondern durchwegs als römisch angesehen wurde, wie Quintilian bemerkte: satura quidem tota nostra est. – „Die Satire ist immerhin ganz und gar unser Werk.“Quintilian, Institutio Oratoria 10,1,93.

Prosa Werke der Prosa dieser Epoche sind größtenteils Sachliteratur wie De agri cultura von Marcus Porcius Cato dem Älteren. Seine Origines waren das erste historische Werk in lateinischer Sprache. Davor hatten bereits Quintus Fabius Pictor und Aulus Postumius Albinus Geschichtswerke über Rom in griechischer Sprache verfasst, um den Einfluss und die plötzlich entstandene Macht Roms in der bekannten Welt zu rechtfertigen.

Goldene Latinität Die sogenannte Goldene Latinität (ca. 90 v. Chr. bis 14 n. Chr.) fällt in eine Zeitspanne blutiger Bürgerkriege, als die römische Republik unterging und unter Augustus durch eine Monarchie abgelöst wurde. Damals entstanden Werke, die noch stärker als zuvor die Auseinandersetzung mit der griechischen Kultur und Literatur widerspiegelten und bereits von den Zeitgenossen als klassisch aufgefasst wurden. In fast allen Gattungen entstanden bedeutende Werke. In der Prosa ist vor allem das Werk Ciceros zu erwähnen, dessen Reden zwar einerseits den Stil und die Latinität an sich für Jahrhunderte prägten, aber andererseits eben dadurch zum Stillstand und Aussterben der lateinischen Sprache führten. Nach QuintilianQuintilian, Institutio Oratoria 10,1,105 f. und später Francesco Petrarca wird Cicero das Maß aller Dinge in der lateinischen Prosa und Vorlage für das an der Schule gelehrte Latein. Sein dichterisches Pendant bildet Vergil.Quintilian, Institutio Oratoria 10,1,85 f.

Dichtung Epos

Typisch für das antike Epos ist die Abfassung in Hexametern und seine sprichwörtliche Länge, die mindestens zwei antike Bücher umfasst.

Lukrez, der in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. lebte, verfasste das philosophische Lehrgedicht De rerum natura (Über die Natur der Dinge) in der Tradition von Hesiods Theogonie. Es besteht aus sechs Büchern mit insgesamt 7.400 Versen, die Epikurs Lehren wiedergeben.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 1: Republikanische Zeit I, Poesie. Reclam, Stuttgart 1991, S. 364–389. Etwa zeitgleich lebte Catull. Er verfasste unter anderem das Carmen 64, ein sogenanntes Epyllion (ein Kleinepos in kallimacheischer Tradition).Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 1: Republikanische Zeit I, Poesie. Reclam, Stuttgart 1991, S. 390–435.

Seinen Höhepunkt erlebte das römische Epos unter Augustus. Vergil verfasste noch während der Bürgerkriege die beiden Lehrepen Georgica (Über das Landleben) und Eclogae (Über das Hirtenleben). Sein Hauptwerk aber ist die zwölf Bücher umfassende und unvollendet gebliebene Aeneis. Sie beschreibt die römische Frühgeschichte um Aeneas, enthält jedoch auch verschiedene Bezüge zur Augusteischen Zeit. Dieses Epos ist als römisches Pendant zu Homers Ilias und Odyssee zu sehen.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 3: Augusteische Zeit. Reclam, Stuttgart 1991, S. 20–133.

Während die Aeneis alle bisherigen Epen überstrahlte – und wohl ein Grund ist, warum frühere Werke wie diejenigen von Naevius und Ennius nicht überliefert sind – kam ein Autor in seiner Nachfolge zu ähnlichem Ruhm: Ovid. Dieser tat sich erst als Elegiker hervor, verfasste aber auch ein ironisches Lehrgedicht über die Liebe, die Ars amatoria, sowie das fragmentarisch erhaltene Werk De medicamina faciei (Über Kosmetik). Sein Hauptwerk sind die Metamorphosen. Diese umfassen 15 Bücher und enthalten etwa 250 mythologische Verwandlungsgeschichten, mal nur knapp, mal ganz ausführlich dargestellt.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 3: Augusteische Zeit. Reclam, Stuttgart 1991, S. 310–397.

Lyrik

Für sie ist das lyrische Versmaß (wie sapphische oder alkäische Strophe) typisch. Von anderen dichterischen Gattungen unterscheidet sie sich dadurch, dass die Silbenzahl fest ist.

Catull gehörte zu den sogenannten Neoterikern. Diese wandten sich von der klassischen homerischen Tradition ab, hin zum Kleinen, Alltäglichen, Apolitischen. Seine sogenannten Lesbia-Gedichte sowie Schmähgedichte zählen zum lyrisch-elegischen Teil seines Werkes (Carmina 1–60). Die meisten dieser Gedichte sind im phaläkischen Hendekasyllabus verfasst.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 1: Republikanische Zeit I, Poesie. Reclam, Stuttgart 1991, S. 390–435. Horaz: Oden, Carmen saeculare und Epoden (Nicht alle Versmaße haben bei Horaz eine feste Silbenzahl; daktylisch gebaute Verse können in der Regel anapästisch werden und so an Silben einbüßen.)

