mini|Paul Cézanne: Pierrot und Harlekin (Mardi Gras – Fastnacht), 1888 Ein Komikerduo ist eine Figurenkonstellation beim Film, im Zirkus, am Theater oder im Kabarett, bei der zwei Schauspieler als komisches Paar auftreten.

Allgemeines Die beiden Partner eines Komikerduos sind meist verschieden in Temperament und Verhalten, ihre Komik wird in der Regel noch durch gegensätzliche Physiognomie (groß/klein), Intelligenz (schlau/dumm) oder Charaktereigenschaften (gut/böse) bestimmt. Oft geht es zwischen den beiden Kontrahenten um die Statusfrage der Autorität und um deren Verlust, was auch zu (kurzzeitigem) Rollentausch führen kann. Der Verlierer genießt dabei ebenso die Anerkennung des Publikums, etwa durch einen gelungenen Wortwitz oder eine Sprach-Parade, wie der Überlegene. Das Komikerpaar ist ein sehr traditionsreicher Typus, deren äußerer Kontrast bereits auf das Gefälle zwischen den Figuren schließen lässt: „Zwei Menschen, der eine riesengroß, der andere winzigklein, schreiten Arm in Arm würdevoll daher.“Henri Bergson: Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Arche, Zürich 1972

In der Tradition des Zirkus ist das Komikerduo als Weißclown und dummer August bekannt, wobei der Weißclown die Autorität darstellt, die durch die Tollpatschigkeit des August in Frage gestellt wird.Knut Hickethier, Grenzgänger zwischen Theater und Kino, Edition Mythos Berlin, 1986 Im Kabarett tritt das Komikerduo als Doppelconférence in Erscheinung. Das bekannteste Filmkomikerpaar bilden Stan Laurel und Oliver Hardy, die ab 1927 als Komikerduo über hundert gemeinsame Filme drehten.

Zirkus mini|Weißclown und Dummer August: Les Rossyann

Im klassischen Zirkus besteht die Anordnung der zwei kontrastierenden komischen Figuren aus Weißclown und Dummer August, wobei der elegante, blasierte, pseudointellektuelle Weißclown immer versucht, den anderen, dümmeren zu quälen. Und der andere, der Hilflose und angeblich Unterdrückte, schlägt mit noch größerer Gemeinheit zurück.Werner Scheyder 1001 Lachen. kurier.at

Entstanden ist dieser Meilenstein in der Entwicklung des modernen Clowns um 1900 im Circus Renz durch Tom Belling, der die Clownsfigur des „Dummen August“ erfand, die ursprünglich nur ein ungelenker Stallbursch war,Markus Kupferblum: (PDF) bekleidet mit schlecht sitzendem, zu engem Anzug, geflickter Hose und übergroßen Schuhen. Dazu gesellte sich der Weißclown in einem kostbaren Kostüm aus Samt und Seide, Pumphosen bis zu den Knien, Seidenstrümpfen, elegante Schuhen, mit einer charakteristischen weißen Gesichtsschminke, Mund und Ohren rot und schwarzen Strichen als Augenbraue. Auf den ersten Blick scheint der dumme August als das schwarze Schaf, als Chaot, Trottel, Zerstörer und Unglücksrabe, während der Weißclown in seinem teuren Anzug die Anmut, Eleganz und Ordnung, kurz die engelhaften, guten Aspekte symbolisiert. Die beiden traten bald als Team auf, das mit seinen Streichen sogar den Direktor (= die Obrigkeit) zum Narren halten durfte.Clowns-Historie im Renz.

Der Weißclown geht zurück auf Harlekin, Pierrot und Gracioso, sein Urahne ist der mimus albus, der „weiße Mime“ (Weiß wurde von da an die Gesichtsfarbe der Clowns), der in den antiken Komödien des römischen Theaters die lustige Rolle spielte. Auch der Dumme August geht auf die Antike zurück, der Centunculus (hundert Fleck) trieb auf Märkten und öffentlichen Plätzen seine derben Späße.Beppo Beyerl: Die Dressur des Zwerchfells. In: Wiener Zeitung, 20. Mai 1998; abgerufen am 20. November 2013 Er trat in einem bunten Kostüm auf, Hose und Jacke waren aus vielen Fetzen zusammengeflickt, seine komische Wirkung wurde dadurch gesteigert, dass er ohne Schuhe und ohne Haare auftrat. Er besaß damit schon jenen Kahlkopf, der zu einem Erkennungsmerkmal des heutigen „inkompetenten“ Clowns gehört, ebenso wie die überdimensionierten absatzlosen Schuhe, die seinen komischen Gang bewirken. Die Gestik, Mimik und Körperhaltung des inkompetenten Clowns ist reduziert: Seine ganze Erscheinung kündigt ein Scheitern an.Der Clown

Das bei Renz entwickelte Konzept des immer zerstrittenen Paares von Weißclown und dummen August wird bis heute fast exakt beibehalten und ist von unzähligen Clownsdarstellern in aller Welt übernommen worden. Federico Fellini erklärte den Streit der beiden Clownfiguren folgendermaßen: „Der weiße Clown und der August – es sind Lehrerin und Kind, Mutter und Lausbub, man könnte auch sagen: der Engel mit dem feurigen Schwert und der Sünder.“Stefan Schlenker: Der Clown – Geschichte, Entstehung, Entwicklung.

