mini|Heimathaus Feldmühle in Bersenbrück
Bersenbrück () ist eine Kleinstadt an der Hase im niedersächsischen Landkreis Osnabrück. Die Stadt ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Bersenbrück.
Geografie Lage Bersenbrück liegt im nördlichen Osnabrücker Land an dem Fluss Hase zwischen der Ankumer Höhe und den Dammer Bergen.
Stadtgliederung Ahausen-Sitter Bokel Hastrup Hertmann-Lohbeck Priggenhagen Talge Woltrup-Wehbergen
Nachbargemeinden
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Stadtgebiet von Bersenbrück gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Prägend für die Hydrologie sind die Hase als Hauptgewässer, ihre Zuflüsse und Entwässerungsgräben sowie der außerhalb des Stadtgebietes liegende Alfsee als Speicher- und Hochwasserschutzbecken. Ergänzt wird das Gewässersystem durch Moor- und Auenlandschaften sowie durch anthropogene Regulierungsmaßnahmen.
Neben der Hase gehören mehrere kleinere Gewässer zum lokalen Entwässerungssystem. Die Mühlenhase (auch Alte Hase oder Hasekanal) ist ein künstlicher Hase-Arm, der an der Hasemühle abzweigt und ursprünglich der Mühlenversorgung und Wiesenentwässerung diente. Der Bersenbrücker Wiesenkanal ist ein Entwässerungsgraben für landwirtschaftliche Flächen. Weitere kleinere Gewässer sind unter anderem der Biester Bach, der Reitbach und der Kaulkebach sowie zahlreiche verzweigte Gräben.
Darüber hinaus existieren innerhalb der Gemarkung mehrere Teiche und Stillgewässer, darunter ehemalige Fischteiche, die teils als Anglergewässer genutzt und gepflegt werden. mini|Das Hase-Binnendelta des Artlands
Die Landschaft um Bersenbrück gehört zur nordwestdeutschen Moor- und Geestlandschaft. Historisch gab es hier großflächige Moorkomplexe, von denen heute nur noch Reste wie das Venner Moor (außerhalb des Stadtgebietes von Bersenbrück) oder kleinere Bereiche erhalten sind – viele Moore wurden im Laufe der Zeit entwässert oder genutzt (z. B. durch Torfabbau) und sind heute naturschutzfachlich wichtig zu pflegen und teilweise wieder zu vernässen.
Entlang der Hase und ihrer Nebenarme innerhalb und um Bersenbrück finden sich Feuchtwiesen, Auen und vernässte Flächen als Übergangs- und Feuchtlebensräume (oft nicht als große Moore, aber als Feuchtbiotope ökologisch bedeutend). Solche Auenlandschaften tragen zur Biodiversität bei und sind oft Bestandteil lokaler Schutz- und Pflegeprogramme.
Bersenbrück ist hydrologisch durch seine Lage im Hase-Einzugsgebiet geprägt, wodurch es bei Starkregen und hohen Wasserständen zu Hochwasser- und Überschwemmungsrisiken kommt, die durch geringe Fließgeschwindigkeit und historische Regulierung des Flusses verstärkt werden (z. B. Hochwasserrückhaltebecken Alfhausen-Rieste, Pegel über Meldestufen im Winter 2023/24). Ökologische Herausforderungen entstehen durch die Entkopplung von Fluss und Aue, naturferne Gewässerstrukturen und eingeschränkte Lebensräume für Artenvielfalt im Hase-Gewässersystem. Konkrete Maßnahmen umfassen Rückstausicherungen und Regenrückhaltebecken zur Hochwasservorsorge in Bersenbrück sowie Auen- und Gewässerrenaturierungs- bzw. Revitalisierungsprojekte entlang der Hase, die naturnahe Strukturen schaffen und ökologische Funktionen stärken sollen.
Untergrundverhältnisse Die Geologie von Bersenbrück ist vor allem von Eiszeitablagerungen (Sande, Kiese, Geschiebemergel), der Hase-Niederung mit Auenlehmen sowie Moorbildungen geprägt. Der eigentliche harte geologische Untergrund (Kreide/Tertiär) liegt tief verborgen und spielt im Alltag kaum eine Rolle.
