Paulus Immler (* 28. März 1716 in Unterlauter bei Coburg; † 12. Mai 1777 in Coburg)Kirchenbuch Weitramsdorf, 1738 war ein deutscher Komponist.

Leben

Paul Immler wurde am 28. März 1716 in Unterlauter unweit von Coburg als Sohn des Schneiders Nikolaus Immler und dessen Ehefrau Barbara geboren. Erste musikalische Kenntnisse soll ihm der Lauterer Schulmeister Nikolaus Müller vermittelt haben, der schon dem 1702 geborenen Johann Schneider, dem späteren Bach-Assistenten und Kantor von St. Nicolai in Leipzig, Unterricht erteilt hatte. Danach – Jahreszahlen sind nicht bekannt – ging Immler zu Johann Nikolaus Wiefel nach Steinach, bei dem er das Komponieren gelernt haben soll. 1738, im Alter von 22 Jahren wurde er als Lehrer nach Weitramsdorf berufen, wo er bis 1772 wirkteActa Consistorialia Coburg Anno 1738Philipp Carl Gotthard Karche: Jahrbücher der Herzoglich Sächsischen Residenzstadt Coburg: Die ältere und älteste Geschichte der Stadt und des Landes Coburg, Band 3, Verlag Ahl, 1853, Seite 323Acta Consistorialia Weitramsdorf Anno 1772. Am 2. November 1756 heiratete Immler Dorothea Christ, die 1736 geborene Tochter des Weitramsdorfer Amts- und Gerichtsschultheißen Johann Nikolaus Christ.

Im Alter von 55 Jahren stellte sich Paul Immler noch einmal einer beruflichen Herausforderung, als er sich 1771 um die frei gewordene Stelle des Kantors von St. Moriz in Coburg bewarb. Es gelang ihm, seine Konkurrenten, den Kantor der Stadt Themar und den Kantor von St. Lorenz in Nürnberg, auszustechen. Am 30. Januar 1772 erhielt er den Ruf und wurde am 17. Februar in sein neues Amt eingeführt. Er wirkte bis zu seinem Tod in Coburg, wo er am 12. Mai 1777 an Keuchhusten starb.

Wie sehr sich die regionale Literatur auch bemühte, eine Verbindung zu Johann Sebastian Bach im Sinne eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses herzustellen, findet sich derzeit kein glaubwürdiger Beweis dafür, dass Immler nach 1738 Weitramsdorf für längere Zeit verlassen hat. Wir müssen also annehmen, dass er sich hauptsächlich durch gedruckte Notenwerke und den Kontakt mit benachbarten Musikern ausgetauscht und weitergebildet hatte. Sein musikalischer Umkreis wird rekonstruierbar durch die Wahl der Taufpaten für seine Kinder: Johann Wilhelm Gehring, Schwarzburg-Rudolstadter Kammermusiker; Johann Gottfried Wirsing, Kantor in Rodach; Elisabeth Schultesius, die Ehefrau des Kantors in Meeder, der als Lehrer des Organisten und ersten Bachbiographen Johann Nikolaus Forkel genannt wird; Johann Christoph Conrad, Stadtorganist von Eisfeld, der, wie Immler, selbst komponierte und seine Werke sogar in Drucken publizierte.Volker Rößner: Paul Immler und die Kantate zur Fischbacher Kirchweih 1761 in: CD-Booklet "Paul Immler(1716-1777): Wie lieblich sind Deine Wohnungen. Kantate zur Kirchweihe der Schlosskirche zu Fischbach 1761"

Werk

In Robert Eitners „Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten“ von 1901 heißt es zu Immler:Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Bd. 10, 1901, S. 243 (Digitalisat)

Sein Schaffen muss demnach noch wesentlich umfangreicher gewesen sein und beschränkt sich nicht allein auf die sechs Werke, die im Vorfeld der Fischbacher Wiederaufführung von 2011 recherchiert werden konnten. Neben dem Rotenhan-Archiv, in dem die Fischbacher Kantate gefunden wurde, verwahrt die Landesbibliothek Coburg drei weitere Stücke Immlers: Eine Kantate zum zweiten Ostertag „Verlaß uns nicht“, eine Pfingstkantate „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht“ und eine Kantate zum zweiten Pfingsttag „O unerschöpflich Meer der Liebe“. In der sogenannten Musikaliensammlung Rossach im Landeskirchlichen Archiv der evang.-luth. Kirche in Nürnberg befinden sich eine Kantate auf den 92. Psalm „Das ist ein köstlich Ding“ und eine Motette „Meine Tage sind einer Handbreit bei dir“. Schließlich fand sich in ebendieser Musikaliensammlung noch eine Abschrift der Kantate „Wie lieblich sind deine Wohnungen Herr Zebaoth“. Hierbei handelt es sich um eine gekürzte Version des Fischbacher Stückes, die Immler wohl im Nachhinein für das allgemeine Kirchweihfest verwendete.

Kantate Wie lieblich sind deine Wohnungen 1761

Im Jahr 1761 komponierte er zur Kirchweihe in Fischbach die Kantate Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr Zebaoth, die in der neu erbauten Kirche am 22. November 1761 aufgeführt wurde.Kirchenmusik in den Hassbergen bei Kulturkurier Im Kantatentext wird die Familie Rotenhan erwähnt, von deren Nachkommen ein Zweig noch heute das Schloss Fischbach bewohnt.

Die Aufführung eines derart reich instrumentierten Stückes im kleinen Rittergut Fischbach kann in dem konfessionell durchsetzten Gebiet des ehemaligen Ritterkantons Baunach als musikalische Demonstration des evangelischen Glaubens verstanden werden, gehörten doch Teile des Dorfes pfarr- und zehntrechtlich zum benachbarten Pfarrweisach und damit zum Hochstift Würzburg. Insgesamt acht evangelische Pfarrer aus der Gegend wirkten mit, um das Fischbacher Einweihungsfest zu gestalten. Für Immlers Kantate mussten zwei Pauken samt Paukenschlägern aus Rodach ausgeliehen werden. Dieses Festspektakel dürfte ein einmaliges Ereignis im Leben der Fischbacher gewesen sein. Mögen die Worte, die Paul Immler in seiner Kantate dem Dorf und seiner Kirche aussprach, weiterhin bestehen: Wenn Fischbach um Hülfe hier schreyet; Behüt es für Wettern, Raub, Feuer und Flut.Volker Rößner: Paul Immler und die Kantate zur Fischbacher Kirchweih 1761 in: CD-Booklet "Paul Immler(1716-1777): Wie lieblich sind Deine Wohnungen. Kantate zur Kirchweihe der Schlosskirche zu Fischbach 1761". Quellen: Staatsarchiv Bamberg, Archiv der Freiherren v. Rotenhan; Landeskirchliches Archiv der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, Nürnberg; Rainer Axmann, Pfarrer i. R., Coburg

Rekonstruktion und moderne Edition Ekkehard Grieninger schreibt zur Rekonstruktion:Ekkehard Grieninger: Rekonstruktion und Edition des 250 Jahre alten Manuskripts in: CD-Booklet "Paul Immler(1716-1777): Wie lieblich sind Deine Wohnungen. Kantate zur Kirchweihe der Schlosskirche zu Fischbach 1761"

Einzelnachweise

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