Kabarett Beim Kabarett tritt das Komikerduo oft in Form der Doppelconference auf, die als „sprachlicher Zweikampf“ aus einem Dialog zwischen zwei Schauspielern besteht, von denen einer die Rolle eines klugen und gebildeten Gesprächspartners einnimmt, während der andere einen begriffsstutzigen Tölpel mimt. Diese Form stammte ursprünglich aus Budapest und wurde in den 1920er-Jahren in Wien von Karl Farkas und Fritz Grünbaum perfektioniert. Farkas trat mit Grünbaum erstmals am 1. November 1922 im Kabarett Simpl in Wien auf, Farkas gab den Gescheiten, Grünbaum den Blöden. Farkas bildete solch ein Komikerduo später auch mit Ernst Waldbrunn („Der G’scheite und der Blöde“) und mit Maxi Böhm. Zunächst war die Doppelconférence mehr Überleitung als eigenständige komische Nummer, die Darsteller sprachen sich auch mit ihrem richtigen Namen an. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber, mit Waldbrunn als „Blödem“, entstanden für das Fernsehen Figurenpaare wie Herr Berger und Herr Schöberl, die nicht mehr nur vor dem Vorhang, sondern in Kulissen spielten.Julia Sobieszek: Zum Lachen in den Keller. Der Simpl von 1912 bis heute. Amalthea, Wien 2007, ISBN 978-3-85002-610-9 Farkas definierte die Doppelconference so: „Eine Doppelconférence ist ein Dialog zwischen einem G’scheiten und einem Blöden, wobei der G’scheite dem Blöden etwas Gescheites möglichst gescheit zu erklären versucht, damit der Blöde möglichst blöde Antworten darauf zu geben imstande ist – mit dem Resultat, dass zum Schluss der Blöde zwar nicht gescheiter, aber dem Gescheiten die Sache zu blöd wird.“

mini|Das Komikerpaar Liesl Karlstadt und Karl Valentin (1933) mini|Max Rott am Budapester Orpheum, wo er gemeinsam mit Benjamin Blaß auftrat mini|hochkant=1|Tünnes und Schäl, Figurengruppe von Heinz Klein-Arendt mini|Manzai-Duo (Farbholzdruck von Yajima Gogaku, zwischen 1818 und 1830)