Die Hydrogeologie von Bersenbrück ist durch flache Grundwasserspiegel in der Hase-Niederung, ergiebige Sand- und Kies-Aquifere (Grundwasserleiter) sowie geschützte tiefere Grundwasserleiter geprägt. Für die Wasserversorgung nutzt man vor allem die tieferen, durch Deckschichten geschützten Aquifere, während das oberflächennahe Grundwasser stark vom Fluss, Mooren und landwirtschaftlicher Nutzung beeinflusst wird.
Der oberste Grundwasserleiter befindet sich im quartären Sand- und Feinsandbereich der Niederung der Hase in einer Tiefe von 1–6 m. Er weist freie Grundwasserverhältnisse auf und reagiert stark auf Niederschläge, jahreszeitliche Schwankungen und Hochwasserereignisse. Der zweite Grundwasserleiter liegt ca. 20–40 m unter Geländeoberkante in pleistozänen Sand- und Kiesschichten, die durch bindige Deckschichten (Geschiebelehm, Ton, Schluff) hydraulisch geschützt sind. Er bildet den wichtigsten Trinkwasseraquifer für Bersenbrück und Umgebung.
Auf dem Stadtgebiet von Bersenbrück und dem Gebiet des benachbarten Ankum erstreckt sich das Wasserschutzgebiet Ahausen-Sitter (Kennung 03459402102) mit einer Fläche von ca. 74 km².
Klima In Bersenbrück herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt. Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge im Zeitraum 1992–2021 betrug 738 mm.
Geschichte Die Bersenbrücker Höhen bilden zusammen mit den Dammer Bergen den Südrand eines Gletscherzungenbeckens, die wiederum Teile der größten Stauchmoräne der Saale-Kaltzeit bilden. Sie entstanden während eines ersten Eisvorstoßes (Rehburger Phase) vor etwa 230.000 Jahren. Wenig später wurden die Berge vom selben Gletscher überfahren. Während im Osnabrücker Land menschliche Spuren gesichert werden konnten, weist erst eine Grube bei Druchhorn, die ins frühe 7. Jahrtausend v. Chr. datiert, auf menschliche Besiedlung im dortigen Mesolithikum hin. Lesefunde aus der Zeit der Ertebølle-Kultur, der letzten Jäger- und-Sammler- und damit aneignenden Kultur, stammen etwa aus der Zeit zwischen 5500 und 4200 v. Chr. Als erste Vertreterin der frühbäuerlichen und damit der produzierenden Kulturen tritt im Gebiet nördlich des Wiehengebirges die Westgruppe der Trichterbecherkultur erst im 4. Jahrtausend v. Chr. auf. Dabei trat die einzige im Landkreis Osnabrück nachgewiesene Siedlungsstelle dieser archäologischen Kultur bei Ausgrabungen in Engter zu Tage. Es handelt sich um einen Hausgrundriss in Pfostenbauweise mit gerundeten Schmalseiten. Aus der vorrömischen Eisenzeit stammt ein Brandgräberfeld, das an der Straße Rüssel-Bersenbrück entdeckt wurde.
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes als Bersinbrugge war 1221, die Siedlung ist jedoch vermutlich weitaus älter, da umliegende Ortschaften bereits um 1000 erwähnt wurden. Otto II. von Ravensberg gründete 1231 ein Zisterzienserinnen-Kloster aufgrund „einer in den Fehden mit Tecklenburg an dieser Stelle begangenen Freveltat“ (Denkmalsinschrift). Vermutlich waren jedoch machtpolitische Gründe für die Klostergründung ausschlaggebend. Das Zisterzienserinnenkloster existierte von 1231 bis 1787. Die Aufgabe des Klosters konnte zugleich die heutige Stadt Bersenbrück entstehen lassen. Wegen der vom Orden geforderten Abgeschiedenheit der Klöster siedelten die Bauern in einer Entfernung von mehreren hundert Metern vom Kloster an. Nun entstanden die ersten Häuser vor der Klosterpforte, und die leerstehenden Klostergebäude dienten zunehmend der Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Viele der noch heute im Ort lebenden Familien wurden in amtlichen Dokumenten bereits im 15. Jahrhundert erwähnt.