Satire

Horaz: Satiren, Epistula (zugleich auch Kunstbrief) Varro: Satiren (verloren)

Elegiker bzw. Vertreter der Liebeselegie

Die Form des elegischen Distichons ist hierfür typisch. In den meisten Fällen wird eine Geliebte besungen.

Catulls Gedichte sind wegweisend für die spätere römische Liebeselegie. Gaius Cornelius Gallus verfasste vier Bücher als Liebeselegien an seine Geliebte Lycoris. Sie sind heute verloren, sollen spätere Elegiker aber maßgeblich beeinflusst haben. Von Tibull sind zwei Bücher, von Properz vier Bücher mit Liebesgedichten überliefert.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 3: Augusteische Zeit. Reclam, Stuttgart 1991, S. 250–309.

Neben diesen verfasste auch Ovid, von dem wir bedeutend mehr überliefert haben, elegische Texte. Diese umfassen die Amores, die Heroides (Kunstbriefe von Frauen an deren Liebhaber) sowie die Tristia und die Epistulae ex Ponto, welche beide im Exil entstanden sind.Michael von Albrecht (Hrsg.): Die römische Literatur in Text und Darstellung. Band 3: Augusteische Zeit. Reclam, Stuttgart 1991, S. 310–397.

An dieser Stelle zu nennen ist auch Sulpicia die Ältere, von der sechs epigrammartige Gedichte erhalten sind.

Epigramme

Sie sind ebenfalls meist im elegischen Distichon geschrieben, überschreiten aber selten vier Verse. In der sogenannten „Goldenen Latinität“ tat sich vor allem Catull durch Epigramme hervor (Carmina 69–116). Ein besonders berühmtes ist Carmen 85:Odi et amo. Quare id faciam, fortasse requiris? | nescio, sed fieri sentio et excrucior.Catull, Carmen 85.

Prosa

Cicero

Reden: unter anderem In Catilinam, In Verrem, Pro Milone, Pro Roscio comodeo, Pro Sexto Roscio Philosophische Schriften: unter anderem De re publica, De officiis, „De natura deorum“ Briefe: ad familiares, ad Brutum, ad Quintum fratrem, ad Atticum Staatstheoretische Schriften: De re publica Rhetorische Schriften: De oratore, Orator

Historiker, Kriegsberichterstatter und Biographen

Cornelius Nepos: unter anderem De viris illustribus Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico (achtes Buch wohl vom Offizier Aulus Hirtius verfasst), De bello civili Sallust: De coniuratione Catilinae, Bellum Iugurthinum Titus Livius: Ab urbe condita

Sach- und Fachliteratur

Hyginus: De astronomia Varro: unter anderem De lingua latina (Sprachwissenschaft), De re rustica (Landwirtschaft) Vitruv: De architectura

Silberne Latinität Die lateinische Dichtung der frühen und hohen Kaiserzeit löste sich vielfach von den griechischen Vorbildern (obwohl diese weiterhin von Bedeutung waren) und entstand nun eher in Auseinandersetzung mit den bereits als klassisch empfundenen Werken der goldenen Latinität. Auch diese Phase brachte eine Reihe von höchst bedeutenden Texten hervor, wobei Seneca besonders hervorzuheben ist. Sein Stil wurde zwar nicht so stark nachgeahmt wie der Ciceros, aber die Abkehr von der kunstvoll gebauten syntaktischen Periode hin zur knapperen Sentenz war ein starker Einschnitt und prägender Faktor im weiteren Verlauf der sprachlichen Entwicklung. Zu seiner eigenen Zeit war Seneca der beliebteste Autor und wurde von der Jugend regelrecht verschlungen.Tacitus, Annales 13,2. Später wurde sein zerhackter Stil wieder verworfen.Quintilian, Institutio Oratoria 10,1,125 f. Die Nachklassik kann in drei maßgebliche Unterepochen eingeteilt werden: 1. Die Zeit Senecas, 2. Manierismus und Klassizismus, 3. Archaismus.

Dichtung

Epos

Lucan: De bello civili Silius Italicus: Punica Valerius Flaccus: Argonautica Statius: Thebais, Achilleis Marcus Manilius: Astronomicon (Lehrepos)

Fabel

Phaedrus

Tragödie

Seneca: unter anderem Medea, Oedipus, Hercules furens

Satire

Aulus Persius Flaccus Juvenal

Epigramm

Martial

Bukolik

Calpurnius Siculus Nemesian

Prosa

Philosophische Schriften

Seneca: unter anderem Epistulae morales, Dialogi (zum Beispiel De vita beata, De brevitate vitae, De ira), De beneficiis (deutsch „über Wohltaten“)

Kunstbrief

Plinius der Jüngere

Roman (in satirischer Tradition)

Seneca: Apocolocyntosis Titus Petronius: Satyricon Apuleius: Metamorphoses

Rhetorik

Seneca der Ältere: Controversiae, Suasoriae (beides Muster für Streitreden) Quintilian: Institutio oratoria, Declamationes Fronto

Antiquarische Buntschriften

Aulus Gellius: Noctes Atticae Censorinus

Geschichtsschreibung

Velleius Paterculus: Historiae Romanae Valerius Maximus: Facta et dicta memorabilia (deutsch „erinnernswerte Taten und Worte“) Curtius Rufus: Historiae Alexandri Magni Tacitus: unter anderem Historiae, Germania, Annales