mini|300px|Schloss Greifenberg mini|300px|Rathaus Greifenberg Greifenberg () ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech.

Geographie Lage Die Gemeinde am Ammersee liegt, auf einem Moränenwall des Ammerseegletschers, an der Bundesautobahn 96 Lindau–München und der Bahnlinie Augsburg–Geltendorf–Weilheim circa 17 Kilometer östlich von Landsberg am Lech und 40 Kilometer westlich von München, unweit vom nordwestlichen Ende des Ammersees.

Gemeindegliederung Es gibt vier Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Beuern (Kirchdorf) Greifenberg (Pfarrdorf) Neugreifenberg (Siedlung) Painhofen (Weiler) Valloch und Theresienbad sind keine amtlich benannten Gemeindeteile und zählen zu Greifenberg.

Es gibt die Gemarkungen Beuern und Greifenberg.

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Greifenberg ist einer von mehreren Orten der ehemaligen Hofmark am Ammersee, die von Schloss Greifenberg aus verwaltet wurde.Maximilian von Perfall: Urkundliche Mittheilungen über Schloß Greifenberg und seine Besitzer. München 1846 (Volltext).Maximilian von Perfall: Historische Beschreibung mehrerer Ortschaften der Umgegend von Greifenberg. München 1848 (Volltext).

Die Frühgeschichte der Gemeinde ist weitgehend unbekannt. Bodenfunde, Bodendenkmäler und Ortsnamen in der nahen Umgebung lassen darauf schließen, dass auch die Greifenberger Flur schon in der Frühzeit besiedelt war. In der Nähe befinden sich vierzehn etwa 2500 Jahre alte Hügelgräber aus der Hallstattzeit. Zahlreiche Münzenfunde in der Flur östlich von Greifenberg beweisen die Anwesenheit der Römer, die das zuvor keltische Gebiet erobert hatten. Um 600 n. Chr. rückten dann die Alemannen in das Ammerseegebiet ein.

Greifenberg selbst ist wohl eine Gründung der Grafen von Andechs, die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts Güter von der Amper bis zur Paar besaßen. Als der letzte Graf von Andechs 1248 starb, gelangte die Veste in den erblichen Besitz eines ihrer Ministerialengeschlechter, in dem der Taufname Grypho (= Gripho, Griffo, Greiff) besonders gebräuchlich war. Der Name Greif wurde Geschlechtsname der Familie und die erblich zugewiesene Burg „Greifenberg“ genannt. Als Erwerber und Gründer Greifenbergs wird Gripho de Andechs angesehen, der in einem Fundationsbrief von 1230 zu Scheyern als Dienst- und Lehensmann des Herzogs Otto von Meran genannt wird und der 1257 als „Gripho de Greifenberg“ erschien. 1396 nahm Hans der Greif am Kreuzzug König Sigismunds gegen die in Ungarn eingefallenen Türken teil. Die Schlacht von Nikopolis im walachischen Donautiefland endete mit einer schweren Niederlage der Kreuzritter und der siegreiche Sultan Bajesid ließ Tausende von Rittern und Mannen der Kreuzfahrer hinrichten. Unter ihnen war auch Hans der Greif, der Letzte seines Geschlechts.

Die Veste Greifenberg ging als Erbgut an die Schweiker von Gundelfingen, die 1404 ihr Erbe teilten. Auf Greifenberg saß nun Georg von Gundelfingen, der aber die Veste bereits wieder 1410 an die Familie des Herzogs von Bayern verkaufte. Erhard von Perfall wurde dann von Herzog Wolfgang als Burgvogt eingesetzt und erhielt 1478 von diesem die Burg und Pflege zusammen mit allen Hofmarksgütern für 4000 Gulden. 1507 verkauften die herzoglichen Brüder die Hofmark Greifenberg endgültig an ihren Hofmeister Erhard von Perfall als sogenanntes „freies, lediges Eigen“. Bis ins 19. Jahrhundert war anschließend in ununterbrochener Erbfolge stets ein Perfall Gutsherr von Greifenberg. Ihm unterstand bis 1849 auch das Patrimonialgericht der Hofmark, das die niedere Gerichtsbarkeit ausgeübte. Vor dem Richteranwesen stand bis 1959 als Wahrzeichen der steinerne Richterstuhl aus dem Jahre 1442.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahre 1849 wurde das hiesige Patrimonialgericht, dem die Ortschaften Beuern, Eching, Pflaumdorf, Oberschondorf und teilweise auch Unterschondorf zugeordnet waren, aufgelöst, und die Gerichtsbarkeit ging ganz auf den Landrichter in Landsberg, heute das Amtsgericht, über.