Bersenbrück gehörte territorial bis 1802 zum Hochstift Osnabrück. Nach der französischen Besetzung bis 1814 unter Napoleon Bonaparte kam Bersenbrück infolge des Wiener Kongresses an das Königreich Hannover. Mit der Niederlage des Königreichs Hannover von 1866 wurde Bersenbrück Teil von Preußen. Von 1885 bis 1972 war Bersenbrück Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises, der im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform am 1. Juli 1972 aufgelöst und mit den Landkreisen Wittlage, Melle und Osnabrück zum Landkreis Osnabrück zusammengefasst wurde. Bersenbrück ist seit 1956 Stadt. Die Samtgemeinde Bersenbrück wurde 1972 gegründet und besteht aus den Mitgliedsgemeinden Alfhausen, Ankum, Bersenbrück, Eggermühlen, Gehrde, Kettenkamp und Rieste.
Ortsname Frühere Ortsnamen von Bersenbrück waren 1221 Bersinbrugge, 1231 Bersembrugge, 1301 Bersenbrucge und 1723 Berßenbrück. Der Ortsname ist eine Bildung mit dem Grundwort -brück. Das Bestimmungswort enthält den Gewässernamen Bersina/Birsina; später setzte sich der Name Hase durch.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurden die zuvor selbständigen Gemeinden Ahausen-Sitter und Talge am 1. Juli 1972 in die Stadt Bersenbrück eingemeindet.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung seit 1987
Jahr Einwohner Quelle 1885 354 1910 595 1925 773 1933 1169 1939 1454 1950 3476 1956 3416 1961 4600 ¹ 1970 5143 ² 1973 5202 Datum Einwohner Quelle 1975 5218 ³ 1980 5111 ³ 1985 5180 ³ 1990 5767 ³ 1995 7391 ³ 2000 7751 ³ 2005 7842 ³ 2010 7946 ³ 2015 8315 ³ 2019 8618 ³ ¹ Volkszählungsergebnis vom 6. Juni (einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden) ² Volkszählungsergebnis vom 27. Mai (einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden) ³ jeweils zum 31. Dezember
Religion Bersenbrücks Bevölkerung ist überwiegend römisch-katholisch. Durch die Ansiedlung von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion hat sich der Anteil der protestantischen Gläubigen vergrößert. Nach wie vor stellen die Katholiken mit 42,5 % der Gesamtbevölkerung (Stand 2022) die größte christliche Gemeinschaft Bersenbrücks.Zensus 2022 Religion
Es existieren eine römisch-katholische, eine evangelische und eine baptistische Kirchengemeinde.
Politik Rat Der Rat hat gegenwärtig 23 Mitglieder aus drei Parteien. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 8.001 und 9.000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Die CDU hält mit 12 Sitzen die absolute Mehrheit der Mandate und stellt den Bürgermeister.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996. Rat der Stadt Bersenbrück: Wahlergebnisse und RatsmandateCDUSPDGRÜNE UWG Gesamt Wahl-beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|class=noviewer|Mandate % rahmenlos|20px|class=noviewer|Mandate % rahmenlos|20px|class=noviewer|Mandate % rahmenlos|20px|class=noviewer|Mandate % rahmenlos|20px|class=noviewer|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %2021–202652,61231,2716,24——1002352,52016–202156,3 1320,6 510,9 212,2 31002350,82011–201656,7 1223,2 520,1 4— —1002150,32006–201164,2 1429,1 66,7 1— —1002148,82001–200669,7 1526,0 64,2 0— —1002164,21996–200166,1 1427,6 66,3 1— —1002169,9Prozentanteile gerundet.Quellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Landkreis Osnabrück.Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.
Bürgermeister Seit 2013 ist Christian Klütsch (CDU) Bürgermeister der Stadt. Seine Stellvertreter sind Heike Menslage (CDU) und Johannes Koop (CDU).
Chronik der Bürgermeister 2013–Dato: Christian Klütsch (CDU) 2005–2013: Harald Kräuter (CDU) 2001–2004: Renate Hülsmann (CDU) 1981–2001: Walter Sandbrink (CDU)
Wappen und Flagge mini|150px|Hissflagge der Stadt Bersenbrück
Städtepartnerschaften