Bereits der Wiener Volkssänger Johann Baptist Moser (1799–1863) schuf so genannte „Conversationen“, in denen die Typen der „Gescheite“ und der „Dumme“ (oft ergänzt durch den „Frotzler“) aufeinander trafen: Die Conversation im Paradeisgartl (1866), Conversation am Geburtstage, Die beiden Sesselträger (1843), Die Conversation vor dem Versatzamte, und Die Conversation im Glashause (1859). Karl Valentin und Liesl Karlstadt waren ab 1911 in einer etwa 25 Jahre dauernden Bühnenpartnerschaft ein kongeniales Paar im Kabarett und beim Film. Valentin war von langer, hagerer Gestalt, die er durch slapstickartige Einlagen betonte, seine scheinbare Unbeholfenheit deckte die Absurditäten der modernen Gesellschaft auf. „Mit unerbittlicher Schärfe des Witzes und absurder Komik durchbohrten sie die Kategorien der Wirklichkeit und nahmen bereits Kategorien des absurden Theaters vorweg“.Karl Valentin und Liesl Karlstadt. auf: br-online.de Liesl Karlstadt war klein und korpulent, schlüpfte durch Verkleidungen in vielfältige Rollen und lieferte die besten Kostproben ihres Talents oft in Hosenrollen. An der Seite von Valentin spielte sie den verschmitzten „Firmling“, den tollpatschigen Gehilfen im Photoatelier und im Theater (Der reparierte Scheinwerfer) wie auch den jovialen „Nervenarzt“, die gestresste Ehefrau (Der Theaterbesuch) und den autoritären Kapellmeister in der Orchesterprobe.3sat.de Liesl Karlstadt und Karl Valentin. Fernsehfilm über das berühmte Komikerpaar Max Rott bildete gemeinsam mit Benjamin Blaß das Gesangs- und Komikerduo „Gebrüder Rott“, das mit jüdischer Jargonkomik, die in Jiddisch gefärbtem Wienerisch vorgetragen wurde, im Budapester Orpheum auftrat und später auch in Wien große Popularität erlangten. Als 1899 Benjamin Blaß erkrankte, fand Rott Bernhard Liebel als neuen Partner. Dzigan und Szumacher (auch: Shumacher), bestand aus Szymon (Shimen) Dzigan (1905–1980) und Jisroel Szumacher (1908–1961), die aus Lodz stammten und in jiddischer Sprache vor dem Zweiten Weltkrieg in Polen spielten und danach in Israel. Sie traten auch im Film Unsere Kinder (Polen 1948) auf, in dem das Komikerduo alle Rollen aus einer Scholem-Alejchem-Geschichte vor Kindern spielen, die den Holocaust als Waisen überlebt haben.Jewish Comedians (PDF) Wolfgang Neuss bildete mit Wolfgang Müller ab 1949 ein Duo, sie traten als „Die zwei Wolfgangs“ auf. 1950 gingen sie nach West-Berlin, wo sie ein Engagement am Kabarett Die Bonbonniere annahmen. Sie fielen 1955 in Nebenrollen des Musicals Kiss me Kate auf und inszenierten auch eine Parodie auf das Musical namens Schieß mich Tell. Von da an erhielten sie ein Filmangebot nach dem anderen. Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner bildeten im Wiener Kabarett der 1960er Jahre ein Komikerduo in der Sketch-Reihe „Travnicek“, in der ein „typischer Wiener“ (Qualtinger als verwandte Figur seines „Herrn Karl“) kleinkariert und intolerant über verschiedene Themen wie Urlaub, Weihnachten, Wahl, Ballsaison und Motorisierung räsoniert, die ihm von seinem Freund (Bronner) verlockend vor Augen geführt werden. In der DDR bildeten Eberhard Cohrs und sein langjähriger Partner Horst Feuerstein ein beliebtes Stand-up-Comedy-Duo. Cabaret Divertimento ist ein Schweizer Komikerduo, das eine vielfältige und teilweise auch experimentelle Mischung aus Sketches, Dialogen, Gesangseinlagen und Parodien pflegt. Die Tadbrothers sind ein deutsch-jüdisches Komikerpaar, bestehend aus den Brüdern Avi und David Toubiana, mit Programmen aus selbstironischem jüdischem Humor, wie „Theatercomedy“.Die Tadbrothers: deutsch-jüdisches Komikerpaar. auf: compass-infodienst.de Heinz Werner Kraehkamp und Michael Altmann bildeten seit den 1970er Jahren über 30 Jahre lang das kabarettistische Duo „Hartmann und Braun“, in dem Hartmann der feinfühlig-sarkastische Philosoph war und Braun ein Clown von abgründig-penetranter Borniertheit. Die beiden waren auch in F. K. Waechters Kindertheater-Klassiker Schule mit Clowns (Uraufführung 1975) und von 1983 bis 1986 mit Waechters „Kiebich und Dutz“ (Adolf-Grimme-Preis) ein erfolgreiches Komikerduo, in dem Kraehkamp (als ehemaliger Akrobatik-Clown) der beleibte aber agile Motor war, Altmann der zurückhaltende, skeptische Weißclown. Auch in Sean O’Caseys Slapstick-Hommage Das Ende vom Anfang (s. u. Theater) standen Kraehkamp und Altmann zwölf Jahre lang als Komikerduo auf der Bühne. Muckenstruntz & Bamschabl war ein österreichisches Komikerduo, bestehend aus Peter Traxler und Wolfgang Katzer, das sich 1975 bei der ORF-Jugendsendung „Spotlight“ kennenlernte und ab 1976 als „One and a half Man Show“ gemeinsam auftrat. Markant war ihre unterschiedliche Körpergröße von 1,56 bzw. 1,98 m („Der kleine Mucki und der lange Schabl“) und ihr Auftreten im schwarzen Frack. Das Duo war bis zum Tode Traxlers 2011 aktiv. Werner Schneyder und Dieter Hildebrandt gründeten 1974 ein Kabarett-Duo mit fünf Programme in acht Jahren. 1982 trennte sich das Paar, um sich 1984 für ein kabarettgeschichtlich bedeutsames Gastspiel in der DDR (Zugabe Leipzig) noch einmal zu formieren. Als Bühnenschauspieler traten die beiden in Neil Simons Sonny Boys (s. u.) als alterndes Show-Duo auf. Gegenüber Roger Willemsen, der die Rolle des naseweisen Intellektuellen gab, trat Hildebrandt später als „moralisch Empörter“ auf.