1833 entdeckte der Landarzt Josef Hasinger in Greifenberg eine schwefelhaltige Mineralquelle und eröffnete im folgenden Jahr das Theresienbad. Ab 1921 diente die Anlage als Erholungsheim für Journalisten und Schriftsteller. Während des Nationalsozialismus wurde dort 1935 die Obergauführerinnenschule Hochland des Bundes Deutscher Mädel (BDM) eingerichtet; im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Lazarett genutzt. Von 1945 bis 1948 befand sich im ehemaligen Theresienbad ein Lager für jüdische Displaced Persons, der Kibbuz „Nocham“. Seit 1950 wird die Anlage als Kreisseniorenheim genutzt.

Vom Beginn des Bahnbetriebs auf der Ammerseebahn im Jahr 1898 bis Mai 1984 bestand im Gemeindeteil Neugreifenberg die Bahnstation Greifenberg (Oberbay).

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 ein Teil der aufgelösten Gemeinde Beuern eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Datum Einwohner 1864 221Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste. Erste Section: A–G, Teil 90, Leipzig 1871, S. 80. 6. Juni 1961 726 27. Mai 1970 830 30. Juni 1987 1243 31. Dezember 1991 1494 31. Dezember 1995 1609 30. Juni 2000 1791 30. Juni 2002 1910 30. Juni 2005 2036 30. Juni 2006 2048 Datum Einwohner 31. Dezember 2007 2083 31. Dezember 2008 2118 31. Dezember 2009 2134 31. Dezember 2010 2167 31. Dezember 2011 2122 31. Dezember 2012 2173 31. Dezember 2013 2170 31. Dezember 2014 2194 31. Dezember 2015 2228 31. Dezember 2016 2268 Zwischen 1988 und 2019 wuchs die Gemeinde von 1277 auf 2263 um 986 Einwohner an bzw. um 77,2 % (im genannten Zeitraum der Spitzenwert im Landkreis Landsberg a. L.).

Religion Evangelisch-lutherisches Pfarramt Dießen-Utting (zuständig für Greifenberg) Katholisches Pfarramt Greifenberg

Politik Die Gemeinde ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Schondorf am Ammersee. Gemeinderat Der Gemeinderat wird traditionell nicht über Parteilisten, sondern über öffentliche Bürgerlisten der Gemeindeteile Greifenberg („Gemeinwohl“), Beuern („Beurer Liste“) und Neugreifenberg („Wählergruppe Neugreifenberg“) gewählt. Die Aufstellung findet jeweils auf drei Bürgerversammlungen statt. Zur Wahl 2008 hat sich eine vierte (nichtöffentliche) Wählergruppe gegründet, die „Aktive Gemeinde“ und zur Wahl 2020 stellt sich eine fünfte (nicht öffentliche) Wählergruppe, das „LWD – L(i)ebenswerte Dorf“.

+ Sitzverteilung im Gemeinderat Jahr Gemeinwohl Neugreifenberg Beurer Liste Aktive Gemeinde Liebenswertes Dorf Unabhängig Gesamt Wahlbeteiligung20211 Sitz3 Sitze2 Sitze3 Sitze3 Sitze2 Sitze14 Sitze 20201 Sitz3 Sitze2 Sitze3 Sitze5 Sitze 14 Sitze 66,0 % 2014 3 Sitze 5 Sitze 2 Sitze 4 Sitze – 14 Sitze 63,8 % 2008 7 Sitze 3 Sitze 1 Sitz 3 Sitze – 14 Sitze 65,4 % 2002 7 Sitze 4 Sitze 1 Sitz – – 12 Sitze 57,9 %

Die Wählerliste L(i)ebenswertes Dorf (LWD) beschloss in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit 32 zu 2 Stimmen, zwei ihrer Gemeinderatsmitglieder aus der Gruppierung auszuschließen. Als Begründung nannte die Versammlung mangelnde Integration in die Fraktionsarbeit sowie wiederholte eigenständige Vorgehensweisen („Alleingänge“). Der Vorstandsvorsitzende wurde beauftragt, die beiden Mandatsträger über den Beschluss zu informieren.

Daraufhin traten im Jahr 2021 die beiden Mitglieder aus der Fraktion „LWD“ aus und gehören seitdem als unabhängige Mitglieder dem Gemeinderat an. Hintergrund ihrer Kritik war der Führungsstil der Bürgermeisterin Patricia Müller und der Vorwurf eines „Mangels an Struktur und Strategie“ für die Weiterentwicklung der Gemeinde.

Übersicht der Bürgermeister/-innen seit 2008 +Bürgermeister(in)Liste/ParteiZeitraumAnmerkungenJohann AlbrechtGemeinwohlMai 2008 – Mai 2020Patricia MüllerLWDMai 2020 – Mai 2026nach Stichwahl mit Hagen Adler (WG Neugreifenberg) mit 51,4 % gewähltRoman AlbrechtGemeinwohlab Mai 2026

Wappen

Flagge 40px Banner:„Das Banner der Gemeinde ist rot-weiß-schwarz längsgestreift mit dem aufgelegten Wappen oberhalb der Mitte.“Banner der Gemeinde Greifenberg

Baudenkmäler und Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2018 gab es in der Gemeinde 757 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Von der Wohnbevölkerung standen 855 Personen in einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis. Damit war die Zahl der Auspendler um 98 Personen größer als die der Einpendler. 22 Einwohner waren arbeitslos. Die neun landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschafteten insgesamt eine Fläche von 302 Hektar (Stand 2016).

Nördlich der Gemeinde befindet sich an der A 96 ein voll erschlossenes Gewerbegebiet mit 30 ha Fläche, davon sind 17 ha noch ungenutzt.

Infrastruktur Einkaufszentrum: Im Ortskern von Greifenberg gibt es seit Mitte der 1990er Jahre ein Einkaufszentrum mit kleinem Discounter, Getränkemarkt, Bäckerei, Metzgerei, Allgemeinarzt, Frauenarzt, Hautarzt, Zahnarzt, Apotheke, Sparkasse und Raiffeisenbank. Warmfreibad und Fitnesscenter: Direkt an der A 96 München–Lindau liegt das Warmfreibad mit drei beheizten Becken (26 Grad), Wärmehalle, Solarium, großen Liegewiesen und Kioskbetrieb. Wegen Umbauarbeiten war es von 2018 bis 2022 geschlossen. Für das ebenfalls 2018 geschlossene Badrestaurant soll nach einer Standortanalyse ein Planungsbüro gesucht werden, welches auf die dabei ermittelten Besonderheiten spezialisiert ist. Der eigentliche Umbau soll bis 2024 erfolgen. Benachbart liegt ein privates, ganzjährig geöffnetes Fitnesszentrum. Tourismusbüro Schondorf Katholisches Pfarrheim Rupert-Mayer-Haus. Das Heim steht auch Jugendgruppen und der dörflichen Gemeinschaft für Veranstaltungen zur Verfügung. Wertstoffhof

Veranstaltungen mini|Gewerbeschau bei Hardy’s (2. April 2006)An jedem ersten August-Wochenende findet ein Bürgerfest statt, das traditionell von der Freiwilligen Feuerwehr ausgerichtet wird. Von 2005 bis 2008 fand jährlich im April eine Informations- und Gewerbeschau der örtlichen Unternehmen, Gewerbetreibenden und freiberuflich Tätigen statt, um die Bevölkerung von der Leistungsfähigkeit der in der Ammersee-Region ansässigen mittelständischen Unternehmen zu überzeugen. Veranstalter ist der Bund der Selbständigen Ammersee Nord-West (BDS).

Verkehr Straßenverkehr Im Norden der Gemeinde verläuft die Bundesautobahn 96 (A 96) von München nach Lindau, an der im Nordosten des Ortes die Ausfahrt Greifenberg existiert. Des Weiteren führt die Staatsstraße 2055 durch die Gemeinde, die die Autobahnausfahrt mit der Ortsmitte verbindet.

Schienenverkehr mini|Ehemaliger Bahnhof Greifenberg mini|Ehemaliger Haltepunkt Theresienbad Durch die Gemeinde Greifenberg verläuft die eingleisige Ammerseebahn von Mering über Geltendorf und Dießen nach Weilheim. Sie wird von der Deutschen Bahn als Kursbuchstrecke 985 geführt. An der Ammerseebahn befanden sich in Greifenberg ehemals zwei Bahnstationen, die beide stillgelegt wurden. Der Bahnhof Greifenberg (Oberbay) lag im Westen des Greifenberger Gemeindeteils Neugreifenberg, etwa 1,5 Kilometer westlich der Greifenberger Ortsmitte; er wurde 1984 stillgelegt. Der Haltepunkt Theresienbad, der etwa 400 Meter südlich von Greifenberg lag, existierte bis 1964. Obwohl der Haltepunkt Theresienbad näher an der Ortsmitte von Greifenberg lag als der Bahnhof Greifenberg, wurde er weniger genutzt, da dieser im Tal der Windach lag und schwerer zu erreichen war.